Kulmerland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Altpreußische Landschaften mit dem Kulmer Land im Weichselknie

Das Kulmerland (auch Kulmer Land, Culmerland oder Culmer Land, polnisch Ziemia chełmińska) ist eine historische Region, deren Hauptstadt Culm/Kulm (Chełmno) war. Es liegt im heutigen Polen. Das Kulmerland liegt östlich der Weichsel und wird begrenzt von den Flüssen Drewenz im Süden und Ossa im Norden.

Der Name Kulm stammt aus dem slawischen Wort chlm, das einen (bewaldeten) Hügel bezeichnet und als Kulm ins Deutsche entlehnt worden ist. Kulm lag zunächst am wenige Kilometer entfernten Lorenzberg (poln. Góra Św. Wawrzyńca).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kulmer Land zählt zu den Landschaften der zwölf prußischen Stämme. Mit der Expansion der Slawen sind die ersten slawischen Siedlungen im Gebiet des heutigen Kulmerlandes aufgrund archäologischer Funde ins 8. Jahrhundert datiert, doch noch im 13. Jahrhundert war es baltisch-slawisches Mischgebiet [1] .

Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts versuchten die Herrscher von Polen das grenznahe Kulmerland zu unterwerfen. Seit der „Taufe Polens“, war die Förderung der Christianisierung heidnischer Gebiete ein Mittel zur territorialen Expansion feudaler Herrschaften.

Die Stadt Kulm (damit auch das Kulmerland) wird 1065 in einer von König Bolesław II. ausgestellten Urkunde an das Kloster in Mogilno erstmals erwähnt.

Während der feudalen Zersplitterung Polens (1138–1320) waren südlich gelegene Grenzteile des Kulmerlands zeitweilig von Herrschern des Herzogtums Masowien erobert, konnte durch die Prußen jedoch immer wieder befreit werden.

Zu Verteidigungszwecken war es in Burgbereiche unterteilt, die sich während des 12. Jahrhunderts zu größeren administrativen Einheiten, den Kastellaneien, zusammengeschlossen hatten. Diese wurde im Namen des Herzogs von Wojwoden verwaltet. Die Kastellanei von Kulm beispielsweise verteidigte die nördlichen Ränder des Kulmerlandes gegen die Einfälle der Pomesanier, einem weiteren Stamm der Prußen, die damals noch Heiden waren und in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts eine ständige Bedrohung für das Kulmerland darstellten.

1215 nahm mit Christian von Preußen, einem Zisterzienser aus Łekno, der erste Bischof Preußens seinen Sitz in Kulm. Von hier aus wurden nun die Versuche der Christianisierung der Prußen forciert. Diese wehrten sich erbittert gegen die fortschreitende polnische Expansion und den ihnen aufgezwungenen fremden Glauben, sodass das Kulmerland ebenso wie Masowien zum umkämpften Grenzgebiet wurde. Beim prußischen Einfall von 1216 wurde nicht nur die Burg von Kulm zerstört, sondern auch Kirchen und Dörfer in Schutt und Asche gelegt sowie deren Bewohner verschleppt. In den folgenden Jahren unternommene Gegenstöße polnischer und deutscher Kreuzfahrer, die von Bischof Christian mitorganisiert worden waren, und an denen auch polnische Kleriker teilnahmen, brachten militärisch keinerlei Entscheidung. Da der damalige polnische Herzog, Konrad von Masowien, diesen Überfällen selbst nicht mehr Herr werden konnte, und die Prußen auch andere Regionen seines Machtbereiches bedrohten, rief er wohl auf Vorschlag Heinrichs des Bärtigen, dem Herzog von Schlesien, den Deutschen Ritterorden zu Hilfe. Der Orden erhielt im April 1228 das Kulmerland verliehen, das er von den ihm ebenfalls übertragenen Besitzungen in Kujawien aus planmäßig zu erobern begann. Damit ging auch die Unterwerfung und Christianisierung bzw. Vertreibung der Prußen einher. Im Laufe des Jahres 1232 hatten die Ordensritter schließlich den größten Teil des Kulmerlandes besetzt und konnten nun mit dem Wiederaufbau und der Wiederbesiedlung der von den Prußen zerstörten Siedlungen und Burgen beginnen. 1233 erhielten Kulm und Thorn mit der Kulmer Handfeste als erste Ansiedlungen im Kulmerland das Stadtrecht verliehen[2]. 1230 wurde durch den Deutschen Orden Nessau erobert, 1231 Thorn, 1232 Kulm, 1234 Rehden und 1234 Graudenz.

In einem Dokument vom 28. Juli 1243 wurde Preußen vom päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena in vier Bistümer aufgeteilt. Diese waren Kulmerland, Pomesanien, Ermland und Samland, welche dem Erzbistum Riga unterstellt wurden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass 2/3 der durch den Deutschen Ritterorden eroberten prußischen Gebiete dem Deutschen Ritterorden, 1/3 den Kulmer Bischöfen gehören sollte. Der Deutsche Orden eroberte 1308 das benachbarte Herzogtum Pomerellen mit Danzig westlich des Prußengebiets. Nach dem Dreizehnjährigen Krieg (1454-1466) zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Ritterorden kam das Kulmerland im 2. Thorner Frieden wieder zu Polen. Es wurde, erweitert um das Michelauer Land, eine der drei Wojewodschaften (und damit einer der vier Landesteile) von Königlich-Preußen. Dieses wurde 1569 durch die Union von Lublin Teil der I. Rzeczpospolita.

Im 18. Jahrhundert siedelten im Kulmerland zahlreiche protestantische Exulanten aus dem Salzburger und Berchtesgadener Land, aus Friesland und der Niederlande. Sie erhielten Ländereien nach dem sog. Holländerrecht, welches sie vom Frondienst und vom Zehnten befreite, ihnen Glaubensfreiheit und eine Reihe weiterer Privilegien einräumte. Sie prägten noch bis vor dem Zweiten Weltkrieg auch die hier gesprochene Mundart.

Nach der Ersten Teilung Polens 1772 wurde das Kulmerland in die Provinz Westpreußen des Königreichs Preußen eingegliedert. 1807 kam das Kulmerland an das Herzogtum Warschau. Nach der Reichsgründung war es ab 1871 Teil des Zweiten Reichs, dessen dominierender Bundesglied das Königreich Preußen war. Nachdem Polen seine staatliche Souveränität nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 zurückerlangt hatte, wurde das Kulmerland am 20. Januar 1920 durch den Friedensvertrag von Versailles wieder Teil des polnischen Staates.

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte das Kulmerland 1939 bis 1945 zum Dritten Reich im Reichsgau Danzig-Westpreußen. Damit verbunden war die Unterdrückung der polnischen Bevölkerung und deren teilweise Vertreibung in das Generalgouvernement. Im August 1945 kam das Kulmerland aufgrund des Potsdamer Abkommens de jure wieder zu Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Legende[Bearbeiten]

Der Sage nach war Chelmo der zwölfte Sohn des Königs Widowuto, der das Land zwischen Mokra, Istula (Weichsel) und Driwantza (Drewens) erhielt. Er baute sich eine Feste namens Chelmo, die später Althaus Culm hieß. Eine weitere Feste benannte er nach seinem Sohn Potto, die später Potterberg hieß.

Staatliche Zugehörigkeit (Übersicht)[Bearbeiten]

Das Kulmerland (Ulmigeria, Culmigeria) im Altpreußenland[3]wechselte in seiner Geschichte mehrfach die politische Zugehörigkeit. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brauns: Geschichte des Culmerlandes bis zum Thorner Frieden. Thorn: 1881.
  • Buga, Kazimieras.: Die Vorgeschichte der aistischen Stämme, Leipzig 1924.
  • Duwe, Albrecht: Damerau, Essen.
  • Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922.
  • Lęga: Das Kulmerland z. Z. des Übergangs von der Bronze- zur Eisenzeit, in: Rocznik Grudziądzki, 1960.
  • Maerker, Hans: Geschichte der ländlichen Orte und der drei kleinen Städte des Kreises Thorn, Danzig 1899/1900.
  • Schulz, Franz: Geschichte der Stadt und des Kreises Kulm, Danzig 1876.
  • Ziemia Chełmińska w przeszłości: wybór tekstów źródłowych, pod red. Mariana Biskupa. Toruń 1961 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kulmerland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Das auf der Kulmer Handfeste fußende Kulmer Recht galt später für den gesamten Deutschordensstaat
  3. Ulmigeria, Culmigeria in Alt- Preussenland Karte

53.41666666666718.833333333333Koordinaten: 53° 25′ N, 18° 50′ O