Kultur des Osmanischen Reichs

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Aufführung des Köcek, Illustration des Hubanname, 18. Jh.

Die Kultur des Osmanischen Reiches entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte weiter und nahm die Kulturen der eroberten Länder der Osmanen und ihrer Völker mit auf. Es gab vor allem einen starken Einfluss aus den Sitten der islamischen Gesellschaften. Aber auch die unterworfenen byzantinischen Griechen, Armenier, Juden und Assyrer prägten die Kultur des Osmanischen Reiches.

Literatur[Bearbeiten]

Der Diwan-Dichter Fûzulî (um 1495–1556)

Siehe auch: Türkische Literatur

Während der Staatsverwaltung in vielen Bereichen des Osmanischen Reiches eine wichtige Rolle zukam, hatte sie im literarischen Bereich wenig Einfluss. Es gab zwar einige Verfasser die mit ihre Schriften eine staatliche (offizielle) Stellung anstrebten, diese hatten aber einen geringen Anteil am gesamten Schriftgenmaterial. Nicht immer wurden Texte für gelehrte Fachkollegen oder den Sultan und seinen Hof geschrieben, sondern oft auch für einen selbst oder waren Freunde oder Verwandte bestimmt. Die sogenannten Derwischkonverte ermöglichten jungen Leuten mit Schriften in Kontakt zu kommen. Diese waren weitverbreitet und konnten in größeren Städten bis zu zwanzig mal auftreten. Nur wenige Dewische lebten dauerhaft im Konvent, so dass ein häufiger Wechsel von Personen stattfand. Allein der Vorsteher des Konvents war mit seinem Haushalt dauerhaft im Konvent wohnhaft. Derwischkonvente schlossen sich oft auch als Ordensgemeinschaft zusammen, um deren Organisation zu verbessern. Größere Konvente zeichneten vor allem ihre Bibliotheken aus, die als Vermittler klassischer literarischer Hochkultur dienten. Im 16. und 17. Jahrhundert, einem Zeitalter wo nur wenige Bücher gedruckt wurden, gab es noch keine Zensurbehörden in osmanischen Reich, weshalb Hinrichtungen und Bestrafungen Religionsgelehrter und Dichter wegen ihrer Werke eher selten vorkamen.[1]

Die Forschung geht davon aus, dass die heutigen überlieferten Heiligenviten aus dem Osmanischen Reich, vor allem von Derwischen verfasst wurden. Da von einigen Viten heute verschiedene Versionen vorhanden sind, ist davon ausgehen, dass die Abschreiber diese im Laufe der Jahre veränderten. Heiligenviten wurden vorwiegend verfasst um das Zeugnis über das Leben verehrten Heiligen oder eines Konventgründers stets zur Hand zur haben im Konvent. Viele der Heiligenviten liegen heute anonym vor oder es wurden keinerlei Informationen über den Verfasser überliefert.[1]

Osmanische Sprache[Bearbeiten]

Siehe auch: Osmanische Sprache Die Osmanische Sprache basierte auf dem Anatolischtürkischen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts nahm sie immer mehr auch arabische und persische Elemente mit auf.[2] Sie war eine Varietät des Westoghusischen und galt als Amts- und Literatursprache des Osmanischen Reichs.[3] Wie in fast allen Turksprachen gilt die palatale Vokalharmonie, die besagt, dass nach einem dunklen Vokal (a, ı, o, u) nur ein dunkler und nach einem hellen Vokal (e, i, ö, ü) nur ein heller Vokal folgen darf.[4]

Die Osmanische Sprache unterteilt sich in drei Varianten:

  • Fasih Türkçe - Sprache der Verwaltung und der Poesie
  • Orta Türkçe - Sprache des Handels und der Oberschicht
  • Kaba Türkçe - Sprache der unteren Schichten

Die Osmanen schrieben in arabischer Schrift. Von den Persern wurden die vier Buchstaben ﭖ pe, ﭺ çim (Tsche), ﮒ gef (Gāf) und ﮊ je (Že) zusätzlich noch übernommen. Vokale und Sonderzeichen wurden ebenfalls aus dem arabischen Alphabet übernommen. Bei der Schreibschrift wurden die Buchstaben übereinander geschrieben. Zahlen wurden in arabischen Ziffern ausgedrückt.

Kunst[Bearbeiten]

Osmanische Miniatur Maler

Alte osmanische (türkische) Designs zählen zu einen der ältesten bildlichen Künste der Welt und gehen auf eine über tausendjährige Tradition zurück aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Die ersten dieser schönen Künste wurden in Zentralasien, Turkestan, gefunden. Die ältesten Arbeiten die heute bekannt sind, sind die mänichäischen Fresken (Wandbilder).[5] Bis heute gibt es allerdings keine osmanische Kunstgeschichte, sowie keine einheitliche Definition der osmanischer Kunst.[6]

Miniatur[Bearbeiten]

Osmanische Miniatur war eine Buchkunst, die sich oft an die Persische Miniatur anlehnte, sowie starken Chinesischen Einflusses.[7] Die Zeichnungen zeigen das Alltagsleben der Osmanen, tatsächliche Ereignisse, Kampfszenen und Biographien. Als Layout wurden oft persische Vorlagen von Miniaturen verwendet, welche dann mit realistischen Situation nach gemalt wurden. Die ältesten Miniaturen stammen aus der Zeit Mehmed I., welcher ein großer Patron der Künste war.[5]

Textile Kunst[Bearbeiten]

Zur textilen Kunst des osmanischen Reiches zählt vor allem die Teppich- Weberei. Die Teppiche waren dabei mehr als nur ein Wohnungsgegenstand. Teppich wurden als Wandbehang genutzt um teilweise noch mittelalterlichen Steinhäuser wohnlicher zu machen. Zudem schmückten Teppiche Divane, deckten Abendmahltische in kalvanischen Kirchen, Altarstufen in katholischen Kirchen oder lagen in Moscheen aus. Die auf dem Boden ausliegenden Teppiche wurden versucht sauber zu halten, in dem das betreten mit Straßenschuhen vermeiden wurde. Zur osmanischen Teppichgattung zählen unter anderem die sogenannten Siebenbürger Teppiche, welche häufig aus Anatolien kamen. Ihren Namen erhielten die, weil kalvanische Kirchen Siebenbürgens häufig mit ihnen geschmückt waren. Sie zeigten oft Nischenmuster. Eine andere Gattung sind Wirketeppiche, welche zu jedem Grundbestand einer Wohnung gehörten und Motive von regionalem Folklore zeigten. In den meisten Fällen zeigten indische und persische Teppiche Tiere und Pflanzenornamente, wohingegen Anatolische Teppiche eher abstrakte Muster aufwiesen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil waren die Kissen in einem Haushalt, sie spiegelten den Wohlstand einer Familie wider. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Kissen vor allem aus groben Seidenstoffen hergestellt, vornehmere Familien besaßen Brokatkissen oder welche aus Seidensamt.[1]

Schmuck[Bearbeiten]

Bei denjenigen der osmanischen Frauen die sich Schmuck leisten konnten wurden Ohrhänger bevorzugt. Diese waren entweder aus Silber oder Gold. Bei bessergestellten Frauen waren diese oft mit Perlen oder Edelsteinen verziert. Armreife wurden ebenfalls häufig getragen. Sie waren aber anders als Ohrhänger ausschließlich aus Gold und wurden in Paaren verkauft. Halsketten und Ringe wurden von den osmanischen Frauen eher selten getragen. Gefundene und untersuchte Nachlässe von Schmuck lassen auch darauf schließen, dass Kopfschmuck eher selten getragen wurde. Dafür besaßen aber viele Gürtel die mit reichlich Silber und Gold geschmückt wurden. Die für den Schmuck benötigten Juwelen wurden oft aus Bahr importiert. Schmuck spielte im osmanischen Reich aber weit aus mehr eine Rolle als nur die Frauen zu schmücken, denn bei ihrer Hochzeit erhielt jede Braut stets eine Zahl an verschieden Schmuckstücken. Dieser galt als Absicherung für die neugegründete Familie und konnte im finanziellen Notfall verkauft werden.[1] Die meisten Juweliere und Goldschmiede waren christliche Armenier und Juden.[8]

Aufführungen und Darbietungen[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Musiker aus Aleppo (18. Jahrhundert)

Osmanische Musik, heute besser bekannt als Klassisch Türkische Musik, diente der künstlichen Identität für das Wachstum und der Stärkung des Osmanischen Staates. Themen der Musik waren unter anderem Religion, Liebe, Militär und Krieg. Geprägt wurde die Musik vor allem durch die vielen Musikkulturen der vielen Länder und Gebiete die im laufe der Jahre dem Osmanischen Reich beitraten. Die Musik erzählte die Geschichten von Türken, Byzantiner, Türkischer Griechen, Iraner, Araber, Juden und Armenier und hatte so eine Vielfältigkeit wie keine andere Musik. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundert, mit dem Zerfall des Imperiums, nahm die Tiefe der Aussagen der Texte ab und wurde zur reinen Unterhaltungsmusik der Menschen in den Städten. Osmanische Musik wurde oft in einem Fasil gespielt. Einem Konzert, dass sich aus mehreren verbalen und instrumentalen Musikstücken zusammensetzten, welche in einer bestimmten Reihenfolge angeordnete waren.[9]

Karagöz (Schattenspiel)[Bearbeiten]

Siehe auch: Karagöztheater

Karagöz ist ein Schattenspieltheater, welches mit leblosen Schauspielern und zweidimensionalen Figuren in einem Puppentheater hinter einer Leinwand gespielt wird. Neben Menschen, Tieren und Pflanzen wurden auch Fabelwesen für das Spiel eingesetzt. Die Figuren waren oft aus Leder, zwischen 7cm und 46cm und an einem 50cm langen Stock befestigt. Ein Assistent oder Lehrling unterstützte den Schattenspieler in dem er ihm Figuren reichte und zusätzliche Soundeffekte machte.[10]

Aufführung eines Meddahs in einem Kaffeehaus

Meddah[Bearbeiten]

Siehe auch: Meddah

Ein Meddah war ein Geschichtenerzähler, der seine Darbietung meist vor einem kleinen Publikum, oft in einem Kaffeehaus vorführte. Die meist als Dialog aufgebauten Erzählungen lebten vom Vortrag und der Ausdrucksfähigkeit des Erzählers. Meddahs spielten oft verschiedene Charakter und benutzten verschiedene Requisiten um diese besser darzustellen. Ihre Geschichten waren entweder Klassische Erzählungen wie Tausend und eine Nacht, beliebte Erzählungen des Osmanischen Reiches oder Geschichten aus dem Alltagsleben. Meddahs waren in der Regel reisende Künstler, deren Wege von einer größeren Stadt zur nächsten führte.[11]

Architektur[Bearbeiten]

Traditionelles Haus in Safranbolu

Bis ins 18. und frühe 19. Jahrhundert kam der Architektur in den osmanischen Künsten die führende Rolle zu. Denn viele Sultane, Prinzessinnen, Wesire und lokale Machthaber ließen unzählige Moscheen, Paläste, theologische Schulen, Derwischkonverte, Trinkwasserspender und Armenküchen erbauen. Dabei ließen die Erbauer bedeutende Summen für die Gebäude ausgeben. Die bedeuteten Monumente waren religiös gewidmete Gebäude. Viele Osmanen des 16. und 17. Jahrhunderts betrachteten die Baukunst ihrer Zeit als so besonders, dass sie ihnen eine Reihe von Gedichten, Sagen und Geschichten widmeten. Dies betrifft besonders viele Bauten in Istanbul.[1]

Osmanische Städte setzten sich aus zwei Arten von Gebäuden zusammen. Zu einem aus der monumentalen Architektur aus Steinbauten, die gelegentlich mit dekorativen Zusätzen aus Ziegeln versehen wurden. Diese Bauten waren oft mit Bleiplatten überkuppelt und es wurde ein großer Wert auf Regelmäßigkeit der Steinquader gelegt. Diesem Still stand eine informelle Bauweise gegenüber, bei der die vor Ort vorhandenen Materialien verwendet wurden. In Istanbul waren dieses zum Beispiel oft aus Holz, welches farbig angestrichen wurde von außen. In Gebieten wo kein guter Zugang zur Holz bestand wurden oft Fachwerkhäuser erbaut, dessen Gerüst zwar aus Holz bestand ansonsten aber aus Lehm. Komplikationen ergaben sich häufig bei der Beschaffung von Blei und Eisen, welches nicht nur für Kuppeln sondern auch für Fenstergitter und Klammern die die Steinblöcke zusammenhielten benutzt wurde.[1]

Osmanische Küche[Bearbeiten]

Bei Festen und Zeremonien des osmanischen Hofes standen große Gastmähler im Mittelpunkt. Das meiste heute vorhandene Material zur Esskultur im osmanischen Reich bezieht sich vor allem auf Speisen und Getränke mit denen Gäste bewirtet wurden.[1]

Speisen[Bearbeiten]

Ein wichtiger Faktor bei der Verteilung der Nahrungsmittel stellte das Sozialprestige dar, das die Menschen jener Zeit im osmanischen Reich mit bestimmten Nahrungsmitteln verbanden. Diese Kriterien bestimmten nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Zubereitung der Lebensmittel. Als eines der angesehensten Lebensmittel im 16. Jahrhundert galt Fleisch. Die Rolle des Fleisch war so wichtig, dass selbst die Verwaltung des Sultans vielen Amtsträgern den Anspruch auf Fleisch durch politische Maßnahmen sicherte. Da Fleisch knapp war, wurde es oft in kleinen Mengen in Soße zubereitet oder zu Gemüse angereicht. In Anatolien und Istanbul wurde vor allem Schafs- und Lammfleisch gegessen, in anderen Regionen allerdings auch Rindfleisch, Geflügel wurde nur sehr wenig konsumiert. Schweinefleisch wurde nicht nur aus religiösen Gründen nicht gegessen, sondern galt oft auch als ekelerregend. Wo größere Gruppen von Christen wohnten, wurde es aber dennoch konsumiert.[1]

Brot wurde vor allem in Anatolien aus Weizen hergestellt, Roggen wurde eher selten genutzt. Einige Bauern nutzten allerdings auch rote Hirse zum Brot backen. Weißes Brot wurde im osmanischen Reich am meisten geschätzt. In Häusern ohne Backofen wurde ein flaches Fladenbrot in Asche gebacken. Der Fladenbrotteig wurde auch für Taschen und Hörnchen genutzt, die mit Fleisch und Gemüse gefüllt waren. Zudem wurde auch süßes Brot gebacken. Neben dem Brot und Fleisch wurden auch Weizen- und Hirsebrei gegessen. In klimatisch günstigen Gebieten ergänzten Obst und Gemüse den Speiseplan der Menschen.[1]

Getränke[Bearbeiten]

Als wichtigstes Getränke galt Wasser, das in verschiedener Qualität konsumiert wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert ließen einige Stifter, die ihren Mitbürgern etwas Gutes tun wollten, einen kleinen Kiosk erbauen, bei dem Wasser kostenlos bezogen werden konnte. Neben Wasser wurde auch Tee getrunken, welcher oft aus China importiert wurde. Zudem wurde aus der Wurzel eines Orchideengewächs das Getränk Sahlep hergestellt. Aus Wasser in Kombination mit einigen Bindemitteln, unter anderem Reis, stellte man ein heißes Getränk mit suppenartiger Konsistenz her. Weitere Getränke waren Milch, Kaffee und Wein. Wobei Wein aber oft Verboten war, vor allem bei den Muslimen.[1]

Sport[Bearbeiten]

Zu Osmanischen Sportarten gehörten unter anderem :

Literatur[Bearbeiten]

  • Suraiya Faroqhi: Kultur und Alltag im Osmanischen reich. Vom Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39660-7.
  • Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46021-6.

Weblinks[Bearbeiten]

  • KalemGuzeli.net (Traditionelle Künste im Osmanischen Reich, vor allem auf Türkisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Suraiya Faroqhi: Kultur und Alltag im Osmanischen Reich. Vom Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. C.H. Beck. München 1995, ISBN 3-406-39660-7.
  2. Korkut Buğday: Osmanisch. Einführung in die Grundlagen der Literatursprache. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, S. XVII, ISBN 3-447-04154-4.
  3. Celia Kerslake: Ottoman Turkish. In: Lars Johanson, Éva Csató (Hrsg.): The Turkic languages. Routledge, London 1998, S. 179, ISBN 0-415-08200-5.
  4. Korkut Buğday: Osmanisch. Einführung in die Grundlagen der Literatursprache. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, S. 19, ISBN 3-447-04154-4.
  5. a b Oktay Aslanapa: Turkish Arts. Seljuk and Ottoman Carpets, Tiles and Miniature paintings. Doǧan Kardes Yayinlari. Istanbul 1964.
  6. Osmanisches Reich online
  7. Michael Barry: Figurative Art in Medival Islam. And the Riddle of Bihzad of Herat (1465-1535). Flammarion, Paris 2005, ISBN 2-08-030421-6.
  8. Fatma Muge Gocek: East encounters West. France and the Ottoman Empire in the Eighteenth Century. OUP, New York 1987, ISBN 0-19-504826-1.
  9. Ottoman Souvenir
  10. Pertev Naili Boratav: Ḳaragöz. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 4. Brill, Leiden 1978.
  11. Pertev Naili Boratav: Maddāḥ. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 5. Brill, Leiden 1986.