Kulturpsychologie

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Die Kulturpsychologie ist ein Gebiet der Psychologie, welches sich mit den kulturspezifischen Ursachen menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns befasst. Sie vertritt die Position, dass sowohl die Kultur als auch deren Entwicklung maßgeblichen Einfluss auf die Psyche des Menschen besitzt. So besagt sie, dass Kultur und Psyche untrennbar verbunden sind und die Kultur als ein für den Menschen maßgebliches Orientierungssystem erfasst werden muss. Sie ist von der interkulturellen bzw. vergleichenden Psychologie zu unterscheiden, obzwar diese selbst als Teil der Kulturpsychologie bezeichnet werden kann.

Ursprünge[Bearbeiten]

Wilhelm Dilthey um 1910

Die Kulturpsychologie wurde als neue Geisteswissenschaft von dem deutschen Philosophen, Pädagogen und Psychologen Wilhelm Dilthey (1833 – 1911) begründet. Sie sollte die menschliche Kulturgeschichte durch die Psychologie deuten. Allerdings übte die beschreibende Kulturpsychologie Diltheys keinen weiteren Einfluss sie aus, da diese aufgrund ihres Inhaltes zur Kulturanthropologie gezählt wird.

In ihrer jetzigen Form entstand die Kulturpsychologie erst wieder in den 1960ern und 1970ern, wurde aber erst in den 1980ern und 1990ern weitgehend bekannt. Eine der bedeutendsten Themen der neueren Zeit waren die kulturellen Unterschiede zwischen Ostasien und Nordamerika bezüglich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Kognition und sozialpsychologische Phänomene wie das Selbst.

Einige der klassischen Texte unterstützen die Kulturpsychologie einschließlich Shweder und Levine (1984), Triandis (1989), Bruner (1990) Shweder (1991), Markus und Kitayama (1991), Cole (1996), Nisbett & Cohen (1996), Shore (1996) sowie Nisbett (2003).

Methode[Bearbeiten]

Kulturpsychologen nutzen gewöhnlich entweder ethnographische oder experimentelle Methoden, oder eine Kombination aus beidem, um Daten verschiedenster Kulturen zu sammeln. Sie vertraut auf die methodologische Beweisführung, um so in tiefer gehenden Ebenen mentaler Prozessen agieren zu können. Diese Ergebnisse berücksichtigen schleichende kulturelle und historische Entwicklungen und ihren Einfluss auf die Psyche.

Hierbei ist es wichtig, wie soziale Praktiken einer besonderen Gruppe die Entwicklung kognitiver Prozesse derselben auf verschieden Wege formen. Der Kulturpsychologe konzentriert sich nicht ausschließlich auf die verschiedenen Einflüsse grundverschiedener Kulturen. Es ist auch möglich, in einer multi-ethnischen Gesellschaft wie zum Beispiel der USA komparative, also vergleichende Untersuchungen durchzuführen.

In diesem Fachbereich ist es üblich, komparative Analysen nicht allein auf Religion, Sprache oder Sitte zu begründen, sondern sämtliche Bereiche der menschlichen Praxis mit einzubeziehen. So setzt sie auch an alltäglichen Handlungsweisen und Problemen an, deren Einfluss in der Kultur selbst liegt. Jedoch konsumiert der Mensch nicht nur die Kultur, sondern er gestaltet sie selbst mit.

Die Kulturpsychologie setzt Vertrauen auf experimentelle und ethnographische Beweise über tiefer gehende Ebenen mentaler Prozesse, welche vergleichsweise sicherer sind und schleichende kulturelle und historische Einflüsse berücksichtigen kann. Richard Shweder, einer der stärksten Befürworter dieses Gebietes, schreibt: "Kulturpsychologie ist die Untersuchung der Art und Weise, wie kulturelle Traditionen und soziale Praktiken die menschliche Psyche regeln, ausdrücken und umwandeln, weniger in der psychischen Einheit der Menschheit als in ethnischen Unterschieden in Geist, sich selbst und Emotion"

Die Kulturpsychologie untersucht in ihrem fachspezifischen Bereich und informiert diverse Gebiete der Psychologie, wie die Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie und die Kognitionspsychologie.

Problematik[Bearbeiten]

Die psychologischen Theorien sind gemäß ihren Ideen in ihrer Anwendbarkeit begrenzt, denn wird eine solche Theorie in einer bestimmten Kultur begründet, so scheint sie im Anwendungsbereich einer anderen Kultur ihre Gültigkeit zu verlieren. Darüber hinaus scheinen sichere Voraussagen, wie sich die Psyche eines Menschen tatsächlich entwickelt nicht möglich, da jeder Mensch von einer eigenen persönlichen Umgebung und der damit verbundenen Erfahrung geprägt wird.

So gehen Anhänger der Kulturpsychologie davon aus, dass psychologisches Wissen nicht universell anwendbar ist. Daher steht die relativistische Sichtweise der Kulturpsychologie tendenziell in Konflikt mit der als universell beanspruchten Ansicht der meisten Fachbereiche der Psychologie, nach der jeder Mensch einem universellen psychologischen Grundmuster unterworfen ist.

Einige Gegner argumentieren, dass kulturpsychologische Untersuchungen auf kultureller Stereotypisierung und falscher Methodologie basieren. Befürworter halten dagegen, dass eine derartige Kritik häufig interkulturelle Vergleiche überbetont, die relativ instabil und letzten Endes irreführend sind, da sie auf selbst begründeten Ansichten und Prägungen basieren.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]