Kunduz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kunduz (Begriffsklärung) aufgeführt.
کندز
Kunduz
Kunduz (Afghanistan)
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Koordinaten 36° 44′ N, 68° 52′ O36.7368.86Koordinaten: 36° 44′ N, 68° 52′ O
Basisdaten
Staat Afghanistan

Provinz

Kundus
Höhe 397 m
Einwohner 124.567 (Berechnung 2012[1])
Politik
Bürgermeister Mohammad Farhad
Afghanische Wirtschaftsschule Kunduz
Landschaft bei Kunduz

Kunduz (auch: Kundus, Qhunduz; Paschtu/Dari: ‏کندز‎) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kunduz. Sie befindet sich im Nordosten von Afghanistan im so genannten Kunduztal nahe der tadschikischen Grenze, rund 250 km nördlich von Kabul. In der Stadt leben nach neuesten Berechnungen im Jahr 2012 knapp 125.000 Einwohner. Kunduz liegt auf einer Höhe von 397 m.

Die Region ist sehr fruchtbar und für Afghanistan ungewöhnlich grün. Das vom Kunduz-Fluss durchflossene Tal ist an drei Seiten unmittelbar und an einer Seite mittelbar von hohen Bergen umgeben, den Ausläufern des Hindukuschs. Kunduz verfügt über einen kleinen Flugplatz, den Flughafen Kunduz

Kunduz wird hauptsächlich von Tadschiken und Usbeken bewohnt, im Zuge der politischen 'Paschtunisierung' Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch Paschtunen angesiedelt. Die Stadt ist das Zentrum der vier nordöstlichen Provinzen Kunduz, Badakhshan, Baghlan und Takhar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt hieß einst Drapsaka und war ein wichtiger Ort, der unter anderem um 330 v. Chr. von Alexander dem Großen bei seinem Feldzug gegen Bessos, den selbst ernannten König der Baktrier, als Heerlager genutzt wurde. Unter dem Gouverneur Sher Khan Nasher (Nashir) wurde die Provinz Kunduz im 20. Jahrhundert zur reichsten Provinz Afghanistans. Hauptgrund war Nashers Gründung der Spinzar Cotton Company, die im Nachkriegs-Afghanistan noch immer existiert und ihre Produktion wieder aufgenommen hat. Der derzeitige Gouverneur, Hadji Gholam Sachi, stammt aus Baghlan[2] .

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Kunduz werden unter anderem Baumwolle, Reis, Weizen, Mais und Melonen angebaut. Letztere haben den Ruf, die besten des Landes zu sein, und werden häufig in abenteuerlich beladenen Lkw und Pkw in andere Provinzen einschließlich Kabul exportiert. Generell ist die Landwirtschaft auf eher „mittelalterlichem“ Niveau, Traktoren sieht man so gut wie nie. Die Äcker werden mit Ochsengespannen bearbeitet, manchmal sieht man auch Menschen den Pflug ziehen. Kunduz ist Standort des Afghan German Management College.

Klima[Bearbeiten]

In Kunduz herrscht ein Kontinentalklima, und es ist in der Regel ein paar Grad wärmer als in Kabul. Im Sommer können die Temperaturen zeitweise die 50 °C-Marke überschreiten. Zumeist liegt das Thermometer jedoch dann knapp über 40 °C, was wegen der trockenen Luft vergleichsweise erträglich ist. Im Winter kann es schneien.

OEF und ISAF[Bearbeiten]

Nach dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 begann zunächst der Militäreinsatz OEF, danach der Einsatz der Internationalen Sicherheits- und Unterstützungskräfte (ISAF) in Afghanistan. Nach Ausweitung des ISAF-Mandats auf die nördlichen Provinzen übernahm im Januar 2004 die Bundeswehr eine US-amerikanische Liegenschaft mitten in der Stadt, in der bis Ende Mai 2006 das Wiederaufbau-Team für die Provinz Kunduz (engl. Provincial Reconstruction Team (PRT)), unter Beteiligung verschiedener Nationen (Belgien, Niederlande, Ungarn, Rumänien, USA), stationiert war. Seit Juni 2006 war das PRT in der Nähe des Flughafens im deutschen Feldlager Kunduz untergebracht. Am 6. Oktober 2013 wurde das Feldlager und die Region Kunduz in eine regionale Sicherheitsverantwortung übergeben.

Siehe auch:

Hauptartikel: Luftangriff bei Kunduz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kunduz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deWorld Gezatteer Bevölkerungsdaten 2012
  2. http://centralasiaonline.com/en_GB/articles/caii/newsbriefs/2013/11/05/newsbrief-17