Kunst im Nationalsozialismus

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Kunst im Nationalsozialismus bezeichnet keinen einheitlichen Stil oder Richtung. Es ist ein Sammelbegriff für die in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland erfolgreiche und ausgestellte bildende Kunst, die unter dem Namen Deutsche Kunst propagiert wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

In der Parteizeitung Völkischer Beobachter schlug Alfred Rosenberg 1922 den Expressionismus als wegweisenden deutschen Stil vor. Dem widersprach heftig Edmund Steppes, der eine Rückwende zur altdeutschen Kunst einforderte, etwa in der Art der Donauschule eines Albrecht Altdorfer.

Nationalsozialistische Kunst-Konzeptionen[Bearbeiten]

In Mein Kampf hatte Adolf Hitler schon früh verkündet, dass es angesichts der „krankhaften Auswüchse irrsinniger und verkommener“ Künstler Aufgabe der nationalsozialistischen Führung sein müsse, zu „verhindern, dass ein Volk dem geistigen Wahnsinn in die Arme getrieben werde“.[1] Die „hässliche Kunst“ gehöre in „ärztliche Verwahrung“, in eine „geeignete Anstalt“, da sie eine Gefahr für den gesunden Sinn des Volkes darstelle (Hitler auf einer Kulturtagung der NSDAP, 1. September 1933).

„Kunst ist immer die Schöpfung eines bestimmten Blutes, und das formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschöpfen des gleichen Blutes verstanden“, ergänzte Alfred Rosenberg in seinem 1930 erschienenen Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Rosenberg beschrieb die Moderne nach 1918 darin wie folgt:

„Das Mestizentum erhob den Anspruch, seine bastardischen Ausgeburten, erzeugt von geistiger Syphilis und malerischem Infantilismus, als Seelenausdruck darzustellen. Eine gewisse Robustheit zeigte Lovis Corinth, doch verging dieser Schlächtermeister des Pinsels im leichenfarbigen Bastardtum des syrisch [gemeint ist: jüdisch] gewordenen Berlin […] Wir sehen Kulturbolschewismus mit dem Untermenschentum der Kollwitz, Zille, Barlach, der technischen Stümper Nolde, Schmidt-Rottluff, Chagall, im Nihilismus der Dix, Hofer und Grosz […] Juden, nichts als Juden.“

Am 23. März 1933 verkündete Hitler in seiner Regierungserklärung zum Ermächtigungsgesetz: „Blut und Rasse werden wieder zur Quelle der künstlerischen Intuition“.

Organisation der Steuerung der Kunst-Entwicklung[Bearbeiten]

Gleich nach der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 wird der gesamte Kulturbereich von den Nazis zentralisiert, mit einem allumfassenden Kontrollapparat überzogen. Dem am 13. März 1933 errichteten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Joseph Goebbels) kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Das neue Ministerium ist zuständig „für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation, der Werbung für den Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesem Zweck dienenden Einrichtungen“ (Verordnung Hitlers vom 30. Juni 1933). Mit Gesetz vom 22. September 1933 folgt die Bildung der nach dem Führerprinzip aufgebauten Reichskulturkammer. Sieben Einzelkammern erfassen sämtliche kulturellen Bereiche: Musik, Theater, Schrifttum, Presse, Rundfunk, Film - so auch die bildenden Künste (Reichskammer der bildenden Künste). Berufsausübung ist jetzt nur noch den Mitgliedern dieser Kammern gestattet, Voraussetzung für eine Aufnahme ist u.a. die deutsche Staatsangehörigkeit und „arische“ Abstammung. Jüdische, kommunistische und „unerwünschte“ Künstler, werden als „entartet“ aus ihren Ämtern gedrängt, erhalten Berufsverbot (u.a. Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Otto Dix, George Grosz, John Heartfield, usw.). Unzählige Kulturschaffende verlassen dieses Deutschland, gehen ins Exil, oder – sofern noch geduldet - resignieren in innerer Emigration.

Aktivitäten des Staates im Kunstbereich[Bearbeiten]

Gleich nach der sog. Machtergreifung im Januar 1933 setzt – mittels staatlicher Kreditschöpfung und öffentlicher Bauaufträge – eine umfangreiche Bautätigkeit ein. Es werden vor allem Staats- und Parteibauten, die überwiegend der Selbstdarstellung der NSDAP dienen (Repräsentationsarchitektur), mit teils gigantischen Ausmaßen, errichtet. Die öffentlichen Bauaufträge boten darüber hinaus die Möglichkeit, die hohe Arbeitslosigkeit zu mindern, die Konjunktur zu beleben. So wird etwa der Königsplatz in München, ab 1933 zum „Parteiforum“ umgestaltet, zahlreiche neue Gebäude errichtet: „Haus der Deutschen Kunst“, „Führerbau“, „Verwaltungsbau der NSDAP“, „Ehrentempel“ (für die Toten des Putschversuches vom November 1923) gehören zu den frühesten Architekturprojekten der Nazis. Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wird unter Albert Speers Leitung zum größten Bauplatz Deutschlands (30 km² Gesamtfläche / 16,5 km² bebaute Fläche) mit „Märzfeld“, „Zeppelinfeld“, „Deutsches Stadion“ und „Kongresshalle“. Es soll eine Anlage entstehen, „im gewaltigsten Ausmaß…ein Dokument stilbildender Art“ (Adolf Hitler). Ein „Wort aus Stein“ (Adolf Hitler). Die Bauwerke wurden in die Sphäre des architektonischen Kunstwerkes erhoben. „Niemals wurden in der deutschen Geschichte größere und edlere Bauwerke geplant, begonnen und ausgeführt als in unserer Zeit.“ (Adolf Hitler 1938) Bildhauerei, baugebundener Plastik kam dabei eine bedeutende Rolle zu. Die Plastiken von beispielsweise Arno Breker oder Josef Thorak sollen „mit der würdigen Architektur zusammen einen hoheitsvollen Eindruck ergeben.“ Das Gesetz über Kunst am Bau – es besteht in veränderter Form noch heute – schrieb einen Prozentsatz der Bausumme von öffentlichen Bauten für Kunst vor.

Programmatische Ausstellungen[Bearbeiten]

Das Haus der Deutschen Kunst wurde am 18. Juli 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet. Die Werke waren von einer Kommission von Kunstpolitikern ausgesucht worden, an ihrer Spitze der Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste Adolf Ziegler. Auch Hitler war an der Auswahl beteiligt. Diese Ausstellung war als Verkaufsausstellung gedacht. Damit sollten die Künstler der Deutschen Kunst gefördert werden. Die Ausstellung wurde bis 1944 jedes Jahr wiederholt. Hitler hielt bei der Eröffnungsausstellung am 18. Juli 1937 eine programmatische Rede, in der er unter anderem ausführte:

„Bis zum Machtantritt des Nationalsozialismus hat es in Deutschland eine sogenannte moderne Kunst gegeben, d.h. also, wie es schon im Wesen des Wortes liegt, fast jedes Jahr eine andere. Das nationalsozialistische Deutschland will wieder eine deutsche Kunst, und diese soll und wird wie alle schöpferischen Werte eines Volkes eine ewige sein.“

Hitler[2]

Zusätzlich wurde in München bis 1939 auch der jährliche Tag der Deutschen Kunst abgehalten.

Parallel dazu fand ebenfalls in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ statt, die am 19. Juli 1937 in München eröffnet wurde. Hier grenzte sich die NSDAP-Kunstauffassung auf polemische Art und Weise von der als Entartete Kunst bezeichneten Kunst ab, vor allem vom Expressionismus der Zwanziger Jahre.

Die Große Deutsche Kunstausstellung fand im Haus der Deutschen Kunst in München insgesamt achtmal statt. Eine Liste der ausgestellten Künstler ist in dem Lemma Große Deutsche Kunstausstellung zu sehen.

Nach 1945 fand in der Kunstgeschichte und den Medien kaum eine inhaltliche Auseinandersetzung darüber statt, was "nationalsozialistische Kunst" sei. Zahlreiche Werke wurden nicht mehr gezeigt und auch nicht abgebildet. Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte macht sie ab Oktober 2011 online zugänglich, um eine gesellschaftliche und kunstgeschichtliche Debatte zu ermöglichen.[3]

Programmatische Zeitschrift[Bearbeiten]

Von Januar 1937 wurde von Alfred Rosenberg die monatliche Zeitschrift Die Kunst im Dritten Reich herausgegeben. Sie änderte ihren Titel im August 1939 in Die Kunst im Deutschen Reich. Der Hauptschriftleiter war der Kunstjournalist Robert Scholz. Die Zeitschrift hatte ein sehr großes Format und enthielt sehr viele Abbildungen. Zu der jährlichen großen Kunstausstellung erschien jeweils eine Doppelnummer.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Adam, Kunst im Dritten Reich. Hamburg 1992, ISBN 3-8077-0259-8.
  • Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus, München 2007, ISBN 978-3-86520-242-0
  • Hildegard Brenner: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus (Rowohlts deutsche Enzyklopädie; 167/168) Rowohlt, Reinbek 1963
  • Erika Eschebach (Red.): Deutsche Kunst 1933-1945 in Braunschweig : Kunst im Nationalsozialismus. Vorträge zur Ausstellung (1998–2000). Reihe: Braunschweiger Werkstücke, 105. Braunschweig: Stadt Braunschweig, 2001, ISBN 3-927288-32-2
  • Frankfurter Kunstverein & Arbeitsgruppe des Kunstgeschichtl. Instituts der Universität Frankfurt (Hrsg.): Kunst im Dritten Reich. Dokumente der Unterwerfung. Verlag 2001, 4. Aufl. 1980 (Dem Buch liegt ein Ausstellungskatalog zugrunde, der 1974 zur Ausstellung "Kunst im Dritten Reich - Dokumente der Unterwerfung" im Frankfurter Kunstverein herausgegeben wurde)
  • Elke Frietsch: Kulturproblem Frau. Weiblichkeitsbilder in der Kunst des Nationalsozialismus. Köln u.a.: Böhlau 2006, ISBN 3-412-35505-4
  • Hermann Hinkel, Zur Funktion des Bildes im deutschen Faschismus, Anabas, Steinbach 1975, ISBN 3-87038-033-0
  • Berthold Hinz: Die Malerei im deutschen Faschismus - Kunst und Konterrevolution, Hanser, München 1974, ISBN 3-446-11938-8
  • Reinhard Müller-Mehlis, Die Kunst im Dritten Reich, Heyne, München 1976 ISBN 3-453-41173-0
  • Werner Rittich: Architektur und Bauplastik der Gegenwart. Berlin: Rembrandt-Verlag, 1.-3. Aufl. 1938
  • Hans Sarkowicz (Hrsg.): Hitlers Künstler: die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus (nach einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks). Frankfurt am Main u. Leipzig: Insel-Verlag 2004, ISBN 3-458-17203-3.[4]
  • Birgit Schwarz: Hitlers Museum. Die Fotoalben Gemäldegalerie Linz. Dokumente zum „Führermuseum“. Wien 2004, ISBN 3-205-77054-4
  • Städtisches Museum Braunschweig und Hochschule für Bildende Künste (Hrsg.): Deutsche Kunst 1933-1945 in Braunschweig. Kunst im Nationalsozialismus. Katalog der Ausstellung vom 16. April – 2. Juli 2000. Hildesheim u.a.: Olms 2000, ISBN 3-487-10914-X
  • Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden, Band I: Maler und Graphiker. Berlin 2010, ISBN 978-3-937294-01-8
  • ders. : Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden, Band II: Bildhauer. Berlin 2011, ISBN 978-3-937294-02-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mein Kampf, S. 283.
  2. Zitiert in Stefan Koldehoff: Die Bilder sind unter uns: Das Geschäft mit der NS-Raubkunst. Frankfurt 2009, ISBN 978-3-8218-5844-9, S. 57.
  3. Julia Voss: Ein Tabu wird gebrochen., faz.net vom 17. Oktober 2011, abgerufen am 19. Oktober 2011
  4. Vgl. Rezension auf naxos.bsz-bw.de.