Kunstpavillon Eisenach

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KUNSTPavillon Wartburgallee 47

Der Kunstpavillon (Eigenschreibweise KUNSTPavillon) ist eine 1967 erbaute Ausstellungshalle in Eisenach in Thüringen. Ursprünglich als Fahrzeugmuseum des Automobilwerkes Eisenach errichtet, wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute für Kunstausstellungen und Konzerte genutzt.[1][2]

Lage[Bearbeiten]

Der KUNSTPavillon befindet sich auf dem Grundstück Wartburgallee 47 im Südviertel von Eisenach, gegenüber dem Kartausgarten mit Wandelhalle. Östlich überragt die den Berghang dominierende, jetzt leerstehende Ruine des einstigen Eisenacher Kurhotels „Fürstenhof“, in der DDR-Zeit in „Hotel Stadt Eisenach“ umbenannt und zuletzt als Möbelhaus genutzt, den von einer Grünanlage und modernen Skulpturen eingefassten Baukörper.

Geschichte[Bearbeiten]

Innenansicht, 1989 mit Automobilausstellung

Am Standort des KUNSTPavillons befand sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Bau der Wartburgallee die beliebte Traditionsgaststätte und Gesellschaftshaus „Zur Erholung“. Nach dem Abbruch der Gaststätte und ihrer Nebengebäude im Jahr 1938 wurde der verbliebene Platz parzelliert und als öffentliche Grünanlage genutzt.

Nachdem auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1967 ein restaurierter Wartburg-Motorwagen der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte, wuchs in Eisenach der Wunsch nach einer Dauerausstellung von Erzeugnissen der damals fast 70-jährigen Automobilbautradition des Automobilwerkes Eisenach. Zusätzlich sollten repräsentative Räumlichkeiten auch für Beratungen sowie für Verhandlungen mit ausländischen Generalvertretern geschaffen werden. Die 1967 in der Stadt stattfindenden Feierlichkeiten zu den Jubiläen 900 Jahre Wartburg, 450 Jahre Reformation und 150 Jahre Burschenschaftstreffen ermöglichten es, eine Messehalle zu bestellen und in der Wartburgallee zu errichten. Am 27. Oktober 1967 wurde die Ausstellungshalle als „Wartburgpavillon“ feierlich eröffnet und bot fortan eine Dauerausstellung von Automobilen aus Eisenacher Produktion. Neben dem Wartburg-Motorwagen wurden Fahrzeuge der Marken Dixi, BMW, EMW und Wartburg gezeigt, aber auch die „Traditionsreiche Eisenacher Arbeiterbewegung“ gewürdigt. 1977 wurde die einmillionste Besucherin begrüßt und bis 1994 besuchten drei Millionen Gäste den Pavillon.

Eine Investorengruppe aus Baden-Württemberg plante Anfang der 1990er Jahre den Pavillon abzureißen und durch ein Parkhaus für das in der Nähe gelegene Hotel "Fürstenhof" zu ersetzen. Die Automobilausstellung musste im Frühjahr 1994 aus dem Gebäude ausziehen da sowohl deren Trägerschaft als auch Zukunft und Konzept unklar waren. Aus der Fahrzeugausstellung ging ab 2005 die automobile welt eisenach hervor; die Ausstellungshalle in der Wartburgallee stand von 1994 an zunächst leer, wurde nur sporadisch genutzt und verfiel zunehmend.

Bei der Vorbereitung der Denkmalausweisungen für die Eisenacher Südstadt wurde der Pavillon zunächst aus der Liste gestrichen, da es zu diesem Zeitpunkt noch kontroverse Ansichten über den Erhalt von DDR-Architektur im Stadtbild gab. Der Pavillon, wie auch das nur 100 Meter entfernte Denkmal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Gedenkstätte Eisenacher Parteitag 1869 wurden zunächst als Fremdkörper im Areal der einstigen Kurhausanlage um die Wandelhalle betrachtet, ihr Rückbau oder eine Translozierung wurden empfohlen.

Auf eine private Initiative des Bildhauers Peter Schäfer hin erfolgte ab 2007 eine bauliche Sicherung des Gebäudes und es begann unter dem Projektnamen KUNSTPavillon – Zentrum für Gegenwartskunst eine regelmäßige Nutzung der Halle für Kunstausstellungen, Tagungen und Konzerte.[3] Die Ausweisung als Baudenkmal wurde erneut beantragt und beraten. Im Februar 2013 erhielt das Gebäude vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie den Status als Kulturdenkmal nach dem Thüringer Denkmalschutzgesetz. 2013 begann eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes, vor allem nach brandschutztechnischen Erfordernissen.[2]

Denkmalschutzfachliche Bedeutung[Bearbeiten]

Das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie begründet die Unterschutzstellung der Ausstellungshalle damit, dass es sich bei dem Bauwerk um ein in der Architektur der DDR seltenes Beispiel mit Bezügen zu Bauten von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe handele. Weite Teile des Bauwerkes befinden sich noch in ihrem Originalzustand, so alle wesentlichen Bauteile mit den großen Fensterflächen als auch die Inneneinrichtung mit den originalen Steinmosaikflächen, Paneelen und Bodenplatten bis hin zur aus Zeiten der Fahrzeugausstellung erhalten gebliebenen Drehbühne und dem Mobiliar.[2]

Aktuelle Nutzung[Bearbeiten]

Neben einer Dauerausstellung von Stahlskulpturen unter dem Namen metallumvivum[4] finden regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen und -auktionen, Kabarettveranstaltungen sowie Blues- und Jazz-Konzerte regionaler und internationaler Künstler statt, so unter anderem von Dieter Gasde[5] und Alexander Blume. Das Eisenacher Theater am Markt nutzt den Pavillon als Gastspielfläche.[2] Wesentlich unterstützt wird das Projekt durch den gemeinnützigen Verein "Zentrum für Gegenwartskunst e.V.".

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: KUNSTpavillon Eisenach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eisenacher Autopavillon wird Kulturdenkmal, aufgerufen am 11. Februar 2013
  2. a b c d Heiko Kleinschmidt: Eisenacher Kulturpavillon steht wieder unter Denkmalschutz; Thüringer Allgemeine vom 11. Februar 2013, Seite 1
  3. Fünf Jahre Kunstpavillon Eisenach
  4. http://www.kunstpavillon.info/
  5. http://eisenach.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/kultur/detail/-/specific/Mitreissendes-Silvesterkonzert-im-Kunstpavillon-in-Eisenach-1385230253

50.969910.3248Koordinaten: 50° 58′ 12″ N, 10° 19′ 29″ O