Kunstsammlungen Chemnitz

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König-Albert-Museum, Sitz der Städtischen Kunstsammlungen

Die Kunstsammlungen Chemnitz mit ihren etwa 65.000 Exponaten befinden sich im 1909 eröffneten König-Albert-Museum am Theaterplatz, welches von Richard Möbius entworfen wurde.

Die Kunstsammlungen Chemnitz wurden in das im Jahre 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen; ihnen obliegt zudem die Verwaltung des 2007 eröffneten Museum Gunzenhauser, des Henry van de Velde-Museums in der Villa Esche und des Schloßbergmuseums. 2010 wurde dem Museum von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA der Titel Museum des Jahres 2010 verliehen, insbesondere für die Aufbauleistung seit 1990.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

König-Albert-Museum

Bereits am 1. Dezember 1859 gab es erste Überlegungen zur Gründung eines Vereins, der mit Ausstellungen, Vorträgen und Kunstverlosungen der Förderung speziell der bildenden Künste dienen sollte und der daraufhin am 24. Januar 1860 ins Leben gerufen und auf den Namen Kunsthütte eingetragen worden war. Während der Jahrhundertwende nahm die Arbeit der Kunsthütte neuen Schwung auf. Leihweise kamen 1902 von der Direktion der Königlichen Gemäldegalerie in Dresden 21 Gemälde älterer Meister nach Chemnitz, zusätzlich wurden 1904 durch die Aussicht auf repräsentative Ausstellungsmöglichkeiten nach Fertigstellung des Museums weitere sechs Gemälde moderner Meister als Leihgaben der Kunsthütte überlassen. Zu diesem Zeitpunkt war eine deutliche Belebung des geistigen Klimas zu spüren, der die öffentliche Hand mit dem Entschluss entsprach, sowohl ein Theater als auch ein Museum zu errichten. Nach Fertigstellung des Museums 1908 konnten ausgewählte Vereine der Stadt einziehen, darunter die Kunsthütte sowie der Industrie- und Kunstgewerbe-Verein. Sie fanden in den weiträumigen, hellen Oberlichtsälen hervorragende Bedingungen für die Präsentation ihrer Sammlungen vor. Im Beisein des sächsischen Königs Friedrich August III. wurden am 1. September 1909 das Theater wie das König-Albert-Museum feierlich eröffnet.

Die Jahre des Ersten Weltkriegs und der Revolution brachten zahlreiche Schwierigkeiten mit sich. Mehrfach mussten die Vereine im Museum ihre Ausstellungen geschlossen halten. Durch Neuerwerbungen des Symbolismus und des deutschen Impressionismus konnten Werke namhafter Künstler wie Oskar Zwintscher, Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler, Max Klinger oder Max Liebermann der Sammlung eingegliedert werden. Der Gemäldebestand war damit 1919 auf 115 Werke angewachsen. Die Regelung der Kunst- und Besitzverhältnisse war damit so dringlich geworden, dass sich die Chemnitzer Verwaltung 1920 endlich entschloss, im Museum, das im demokratischen Verständnis der jungen Weimarer Republik nun den Namen Städtisches Museum trug, eine kommunale Kunstsammlung zu gründen. Vordringlich dem Kunstschaffen der Gegenwart verpflichtet, avancierte das Chemnitzer Museum unter seiner klaren und weitsichtigen Tätigkeit innerhalb nur eines Jahrzehnts zu einer der renommiertesten Sammlungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland.

Höhepunkte im Ausstellungsgeschehen der Kunsthütte waren die XV. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes 1920, Deutsche Malerei der Gegenwart 1925, zum Jahreswechsel 1925/26 die Ausstellung Neue Sachlichkeit (als dritte Station nach Mannheim und Dresden) sowie Personalausstellungen von Lovis Corinth, Emil Nolde, Robert Sterl, Karl Schmidt-Rottluff, Karl Hofer, Max Pechstein, Otto Mueller, Alexej von Jawlensky, Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Paul Klee, Lyonel Feininger, eine Ausstellung der Neuen Sezession München, der Vereinigung Das Junge Rheinland und der Künstlergruppe Chemnitz. Die Aufzählung zeugt von Bemühungen um die Vermittlung der Positionen vor allem eines gegenständlichen Expressionismus.

Gemälde der Kunstsammlungen um 1930

Nachdem der 1933 entlassene Friedrich Schreiber-Weigand am 15. Juni 1945 wieder in das Amt des Direktors der Städtischen Kunstsammlungen berufen worden war, unterstanden seiner Leitung vorübergehend auch die Textil- und Kunstgewerbesammlung sowie die Sammlung für Stadtgeschichte im Schloßbergmuseum, wo im September 1946, da das Museum am Theaterplatz noch nicht wieder betriebsfähig war, die erste Personalausstellung zu Karl Schmidt-Rottluff nach dem Krieg überhaupt stattfand. Da mit Auflösung der Vereine 1945 sowohl die Kunsthütte als auch der Verein Textil- und Kunstgewerbesammlung ihres Eigentums enthoben worden waren, kamen beide Bestände in städtischen Besitz. Im Bemühen, an die Arbeit der zwanziger Jahre anzuknüpfen, stand Friedrich Schreiber-Weigand dem Hause bis zu seinem Lebensende 1953 vor.

In den sechziger und siebziger Jahren gelang es den damaligen Kunstsammlungsleiter Karl Brix, wieder persönliche Kontakte zu Karl Schmidt-Rottluff herzustellen, so dass bis in die achtziger Jahre hinein zahlreiche Ankäufe von dessen Werken erfolgen konnten. 1984 schließlich, nachdem bereits vorübergehend schon einmal die Textil- und Kunstgewerbesammlung und die Städtische Kunstsammlung gemeinsam unter der Direktion geführt worden waren, erfolgte die Zusammenlegung erneut: der Eigenname Städtische Kunstsammlungen steht seither im Plural und umfasst nunmehr als drei Abteilungen die Sammlung Malerei und Plastik, das Graphik-Kabinett und die Textil- und Kunstgewerbesammlung.

Seit 1992 unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Gegebenheiten saniert, entspricht das Museum den heutigen Anforderungen einer zeitgemäßen Kunstpräsentation. 2010 erfolgte dann die Eröffnung als reines Kunstmuseum. Neben Ausschnitten aus dem eigenen Fundus zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz in Wechselausstellungen Positionen der klassischen Moderne und Gegenwartskunst, und zwar sowohl sächsischer wie internationaler Provenienz. Parallel dazu wird kontinuierlich der Bestand wissenschaftlich bearbeitet; Einzelkataloge dazu liegen bereits vor, andere sind in Vorbereitung. Konservatorisch betreuen drei Fachrestauratoren (Gemälderestaurierung, Textilrestaurierung, Papierrestaurierung) ständig das Sammlungsgut. Museumspädagogische Programme vermitteln Kunstbegegnungen nicht nur intellektuell, sondern auch erlebnisorientiert einem spielerischen und ganzheitlichen Ansatz folgend. Vorträge, Konzerte und interdisziplinäre Projekte erweitern zusätzlich das Angebot des Hauses. Eine umfangreiche Bibliothek mit circa 80.000 Bänden sowie ein Schriftenarchiv stehen der Öffentlichkeit zu Forschungszwecken zur Verfügung.

Exponate[Bearbeiten]

Die Kunstsammlungen Chemnitz umfassen eine Gemäldesammlung des 19. und 20. Jahrhunderts, u. a. mit Werken von Caspar David Friedrich, Johan Christian Dahl, Max Liebermann, Georg Baselitz und Carsten und Olaf Nicolai. Ferner beinhalten die Kunstsammlungen Chemnitz mit etwa 300 Werken die zweitgrößte Sammlung von Werken des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff.

Die Skulpturensammlung umfasst Werke unter anderen von Edgar Degas, Aristide Maillol, Constantin Meunier, Wilhelm Lehmbruck, Georg Kolbe, Richard Scheibe, Gustav Seitz und Anthony Cragg.

Das Graphik-Kabinett besitzt 25.000 Arbeiten auf Papier von Albrecht Dürer bis A. R. Penck, Markus Lüpertz, Jörg Immendorff und Richard Serra.

Kunst aus der DDR befindet sich auch im Museumsbesitz, wurde jedoch im Jahre 2010 trotz der großzügigen Schenkung von Ursula Mattheuer-Neustädt, der Witwe Wolfgang Mattheuers und der Schenkung von Hartmut Koch noch nicht ausreichend präsentiert.

Die Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv und die Textil- und Kunstgewerbesammlung, u. a. mit Koptischen Stoffen und umfangreichen Beständen von Textilien des 19. und 20. Jahrhunderts, einschließlich einer der größten Strumpfsammlungen um 1900 und mit Plakaten und Tapeten aus dieser Zeit sind Teil der Bestände des Museums.

Museen[Bearbeiten]

Die Kunstsammlungen Chemnitz bestehen aus vier Museen: Museum am Theaterplatz, Museum Gunzenhauser, Schloßbergmuseum und dem Henry van de Velde Museum.

Im Jahr 2001, nach der Renovierung der von Henry van de Velde errichteten Villa Esche eröffneten die Kunstsammlungen Chemnitz das Henry van de Velde-Museum in der Villa Esche mit zahlreichen Objekten und Möbeln des berühmten belgischen Künstlers. 2004 kam das Schloßbergmuseum hinzu. Es befindet sich in einer spätgotischen Klosteranlage und enthält Objekte zur Stadtgeschichte von Chemnitz. Nach umfassenden Baumaßnahmen wird seit dem Jahr 2009 der gesamte öffentliche Besitz an spätgotischen Skulpturen aus Sachsen in dem adäquaten historischen Rahmen präsentiert. 2007 eröffnete als viertes Museum der Kunstsammlungen Chemnitz das Museum Gunzenhauser, dessen Sammlung aus bedeutenden Werken der klassischen Moderne und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besteht.

Leitung[Bearbeiten]

Seit 1996 leitet Ingrid Mössinger die Kunstsammlungen Chemnitz.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Vom Glück ein Künstler zu sein. Fortunate to be an artist. Peter Iden Interviews. (Interviewband mit Helmut Schmidt, Nina Sten-Knudsen, Anselm Kiefer, Wolfgang Mattheuer, Markus Prachensky, Richard Serra, Markus Lüpertz, Dennis Hopper, Gotthard Graubner, Georg Baselitz, Georg Karl Pfahler, Lothar Quinte, Anthony Cragg, Norbert Tadeusz, Raimund Girke und Ingrid Mössinger; alle Interviews sind erstmals in einer zweisprachigen Publikation (deutsch / englisch).)
  • Künstlerplakate aus der DDR 1967–1990.
  • Honoré Daumier. Ein Spötter ist's und scharf sein Scherz. herausgegeben von Ingrid Mössinger und Karin Sagner, mit Textbeiträgen u.a. von Karin Sagner, Charles Baudelaire, Gabriele Juppe. Kerber Verlag.
  • Hans Günter Flieg. Dokumentarfotografie aus Brasilien. Documentary Photography from Brazil (1940-1970). Herausgegeben von Ingrid Mössinger und Katharina Metz, mit Textbeiträgen von Michael Nungesser, Helfried Strauß, Martina Merklinger, Gabriele Stiller-Kern, Sergio Burgi, Kerber Verlag.
  • Bob Dylan „The Drawn Blank Series“. Herausgegeben von Ingrid Mössinger und Kerstin Drechsel, Prestel, München 2007.
  • Die Freunde der Kunstsammlungen Chemnitz. Mit Texten von Tilo Richter und Kerstin Seliger sowie einem Vorwort von Robert Rademacher. Chemnitz 2009, ISBN 978-3-00-029720-5.
  • Die Peredwischniki. Maler des russischen Realismus. Stadt Chemnitz Kunstsammlungen, Chemnitz 2012, ISBN 978-3-930116-13-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung der AICA, Deutsche Sektion vom 7. Oktober 2010. Abgerufen am 31. Dezember 2010

50.83770555555612.924619444444Koordinaten: 50° 50′ 16″ N, 12° 55′ 29″ O