Kurfürstliches Schloss Bonn

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Kurfürstliches Schloss
Residenzschloss vom Alten Zoll aus (1792)

Das Kurfürstliche Schloss in Bonn war die Residenz der Kölner Kurfürsten.

Das Schloss besteht aus zwei Längstrakten, die durch Türme abgeschlossen werden und mehrere Innenhöfe umschließen. Der Quertrakt im Westen blickt über die Poppelsdorfer Allee zum Poppelsdorfer Schloss. Der zentrale Innenhof ist von Arkaden umgeben und ist Durchgang von der Stadt im Nordwesten zum Hofgarten im Südosten. Der nordöstliche Quertrakt enthält die Schlosskirche und trennt den Innenhof vom Ehrenhof, der von zwei der insgesamt vier Türme flankiert wird. Zwischen Ostturm und Rhein erstreckt sich der Galerieflügel, in den das Koblenzer Tor eingefügt ist.

Untrennbar mit dem Gebäude verbunden ist der Bonner Hofgarten, ein weitläufiger Park, der sich südlich des Schlosses befindet. Heute beherbergt das Gebäude die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität. Es ist gemeinsam mit dem Hofgarten ein geschütztes Baudenkmal.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Regina Pacis über dem Südeingang

Der Vorgängerbau des derzeitigen Schlosses wurde im Auftrag von Kurfürst Salentin von Isenburg 1567–1577 erbaut. Dieses Schloss, das im Süden durch die Stadtmauer begrenzt war, wurde bei der Kanonade Bonns durch die Truppen des Kurfürsten Joseph Clemens 1689 zerstört, als dieser die Stadt zurückeroberte.

1697–1705 ließ er das Schloss nach Plänen des Münchner Hofarchitekten Enrico Zuccalli als kastellartige Vierflügelanlage mit vier Ecktürmen wiederaufbauen, Bauleiter Antonio Riva. Der Bau gruppiert sich um einen rechteckigen Arkadenhof und öffnet sich in nordöstlicher Richtung zu einem Ehrenhof, in dem sich zu kurfürstlicher Zeit die Haupteinfahrt des Schlosses befand. Um 1700 wurde die Doppelkirche dem Westflügel hinzugefügt. An ihrer Stelle befindet sich heute die Aula der Universität.

In den Jahren 1715–1723 öffnete Robert de Cotte (1656–1735) diesen strengen Bau nach Süden hin und legte den Hofgarten an. 1744 erhielt die Südseite die Madonnenstatue 'Regina Pacis', der Schutzpatronin der Universität. Die vergoldete Plastik von Wilhelm Rottermondt ist über dem Südeingang angebracht.

Am 15. Januar 1777 brannte das Schloss aus. Das Feuer brach frühmorgens im Westflügel aus, verbreitete sich im Dachgestühl und brachte die Pulverkammer zur Explosion. Den ganzen Tag über liefen Rettungsmaßnahmen, auch die Stadt lief Gefahr, in Brand zu geraten. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben.[2] Nach dem Brand wurde der Wiederaufbau nicht sofort in Angriff genommen. Lediglich der Hofgartenflügel wurde in vereinfachter Form wiederhergestellt. Die ebenfalls zerstörte Schlosskirche wurde durch eine kleinere Doppelkirche im Ostflügel ersetzt, wo sie sich bis heute befindet. Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen endete 1794 die Nutzung des Schlosses als kurfürstliche Residenz.

1818 schenkte der preußische König das Gebäude der neu gegründeten Friedrich-Wilhelms-Universität, die es bis heute als Hauptgebäude nutzt. In der zweiten Hälfte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden, orientiert an den Plänen Zuccallis und de Cottes, die beim Schlossbrand zerstörten Flügel wiederhergestellt und der vierte Eckturm erstmals errichtet. Im Oktober 1944 wurde der Bau durch einen Bombenangriff erneut zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1951 erneut wiederaufgebaut.

Seit ihrer Gründung 1818 hat die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität ihren Sitz im Schloss.

Das Koblenzer Tor [Bearbeiten]

Erzengel Michael auf dem Koblenzer Tor (2007)
Südansicht des Koblenzer Tors

Eingefügt in den barocken Ostflügel (sog. „Galerieflügel“) befindet sich das Koblenzer Tor. Es handelt sich dabei um einen barocken, zweigeschossigen Torbau, der die Bundesstraße 9 nach Koblenz überspannt.

Das Koblenzer Tor wurde 1751–1755 im Auftrag von Kurfürst Clemens August durch den Bonner Baumeister Michael Leveilly nach Plänen von François de Cuvilliés dem Älteren in das Kurfürstliche Schloss eingefügt. Kurfürst Clemens August war es auch, der als Bauherr zahlreicher weiterer Barockbauten in der Region in Erscheinung trat: Er vollendete den von seinem Onkel, Kurfürst Joseph Clemens, begonnenen Bau des Poppelsdorfer Schlosses (1715–1740) und erbaute im heutigen Bonner Ortsteil Röttgen das nicht mehr vorhandene Schloss Herzogsfreude als Jagdschloss (1753–1755), die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl (1723–1746) als Jagd- und Sommerschlösser und das kleinere Jagdschlösschen Entenfang in Wesseling.

An der Fassade des Koblenzer Tors befinden sich die Personifizierungen der vier Tugenden des Michaelsordens: Frömmigkeit, Ausdauer, Stärke und Treue und als Mittelpunkt der Bronzeabguss des Erzengels Michael, welcher sein Schwert gegen den sich windenden Drachen erhebt. Das Original (vergoldeter Bleiguss) steht im ersten Stock des Schlosses, und wurde ebenfalls von Wilhelm Rottermondt geschaffen.

Das Koblenzer Tor wurde auch als „Michaelstor“ bezeichnet, da dieser Gebäudeteil ursprünglich als Sitz bzw. Versammlungsort des Ritterordens vom Heiligen Michael erbaut wurde. Auf dem Dach des Tores befindet sich eine vergoldete Statue des Erzengels Michael, die von vier weiteren Figuren eingerahmt ist, welche die vier Tugenden des Ordens symbolisieren: Frömmigkeit, Ausdauer, Stärke und Treue. An der Fassade beeindrucken die stark hervorgehobenen dorischen und ionischen Doppelsäulen.[3]

Das Koblenzer Tor wurde in den Jahren 2005 und 2006 für ca. eine Million Euro vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert. Dabei erneuerte man die Straßendecke, baute Rinnenabläufe ein und sanierte die Beleuchtung.

Schlosskirche [Bearbeiten]

Altarraum der Schlosskapelle

Im Südostturm des Schlosses befindet sich die Schlosskirche. Sie wurde 1779 von dem Architekten Johann Heinrich Roth als Hofkapelle für die Kurfürsten errichtet. 1816 wies der preußische König Friedrich Wilhelm III. der evangelischen Gemeinde Bonn die Schlosskirche als Gottesdienstraum zu. Die Kanzel der Schlosskirche stammt aus dem 19. Jahrhundert; sie wurde von Karl Friedrich Schinkel entworfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die völlig zerstörte Schlosskirche wiederaufgebaut, wobei auch die reichhaltigen Stuckarbeiten wiederhergestellt wurden. Sie dient heute für Gottesdienste der evangelischen Universitätsgemeinde.[4]

Im Jahre 1779 goss Martin Legros im Auftrag des Kurfürsten Max Friedrich von Königsegg Rotenfels für die nach dem großen Brand der Residenz neu erbaute Schlosskirche zwei Glocken. Christian Claren ergänzte 1869 eine dritte Glocke. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle drei Glocken beschlagnahmt. Die teilweise beschädigten Legros-Glocken kehrten 1947 wieder zurück und hängen seit 1994 in der Vorhalle gegenüber dem Eingang zur Schlosskirche zum Gedächtnis an die Zerstörung des Hauptgebäudes am 18. Oktober 1944. In der Laternenhaube des Ostturmes hängt seit 1967 ein Geläut aus vier Glocken, das von der Karlsruher Glockengießerei Bachert gegossen wurde. Es erklingt in den Schlagtönen es2, g2, b2 und c3.

Die Orgel wurde 2012 von der Orgelbaufirma Klais erbaut. Das Instrument hat 27 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. Das Glockenspiel ist eine Reminiszenz an ein Glockenspiel, das sich zur Zeit der Kurfürsten im Nordostturm befand.[5].

I Hauptwerk C–a3
1. Principal 8'
2. Viola di Gamba 8'
3. Rohrflöte 8'
4. Voce umana 8'
5. Octave 4'
6. Flauto in ottava 4'
7. Quinte 22/3'
8. Octave 2'
9. Quinte 12/3'
10. Octave 1'
11. Ripieno II 2/3'
12. Cornet III 22/3'
13. Trompete 8'
Glockenspiel
II Oberwerk C–a3
14. Bordun 8'
15. Salicional 8'
16. Principal 4'
17. Gemshorn 4'
18. Nasard 22/3'
19. Flageolet 2'
20. Terz 13/5'
21. Oberton II 11/3'
22. Cromorne 8'
Tremulant
Cymbelstern
Pedalwerk C–f1
23. Subbass 16'
24. Octavbass 8'
25. Gedackt 8'
26. Octave 4'
27. Posaune 16'

Veranstaltungen [Bearbeiten]

Im Juli eines jeden Jahres findet auf der Hofgartenwiese vor dem Universitätshauptgebäude die Absolventenfeier statt. Im August eines jeden Jahres finden im Arkadenhof des Schlosses die Internationalen Stummfilmtage mit über 20.000 Besuchern statt.

Literatur [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 5, Nummer A 179
  2. Werner Hesse: Der große Brand des kurfürstlichen Schlosses zu Bonn am 15. Januar 1777. Erschienen in Bonn 1876.
  3. Informationen zum Koblenzer Tor
  4. Informationen zur Schlosskirche
  5. Nähere Informationen zur Orgel

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Kurfürstliches Schloss Bonn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.7336916666677.1026861111111Koordinaten: 50° 44′ 1″ N, 7° 6′ 10″ O