Kuriosum

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Als Kuriosum (Plural Kuriosa, auch Kuriosität, von lateinisch curiositasNeugier‘) bezeichnet man Personen, Tiere, Gegenstände, Situationen oder Zustände, die auf jede denkbare Art und Weise seltsam, wunderlich, komisch oder skurril erscheinen oder wirken. Das Wesen eines Kuriosums besteht üblicherweise in der Verblüffung des Rezipienten, die durch ungewohnte oder überraschende Abweichungen von üblichen Verhaltensmustern oder Denkweisen entsteht. Ein Kuriosum löst Neugier aus oder befriedigt sie. Auch Gegenstände, Menschen und Tiere, die in ihrer Figürlichkeit auf wunderliche oder verblüffende Art von den üblichen Normen abweichen, werden als Kuriosum bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Panama City Beach, Florida Odditorium

Schon seit der Antike werden Kuriosa zusammengetragen und in Sammlungen öffentlich zur Schau gestellt. Diese Raritäten- oder Kuriositätenkabinette waren Vorläufer der sogenannten Wunderkammern in der Renaissance und im Barock, aus denen später die Museen hervorgingen. Häufig handelte es sich dabei um Menschen und Tiere, die körperlich entstellt waren und monströse Züge aufwiesen. Noch bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts wurden neben stationären auch mobile Kuriositätenkabinette dieser Art betrieben, die Jahrmärkte und sonstige Volksfeste aufsuchten. Mittlerweile sind diese naturalistischen Kuriosa-Sammlungen in der westlich geprägten Welt weitgehend verschwunden. Manche meinen, es habe sich hier eine ethische Betrachtungsweise durchgesetzt, die eine Zurschaustellung menschlicher und tierischer Abnormitäten verbietet.[1]

Andere öffentlich zugängliche Sammlungen bestehen weiterhin. So sammelte beispielsweise der amerikanische Comic-Zeichner und Radioreporter Robert Ripley auf seinen zahlreichen Weltreisen Kuriosa der unterschiedlichsten Art. 1933 schuf er in seiner Heimatstadt Chicago aus den Sammlungsstücken ein neues Museum, "Ripley's Odditorium" (von engl. "odd" <seltsam, sonderbar, merkwürdig>). Heute existieren weltweit über 20 derartiger Odditorien, die meisten davon in den USA.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Hübener u. a. (Hrsg.): Kuriosum als Erkenntnis.. Futura-Ed., Flensburg 2002, ISBN 3-924834-25-3. (deutsch, englisch)
  • Christian Mürner: Medien- und Kulturgeschichte behinderter Menschen. Sensationslust und Selbstbestimmung. Beltz, Berlin 2003, ISBN 3-407-57200-X.
  • Stéphane Jacob: La curiosité - éthologie et psychologie. (= Psychologie et sciences humaines. 245). Mardaga, Sprimont 2002, ISBN 2-87009-815-4.
  • Kathrin Passig, Aleks Scholz: Lexikon des Unwissens - worauf es bisher keine Antwort gibt. 6. Auflage. Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 978-3-87134-569-2.
  • André Blavier: Les fous littéraires. (= Le rappel au désordre). Veyrier, Paris 1982, ISBN 2-85199-268-6.
  • Jürgen Brater: Kuriose Welt in Zahlen. Eichborn, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218-4888-X.
  • Alexander von Schönburg: Lexikon der überflüssigen Dinge. Rowohlt, Berlin 2006.
  • Harald Krause: Lexikon der religiösen Kuriositäten. Kreuz-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-7831-2822-6.
  • R. J. W. Evans (Hrsg.): Curiosity and wonder from the Renaissance to the Enlightenment. Ashgate, Aldershot 2006, ISBN 0-7546-4102-3.
  • Ludovic Lalanne: Curiosités historiques. (= Bibliothèque de poche). Delahays, Paris 1857.
  • Anne und Ingo Reichardt (Hrsg.): Hund beißt Flugzeug - tausend kuriose Meldungen aus aller Welt. Stamm, Essen 2001, ISBN 3-87773-032-9.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Andere sehen lediglich eine Verlagerung in die Sensationsberichterstattung der Massenmedien: Die Menschen gieren auch danach, Bilder zu sehen von Katastrophen, und das bietet ihnen das Fernsehen. … die Zuschauer wollen was sehen. Die wollen im Prinzip, wenn man so will, blutende Leichen sehen oder zerschossene Häuser oder verwüstete Landschaften oder ausbrechende Vulkane. Und je mehr passiert im Bild, desto interessanter ist es für den Zuschauer. Lothar Mikos, [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kuriosum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen