Kurt Gutzeit

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Kurt Gutzeit im Juni 1944

Robert Julius Kurt Gutzeit (* 2. Juni 1893 in Berlin; † 28. Oktober 1957 in Bad Wildungen) war führender deutscher Internist zur Zeit des Nationalsozialismus sowie Professor an der Universität Breslau.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Gutzeit war als Privatdozent für Innere Medizin tätig und habilitierte sich 1923 an der Universität Jena. Er wechselte 1926 als Privatdozent an die Universität Breslau, wo er zum a.o. Professor ernannt wurde. Gutzeit galt als ausgewiesener Magen-Darm-Spezialist, dessen wesentliche Forschungsschwerpunkte Infektions- und Leberkrankheiten sowie Gastroskopie waren. Des Weiteren beschäftigte sich Gutzeit, der auch wissenschaftlich publizierte, mit Röntgenologie, Neuralpathologie, physikalischer Therapie, Diätetik, Verstoffwechselung von Jod, innerer Sekretion und Blutkrankheiten.[1] Ab Mai 1933 war er als Abteilungsdirektor am Berliner Virchow-Krankenhaus tätig und wechselte im Oktober 1934 an die Universität Breslau, wo er einen Lehrstuhl als Professor für Innere Medizin erhielt. Der SS trat er 1933 bei, wo er bis 1939 den Rang eines SS-Hauptsturmführers erreichte. Sein Beitritt zur NSDAP erfolgte 1937, zudem gehörte er auch dem NS-Dozentenbund (NSDDB) an.[2] Gutzeit denunzierte den Rektor der Universität Breslau Martin Staemmler, da dieser eine Bekanntschaft mit dem Chirurgen Karl Heinrich Bauer pflegte, der seit 1937 mit einer „Vierteljüdin“ verheiratet war.[2]

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war Gutzeit als beratender Internist beim Heeres-Sanitätsinspekteur tätig und Abteilungsleiter an der Militärärztlichen Akademie.[2] Zudem leitete er als Direktor die Medizinische Klinik Breslau.[3] Als Oberstarzt beziehungsweise ab 1944 Generalarzt der Reserve erhielt er am 16. Mai 1944 das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern verliehen. Bei dem Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt war er Angehöriger des wissenschaftlichen Beirates. Er vertrat die Ansicht so genannte „minderwertige“ Wehrmachtsangehörige in ein Konzentrationslager (KZ) einweisen zu lassen.[2] Gutzeit zählte zu einer Ärztegruppe, der auch Eugen Haagen und Arnold Dohmen angehörten, die sich mit der Hepatitisforschung befassten. Dort war Gutzeit auch koordinierend an pseudomedizinischen Infizierungsversuchne mit Hepatitis beteiligt, was bei den Probanden zu Leberschäden führte. Gutzeits Assistent Hans Voegt unternahm auf seine Anregung hin „Übertragungsversuche von Mensch zu Mensch“, deren Ergebnisse in der Münchner Medizinische Wochenschrift erschienen.[4] Über die Menschenversuche ließ sich Gutzeit am 23. August 1944 gegenüber einem Arztkollegen folgendermaßen aus:

„In Gießen habe ich Dohmen wieder einmal – ich weiß nicht zum wievielten Male – aus seiner tierexperimentellen Lethargie aufzurütteln versucht, damit wir endlich zur letzten Klärung kommen. Komisch, wie schwer der Schritt vom Tier zum Menschen ist, aber schließlich und endlich ist der letztere ja doch die Hauptsache.“[5]

Nach Kriegsende[Bearbeiten]

Gutzeit war Zeuge im Nürnberger Ärzteprozess, selbst jedoch nicht angeklagt.[6] Er leitete ab 1949 das Sanatorium Herzoghöhe in Bayreuth und wurde 1957 Leiter der neueröffneten Klinik Fürstenhof in Bad Wildungen.[2] Noch vor seiner Ernennung zum Honorarprofessor der Universität Marburg verstarb Gutzeit im Oktober 1957 an einem Herzinfarkt in einem Bad Wildunger Krankenhaus.[1][7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kurt Gutzeit und Heinrich Teitge: Die Gastroskopie 2., ergänzte Auflage München, Urban & Schwarzenberg, 1954.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kurt Gutzeit im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. a b c d e Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 212.
  3. Jürgen Peter: Der Nürnberger Ärzteprozeß im Spiegel seiner Aufarbeitung anhand der drei Dokumentensammlungen von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke. Münster 1994, S. 171, ISBN 3-89473-915-0
  4. Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer., Frankfurt am Main 1997, S. 260.
  5. Brief von Kurt Gutzeit an seinen Mitarbeiter Wilhelm Fähndrich vom 23. August 1944, Zitiert bei: Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer., Frankfurt am Main 1997, S. 262.
  6. Alexander Mitscherlich, Fred Mielke: Medizin ohne Menschlichkeit: Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses, Frankfurt am Main 2004, S. 165f.
  7. Von deutschem Ruhm, in: Die Zeit, Ausgabe 40 vom 25. September 2003