Kurt Jaager

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kurt Jaager (* 30. Januar 1904; † unbekannt) war ein deutscher Jurist.

Leben[Bearbeiten]

1933 wurde Jaager Gerichtsassessor beim Geheimen Staatspolizeiamt, 1936 Staatsanwalt beim Landgericht Berlin. Seit 1940 Mitglied der NSDAP, bekleidete er ab September 1942 das Amt des Abteilungsleiters am Sondergericht Wien.[1]

Ab 1. August 1943 war Jaager Reichsanwalt (Ankläger) am Volksgerichtshof und beantragte in dieser Funktion zahlreiche Todesurteile.[2][3] Noch am 20. April 1945 ließ Jaager als Vertreter des Oberreichsanwalts als Vollstreckungsleiter im Zuchthaus Brandenburg 28 Hinrichtungen vornehmen.[4]

1953 wurde Jaager in Schleswig-Holstein wieder als Staatsanwalt eingestellt und erreichte 1957 als Erster Staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holsteins einen neuen Karriere-Höhepunkt. Am 28. März 1961 musste der Schleswig-Holsteinische Generalstaatsanwalt Eduard Nehm an Bernhard Leverenz, damals Justizminister des Landes Schleswig-Holstein, über Jaager berichten:

„An einem nicht mehr feststellbaren Tag in der Zeit vom 1. April 1957 bis Mitte Juli 1957 hat der jetzt im Ruhestand befindliche Erste Staatsanwalt Jaager nach Dienstschluss in der Kantine des Oberlandesgerichts in Schleswig angetrunken die Worte ‚Die Fahne hoch‘ und einige nicht mehr feststellbare Worte aus dem sog. Horst-Wessel-Lied, im übrigen Takte des gleichen Liedes gegrölt.“[5]

Obwohl das Singen des Horst-Wessel-Lieds in Deutschland aufgrund der §§ 86 und 86a StGB verboten war und noch immer ist, musste der mittlerweile schon pensionierte Jaager als einziger der beteiligten Staatsanwälte Konsequenzen erdulden: Dieser habe sich „durch sein zu missbilligendes Verhalten des Anrechts begeben, auf seiner früheren Dienststelle empfangen und begrüßt zu werden.“[6]

Schon zwei Jahre vor der Dokumentierung dieses Vorfalls wurde Jaager 1959 im Alter von 55 Jahren mit vollen Bezügen wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt, nachdem Einzelheiten seiner Tätigkeit als Staatsanwalt beim Volksgerichtshof öffentlich geworden waren.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesarchiv B141/25028, zit. nach: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945,S. Fischer Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2007., S. 279.
  2. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945,S. Fischer Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2007., S. 279 f.
  3. Beispiele für Todesurteile des VGH, an denen Jaager als Reichsanwalt beteiligt war, siehe: Klaus Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifierung"der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S. 119.
  4. Klaus Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifierung"der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S. 120.
  5. Zitat aus dem Bericht des Schleswig-Holsteinischen Generalstaatsanwalts Eduard Nehm vom 28. März 1961 an Bernhard Leverenz, damals Justizminister des Landes Schleswig-Holstein. Personalakte Jaager, in: PA Landesarchiv Schleswig-Holstein Abteilung 786, Nr. 122 und 474; zit. nach: Klaus Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifierung"der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S. 117.
  6. Zitat aus dem Bericht des Schleswig-Holsteinischen Generalstaatsanwalts Eduard Nehm vom 28. März 1961 an Bernhard Leverenz, damals Justizminister des Landes Schleswig-Holstein. Personalakte Jaager, in: PA Landesarchiv Schleswig-Holstein Abteilung 786, Nr. 122 und 474; zit. nach: Klaus Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifierung" der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S. 117.
  7. Klaus-Detlef Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifizierung" der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S. 121 f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Detlef Godau-Schüttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die "Renazifizierung" der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993.
  • Klaus-Detlef Godau-Schüttke: Die Heyde/Sawade-Affäre. Wie Juristen und Mediziner den NS-Euthanasieprofessor Heyde nach 1945 deckten und straflos blieben. Nomos Verlagsgesellschaft 2. Auflage, Baden-Baden 2001.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945,S. Fischer Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2007.