Kurt Löwenstein

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Kurt Löwenstein (vor 1926)

Kurt Löwenstein (auch Kurt Loewenstein, Pseudonym Kerlöw; * 18. Mai 1885 in Bleckede an der Elbe; † 8. Mai 1939 in Paris) war ein deutscher SPD-Politiker.

Ausbildung[Bearbeiten]

Löwenstein war ein Sohn des Bleckeder Kaufmanns Bernhard Löwenstein. Nach dem Besuch der „David Meyer'schen Stiftschule“ in Hannover[1] studierte er zwischen 1904 und 1907 Theologie und Philosophie in Halberstadt. Anschließend trat er dann in das orthodoxe Rabbinerseminar in Berlin ein, das er 1908 als Atheist verließ. In Berlin hörte Löwenstein auch philosophische und pädagogische Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelm-Universität. Weitere Stationen seines Studiums waren Erlangen und Hannover. 1910 promovierte Löwenstein mit der Arbeit J. M. Guyaus pädagogische Anschauungen.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Geygerstraße 3, in Berlin-Neukölln

Als Kriegsgegner meldete Löwenstein sich 1914 zum Roten Kreuz, das ihn bis 1918 in Kriegslazaretten einsetzte. Während der Novemberrevolution wurde er Mitglied eines Soldatenrates. Außerdem trat er zu dieser Zeit in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ein. Während dieser Zeit beteiligte er sich an der Ausarbeitung des Organisationsstatuts der USPD Berlin-Brandenburg und des Schul- und Bildungsprogramms seiner Partei.

Seit März 1919 war Kurt Löwenstein Stadt- und Bezirksverordneter von Charlottenburg und ab 1920 Stadtverordneter von Groß-Berlin. Bei der Reichstagswahl vom Juni 1920 wurde Löwenstein in den Reichstag gewählt, dem er zunächst bis 1922 als Abgeordneter für die USPD angehörte. Zu dieser Zeit kehrte er in die SPD zurück. Für diese saß er weiterhin im Reichstag, dem er ohne Unterbrechung bis zum April 1933 als Abgeordneter angehörte. Er schied aus dem Parlament bereits zwei Monate früher aus als die meisten übrigen SPD-Abgeordneten, sein Mandat wurde daher für diese verbleibenden Monate von Fritz Schröder weitergeführt. Im Parlament der Weimarer Republik widmete Löwenstein sich vor allem der Bildungspolitik.

Ab 1920 war Löwenstein Leiter des städtischen Bildungswesen Berlins und von 1921 bis 1933 Stadtrat für Volksbildungswesen in Berlin-Neukölln. Wesentliche soziale Maßnahmen wie beispielsweise einkommensabhängige Schulgelder, Ausweitung der Schulspeisung, Einrichtung von Abiturklassen an Volksschulen oder Arbeiter-Abiturienten-Kurse, konnten in dieser Zeit von ihm und seinen Mitarbeitern durchgesetzt werden.

Von 1922 bis 1934 war Löwenstein Vizepräsident der Sozialistischen Erziehungs-Internationale und von August 1924 bis 1933 Vorsitzender der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gleichzeitig war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Mitglied des Vorstandes des Sozialistischen Kulturbundes und des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit.

Exil[Bearbeiten]

Nachdem Löwenstein 1933 unter drastischen Repressalien der SA zu leiden hatte, verließ er Berlin und ging erst nach Sachsen, später nach Prag und schließlich nach Draveil bei Paris. Im Pariser Exil arbeitete er mit im Lutetia-Kreis, bekannt auch als „Volksfront-Ausschuß“. Dort war Löwenstein weiterhin tätig für die Sozialistische Erziehungs-Internationale, war Mitorganisator der internationalen Falkenrepubliken und war ab 1934 im Vorstand der französischen Kinderfreundebewegung aktiv. Gleichzeitig arbeitete Löwenstein auch in den Vorständen der Arbeiterwohlfahrt Paris, des Verbands Deutscher Lehrer-Emigranten, des Vorstands der Zentralvereinigung der deutschen Emigration und im Arbeitsausschuß der Deutschen Opferhilfe in Paris.

1937 wurde der Familie Löwenstein die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Am 8. Mai 1939 erlag Kurt Löwenstein einem Herzinfarkt. Er wurde am 13. Mai 1939 auf dem Friedhof Père Lachaise (Division 87, 2. UG, 24719) in Paris beigesetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

In Werneuchen trägt die Bildungseinrichtung im Johannaheim zur Erinnerung seinen Namen. In Löwensteins Heimatstadt Bleckede an der Elbe trägt die Förderschule seinen Namen. Im Berliner Bezirk Neukölln gab es bis 2010 ebenfalls eine Hauptschule, die nach ihm benannt war. Die Herberge der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken in Schwangau ist als „Kurt-Löwenstein-Haus“ nach ihm benannt. Auch der Neuköllner Kreisverband der Falken nennt sich in seinem Gedenken "Kreisverband Kurt Löwenstein".

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Brandecker: Löwenstein, Kurt. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 104–106 (Digitalisat).
  • Heinrich Eppe: Kurt Löwenstein. Ein Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik? Neubauer, Lüneburg 1991, ISBN 3-88456-081-6.
  • Heinrich Eppe: Erziehung für eine Zukunft, die nicht kam? Zur Bedeutung und Aktualität der politischen Pädagogik Kurt Löwensteins. 3. Auflage. Archiv der Arbeiterjugendbewegung, Oer-Erkenschwick 1993, ISBN 3-926734-04-3.
  • Gerd Radde (Hrsg.): Schulreform – Kontinuitäten und Brüche. Das Versuchsfeld Berlin-Neukölln. Band 1: 1912 bis 1945. Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1129-0. (Darin: Werner Korthaase: Neuköllner Schulpolitik im Dienste der Arbeiterschaft. Dr. Kurt Löwenstein als Kommunalpolitiker. S. 130–145. Dorothea Kolland: Kurt Löwensteins Konzept kultureller Bildung am Beispiel der Musik. S. 153–160.)
  • Edgar Weiß: Radikaldemokratisch engagiert und brutal verfolgt, wiederholt verdrängt und bemerkenswert aktuell – der sozialistische Pädagoge Kurt Löwenstein. In: Martin Dust (Hrsg.): Pädagogik wider das Vergessen. Festschrift für Wolfgang Keim. Götzelmann, Kiel 2000, ISBN 3-9805016-8-X, S. 469–489.
  • Roland Gröschel (Hrsg.): Auf dem Weg zu einer sozialistischen Erziehung - Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte der sozialdemokratischen „Kinderfreunde“ in der Weimarer Republik. Festschrift für Heinrich Eppe. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-650-9.
  •  Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 16. De Gruyter, Berlin 2008, S. 121–124

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ute Schötteldreyer: Bleckeder Heimatbuch. Aus der Geschichte der Stadt Bleckede und ihrer Ortsteile. Bleckede 1983, S. 59

Weblinks[Bearbeiten]