Kurt Lüdecke

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Kurt Georg Wilhelm Lüdecke (* 5. Februar 1890 in Berlin; † 1960 in Prien am Chiemsee) war ein deutscher Kaufmann. Er wurde vor allem bekannt als politischer Abenteurer und Geschäftemacher, der zeitweise eine wichtige Rolle im Umfeld Adolf Hitlers spielte.

Leben[Bearbeiten]

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Lüdecke stammte aus einer wohlhabenden Berliner Familie. Er war der jüngste von drei Söhnen von Albert Lüdecke, dem Direktor einer chemischen Fabrik in Oranienburg, und seiner Ehefrau Elsie.

Nach dem Schulbesuch erlernte Lüdecke den Verkäuferberuf. Im Anschluss an den Militärdienst beim 2. Bayerischen Infanterie-Regiment verließ er Deutschland und begann ein jahrelanges rastloses Reiseleben, das ihn zunächst kreuz und quer durch Europa und die Vereinigten Staaten führte. In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg konnte er als noch sehr junger Mann auf nicht vollständig geklärte Weise ein erhebliches Vermögen anhäufen. Indizien sprechen dafür, dass er sich auf homosexuelle Kontakte mit vermögenden Männern einließ und diese anschließend durch die Drohung, ihre Beziehungen öffentlich zu machen, um erhebliche Geldsummen erpresste.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte Lüdecke nach Deutschland zurück. Nur bedingt kriegsverwendungfähig, arbeitete er in einem psychiatrischen Hospital in Heidelberg. Dort begann er, sich für die „Rassenfrage“ zu interessieren, nachdem er Vorlesungen von Alfred von Domaszewski gehört hatte.

Später kehrte Lüdecke in die Vereinigten Staaten zurück. Dort war er in einem von Henry Ford finanzierten Nachrichtensammelbüro tätig. Im August 1922 hörte er mit Begeisterung eine Hitler-Rede. In der Folge gelangte er in das Umfeld Hitlers, der ihn einerseits als Vermittler von Geldmitteln und Kontakten ins Ausland sowie als beziehungsreichen Spitzel gern in Anspruch nahm, ihm andererseits aber erhebliches Misstrauen entgegenbrachte. So wurde Lüdecke immer wieder verdächtigt, die NSDAP und ihr Führungspersonal zugunsten konkurrierender oder feindlicher Organisationen zu bespitzeln. Anfang 1923 wurde Lüdecke bezeichnenderweise – ohne diesen Hintergrund je zu erfahren – auf einen Hinweis Hitlers an die Münchner Polizeidirektion unter dem Verdacht, Landesverrat begangen zu haben, für einige Wochen in Haft genommen. Nach seiner Freilassung wurde er von Hitler wie zuvor als Mittelsmann und Vermittler von finanziellen Zuwendungen für seine Partei verwendet. Unter anderem reiste Lüdecke 1922 und 1923 jeweils im September zu Mussolini, um bei diesem im Sinne Hitlers vorzusprechen.[1]

Nach dem gescheiterten Hitlerputsch von 1923 besuchte Lüdecke Hitler in der Festungshaft in Landsberg und engagierte sich bis 1925 noch im völkischen Block beziehungsweise in der neugegründeten NSDAP. In den folgenden Jahren ging Lüdecke wieder auf Distanz zur NSDAP, um sein Glück abermals im Ausland zu versuchen.

1932 kehrte Lüdecke zum wiederholten Male nach Deutschland zurück, wo er abermals mit Hitler und der NSDAP-Führung in Kontakt kam. Im Frühjahr 1933 regte er die Gründung des Außenpolitischen Amtes der NSDAP unter Alfred Rosenberg an. Aus nicht vollständig geklärten Gründen wurde er im Mai 1933 auf Befehl Hermann Görings verhaftet, jedoch bald wieder auf Weisung Hitlers freigelassen, wobei Göring von Hitler dazu veranlasst wurde, sich bei Lüdecke für die erlittenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Da Lüdecke – wahrscheinlich durch Hitlers Intervention zu seinen Gunsten während seiner Haft im April/Mai 1933 dazu veranlasst, seine Stellung in der Wertschätzung des Diktators zu überschätzen – in den folgenden Monaten mit weitgehenden finanziellen Forderungen an Hitler dessen Verärgerung auf sich zog, wurde er im Herbst 1933 erneut verhaftet. In der Folge verbrachte er bis April 1934 einige Monate als Ehrenhäftling mit bevorzugten Haftbedingungen im KZ Oranienburg. Während eines Hafturlaubes durfte er unter anderem Hitler in der Reichskanzlei aufsuchen, der schließlich seine Freilassung verfügte.

Im Laufe des Jahres 1934 emigrierte Lüdecke in die Vereinigten Staaten.

Rolle im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Von 1923 bis 1933 hielt er sich vermutlich meist außerhalb der Weimarer Republik auf – ab 1926 in den Vereinigten Staaten. Er arbeitete als Journalist für den Völkischen Beobachter. Im März 1933 kehrte er zurück und wurde Mitglied der NSDAP; möglicherweise hatte er bereits 1922 um eine Mitgliedschaft nachgesucht. Wegen Auseinandersetzungen mit Parteigenossen wie Hans Frank in Deutschland verbrachte er acht Monate in einem Konzentrationslager, bis er am 1. März 1934 entkommen konnte.[2]

Lüdecke hielt sich zur Zeit des Röhm-Putsches, bei dem sein Anwalt Alexander Glaser umgebracht wurde, wieder in den Vereinigten Staaten auf. Offenbar enttäuscht von den Ereignissen, veröffentlichte er 1937 ein Gregor Strasser und Ernst Röhm gewidmetes Buch über seine Erlebnisse mit Hitler mit dem Titel I Knew Hitler: The Story of a Nazi Who Escaped the Blood Purge. Das Manuskript – etwa von der Qualität der Gespräche mit Hitler von Hermann Rauschning und Carl Friedrich Goerdelers X-Files – hatte er zuvor eventuell der deutschen Botschaft in den Vereinigten Staaten zum Kauf angeboten, die jedoch ablehnte. Demnach hatte er privat eine SA-Abteilung ausgerüstet, der Partei 100.000 Goldmark gespendet, war zusammen mit Siegfried und Winifred Wagner in die Vereinigten Staaten gereist, wo er mit deren Hilfe Henry Ford getroffen hatte, um ihn zu Spenden zu bewegen. Lüdecke hatte nach eigenen Angaben die Verbindung zwischen NSDAP und Mussolini hergestellt. Letzterer spendete demnach der Partei über Lüdecke Geld.[3] Das Buch hatte erhebliche Wirkung auf die Alliierten und ging selbst in das sowjetische Standardwerk „Geschichte der Diplomatie“ von W. P. Potjomkin ein.

Lüdeckes Antrag auf US-Staatsbürgerschaft wurde im Dezember 1938 abgelehnt. Am 9. Februar 1942 wurde er als ein die öffentliche Sicherheit gefährdender Enemy Alien verhaftet. Gegen die am 14. Juli 1945 von Harry S. Truman verfügte Ausweisung dieser Personengruppe prozessierte Lüdecke und verlor im Juni 1948, worauf er in die amerikanische Besatzungszone überstellt wurde. In den Vereinigten Staaten war er vier Jahre inhaftiert gewesen.[4]

Werk[Bearbeiten]

  • Kurt G. W. Lüdecke: I Knew Hitler: The Story of a Nazi Who Escaped the Blood Purge. E. Scribner's Sons, New York 1937 (Jarrolds, London 1938).

Literatur[Bearbeiten]

  • Arthur L. Smith: Kurt Lüdecke: The Man Who Knew Hitler. German Studies Association: German Studies Review, Vol. 26, No. 3 (Oct. 2003), S. 597–606.
  • Sidney Aster (Hrsg.): Die „X“-Dokumente (Carl Goerdeler). Piper, München 1989.
  • Hermann Rauschning: Gespräche mit Hitler. Europa Verlag, Zürich und New York 1940.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Damm: Die Rezeption des italienischen Faschismus in der Weimarer Republik. Baden-Baden 2013, S. 81.
  2. Kurt Hiller: Köpfe und Tröpfe: Profile aus einem Vierteljahrhundert. Rowohlt Verlag, Hamburg 1950.
  3. Ursula Seiler: Wer finanzierte Hitler? Zeitenschrift Nr. 47, teils I knew Hitler entnommen, 2005.
  4. Ludecke vs. Watkins, 335 U.S. 160 (1948), US Supreme Court, 21. Juni 1948.