Kurt Lipstein

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Kurt Lipstein QC (* 19. März 1909 in Frankfurt am Main; † 2. Dezember 2006 in Cambridge, UK) war ein aus Deutschland stammender Rechtswissenschaftler und Professor der Universität Cambridge.

Leben[Bearbeiten]

Kurt Lipstein studierte nach seinem Abitur am Frankfurter Goethe-Gymnasium ab 1927 Rechtswissenschaften zunächst an der Universität Grenoble (heute: Universität Joseph Fourier) und von 1927 bis 1931 an der Friedrich-Wilhelm Universität-Berlin (heute: Humboldt-Universität zu Berlin) bei Wolff und Rabel sowie von Caemmerer und Mezger. Seine klassische Schulausbildung in Griechisch und Latein ermöglichten ihm später einen tieferen Einblick in das Römische Recht. Nach seinem Studium absolvierte er ein Referendariat in Königstein im Taunus sowie am Landgericht in Frankfurt am Main.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor er als jüdischer Assessor seine Anstellung. 1934 emigrierte er nach England. Am Trinity College in Cambridge wurde er 1936 mit der Arbeit „Roman Law: the beneficium cedendarum actionum“ promoviert. Aus finanziellen Gründen konnte Lipstein keine wissenschaftliche Lehrstelle angeboten werden, erst Harold Gutteridge, Professor für Vergleichendes Recht an der Universität Cambridge, stellte ihn als Lehrbeauftragten an und bezahlte ihn aus eigener Tasche.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er 1940 in einem britischen Flüchtlingslager in Bury St. Edmunds und später Liverpool interniert. In den Lagern lernte er zahlreiche weitere nicht-britische Gelehrte kennen, so den Enkel des deutschen Kaiser Wilhelm II. In dem Lager selbst wurden wissenschaftlich fundierte Vorlesungen abgehalten. Auf Anforderung der Universität Cambridge kam er frei und lehrte an der Rechtsfakultät. 1956 wurde er offizielles Mitglied des Clare College (sog. fellow). 1973 wurde er zum Professor für Vergleichendes Recht berufen. 1977 wurde er zu seiner Emeritierung mit einem LL.D („Legum Doctor“) ausgezeichnet.

Lipstein war der letzte lebende Jurist, der nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland nach England emigrieren und sich dort eine neue Existenz in Forschung und Lehre aufbauen musste.[1]

Kurt Lipstein war einer der renommiertesten Experten im Internationalen Privatrecht und hat dort wichtige Spuren im übernationalen Bereich und auch speziell im englischen Kollisionsrecht hinterlassen. Er war auch Mitherausgeber des Monumentalwerkes Encyclopaedia of Comparative Law. Ihm verdankt die deutsche Rechtswissenschaft insbesondere durch sein Wirken nach 1945 viel [2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Multum, non Multa. Festschrift für Kurt Lipstein aus Anlass seines 70. Geburtstages, Herausgegeben von Peter Feuerstein und Clive Parry. Verlag C.F. Mueller, Heidelberg 1980.
  • Heinz-Peter Mansel, Kurt Lipstein (1909–2006), in RabelsZ, Bd. 73 (2009) S. 441–454.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Max-Planck-Gesellschaft: Professor Kurt Lipstein verstorben (Pressemitteilungen 2007).
  2. Universität zu Köln: Kurt Lipstein ist verstorben (IPRax 2/2007)

Weblinks[Bearbeiten]