Kurt Nowak

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Kurt Nowak (* 28. Oktober 1942 in Leipzig; † 31. Dezember 2001 in Leipzig) war ein deutscher evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Grabstätte Kurt Nowaks auf dem Leipziger Südfriedhof.

Kurt Nowak arbeitete nach dem Abitur (1961) an den Städtischen Theatern Leipzig. Von 1964 bis 1969 studierte er Theologie in Leipzig und Jena und promovierte 1971 zum Dr. theol. mit einer Arbeit zu „Euthanasie“ und Sterilisierung im „Dritten Reich“. Seit 1971 arbeitete er als wissenschaftlicher Oberassistent an der Karl-Marx-Universität Leipzig. 1978 erfolgte die Habilitation. 1984 erfolgte eine zweite Promotion für Geschichte zum Dr. phil. Ab 1987 lehrte er als Professor für Neuere und Neueste Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig.

Seit Mitte der 70er Jahre engagierte sich Kurt Nowak für die Errichtung einer publizistischen Plattform für Themen der kirchlichen Zeitgeschichte als gesamtdeutsch zu realisierendes Projekt, mit dem die engeren Grenzen der traditionellen Kirchengeschichtsschreibung überschritten werden sollten. Die „historische Ortsbestimmung des Christentums“ sollte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dieses war nur im Zusammenhang mit der allgemeinen Geschichte, also mit politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Fragestellungen möglich. Somit war Nowak einer der Vorreiter bei der Grenzüberschreitung von der Theologie zur Geschichte, was zum Markenzeichen Nowaks und des Leipziger Instituts für Kirchengeschichte werden sollte. Ergebnis dieser Arbeiten ist die seit 1988 erscheinende und bis zu seinem Tod von Nowak mitherausgegebene Reihe „Konfession und Gesellschaft“. Außerdem trug es erheblich zur Etablierung der kirchlichen Zeitgeschichte als Disziplin mit eigenem Anspruch und Gewicht in der DDR bei.

Besonders geschätzt wurde Nowak wegen seines enzyklopädischen Wissens, seines Ideenreichtums, seiner Kreativität und seiner ausgeprägten Interdisziplinarität. Schon vor der Wende, in der DDR-Zeit musste er jedoch auch bei aller klugen Taktik gelegentlich Konzessionen machen, um andererseits sein Fach selbstbewusst gegen enge Grenzziehungen und Einengungen verteidigen zu können. Sein Wirken strahlte über Leipzig und die DDR hinaus, und auch nach der Wende war Nowak ein angesehener Vertreter seines Faches.

Am 8. Februar 1991 wurde Nowak zum ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (Leipzig) gewählt. An der Universität Leipzig war Nowak neben seiner Lehrtätigkeit auch als Universitätsprediger tätig und war neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch Verfasser einiger belletristischer Werke.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • „Euthanasie“ und Sterilisierung im „Dritten Reich“. Die Konfrontation der evangelischen und katholischen Kirche mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und die „Euthanasie“-Aktion (Dissertation), Niemeyer, Halle/Saale 1977 - Böhlau, Weimar ²1984 (Arbeiten zur Kirchengeschichte und Religionswissenschaft, Bd. 6) (in der BRD jeweils Parallelausgaben bei Vandenhoeck & Ruprecht aller drei Auflagen)
  • Geschichte des Christentums in Deutschland. Religion, Politik und Gesellschaft vom Ende der Aufklärung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, C.H. Beck, München 1995 ISBN 3-406-38991-0.
  • Das Christentum. Geschichte - Glaube - Ethik, C.H. Beck, München 1997 (C.H.Beck Wissen) ISBN 3-406-41870-8.
  • Schleiermacher. Leben, Werk und Wirkung. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001. ISBN 3-525-55448-6 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]