Kurt Wöss

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Kurt Wöss (* 2. Mai 1914 in Linz; † 4. Dezember 1987 in Dresden) war ein österreichischer Dirigent.

Leben[Bearbeiten]

Kurt Wöss wuchs in Zeillern auf, besuchte in Graz das Gymnasium und studierte bis 1938 an der Wiener Musikakademie Komposition bei Max Springer und Joseph Marx, Violine bei Ernst Moravec und als Privatschüler Dirigieren bei Felix Weingartner sowie Musikwissenschaft an der Universität Wien bei dem Bruckner-Forscher Robert Haas, Robert Lach, Alfred Orel und Egon Wellesz.

Ab 1936 dirigierte er das Orchester der Deutschen Kunstgemeinde in Wien, ab 1938 das NS-Kammerorchester. 1938 wurde Wöss auch Leiter einer Außenstelle der Musikschule der Stadt Wien. 1939 wurde er Studentenführer an der Reichshochschule für Musik, leitete das Gaustudenten-Orchester und übernahm 1941 das Fach „Feiergestaltung“. 1942 zur Wehrmacht eingezogen, versah er seinen Dienst als Unteroffizier im Flieger-Ausbildungsregiment Nr. 24 in Olmütz. Nach 1945 wurde Wöss wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP, der er am 1. Mai 1938 beigetreten war (Mitgliedsnummer: 6.123.360), aus allen Funktionen entlassen.

1948–51 war er Chefdirigent des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters und führte auch wieder die beliebten Sonntagnachmittag-Konzerte ein. 1950/51 produzierte er mit Marcel Prawy Aufnahmen für die amerikanische Plattenfirma Remington. Als Leiter des NHK-Sinfonieorchesters (1951–54) und Lehrer an der Musikhochschule in Tokio war er ein Pionier von Aufführungen europäischer Musik in Japan. 1956–60 dirigierte er das Victorian Symphony Orchestra in Melbourne und an der Australischen Nationaloper. 1961–68 war Wöss Operndirektor am Landestheater Linz und 1967–74 Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz. Wöss erwarb 1964 Burgruine Lichtenhag. Ab 1974 leitete er die Fujiwara-Oper in Tokio und war künstlerischer Direktor des Philharmonischen Orchesters Tokio. Seit 1978 dirigierte er auch das Johann-Strauß-Orchester. Als Gastdirigent war Wöss international tätig und arbeitete u.a. mit Orchestern in Italien, Schweden, dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Tonhalle-Orchester Zürich und dem Mozarteum-Orchester Salzburg zusammen. Sein weit gefächertes Repertoire reichte von Johann Sebastian Bach bis Béla Bartók, seine besondere Liebe galt aber den Werken von Anton Bruckner und Johann Strauß (Sohn).

Er starb am Beginn einer Probe der 4. Sinfonie Bruckners mit der Dresdner Philharmonie am Dirigentenpult.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Ratschläge zur Aufführung der Symphonien Anton Bruckners. Linzer Veranstaltungsgesellschaft, Linz 1974.
  • Als ich zu dirigieren vergaß … und andere Erlebnisse eines weltreisenden Dirigenten. Orac, Wien 1983, ISBN 3-85368-942-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Flotzinger (Hrsg.): Oesterreichisches Musiklexikon. Band 5. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8.
  • Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. Kiel, 2004, CD-ROM-Lexikon, S. 7929f.

Weblinks[Bearbeiten]