Kurt Walter Bachstitz

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Kurt Walter Bachstitz (* 4. Oktober 1882; † 1949) war ein deutsch-österreichisch-niederländischer Kunsthändler.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Bachstitz hatte jüdische Wurzeln und war ursprünglich österreichischer Staatsbürger. Er lebte in Wien und Berlin. Seine Galerie hatte Standorte in Wien, Berlin, New York und Den Haag. In erster Ehe war er mit Elfriede Pesé verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte. Im Jahr 1918 heiratete er seine zweite Frau, Elisa („Lily“) Emma Hofer. Seine zweite Ehefrau Lilly - sie war keine Jüdin - war die Schwester von Walter Andreas Hofer, der die Galerie in Den Haag vor der NS-Zeit für eine Weile leitete und später der Kurator der Sammlungen von Hermann Göring wurde.

1938 emigrierte das Ehepaar nach Den Haag.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zwischen dem Beginn der deutschen Besatzung der Niederlande 1940 und 1941 verkaufte die Bachstitz Gallery N.V. eine Reihe von Werken an das Deutsche Reich (Sonderauftrag Linz). Diese Organisation wurde von Hans Posse gleitet, bis dieser 1942 starb.

Unter den Arbeiten, die an den Sonderauftrag verkauft wurden, waren folgende:

Im Februar 1941 gab Bachstitz seine offiziellen Funktionen bei der Bachstitz Gallery N.V. auf, und seine Frau wurde Geschäftsführerin. Zusammen mit seiner Frau führte er die Geschäfte heimlich weiter. Auf diese Weise vermieden sie, dass die Galerie für die Dauer des Krieges unter Zwangsverwaltung kam. Den Dokumenten zufolge, die die Akte bezüglich seiner erfolgreichen Einbürgerung in den Niederlanden nach dem Krieg bereithält[3], schützte das Paar heimlich Juden, die versuchten, den Machthabern zu entkommen. Im Jahr 1942 wurde Bachstitz durch die Besatzungsbehörde (das Wirtschaftsamt) vorgeladen, als er versäumt hatte, die Galerie als „nicht-arischer Besitz“ registrieren zu lassen. Verfahren wurden gegen ihn angestrengt und er wurde durch den Sicherheitsdienst (SD) im Juli 1943 in Haft genommen und in das Scheveningen Gefängnis in Den Haag eingeliefert. Aufgrund einer Intervention Göring, die von Bachstitzs Schwager Hofer initiiert worden war, wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Auch wurde ihm erlassen, den Davidstern tragen zu müssen.

Zwischen 1942 und 1944 verkaufte Bachstitz auch eine Reihe von Werken an die von Kurt Martin geleiteten Museen.[4]

1944 erhielt Bachstitz, veranlasst durch Göring und durch Vermittlung seines Schwagers Hofer, ein Visum zur Ausreise in die Schweiz.[5] Als Gegenleistung übergab Bachstitz einige Kunstwerke an die Sammlung Göring.[6] [7]

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Viele der nach Deutschland verkauften Bilder wurden insbesondere über den Central Collecting Point in Deutschland nach dem Krieg in die Niederlande zurückgebracht. Die Bemühungen von Bachstitz um die Restitution dieser Werke scheiterten, abgesehen von der Restitution des Werks von Jan Steen mit dem Motiv Samson und Delilah, das er Göring als Gegenleistung für das Ausreisevisum überlassen hatte. Die anderen Werke wurden Eigentum der Stichting Nederlands Kulturbezit (SNK).[8] Bachstitz starb 1949. Im Jahr 1951 löste seine Witwe die Bachstitz Galerie N.V. mit einem hohen Defizit auf.[9] Die Kunstbibliothek der Galerie wurde versteigert.[10] Im Jahre 2009 restituierten die Niederlande ein Werk von Pietro Capelli aus dem Bestand der SNK an die Erben von Kurt Walter Bachstitz. Die Bachstitz Gallery hatte es 1943 an den Sonderauftrag Linz verkauft. Der Antrag der Erben auf die Restitution der anderen zwölf an den Sonderauftrag Linz verkauften Werke wurde abgelehnt. Zur Begründung führte die niederländische Restitutionskommission aus, Bachstitz sei in den ersten Jahren der Besatzung „ungestört“ geblieben. Es lägen nicht genug Anhaltspunkte dafür vor, dass der Verkauf unfreiwillig erfolgt sei.[11] Die Erben haben Anträge zur Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt.[12]

Im Juli 2013 restituierte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zwei Kunstwerke an die Erben von Bachstitz, die das Berliner Schlossmuseum 1943 in Den Haag erworben hatte.[13] Die Erben suchen noch immer nach Kunstgegenständen, die Bachstitz wegen seiner NS-Verfolgung verlor.[14]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. http://libmma.org/digital_files/archives/Bachstitz_records_b18041048.pdf
  2. http://www.restitutiecommissie.nl/adviezen/advies_178.html Consideration No.2
  3. NL-NA, ministerie van justitie (1915–1955), inv. No. 13533 (1646)
  4. 10 Suchmeldungen bei www.lostart.de
  5. http://www.restitutiecommissie.nl/en/recommendations/recommendation_178.html Consideration No.6
  6. US-NARA, RG 260, M1946. Roll 127. Restitution Research Records. Göring, Hermann: Notes on Purchases. Page 65.
  7. Post-War Reports: Art Looting Intelligence Unit (ALIU) Reports 1945-1946 and ALIU Red Flag Names List and Index. lootedart.com. Abgerufen am 30. März 2014.
  8. NL-NA, Stichting Nederlands Kunstbezit (SNK), 2.08.42.
  9. NL-NA 2.09.16, Nederlands Beheers Instituut NBI, inv.no. 2168, Note Kesselaar NBI 16 December 1955.
  10. Art library of the late K.W. Bachstitz (Bachstitz Galleries), The Hague. : Internationaal Antiquariaat (Menno Hertzberger) : Free Download & Streaming : Internet Archive. archive.org. Abgerufen am 30. März 2014.
  11. http://www.restitutiecommissie.nl/en/recommendations/recommendation_178.html Consideration No.5
  12. Aktenzeichen RC 4.138
  13. Berliner Kunstgewerbemuseum restituiert zwei Werke an die Erben des Kunsthändlers Bachstitz - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. preussischer-kulturbesitz.de. Abgerufen am 30. März 2014.
  14. 19 Suchmeldungen bei www.lostart.de

Weblinks[Bearbeiten]

  1. Bachstitz | Restitutiecommissie. restitutiecommissie.nl. Abgerufen am 30. März 2014.
  2. http://www.lostart.de/Content/051_ProvenienzRaubkunst/DE/Beteiligte/B/Bachstitz,%20Kurt%20Walter.html?cms_lv2=5340&cms_lv3=25510
  3. Bachstitz-Erben erhalten Raubkunst zur�ck. art-magazin.de. Abgerufen am 30. März 2014.
  4. Berliner Kunstgewerbemuseum restituiert zwei Werke an die Erben des Kunsthändlers Bachstitz - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. preussischer-kulturbesitz.de. Abgerufen am 30. März 2014.
  5. Art library of the late K.W. Bachstitz (Bachstitz Galleries), The Hague. : Internationaal Antiquariaat (Menno Hertzberger) : Free Download & Streaming : Internet Archive. archive.org. Abgerufen am 30. März 2014.