Kurz vor Mitternacht

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Kurz vor Mitternacht (Originaltitel Towards Zero) ist der 34. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien zuerst im Juni 1944 in den USA bei Dodd, Mead and Company [1] und im Juli desselben Jahres im Vereinigten Königreich im Collins Crime Club [2]. Die deutsche Erstausgabe erschien 1946 im Scherz Verlag (Bern) in der Übersetzung von Ursula von Wiese [3]. 2009 gab der Fischer Taschenbuchverlag (Frankfurt am Main) eine Neuübersetzung von Rebecca Gablé [4] heraus.

Es ermittelt Superintendent Battle in seinem fünften und letzten Fall. Battle hatte zuvor in Die Memoiren des Grafen, Der letzte Joker, Mit offenen Karten und das Das Sterben in Wychwood mitgewirkt.

Handlung[Bearbeiten]

Die Geschichte beginnt mit einer Einladung von Lady Tressilian, einer älteren, wohlhabenden und humorlosen Dame, die an ihr Bett gefesselt ist. Sie lädt zum Ende des Sommers den alternden Tennisstar Nevile Strange, ein Mündel ihres verstorbenen Ehemannes, in ihr Haus an der Küste zu einem Urlaub ein. Doch zu ihrem Entsetzen wird er nicht nur von seiner aktuellen Ehefrau Kay, sondern auch von seiner Exfrau Audrey begleitet, woraus sich einige Verwicklungen ergeben. Strange ist nicht nur bekannter Tennisstar, er ist auch berüchtigt als Playboy und führt einen verschwenderischen Lebenswandel.

Doch dann wird Lady Tressilian ermordet. Superintendent Battle, der bei seinem Neffen, Inspector Leach, in der Nähe zu Besuch ist, begleitet diesen durch die verwirrenden Spuren des Falls. Leach ist als zuständiger Beamter vor Ort mit den Ermittlungen betraut und zieht seinen Onkel als höheren Polizeibeamten zu Rate.

Es stellt sich heraus, dass Strange die alte Dame umgebracht hat, und zwar mit einem Rückhandschlag. So sah es aus, als ob ein Linkshänder den Mord begangen hätte. Sein Alibi hatte er sich mit Hilfe des Zimmermädchens verschafft, mit dem er geflirtet hatte. Sein Motiv war ein zu erwartendes Erbe von fünfzigtausend Pfund und persönlicher Hass.

Audrey und MacWhirter heiraten und gehen gemeinsam nach Chile.

Personen[Bearbeiten]

  • Lady Tressilian, die Gastgeberin
  • Mary Aldin, Lady Tressilians Gesellschafterin
  • Nevile Strange, ein berühmter Tennisspieler
  • Kay Strange, seine zweite Ehefrau
  • Audrey Strange, Stranges erste Ehefrau
  • Edward (Ted) Latimer, Kays Freund
  • Thomas Royde, Audreys entfernter Cousin
  • Mr. Treves, Anwalt und alter Freund von Lady Tressilian
  • Andrew MacWhirter, ein Fremder, der früher schon einmal versucht hat Suizid zu begehen
  • Inspektor James Leach, Battles Neffe
  • Superintendent Battle, der den Fall gemeinsam mit seinem Neffen löst

Superintendent Battle[Bearbeiten]

Superintendent Battle ist einer der wenigen Polizeibeamten im Werk Agatha Christies, der seine Fälle ohne einen der Meisterdetektive zu lösen imstande ist und diesen intelligenzmäßig ebenbürtig ist. Nur in Mit offenen Karten ermittelt er gemeinsam mit Hercule Poirot, Ariadne Oliver und Colonel Race. Auf den ersten Blick begriffsstutzig und durchschnittlich wirkend, löst er seine Fälle mit kriminalistischem Verstand, Erfahrung und Polizeiroutine sowie mit Hilfe eines intelligenten Partners bei den Ermittlungen. Bei seinem letzten Auftritt hat er hier erstmals eine Familie - in Gestalt eines Neffen sowie einer Ehefrau und fünf Kindern. In dem fast 20 Jahre später erschienenen Roman Auf doppelter Spur wird er noch einmal kurz erwähnt und dass er nun in Pension sei.

Widmung[Bearbeiten]

Christie widmete den Roman ihrem guten Freund Robert Graves, britischer Schriftsteller und ein Nachfahre des deutschen Historikers Leopold Ranke. Der gelehrte Autor und Kritiker war während des Zweiten Weltkrieges ihr Nachbar in Devon, wo sich die beiden anfreundeten. Christie schätzte seinen scharfen Verstand. Die Widmung ist ungewöhnlich lang und lautet übersetzt: "Lieber Robert, da Du so freundlich warst mir zu sagen, dass Dir meine Geschichten gefallen, wage ich es, Dir dieses Buch zu widmen. Ich bitte Dich nur, strikt auf Deine Fähigkeiten als Kritiker zu verzichten (die ohne Zweifel durch deine kürzlichen Exzesse auf diesem Gebiet geschärft wurden), wenn Du es liest. Dies ist eine Geschichte zu Deinem Vergnügen und keinesfalls ein Kandidat für Mr. Graves´ 'literarischen Pranger'".[5]

Theaterstück und Verfilmungen[Bearbeiten]

1956 adaptierte Christie selbst den Roman für ein gleichnamiges Theaterstück. 1995 wurde der Roman verfilmt. Als Agatha Christies Tochter, Rosalind Hicks, von den bei der Verfilmung vorgenommenen Veränderungen der Handlung erfuhr – so wurde Inzest in die Filmhandlung eingebaut – untersagte sie als Erbin die Veröffentlichung unter dem Originaltitel. Auch die Namen der Charaktere mussten alle verändert werden. Der Film erschien schließlich unter dem Titel Innocent Lies und hatte eher mittelmäßigen Erfolg.

Hauptartikel: Innocent Lies

Für die dritte Staffel der britischen Fernsehserie Agatha Christie’s Marple wurde der Roman 2007 verfilmt. In dieser Verfilmung löst Miss Marple den Fall, obwohl sie in der Romanvorlage gar nicht vorkommt.

Wichtige englischsprachige und deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • 1944, Dodd Mead and Company (New York), Juni 1944
  • 1944, Collins Crime Club (London), Juli 1944
  • 1946 Deutsche Erstausgabe [3]
  • 2009 Neuübersetzung [4]

Hörbücher[Bearbeiten]

  • 2003 Kurz vor Mitternacht (5 CDs) : einzige ungekürzte Lesung. Sprecher: Reiner Unglaub. Regie: Hans Eckardt: Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen, Marburg [6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. American Tribute to Agatha Christie
  2. Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15)
  3. a b Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  4. a b Neuübersetzung (2009) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  5. http://www.agathachristie.com/story-explorer/stories/towards-zero/
  6. Hörbuch (vollst.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek