Kurzwellenrundfunk

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Dieser Artikel beschreibt die Kurzwelle im Radio. Zur Technik und anderen Einsatzmöglichkeiten von Kurzwellen siehe Kurzwelle, zur Sende- und Antennentechnik der Kurzwelle siehe Kurzwellensender.
Weltempfänger-Radio, auf 3980 kHz Kurzwelle (KW, engl. SW) eingestellt

Der Begriff Kurzwellenrundfunk bezeichnet Rundfunk (hier als Synonym für Hörfunk gebraucht), der drahtlos über Kurzwelle verbreitet wird.

Internationaler Rundfunk[Bearbeiten]

Kurzwellensignale besitzen aufgrund ihrer sehr guten Reflexionseigenschaften an der Ionosphäre eine sehr große Reichweite. Rundfunksender, die auf Kurzwelle senden, können bei geschickter Frequenzwahl auf der ganzen Welt empfangen werden.

Wegen der großen Reichweite von Kurzwellensignalen war – und ist teilweise immer noch – der Kurzwellenrundfunk in erster Linie die Domäne nationaler Sender, die der medialen Darstellung ihres jeweiligen Landes im Ausland sowie der Information der im Ausland lebenden Bürger des eigenen Landes dienen.

In Deutschland hatte diese Aufgabe die Deutsche Welle, die ihren Kurzwellensendebetrieb jedoch am 29. Oktober 2011 (weitgehend) eingestellt hat. In Österreich wurde im Frühjahr 2003 der Auslandsdienst Radio Österreich International vom Österreichischen Rundfunk unter großem Protest der Hörer eingestellt. Seitdem werden Teile des Inlandsprogrammes Ö1 auf Kurzwelle übertragen. Wie geeignet solche Übernahmen aus dem Inlandsprogramm für Hörer im Ausland sind, bleibt fraglich. Auch die Schweiz stellte ihren Auslandsdienst Schweizer Radio International Ende Oktober 2004 ein. Stattdessen wurde das Angebot auf die Internetpräsenz verlagert; dort werden Nachrichten und Berichte angeboten. In der internationalen Medienlandschaft ist jedoch umstritten, ob eine Nachrichtenplattform im Internet als Ersatz für Rundfunksendungen dienen kann.

Als Gründe für die Einstellung werden häufig hohe Kosten und eine schlechte Klang-Qualität genannt. Kurzwellensender haben häufig eine Sendeleistung von 100 kW (ERP), bis hin zu 500 kW. Eine Alternative bietet allerdings die digitale Modulation von Kurzwellensignalen die vom Digital-Radio-Mondiale-Konsortium (DRM-Konsortium) gefördert wird.

Zielgruppen und Programm-Auftrag des internationalen Rundfunks sind im Folgenden beschrieben:

  • Touristen und im Ausland lebende Bürger des eigenen Landes sollen mit Informationen aus ihrer Heimat versorgt werden.
  • Ausländische Hörer erhalten Informationen und Hintergrundberichte des jeweiligen Landes in ihrer eigenen Sprache. Ein Großteil dieser Hörergruppe betreibt internationalen Rundfunkempfang auch als Hobby, das als DXen bezeichnet wird.
  • So genannte Meinungsbildner, wie zum Beispiel Journalisten, hören Auslandssender ab, um Informationen aus dem sie interessierenden Land aus erster Quelle zu erhalten. Einige Staaten unterhalten Pressedienste, die internationale Sender abhören und die Information der Regierung in zusammenfassenden Berichten zur Verfügung stellen.

In manchen Ländern ist der Kurzwellenrundfunk auch für die nationale Rundfunkversorgung von großer Bedeutung, so etwa in manchen asiatischen Ländern und in Indien oder in Australien. Folgende Gründe gibt es dafür:

  • Wegen dünner Besiedlung, großer Ausdehnung und/oder aus topographischen Gründen ist der Ausbau flächendeckender UKW-Senderketten zu kostspielig oder unwirtschaftlich.
  • In tropischen Ländern eignet sich die Mittelwelle aus atmosphärischen Gründen (große Gewitterhäufigkeit) nur wenig zur Rundfunkübertragung. Im Kurzwellenbereich stehen für diese Regionen eigene reservierte Rundfunkbänder zur Verfügung, die sogenannten Tropenbänder, die in diesen Gebieten nur wenig durch die Atmosphäre gestört werden.

Die Aussendung von Rundfunksendungen über Satelliten und das Internet hat die Bedeutung des Kurzwellenrundfunks in Europa, Nordamerika und Australien stark zurückgedrängt. So haben gar einige Auslandssender ihr Kurzwellenprogramm für diese Zielgebiete zum Teil ganz eingestellt, wie zum Beispiel der BBC World Service für Nordamerika sowie West- und Mitteleuropa.

Neue Medienanalysen zeigen jedoch, dass viele Kurzwellenhörer nicht auf das Internet umgestiegen sind.

Der Empfang per Radio ermöglicht eine Anonymität, die im Internet nicht möglich ist. Zudem ist es oft genug bedeutend einfacher, einen kleinen Kurzwellenempfänger mitzunehmen, als Zugang zum Internet oder einer Satellitenempfangsanlage zu bekommen.

Rundfunkbänder im Kurzwellenbereich[Bearbeiten]

Meterband Frequenzbereich Bemerkung
120 m 2300–2495 kHz Tropenband
90 m 3200–3400 kHz Tropenband
75 m 3900–4000 kHz nicht in Amerika
60 m 4750–5060 kHz Tropenband
49 m 5900–6200 kHz weltweit
41 m 7200–7450 kHz weltweit
31 m 9400–9900 kHz weltweit
25 m 11.600–12.100 kHz weltweit
22 m 13.570–13.870 kHz weltweit
19 m 15.100–15.800 kHz weltweit
16 m 17.480–17.900 kHz weltweit
15 m 18.900–19.020 kHz weltweit
13 m 21.450–21.850 kHz weltweit
11 m 25.670–26.100 kHz weltweit

Im Gegensatz zu heimischen UKW-Sendern, die rund um die Uhr auf einer festen Frequenz senden, müssen Kurzwellensender ihre Frequenzen mehrmals am Tag ändern. Der Grund ist die Abhängigkeit der Ausbreitungsbedingungen der Kurzwellensignale von der Tages- und Jahreszeit.

Die dem Rundfunkdienst auf Kurzwelle zugewiesenen Frequenzbereiche – auch Frequenzbänder oder Meterbänder genannt – sind über das ganze Kurzwellenspektrum verteilt. Innerhalb der Bänder wird ein 5-kHz-Raster benutzt (Trägerfrequenz xxxx0 kHz und xxxx5 kHz). Manche Sender arbeiten aber auch außerhalb dieser Bänder und machen, wegen ihrer weit höheren Feldstärken, die entsprechenden Frequenzen für praktisch alle legitimen Nutzer unbrauchbar. Die nebenstehende Tabelle gibt einen Überblick über alle Rundfunkbänder im Kurzwellen-Bereich.

Die Rundfunkbänder sind aus historischen Gründen (in der Anfangszeit des Funks konnte man nur Wellenlängen messen, aber keine Frequenzen zählen) nach ihren ungefähren Wellenlängen benannt. So entspricht zum Beispiel die Frequenz 6.100 kHz ungefähr einer Wellenlänge von 49 Metern. Daher wird der Frequenzbereich von 5.900 kHz bis 6.200 kHz als 49-Meter-Band bezeichnet. In den Abendstunden können auf dem 49-Meter-Band fast alle europäischen Auslandssender empfangen werden. So wird das 49-Meter-Band häufig auch Europaband genannt.

Propaganda, freie Informationsquelle und Untergrundsender[Bearbeiten]

Wegen seiner großen Reichweite spielte der Kurzwellenrundfunk auch im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Er diente primär als Propagandainstrument. Auf deutscher Seite sendete der dem Reichspropagandaministerium unterstellte Deutsche Kurzwellensender Nazi-Propaganda in vielen Sprachen in alle Welt; zu den größeren deutschen Auslandssendern gehörte auch Germany Calling. Neben ihren staatlichen Sendern stellten die Alliierten wie die Deutschen Programme mit „schwarzer Propaganda“, also gezielter Desinformation zusammen, die Briten etwa in Form des Tarnsenders Soldatensender Calais.

In Deutschland als Rundfunkverbrechen geahndet wurde das Hören der Kurzwellen des Kriegsgegners, d.h. des Empfangs von „Feindsendern“, allen voran der BBC, die für viele Deutsche die einzige Quelle für unbeschönigte Informationen über den Kriegsverlauf war. Allerdings verfügte nur eine Minderheit der Bevölkerung über die dafür notwendigen Empfangsgeräte. Die für die breite Masse des Volkes erschwinglichen Volksempfänger-Modelle (der VE301 und seine Nachfolger) waren absichtlich lediglich für die Lang- und Mittelwellenbereiche ausgelegt und, aufgrund ihrer einfachen Bauweise, nur zum Orts- und Bezirksempfang geeignet. Daher hält sich wohl auch bis heute die Legende, der Empfang ausländischer Sender sei bei diesen – im Volksmund gerne Goebbelsschnauze oder Schreiender Jupp genannten – Geräten durch gezielte technische Manipulationen unterbunden worden.

Bereits vor dem Krieg blühten auch privat betriebende Kurzwellensender, weil sie es kleinen politischen Gruppen ermöglichten, weltweit Gehör zu finden. Die Hitler-Regierung setzte dagegen drastische Maßnahmen ein und verschärfte das „Gesetz gegen die Schwarzsender“ am 24. November 1937: „Fortan wird Schwarzsenden mit Zuchthaus bestraft“, schreibt der Diplomingenieur Fritz W. Behn am Beginn seines Sachbuchs über den Bau von Kurzwellensendern.[1] Die Novellierung des Gesetzes bestrafte nun auch jeden, der einen solchen Sender ohne Genehmigung der Reichspost baute oder bei sich verwahrte, mit Zuchthaus. Um seinem elektrotechnischen Buch den passenden abschreckenden Ton zu geben, machte sich Behn zum Sprachrohr des Gesetzgebers:

„Ob dabei einzelne Teile oder Verbindungen des Senders noch fehlen oder entfernt worden sind, ist belanglos. Also Ausreden, der Sender sei noch gar nicht fertig und nicht betriebsfähig, nützen nichts. Auch [...] Wellenmesser, die elektrische Schwingungen aussenden, fallen unter den Begriff ‚Funksendeanlagen‘. Die Deutsche Reichspost erteilt nur solchen Funkfreunden Sendegenehmigungen, die Mitglieder des [...] Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienst e. V., Berlin-Dahlem, Cecilienallee 4 [sind].“

Die Rolle des Kurzwellenrundfunks wandelte sich in der Zeit des Kalten Krieges, als über die Kurzwelle die jeweils gegnerische Seite Propagandasendungen in ihrer Landessprache empfangen konnte. Derartige Sender waren zum Beispiel die aus US-amerikanischen Quellen finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty, die antikommunistische Sendungen in osteuropäischen Sprachen ausstrahlten. In umgekehrter Richtung waren es zum Beispiel Radio Moskau, Radio Tirana oder Radio Peace and Progress. Als neutral versuchte sich zum Beispiel Radio Sweden International zu positionieren.

Das Hören von Ostblock-Sendern konnte in den USA in der McCarthy-Ära als antiamerikanischer Umtrieb gewertet werden und ernsthafte Konsequenzen für den Hörer nach sich ziehen. In den kommunistischen Ländern war das Hören ausländischer Sendungen bei Strafe verboten. Die Sendungen wurden von Störsendern, die Störgeräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Stimmengewirr auf den benutzten Kurzwellen-Frequenzen ausstrahlten, gestört (so genanntes Jamming). Dies gilt als Verstoß gegen das Menschenrecht auf freie Wahl der Informationsquelle. Auch Sender wie die Deutsche Welle, der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS Berlin), die Voice of America und der BBC World Service wurden gestört.

Eine weitere Möglichkeit, den Empfang ausländischer Radiosender zu stören, besteht darin, nationale Sender auf den Frequenzen unliebsamer Sender zu betreiben. So sendeten einige kubanische Radiostationen ihr Inlandsprogramm auf Frequenzen von Radio Martí und anderen populären Mittelwellen-Stationen aus Florida, um den Empfang in Kuba zu erschweren. Im Irak benutzte der Inlandsdienst von Radio Bagdad einige der Kurzwellen-Frequenzen von Radio Sawa, dem arabischen Programm der Voice of America.

Auch heute finden sich auf Kurzwelle noch Oppositions- und Untergrundsender (Clandestine stations), die je nach Standort illegal (nach lokaler Gesetzesauslegung am Senderstandort), geduldet oder legal betrieben werden. Solche Sender fallen häufig, aber nicht immer, durch technische Probleme auf. Typischerweise ist die verwendete Sendetechnik alt oder sehr beschränkt, bis hin zur Verwendung von Amateurfunktechnik und Eigenbauten. Sender werden, oft gezwungenermaßen, an ungünstigen Standorten mit ungünstigen und unzureichenden Antennen betrieben, und die technische Erfahrung der Betreiber ist gering. Hinzu kommt, dass die gewählten Sendefrequenzen nicht international abgestimmt sind. Auch das Senden außerhalb der für Rundfunk reservierten Bänder, wenn auch häufig nur knapp außerhalb, ist häufig zu finden. Aus einem technisch einwandfreien Betrieb lässt sich oft schließen, dass der Sender materiell und finanziell gut ausgestattet ist und an seinem Standort zumindest geduldet wird.

Der Irak, Afghanistan und Nordkorea sind (Stand 2006) beliebte Zielgebiete von Oppositions- und Untergrundsendern. Afrika erlebt zur Zeit (auch Stand 2006) eine Renaissance solcher Sender.

Kurzwellenrundfunk heute[Bearbeiten]

Die Kurzwelle bietet aufgrund ihrer besonderen Ausbreitungsbedingungen die Möglichkeit, Radiosendungen aus jedem Land der Erde zu empfangen. So bieten diese Sendungen den Vorteil, Nachrichten direkt aus erster Quelle zu erhalten – nicht zitiert oder referiert, wie es in den heimischen Medien der Fall ist. Dies ist ein besonderer Vorzug des Kurzwellenempfangs.

So ist es zum Beispiel möglich, über Kurzwelle live die Atmosphäre eines emotionsgeladenen südamerikanischen Fußballspiels zu erleben oder die neuesten Nachrichten und Musik aus Ländern zu hören, die nur selten in den heimischen Medien erwähnt werden.

Heute senden Radiostationen aus über 30 Ländern deutschsprachige Programme. Es handelt sich meist um Informations- und Unterhaltungsprogramme mit einer Dauer von einer Viertel- bis zwei Stunden, die in den Abendstunden nach Europa gesendet werden. Aus über 200 Ländern sind englischsprachige Sendungen zu hören.

Kurzwellenempfang als Hobby[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum betreiben viele Menschen den Kurzwellenempfang als Hobby – mehr als 4000 Hörer sind sogar in Kurzwellen-Hörerklubs organisiert. Der Empfang von weit entfernten lokalen Radiosendern wird als DXen bezeichnet. Kurzwellenhörer können Empfangsberichte an die Rundfunkanstalten schicken und sich den Empfang mit QSL-Karten bestätigen lassen. Die interessante und vielfältige Aufmachung der Karten macht sie zu beliebten Sammlerobjekten. Umgekehrt sind diese Empfangsberichte auch für die Sender sehr wichtig, da sie Aufschluss über Ausbreitungsbedingungen und Reichweite geben. Auch Fernempfang auf anderen Wellenbereichen, wie Mittel- und Langwelle, wird mit QSL-Karten bestätigt.

Zur Beurteilung der Empfangsqualität wird in Empfangsberichten häufig das SINPO-System verwendet. Dies ist ein Zahlencode, der die Signalstärke, Störungen, Nebengeräusche und Schwund beschreibt.

Alternativ wird der SIO-Code verwendet, der eine weniger detaillierte Beschreibung liefert. Diese Art des Empfangsberichts benutzten DXer für Berichte an große Auslandssender. Für kleinere Lokalsender wird der Empfang meist in Form eines persönlichen Berichtes verfasst. Alternativ gibt es auch das RST-System.

Internationale Rundfunksender sind auf einen engen Kontakt zu ihren Hörern angewiesen. So ist dies die einzige Möglichkeit, eine Resonanz auf ihre Sendungen zu erhalten. Oft pflegen Hörer wie Sender per Post oder neuerdings per E-Mail ein freundschaftliches Verhältnis untereinander und legen ihrer Korrespondenz gelegentlich kleine Souvenirs wie Aufkleber oder Wimpel bei.

Aktuelle Trends[Bearbeiten]

Die Kurzwellenübertragung beruht auf Reflexionseffekten an verschiedenen Schichten der Ionosphäre. Der Aufbau der Ionosphäre wird entscheidend von der Sonnenfleckenaktivität bestimmt, die in einem etwa 11-jährigen Zyklus steigt oder fällt. In einem Sonnenfleckenminimum funktioniert die Kurzwelle grundsätzlich wesentlich schlechter als in Zeiten des Maximums. Seit 2008 befinden wir uns in einem ungewöhnlich langen Minimum, das 2011 wohl geendet hat. Es liegt aber in der Natur solcher Prozesse, dass man sie erst im Nachhinein analysieren kann.

Internet-Radio[Bearbeiten]

Das Betreiben von Kurzwellen-Sendeanlagen ist relativ teuer. Da mit dem Ende des Kalten Krieges sowohl die Motivation, aus Propagandagründen zu senden, als auch die Notwendigkeit, neutrale Informationen bereitzustellen, weggefallen sind, gibt es einen Trend, Kurzwellensendungen einzustellen oder zu vermindern (Beispiel Danmarks Radio, Radio Monte Carlo, Voice of the Mediterranean, Radio Österreich International, Radio Tirana, IBB/VoA, in neuerer Zeit auch die deutschsprachigen Sendungen von Radio Schweden und der BBC World Service für Europa und Nordamerika). Häufig wird dabei als möglicher Ersatz auf Internet-Radio oder auf Podcasts verwiesen.

Das Betreiben eines Internet-Radios beziehungsweise das Verbreiten einer Rundfunksendung über Internet ist unvergleichlich preiswerter als das Betreiben von Kurzwellensendern. Es gibt kein Gerangel um Frequenzen, Probleme mit der Wellenausbreitung, etc. Die per Internet zu erzielenden Reichweiten sind groß – allerdings werden gerade jene Gegenden nicht erreicht, die technisch unterversorgt sind oder in denen abweichende Ansichten aus politischen Gründen staatlicherseits unterdrückt werden und in denen folglich auch das Internet zensiert wird (z. B. China, Iran, Nordkorea). In diesen Gebieten ist der Kurzwellenrundfunk nach wie vor eine der wenigen echten Informationsquellen.

Digitaler Kurzwellenhörfunk mittels DRM[Bearbeiten]

Der UKW-Hörfunk kann aufgrund der verwendeten Frequenzmodulation (FM) und einer größeren Bandbreite eine deutlich bessere Empfangsqualität als die im Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich verwendete Amplitudenmodulation (AM) bieten. Mit der weltweit zunehmenden Verbreitung von FM-Sendern, auch in abgelegenen Gebieten, gewinnt FM als Modulationsart eine deutlich größere Popularität als Sendungen im AM-Bereich. So war die Anzahl der Kurzwellensendungen in den letzten Jahren rückläufig. Um die Empfangsqualität der Sender zu optimieren, möchte man sich zukünftig der digitalen Kurzwelle (DRM) bedienen.

Am 16. Juni 2003 ging bei der Weltfunkkonferenz (WRC) in Genf das Digital Radio Mondiale (DRM) in den Regelbetrieb. Nach und nach senden nun einige Kurzwellensender zusätzlich digitale Ausstrahlungen zum herkömmlichen AM-Rundfunk. Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 2003 wurden erstmals digitale Empfänger mit DRM-Decodierung vorgestellt.

Bis heute gibt es nur wenige DRM-taugliche Kurzwellenempfänger, die zudem relativ groß sind, einen hohen Stromverbrauch haben und meist auch vergleichsweise schlechte Empfangsleistungen aufweisen.[2]

Empfangsbeeinträchtigungen[Bearbeiten]

Durch natürliche und andere Einflüsse kann es zu Beeinträchtigungen des Kurzwellenempfangs kommen. Die natürlichen Einflüsse, die man als Funkwetter bezeichnet, sind beispielsweise:

  • Aktivitäten auf der Sonne (Sonnenfleckenminimum, Sonnenfleckenmaximum); hierdurch werden die ionisierenden Schichten, die die Kurzwellenbänder reflektieren, verändert.
  • Gewitter, das auf Kurzwelle charakteristische „Knacken“ durch die Blitzentladungen.

Zu den nichtnatürlichen Einflüssen gehört beispielsweise

  • Abstrahlungen aus Computern, Konsumelektronik und anderen elektronischen Geräten, die häufig die Vorschriften für Elektromagnetische Verträglichkeit nicht einhalten.
  • Powerline Communication, kurz PLC, auch bekannt unter „Internet aus der Steckdose“ oder „LAN aus der Steckdose“.

Einige PLC-Kritiker sehen in dieser „technischen Zensur“ eine Verletzung des Grundgesetzes Artikel 5 Absatz 1: „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ In den Bedienungsanleitungen der PLC-Geräte findet man meist einen Hinweis ähnlich dem folgenden: Diese Einrichtung kann im Wohnbereich Funkstörungen verursachen; in diesem Fall kann vom Betreiber verlangt werden, angemessene Maßnahmen durchzuführen.

Auswahl einiger Kurzwellensender[Bearbeiten]

Internationale Auslandssender:

Nationale Sender auf Kurzwelle:

US-amerikanische Auslandssender:

Missionssender/Religiöse Programme:

Ehemalige Auslandssender:

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Hörfunk – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Hörfunk

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Schmitz, Wolf Siebel: Sender & Frequenzen 2014 - Jahrbuch für weltweiten Rundfunkempfang 31. Jahrgang. vth – Verlag für Technik und Handwerk GmbH, Baden-Baden, ISBN 978-3-88180-888-0.
  • World Radio TV Handbook WRTH 2008, ISBN 3-87463-424-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Frith W. Behn: Der Kurzwellensender. Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1939
  2. DRM Radios and Equipment. In: Digital Radio Mondiale. Abgerufen am 21. August 2011 (Überblick über die derzeit im Handel erhältlichen DRM-Radios) (am 24. Februar 2013 nicht abrufbar)