Kvitøya

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Kvitøya
Handtuch aus der Andrées Polarexpedition von 1897, jetzt im Polarmuseum Tromsø
Handtuch aus der Andrées Polarexpedition von 1897, jetzt im Polarmuseum Tromsø
Gewässer Arktischer Ozean
Inselgruppe Svalbard
Geographische Lage 80° 10′ N, 32° 25′ O80.1656632.422657410Koordinaten: 80° 10′ N, 32° 25′ O
Kvitøya (Svalbard und Jan Mayen)
Kvitøya
Länge 42 km
Breite 22,5 km
Fläche 682 km²
Höchste Erhebung 410 m
Einwohner (unbewohnt)

Kvitøya (deutsch: „Weiße Insel“) ist eine Insel des zu Norwegen gehörenden Svalbard-Archipels in der Barentssee nordöstlich der Insel Nordostland. Sie ist die östlichste Insel von Spitzbergen und damit der östlichste Teil von Norwegen. Nur 62 Kilometer weiter östlich liegt die Victoria-Insel, die zu der russischen Inselgruppe Franz-Joseph-Land gehört. Kvitøya hat eine Fläche von fast 700 km² und ist unbewohnt.

Klima[Bearbeiten]

Wie auf dem gesamten Svalbard-Archipel ist das Klima der hohen geografischen Breite entsprechend hocharktisch. Bringt der Westspitzbergenstrom (der letzte nördliche Ausläufer des warmen Golfstroms) an den Westküsten Svalbards für arktische Verhältnisse noch relativ hohe Temperaturen und viel Niederschlag, so hat der kalte Ostspitzbergenstrom Kvitøya mit seinen kalten Wasser- und Eismassen klimatisch fest im Griff. Auch im Sommer sind die Inseln aufgrund der Eisverhältnisse nicht immer zu erreichen.

Geologie[Bearbeiten]

Die Ostseite der Insel besteht größtenteils aus dem harten Gestein Gabbro. Das westliche Andréeneset besteht aus einem bunten Gemisch aus rötlichem Migmatit und dunklem Gneis, mit vielen Ganggesteinen. Es stammt wahrscheinlich aus dem Mesoproterozoikum und ist also über eine Milliarde Jahre alt.

Landschaft[Bearbeiten]

Kvitøya ist fast vollständig von der 700 km² großen Eiskappe Kvitøyjøkulen bedeckt. Offiziell gibt es nur drei eisfreie Stellen. Die größte davon ist Andréeneset im Westen mit 5 km² felsig-kiesigem Flachland.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Kvitøya ist größtenteils eine lebensfeindliche Eiswüste. Die Vegetation auf den wenigen eisfreien Flächen besteht vor allem aus Moosen und Flechten. Auf der Insel gibt es Küstenseeschwalben-Kolonien, auch Eisbären halten sich dort von Zeit zu Zeit auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Es ranken sich Legenden um ein geheimnisvolles „Giles-Land“ oder „Gillis Land“, 1707 erstmals von dem Holländer Cornelius Giles gesichtet[1]. Giles-Land erschien viele Jahrzehnte lang in allen Größen, Formen und Positionen auf diversen Landkarten und wurde erst im späten 19. Jahrhundert erstmals betreten. Bekannt wurde dieses Giles-Land (oder Kvitøya, wie es heute heißt) durch die Entdeckung der dort endgültig gescheiterten Expedition von Salomon August Andrée, der 1897 von Virgohamna auf Danskøya aus zusammen mit zwei Begleitern mit dem Ballon Örnen nach Norden fuhr. Unfreiwillig landeten die drei etwa 300 km nördlich von Andréeneset auf dem Eis, wandten sich daraufhin zu Fuß nach Süden und kamen am 5. Oktober 1897 nach Kvitøya, wo sie nach wenigen Tagen oder Wochen starben. Erst im Jahr 1930 wurde das Lager von der norwegischen Bratvaag-Expedition unter der Leitung von Gunnar Horn entdeckt. Heute steht auf Andréeneset ein Denkmal für Salomon August Andrée, Knut Frænkel und Nils Strindberg.

Das Nordost-Svalbard-Naturreservat[Bearbeiten]

Kvitøya befindet sich vollständig im Nordost-Svalbard-Naturreservat. Es ist dort jeglicher technischer Eingriff (Bau von Gebäuden, Betrieb von Bergwerken, usw.), jegliches Hinterlassen von Abfall, sowie jegliche Störung oder Einführung von Tieren und Pflanzen verboten. Zusätzlich darf das Land nicht mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden. Der Sysselmann kann außerdem Gebiete für Besucher völlig sperren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Johann Jacob Egli: Nomina Geographica: Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Georg Olms Verlag, 1973 (Nomina Geographica in der Google-Buchsuche).