Kweku Adoboli

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Kweku Adoboli (2011)

Kweku Mawuli Adoboli[1] (* 21. Mai 1980[2] in Tema,[3] Ghana) ist ein ghanaischer Investmentbanker und ehemaliger Angestellter der Schweizer Großbank UBS. Für diese arbeitete er im Investment Banking in London. Durch nicht autorisierte Handelsspekulationen erlitt die Bank 2011 durch ihn einen Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar. Im November 2012 wurde er in erster Instanz wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.[4] Er legte im Dezember 2012 Berufung gegen das Urteil ein,[5] scheiterte am Londoner Berufungsgericht jedoch endgültig im Sommer 2014 und blieb in Haft.[6][7]

Leben[Bearbeiten]

Adoboli wuchs wegen der beruflichen Tätigkeit seines Vaters, eines Diplomaten bei den Vereinten Nationen (UN),[8] in verschiedenen Ländern auf. 1991 zog er mit seiner Familie nach London. Ein Jahr später zogen seine Eltern weiter, Adoboli blieb im Vereinigten Königreich und besuchte eine private Internatsschule in West Yorkshire. Nach dem Schulabschluss und einer Jahrespause studierte er ab dem Jahr 2000 an der Universität Nottingham zunächst Chemieingenieurwesen, bevor er zu E-Commerce und Wirtschaftsinformatik wechselte.[9]

Erstmals in Kontakt mit der UBS kam er im Jahr 2002 als Praktikant.[10] Nach dem Studienabschluss mit dem Bachelor stieg er im September 2003 bei der UBS als Trainee für Hochschulabsolventen ein. Er arbeitete in der Handelsabwicklung (Back Office), bevor er Ende 2005 in den Handel (Frontoffice) kam. Dort arbeitete er zuletzt ab Ende September 2006 im Londoner Delta-1-Handelsteam im Bereich „Global Synthetic Equity“[11] mit Exchange-traded funds (ETFs).[12][13] Im März 2008 wurde er zum Associate Director befördert.[9]

Anklage und Verurteilung[Bearbeiten]

Am 15. September 2011 wurde Adoboli in London verhaftet.[14] Ihm wurde vorgeworfen, durch unautorisierte Handelsgeschäfte einen Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar (ca. 2 Milliarden Schweizer Franken) verursacht zu haben. Er wurde am 16. September 2011 angeklagt, später wurde die Anklage um weitere Fälle erweitert. Insgesamt wurde ihm Betrug durch Missbrauch seiner Position in zwei Fällen sowie vier Fälle falscher Buchführung (Bilanzfälschung) zwischen Oktober 2008 und September 2011 vorgeworfen.[15][16] Am 8. Juni 2012 entschied ein Gericht, dass er unter Auflagen auf Kaution freikommt. Der Prozess gegen ihn begann am 10. September 2012 in London.[8] Er plädierte auf nicht schuldig,[17][18] räumte aber vor Gericht ein, dass er Risikovorschriften der Bank missachtet, mit geheimen Konten gearbeitet und den Verlust verursachte hatte. Zu seiner Verteidigung führte er ins Feld, dass er dabei immer das Wohl der UBS im Auge gehabt habe und seine Vorgesetzten seine Handlungen stillschweigend geduldet hätten.[19][20] Am 20. November 2012 wurde Adoboli in erster Instanz von einem Londoner Geschworenengericht wegen Betrugs in zwei Fällen verurteilt. Der Richter legte die Haftstrafe auf sieben Jahre fest, wovon zumindest die Hälfte zu verbüßen ist.[20] Vom Vorwurf der falschen Buchführung[16] (Bilanzfälschung) in vier Fällen wurde er freigesprochen.[4] Er legte im Dezember 2012 Berufung gegen das Urteil ein,[5] die jedoch ein Richter im Juni 2013 ablehnte.[20] Ein daraufhin eingereichter zweiter Antrag auf Berufung, über den drei Richter in einer Anhörung zu entscheiden hatten,[19] wurde ein Jahr später ebenfalls abgelehnt. Einer der Richter sagte: „Wir haben keine Zweifel, dass die Verurteilung angebracht ist.“[6][7]

Sicht der UBS[Bearbeiten]

Laut UBS entstand der Verlust durch unautorisierten, spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, DAX und Euro Stoxx im Verlauf der letzten drei Monate vor der Anklage. Dabei habe der Händler die Risikolimiten überschritten. Dies habe er aber dadurch verdeckt, dass er Schein-Absicherungsgeschäfte getätigt habe. Das habe zu einer Verfälschung der tatsächlichen Dimension des Risikos geführt. Nachdem die UBS-Kontrollstellen die Positionen des Händlers geprüft und Rückfragen an ihn gerichtet hätten, habe dieser am 14. September 2011 seine unerlaubten Aktivitäten zugegeben.[11][21]

Oswald Grübel, Chief Executive Officer (CEO) der UBS, trat wegen dieses Vorfalls am 24. September 2011 zurück.[22][23]

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) kündigte eine umfassende, unabhängige Untersuchung in Zusammenarbeit mit der britischen Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority (FSA) an.[24] Ein Sprecher der Finma bezeichnete den Fall als den bisher größten bei einer Schweizer Bank.[25] Es handelt sich um den größten Betrugsfall in der britischen Geschichte.[26]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Jérôme Kerviel, ein ehemaliger Mitarbeiter der französischen Großbank Société Générale, der im Januar 2008 als Händler im Eigenhandel hohe Verluste verursachte und gerichtlich verurteilt wurde.
  • Nick Leeson, ein ehemaliger Derivatehändler, der durch riskante Spekulationen den Zusammenbruch der britischen Barings Bank verursachte und gerichtlich verurteilt wurde.
  • Yasuo Hamanaka, ein ehemaliger Kupferhändler für die Sumitomo Corporation in Japan, der hohe Verluste verursachte und gerichtlich verurteilt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kweku Mawuli Adoboli in: Financial Services Authority (FSA) Register, abgerufen am 21. September 2011 (Archiv-Kopie)
  2. Trader in UBS scandal was a „loyal“ employee. In: Financial Times vom 16. September 2011 (Registrierung erforderlich)
  3. Bettina Schulz: Die kriminellen Zocker aus den Handelsräumen. In: faz.net vom 18. September 2011
  4. a b Peter Rásonyi: Gefängnisstrafe: Kein Pardon für Adobolis Betrügereien. In: Neue Zürcher Zeitung vom 20. November 2012
  5. a b Ex-UBS-Händler Adoboli legt Berufung gegen Gefängnisstrafe ein. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. März 2013, abgerufen am 7. August 2014.
  6. a b Adoboli scheitert definitiv mit Berufung gegen Verurteilung. In: Blick (Zeitung). 4. Juni 2014, abgerufen am 7. August 2014.
  7. a b Kweku Adobolis Verurteilung:«Fair and square». finews.ch, 5. Juni 2014, abgerufen am 7. August 2014.
  8. a b Peter Rásonyi: UBS-Händler Adoboli vor Gericht. In: Neue Zürcher Zeitung vom 10. September 2012
  9. a b Leo Müller: Der Spieler. Porträt in: Bilanz 17/2012 vom 6. Oktober 2012
  10. Arthur Rutishauser: Weitere Vorwürfe gegen Adoboli. In: Tages-Anzeiger vom 23. September 2011
  11. a b UBS liefert mehr Details zu den unautorisierten Handelsgeschäften. Medienmitteilung vom 18. September 2011
  12. Markus Diem Meier: Die wahre Gefahr im Delta-1-Handel. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 22. September 2011
  13. Was trieb UBS-Händler Adoboli an? In: Neue Zürcher Zeitung vom 21. September 2011
  14. UBS-Kontrolleure sollen Milliarden-Minus übersehen haben, Spiegel Online, 16. September 2011
  15. Peter Walker: City banker who almost sunk UBS denies being a „rogue trader“. In: The Guardian vom 29. Oktober 2012
  16. a b Medienmitteilungen der UBS zu „Unautorisierte Handelsgeschäfte.“ Abgerufen am 13. November 2012
  17. 'Händler Adoboli kommt auf freien Fuss. In: Tages-Anzeiger/Newsnet vom 8. Juni 2012
  18. UBS Roque trader“ granted bail by UK court. In: Reuters vom 8. Juni 2012
  19. a b Ex-UBS-Händler Kweku Adoboli legt erneut Berufung gegen Urteil ein. In: finanzen.ch vom 1. August 2013
  20. a b c Jeremy Hodges: Ex-UBS-Händler Adoboli scheitert mit erstem Berufungsantrag. In: Die Welt vom 30. Juli 2013
  21. UBS-Chef Grübel will «Verantwortung übernehmen» in: NZZ Online vom 19. September 2011
  22. Sergio P. Ermotti zum Group CEO ad interim ernannt – Oswald J. Grübel tritt zurück. Medienmitteilung vom 24. September 2011
  23. UBS-Konzernchef Oswald Grübel tritt zurück NZZ Online, 24. September 2011
  24. UBS-Handelsverluste: FINMA und UK FSA starten Untersuchung. Medienmitteilung in: Eidgenössische Finanzmarktaufsicht vom 16. September 2011
  25. Frank Jordans: Rogue trader causes US$2 billion loss at UBS. In: Associated Press. Abgerufen am 21. September 2011. 
  26. Tina Kaiser: Milliarden-Zockerei – Lange Haftstrafe für Adoboli. In: Die Welt vom 20. November 2012