Léon Degrelle

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Léon Degrelle alias José de Ramirez Reina (* 15. Juni 1906 in Bouillon, Belgien; † 31. März 1994 in Málaga, Spanien) war der Führer der belgischen Rexisten und ein Offizier der Waffen-SS, zuletzt offiziell im Rang eines SS-Standartenführers.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Leon Degrelle wurde als ältestes von acht Kindern eines katholischen Lokalpolitikers im französischsprachigen Wallonien geboren und studierte Rechtswissenschaften an der Universität Löwen. Daneben arbeitete er als Journalist des Jugendmagazines Cahiers de la Jeunesse Catholique und wurde im Alter von zwanzig Jahren Leiter des Verlags Editions Rex in Löwen. Der Verlag veröffentlichte vorwiegend katholisch geprägte Schriften für die Jugend. Nachdem er einen positiven Artikel über den antiklerikalen, faschistischen Schriftsteller Charles Maurras veröffentlicht hatte, wandten sich die katholischen Hochschulkreise gegen ihn; er agierte von da an immer kritischer und rücksichtsloser, auch gegen die Kirche.

Aus Unzufriedenheit über die Politik der damals in Belgien führenden Katholischen Partei, die auch mit den belgischen Sozialisten zu Kompromissen bereit war, die keine Lösung für den dauernden Konflikt zwischen französischsprachigen Wallonen und den vielfach sozial benachteiligten niederländischsprachigen Flamen fand und nach Degrelles Meinung ein „Geschwür“ war, begann er, sich im politischen Bereich zu engagieren. Im Jahre 1935 formierte er innerhalb weniger Monate die rexistische Bewegung Mouvement National Rexiste.

Rolle während des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Beim Einmarsch der Wehrmacht in Belgien 1940 wurde Degrelle über Dünkirchen nach Lille in Frankreich deportiert, in der Zentrale des Deuxième Bureau verhört und nach eigenen Angaben gefoltert. Infolge des Vormarsches der Deutschen wurde er über Rouen, Nantes und Tours bis nach La Rochelle verbracht. Er befand sich dort, wie auch später im Gefangenenlager der Spanienkämpfer in Le Vernet, in Haft mit Abgeordneten der Parti communiste français, die im Zuge des Parteiverbots verhaftet worden waren. Die Regierung Restfrankreichs veranlasste auf Drängen der belgischen Exilregierung, die sich ebenfalls in Vichy befand, die Entlassung Degrelles, der nach Belgien zurückkehrte.

1941 stellte die deutsche Wehrmacht einen Truppenverband in Bataillonsstärke auf, der an der Ostfront unter dem Kommando von Georges Jacobs zum Einsatz kam. Die rund 1.000 Mann der „Wallonischen Legion“ trugen zunächst Heeresuniformen mit dem belgischen Wappen auf dem linken Ärmel. Sie verpflichteten sich in der Wehrmacht zunächst für zwei Jahre, mit der Option, sich weiterzuverpflichten oder die Heimreise anzutreten.

Mit der Vorstellung von einem „Gemeinsamen Europa“ – bezogen auf ein Mitspracherecht der Wallonen in diesem Europa nach dem „Endsieg“ – schlug Degrelle zunächst Himmler, dann Hitler selbst eine Beteiligung von Wallonen im Rahmen der Wehrmacht vor, unter der Bedingung, dass diese Beteiligung nur im „Osten“, also gegen den Kommunismus zu erfolgen habe. Flamen waren in der Wehrmacht seit 1941 aktiv.

Mit der Anordnung, sämtliche nichtdeutschen Freiwilligen in die Waffen-SS zu überführen, wurden auch die Reste der an der Ostfront zerschlagenen Wallonischen Legion reorganisiert und – materiell und personell verstärkt – zu einer SS-Sturmbrigade umgebildet. Degrelle wurde zum SS-Sturmbannführer ernannt und übernahm die politische Führung der Brigade; die militärische Führung lag bei SS-Obersturmbannführer Lucien Lippert und später in den Händen von SS-Oberführer Karl Burk. Nach verlustreichen Kämpfen wurde die Brigade gegen Kriegsende noch zur 28. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Wallonien“ (wallonische Nr. 1) umbenannt, blieb jedoch hinsichtlich der Personalstärke und der Ausrüstung eine Brigade.

Léon Degrelle in Charleroi, 1944

Im September 1944 wurde Degrelle Kommandeur der 28. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Wallonien“. Bei Kriegsende entging Degrelle der Gefangennahme durch Flucht nach Spanien. Am 14. Dezember 1945 wurde er in Belgien in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Degrelle wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse, der Nahkampfspange in Gold,[1] dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes[1] dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes,[1] dem Deutschen Kreuz sowie dem Verwundetenabzeichen in Gold (für fünf- oder mehrfache Verwundung) ausgezeichnet.

Anmerkung[Bearbeiten]

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Verschiedener Aussagen Degrelles zufolge wurde er am 2. Mai 1945 in Malente von Heinrich Himmler zum „SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS der Reserve“ befördert.

Es ist allerdings fraglich, ob Himmler zu einer (Direkt-)Beförderung überhaupt noch berechtigt war, da Adolf Hitler ihn schon am 28. April aller Ämter enthoben hatte. Allerdings wurde Himmler erst am 6. Mai von Karl Dönitz über seine Entlassung unterrichtet.

Degrelle erhob nie Ansprüche auf diesen Rang: ein Nachkriegs-Attest für den wallonischen Ritterkreuzträger Jacques Leroy (1973) unterzeichnete Degrelle mit „SS-Standartenführer und Kommandant der SS-Division Wallonie“.

Auch zeigen verschiedene Fotos der Nachkriegszeit Degrelle stets in Uniformen, die nie über die Rangstellung eines SS-Standartenführers hinausgehen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Degrelle konnte sich bei Kriegsende der Verhaftung durch Flucht nach Spanien entziehen. Am 7. Dezember 1945 wurde er in Abwesenheit von einem belgischen Sondergericht zum Tode verurteilt und ausgebürgert. Außerdem wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Verkauf, den Kauf, den Besitz oder die Lektüre eines Buches von Degrelle in Belgien unter Strafe stellt („Lex Degrelle“).

Degrelle vermochte es, sich in Spanien unter dem Namen León José de Ramirez Reina eine neue Existenz als Geschäftsmann aufzubauen.

Nach 1945 besuchte Degrelle regelmäßig Treffen von SS-Veteranen, Vereinen und neonazistische Veranstaltungen, beispielsweise eine Sonnwendfeier anlässlich eines Wehrsportlagers der französischen Nationalen Front. Er hielt enge Kontakte mit SS-Veteranen wie Otto Skorzeny oder dem schweizerischen Nationalsozialisten François Genoud. An der Costa del Sol betrieb er Immobiliengeschäfte, eine Wäschereikette und einen Import-Export-Handel.

Seine Erinnerungen hat er in mehreren Büchern niedergeschrieben. 1992 erschienen seine Memoiren „Denn der Haß stirbt…“ Erinnerungen eines europäischen Kriegsfreiwilligen. Drei Wochen nach Degrelles Tod 1994 erließ die belgische Regierung die „Lex Degrellana“,[2] welches unter Androhung einer Strafe von mehreren tausend Franken untersagte, seine sterblichen Überreste nach Belgien zu überführen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • „Denn der Haß stirbt…“ Erinnerungen eines europäischen Kriegsfreiwilligen. Winkelried-Verlag, Dresden 2006, ISBN 3-938-39206-1. Lizenzausgabe.
  • Die verlorene Legion Schütz-Verlag, Preußisch Oldendorf 1972, ISBN .
  • Hitler Geboren in Versailles. Grabert-Verlag, Tübingen 1993, ISBN 3-87847-122-X.
  • Front de l’est. La Table Ronde, Paris 1969.
  • Ich war Gefangener. Kerkertagebuch aus Belgien und Frankreich. Hesperos-Verlag, Nürnberg 1944.
  • Meine Abenteuer in Mexiko. Haas, Augsburg 1937.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ernst-Günther Krätschmer: Die Ritterkreuzträger der Waffen-SS. 2. Auflage. Plesse-Verlag, Göttingen 1957.
  • Jonathan Littell, Klaus Theweleit (Nachwort): Das Trockene und das Feuchte. Ein kurzer Einfall in faschistisches Gelände Berlin-Verlag 2009 ISBN 3827008255 (analysiert die Autobiografie des Faschisten und insbes. die Sprache, in der er schrieb)
    • Rezension: Le temps, Genf 12. April 2008 (in Franz.) über Gemeinsamkeiten Theweleit/Littell bei der Darstellung von Kriegsverbrechern, sprachlich und psychologisch (online lesbar)
    • Theweleits Nachwort online
  • Walter Lehmann: Die Bundesrepublik und Franco-Spanien in den 50er Jahren: NS-Vergangenheit als Bürde? Oldenbourg Wissenschaftsverlag , München, 1. Auflage 2006, ISBN 3-486-57987-8. (Zugleich Hamburg Universität Dissertation 2004). (Spanienpolitik der Adenauer-Regierung. Besonderes Augenmerk wird auf die deutsch-spanische Vergangenheitspolitik gerichtet: wie wurden Versorgungsansprüche von Veteranen der "Legion Condor" und der "Blauen Division" geregelt ? Wie stellten sich Politik und Justiz zu Entschädigungsforderungen spanischer NS-Verfolgter ?)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Léon Degrelle – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 268.
  2. [1]