Léon Gambetta (1901)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flagge
Die Léon Gambetta
Die Léon Gambetta
Übersicht
Typ Panzerkreuzer
Einheiten 3
Bauwerft

Staatliche Werft, Brest

Stapellauf 26. Oktober 1901
Auslieferung 1903
Namensgeber Léon Gambetta
Verbleib am 27. April 1915 versenkt
durch k.u.k U-5
Technische Daten
Verdrängung

12.550 t

Länge

146,45 m Wasserlinie,

Breite

 21,41 m

Tiefgang

  8,05 m

Besatzung

728 Mann

Antrieb

28 Niclausse Kessel,
3 × 3-fach-Dampfmaschinen
29.000 PS
3 Schrauben

Geschwindigkeit

22,5 kn

Reichweite

6600 sm bei 10 kn, 2065 t Kohle

Bewaffnung

• 4 × 193/40 mm-Kanonen
• 16 × 164/45 mm-Kanonen
• 24 × 47 mm-Maschinenkanonen
• 2 × 457-mm-Torpedorohre

Panzergürtel

70-150 mm

Panzerdeck

35 + 45 mm

Türme

200 mm

Kommandoturm

200 mm

Schwesterschiffe

Jules Ferry, Victor Hugo

ähnlich

Jules Michelet,

Die Léon Gambetta war ein Panzerkreuzer der französischen Marine, der 1901 vom Stapel lief und im Ersten Weltkrieg 1915 im Ionischen Meer durch ein österreich-ungarisches U-Boot versenkt wurde. Auf der Léon Gambetta fanden 684 Seeleute den Tod.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die am 26. Oktober 1901 im Arsenal in Brest vom Stapel gelaufene Léon Gambetta war das Typschiff einer Klasse von drei Panzerkreuzern der Französischen Marine, die 1903 und 1907 in den Dienst kamen. Benannt war sie nach dem früheren Premierminister der Dritten Republik, Léon Gambetta (1838–1882).

Plan in Brassey's Naval Annual 1923

Die französischen Panzerkreuzer wurden auf Wunsch des französischen Marineminister (1902 bis 1905), Camille Pelletan, nach republikanischen Politikern, Philosophen und Historikern wie Waldeck-Rousseau, Jules Michelet, Ernest Renan oder Edgar Quinet benannt. Pelletan wünschte dies wegen der als royalistisch geltenden Offiziere der Französischen Marine (die damals Französisch auch als „La Royale“ bezeichnet wurde). In seiner Amtszeit und aus dem gleichen Grund erhielten auch sechs Linienschiffe die Namen République, Patrie, Démocratie, Justice, Liberté und Vérité nach republikanischen Werten.

Die Kreuzer der Léon Gambetta-Klasse waren größer als ihre Vorgänger, aber sie hatten keine größere Feuerkraft. Ihre Hauptbewaffnung waren die vier 193 mm-L/40-Kanonen Modell 1896 im Bug- und Heckdoppelturm [1]. Dazu kamen noch sechs Doppeltürme an den Seiten und vier Einzel-Kasematten an den Aufbauenden mit 164 mm-L/45-Kanonen des Modells 1887 [2]. Wegen der Verwendung der Krupp Panzerung galten die Schiffe der Léon Gambetta-Klasse bei Fertigstellung als stärkste Panzerkreuzer der Welt. Sie wurden aber schon bald von den Schlachtkreuzern der britischen (HMS Invincible, 1908 i.D.), deutschen (SMS von der Tann, 1911 i.D.) und japanischen Marine übertroffen.

Die französischen Marine beschaffte nach der Léon Gambetta-Klasse bis zur Fertigstellung der Waldeck-Rousseau im August 1911 noch vier weitere Panzerkreuzer ähnlicher Auslegung, von denen nur die beiden zuletzt gebauten Schiffe mit vierzehn 193 mm-Geschützen zumindest eine einheitliche Hauptbewaffnung erhielten.

Während einer Versuchsfahrt im Dezember 1903 rammte die Léon Gambetta bei Nebel eine unbekannte Felsspitze unter Wasser vor Brest und erlitt einen beträchtlichen Schaden. Die notwendige Reparatur war erst im Sommer 1904 abgeschlossen.

Im Rahmen der Entente cordiale konzentrierte sich die französische Marine auf das Mittelmeer. Bei Kriegsbeginn bildete die Léon Gambetta zusammen mit ihren beiden Schwesterschiffen als 2. „division legere“ sowie der Jules Michelet, Ernest Renan, Edgar Quinet und der Waldeck-Rousseau das 1. Panzerkreuzergeschwader im Mittelmeer.

Der Untergang der Léon Gambetta[Bearbeiten]

Die Léon Gambetta war seit 1914 Teil der französischen Flotte, die von der Basis Malta die Österreichisch-Ungarische Marine in der Adria blockierte und normalerweise eine Position etwas südlich der Straße von Otranto einnahm. Im April verlegte man die Blockadelinie weiter nach Norden, während die Alliierten mit Italien über ein Bündnis verhandelten. Man erwartete erhebliche Aktivitäten der Österreichisch-Ungarische Marine im Falle des italienischen Kriegsbeitritts.

Trotz der erhöhten Bedrohung durch österreichische und deutsche U-Boote lief der Panzerkreuzer ohne Begleitschutz mit sieben Knoten in der ruhigen und klaren Nacht des 27. April 1915 südlich der Straße von Otranto 15 Meilen von Cape Santa Maria di Leuca (der Süd-Ost-Ecke von Italien) am Ende der Halbinsel Salento im Ionischen Meer.

Auf der Position auf 39° 30′ N, 18° 15′ O39.518.25Koordinaten: 39° 30′ 0″ N, 18° 15′ 0″ O wurde sie von zwei Torpedos des österreichisch-ungarische U-Bootes U 5 unter Georg Ludwig von Trapp [3] getroffen. Die Léon Gambetta sank in zehn Minuten. Von den 821 Mann an Bord starben 684, darunter Konteradmiral Victor Baptistin Senes, der Befehlshaber der 2. Leichten Division, und alle Offiziere des Kreuzer. 137 Seeleute konnten sich retten.

Nach dieser Versenkung wurde die Kontrolllinie der französischen Kreuzer nach Süden auf die Höhe der Insel Kefalonia im westlichen Griechenland zurückgezogen.

Schicksal der Schwesterschiffe
Name Bauwerft Baubeginn Stapellauf in Dienst weiteres Schicksal
Jules Ferry Arsenal Cherbourg Oktober 1901 22.August 1903 September 1905 Mittelmeer, 1927 zum Abbruch.
Victor Hugo Arsenal Lorient März 1903 30.März 1904 16.April 1907 Mittelmeer, 1922/23 Ostasien, 1928 zum Abbruch.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panzerkreuzer der Léon Gambetta Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelhinweise[Bearbeiten]

  1. Angaben zur 193 mm-Kanone (engl.)
  2. Angaben zur 164 mm-Kanone (engl.)
  3. Vienna confirms disaster. Lieutenant von Trapp in Command of Submarine That Sank the Cruiser. French warship sunk. 552 perish (NYT, 29. April 1915)