Lölling

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil der Marktgemeinde Hüttenberg in Kärnten. Zur deutschen Skeletonsportlerin siehe Jacqueline Lölling.
Historische Hochofenanlage
Erzquetsche aus dem 19. Jahrhundert
Dampfmaschinenhaus
Ortseingang
Schloss Lölling

Lölling gehört zur Marktgemeinde Hüttenberg in Kärnten. Bis 1973 war der Ort eine eigenständige Gemeinde. Der im sogenannten Löllinger Graben gelegene Ort ist von historischer Eisenverarbeitung geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Eisengewinnung[Bearbeiten]

Der Erzreichtum, sowie die vorhandene Wasserkraft (Löllingerbach) und die Braunkohlevorkommen schufen die Grundlage für die Eisenverarbeitung. Bereits 1572 gab es an der Stelle der heutigen Erzröste drei Hochöfen, die jedoch 200 Jahre später von einem Hochwasser weggeschwemmt wurden. Im Jahre 1800 erwarb die aus den Niederlanden stammende Familie Dickmann-Secherau alle Betriebsstätten. Im Jahre 1822 galt der Hochofen Johanna mit seiner Höhe von 12 m als größter Hochofen Kärntens.

Die Jahresproduktion der drei betriebenen Hochöfen konnte bis auf 18.000 Tonnen gesteigert werden. Der Niedergang der Eisengewinnung der gesamten Region zu Ende des 19. Jahrhunderts fiel mit dem Ausbau der Eisenbahn und damit der fehlenden Konkurrenzfähigkeit mit den so erreichbaren, weit größeren Anlagen zusammen. Im Jahre 1899 wurde der letzte Hochofen stillgelegt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Mineral Löllingit erhielt seinen Namen vom Ort und weist auf die historischen Erzlager, sowie auf den großen Mineralienreichtum der Gegend hin.

Wirtschaft und Gesellschaft[Bearbeiten]

Lölling bietet kaum eigene Arbeitsplätze und viele Bewohner pendeln in das südliche Görtschitztal, Sankt Veit an der Glan oder Althofen aus. Die Bevölkerung weist wie in Hüttenberg eine Überalterung auf. Von gewisser Bedeutung ist der Fremdenverkehr, insbesondere die Gastronomie, in der vor allem auf heimische Produkte gesetzt wird. Kleinere Betriebe innerhalb des Löllingergrabens betreiben Sägewerke.

Schloss Lölling[Bearbeiten]

Das denkmalgeschützte Schloss Lölling war ursprünglich ein Ansitz des niederländischen Gewerken Dickmann-Secherau im Lölling-Graben, einem Nebental des Görtschitztals zwischen den Ortschaften Hüttenberg und Klein Sankt Paul. Zu dem Gebäude mit kompaktem Baukörper und Zeltdach gehören eine Parkanlage und ein Bauernhof.

Der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand betrieb dieses Schloss als sein Jagdschloss. Er kaufte es am 5. Mai 1886 vom Gundaker Graf Wumbrand-Stuppach für 20.000 fl. Daneben erstand er noch das Revier Lavanttal am 26. März 1889 von Anton Conte Veith um 70.000 Kronen. Diese umfassten 797 Hektar. Später erwarb er noch 556 Hektar für 94.200 fl am 26. November 1895 von der Österreichischen Alpinen Montangesellschaft.

Das Herrenhaus war der einzige Bau, den er so beließ wie er ihn übernommen hatte. Der Besitz war für ihn in erster Linie ein größeres Hochgebirgsjagdrevier, reich an Jagdhütten. In Lölling verbrachte auch Franz Ferdinand einen Teil seiner Genesung. Seine letzte Hochwildjagd in Lölling war am 13. August 1908. Nach seinen Tod am 28. Juni 1914 beim Attentat von Sarajevo verblieb der gesamte Besitz bei seinen Kindern. Der Besitz wurde in den 1970er Jahren durch den verstorbenen Herzog Franz von Hohenberg verkauft und das Interieur des Jagdschlosses nach Schloss Artstetten umgesiedelt. Dort ist dieser noch zum Großteil erhalten, und seine Geschichte wird im Museum von Schloss Artstetten dokumentiert.[1][2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen vor allem die montanhistorischen Denkmäler, wie Hochöfen aus dem 19. Jahrhundert, eine Erzquetsche und ein Dampfmaschinenhaus. Das Schloss Lölling war im ehemaligen Besitz des Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, der es vom Gewerken Baron Dickmann um 1885 als Jagdrevier erwarb.

Die spätgotische Kirche des Ortes ist dem Heiligen Georg geweiht und war anfangs eine Filiale von Guttaring.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 1981, ISBN 3-7031-0712-X, S. 351–352.
  • Hans Jörg Köstler: Zur Stillegung des Eisenwerkes in Lölling beim Hüttenberger Erzberg (Kärnten) im Jahre 1899. In: Die Kärntner Landsmannschaft, Klagenfurt 1999, H. 9, S. 54 - 62
  • Hans Jörg Köstler, Hubert Schenn: Montanhistorischer Führer durch Lölling bei Hüttenberg (Kärnten). Verlag Podmenik, Fohnsdorf 1986, ISBN 3-900662-03-8 (formal falsche ISBN)
  • Hans Haberfelner: Die Eisenerzlagerstätten im Zuge Lölling - Hüttenberg - Friesach in Kärnten. Verlag Springer, Wien 1928

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lölling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wladimir Aicheburg. Der Thronfolger und die Architektur. Neuer Wissenschaftlicher Verlag. ISBN 3-7083-0125-0
  2. Schloss Artstetten/Museum/Archiv/bezitzungen/Lölling

46.92027777777814.590833333333Koordinaten: 46° 55′ N, 14° 35′ O