Lüftung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mit Lüften wird der Vorgang bezeichnet, mit dem man in einem umbauten bzw. geschlossenen Raum einen Luftwechsel erreichen will. Man kann maschinell lüften oder auf natürlichem Wege durch das Öffnen von Türen und/oder Fenstern. Zudem ist praktisch kein Bauwerk hermetisch luftdicht, sondern hat Fugen; durch diese findet permanent die sogenannte Fugenlüftung statt.[1]

Schematische Darstellung der Lüftung und die verschiedenen Lüftungsarten

Funktion[Bearbeiten]

Lüften bewirkt den Austausch von Luft zwischen Außen- und Innenraum. Die Innenraumluft soll aus dem Innenraum entfernt werden,

  • weil sie „verbraucht“ ist (durch Atmung der Bewohner, durch Kerzen oder andere Sauerstoff-Verbraucher ist der Sauerstoffgehalt der Luft verringert und der Kohlenstoffdioxid-Gehalt (CO2) erhöht
    Siehe auch: Sauerstoffmangel
    )
  • weil ihr Gehalt an Luftfeuchtigkeit höher als gewünscht ist (z. B. in Badezimmern; zudem gibt der Mensch beim Ausatmen und durch Schwitzen Wasser ab)

Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid[Bearbeiten]

Eine wichtige Grundlage des aeroben Lebens, bei dem im Gegenzug Kohlenstoffdioxid produziert wird, ist Sauerstoff. Die Lüftung gewährleistet, dass der natürliche Gehalt von Sauerstoff (Volumenanteil 21 %) und Kohlenstoffdioxid (0,04 %) in der Raumluft wiederhergestellt wird.

Entfeuchtung[Bearbeiten]

Ein Kubikmeter Luft kann etwa folgende Menge an Wasser aufnehmen und hat dann die relative Luftfeuchte von 100 %[2]
Temperatur Menge Wasser
0−7 °C 02,2 Gramm
+00 °C 04,4 Gramm
+10 °C 08,8 Gramm
+15 °C 11,0 Gramm
+20 °C 17,0 Gramm
+23 °C 20,0 Gramm

Die Entfeuchtung des Raumes geschieht in der Regel mittels Luftaustausch mit relativ trockener Luft. Dabei spielen die Temperaturen der auszutauschenden Luftmassen eine erhebliche Rolle.

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Daher kann auch bei hoher relativer Luftfeuchte der Außenluft eine effektive Entfeuchtung im Inneren herbeigeführt werden, wenn die Außenluft kühl genug ist. Bei der Lüftung wird die kühle Außenluft in den Innenraum geleitet. Hier erwärmt sie sich, wodurch die relative (nicht die absolute) Luftfeuchtigkeit absinkt und hinzukommende Feuchtigkeit aufgenommen werden kann. Die erneut mit Wasser angereicherte Luft kann dann in einem neuen Lüftungszyklus wieder abgeführt werden.

Ist eine solche Lüftung nicht ausreichend oder gar nicht möglich, kann es zur Kondensation an kalten Bauteilen kommen. Bei einfach verglasten Fenstern ist die Glasscheibe die kälteste Oberfläche und die Luftfeuchtigkeit schlägt sich an der Scheibe sichtbar nieder. Wird ein derartiges Fenster durch ein modernes, wärmegedämmtes Fenster ersetzt, ist oftmals nicht mehr das Fenster, sondern bspw. die Ecke der Außenwand (bei ungenügend gedämmten oder beheizten Gebäuden, insbesondere wenn Wärmebrücken vorliegen) oder die verputzte Fläche um den Fensterrahmen herum der kälteste Punkt im Raum. Dann kann es zu Schimmelbildung an diesen Stellen kommen.

Zur Verringerung der Luftfeuchte ist kurzes Stoßlüften geeignet, vorausgesetzt der Taupunkt der Außenluft ist niedriger als der Taupunkt der Innenluft. Generell ist die Luftfeuchtigkeit der Außenluft morgens am geringsten, da durch die Nachtabkühlung ein Großteil des Dampfes als Tau oder Reif kondensiert. Somit empfiehlt sich besonders bei Feuchtigkeitsproblemen morgendliches Stoßlüften. Im Sommer kann die Situation eintreten, dass der Taupunkt außen höher ist als innen. Beim Lüften erhöhen sich dann die (absolute) Luftfeuchte und der Taupunkt im Innenraum – eine Verringerung der Luftfeuchte ist durch Lüften nicht erreichbar. Insbesondere bei ungedämmten Kellerräumen (mit einer Wandtemperatur nahe der Bodentemperatur von 10 bis 12 °C) kann es durch Lüften im Sommer zu erheblichem Kondenswasseranfall und nachfolgendem Schimmelbefall kommen.

Siehe auch: Luftentfeuchter

Wärmeverlust[Bearbeiten]

Bei der konventionellen Lüftung durch Fenster oder Türen wird in der kalten Jahreszeit immer neben der verbrauchten Luft auch die in der Luft enthaltene Wärme abgegeben und stellt somit bei einer Konvektionsheizung einen Energieverlust dar.[3] Derartige unnötige Heizenergieverluste werden mit Wärmerückgewinnungssystemen vermieden.

Luft hat circa die gleiche spezifische Wärmekapazität wie Bauteile aus Ziegeln oder Beton (1,0 kJ/(kg K)). Jedoch ist die Masse der Luft eines Raumes gegenüber den Bauteilen und Inhalten (Möbel) eines Raumes wesentlich geringer, so dass die Luft eine deutlich niedrigere Wärmekapazität hat.
Wird die Luft schnell ausgetauscht (Stoßlüftung), geht nur die in der Luft gespeicherte Wärmeenergie verloren. Die in den Bauteilen (Wände, Decken, schweres Mobiliar) gespeicherte Wärmeenergie bleibt hingegen weitgehend erhalten, da diese eine gewisse Zeit brauchen, um die Wärme abgeben zu können. Das eigentliche Ziel der Lüftung, der hygienische Luftaustausch, ist erreicht.

Bei langanhaltender Lüftung, z. B. durch stundenlanges Kippen der Fenster, geben die Bauteile ihre Wärme an die Luft ab, welche wiederum mit der kalten Außenluft ausgetauscht wird. Dadurch kommt es in der Regel zu einem vermeidbar hohen Energieverlust; beim nächsten Aufheizvorgang müssen auch die Bauteile wieder auf Raumtemperatur aufgeheizt werden und nicht nur die ausgetauschte Raumluft. Deshalb soll während der ganzen Heizperiode in allen Räumen (auch Nassräumen) das Stoßlüften praktiziert werden.

Optimierte Heizung und Lüftung:

  • aktivitätsbeeinflusste Heizung und Lüftung (Schlaf oder andere Aktivität)
  • anwesenheitsbeeinflusste Heizung und Lüftung (Anwesenheit von Personen)

Aufgaben der Lufttechnik[Bearbeiten]

Die wesentlichen Aufgaben der Lufttechnik[4] und spezielle der Lüftungstechnik lassen sich in 4 Aufgabengebiete unterteilen.

  • Raumluftreinigung: Beschränkung der Konzentration bestimmter Gase und Stoffe (Staub, Rauch etc.) in der Raumluft unterhalb eines als lästig empfundenen Toleranzwertes, d. h. Ausfilterung einer bestimmten Menge dieser Stoffe aus der Raumluft und Ersatz durch möglichst unbelastete Luft.
  • Ersatzluftlieferung: Zufuhr der erforderlichen Ersatzluftmenge, um die abgeführte Luftmenge auszugleichen.
  • Druckkonstanthaltung: Bestimmte Gebäudeteile (Reinräume, Küche, WCs etc.) sollen Über- oder Unterdruck gegenüber angrenzenden Räumen aufweisen.
  • Sicherheit: Prozess- oder nutzungsbedingte Lokalitäten mit Schadstoffemissionen müssen gezielt entlüftet werden.

Freie Lüftung[Bearbeiten]

Schaubild zur Freien Lüftung

Die freie oder auch natürliche Lüftung bezeichnet das Lüften von Räumen und Gebäuden einerseits durch die undichte Gebäudehülle oder ganz gezielt durch eingebaute Öffnungen. Alle diese Formen der freien Lüftung nutzen die Thermik, also den sich einstellenden „natürlichen“ Auftrieb von unterschiedlich warmer Luft bzw. den Kamineffekt an Gebäuden, der durch Luv und Lee entsteht.

Fugenlüftung[Bearbeiten]

Gezielte Fugenbildung zur Lüftung

Die permanente Fugenlüftung an Fenstern und Türen ist der ursprüngliche natürliche Luftaustausch, der in Altbauten dafür sorgt, dass ein Feuchtestau der Raumluft und damit Feuchteschäden vermieden werden.[5][6] Normaldichte Fenster gewährleisten 80 % des notwendigen Luftwechsels durch die Fugenlüftung. Die restlichen 20 % der erforderlichen Lüftung müssen durch bewusstes Öffnen der Fenster erfolgen.[7] Diese in Altbauten übliche und effektive Entfeuchtung der Wohnräume ist durch die Energie-Einsparverordnung (EnEV)[8] in Verruf geraten; sie legt maximale Luftwechselraten fest. Die Problematik zu dichter Fenster ist vom Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN) und vom Institut für Fenstertechnik erkannt worden.[9]

Fensterlüftung[Bearbeiten]

Typische Fensterlüftung durch ein geöffnetes Fenster

Die Fensterlüftung ist die geläufige Lüftungsmethode, um in bewohnten Räumen vor allem einen Anstieg der Luftfeuchtigkeit zu vermeiden. Die Fensterlüftung ist im Allgemeinen für Wohnräume ausreichend.[10][11]

Stoßlüften[Bearbeiten]

Aufwärmung der Außenluft und Abkühlung des Raums bei Fensterlüftung im Winter

Als Stoßlüften bezeichnet man das kurzzeitige und vollständige Öffnen eines oder mehrerer Fenster oder Außentüren eines Raumes. Als kurzzeitig gilt hierbei eine Dauer im Bereich von nur einigen Minuten. Das Stoßlüften sollte je nach Bedarf mehrmals täglich zusätzlich zum permanenten Luftaustausch durchgeführt werden.[12]

Die Stoßlüftung hat verschiedene Eigenschaften, welche sie als optimale Lüftungsstrategie in nichtklimatisierten Wohnräumen mit Fenstern auszeichnet, insbesondere im Vergleich zum Dauerlüften.

Während der winterlichen Heizperiode stehen der gewünschten Frischluftzufuhr beim Lüften zwei ungewünschte Aspekte gegenüber. Die Außenluft kühlt die Räume und Raumluft ab, was ein Heizen erfordert. Das bedeutet zum einen Energieaufwand und zum anderen Verlust an relativer Luftfeuchtigkeit. Indem man nicht dauer-, sondern stoßlüftet, erleichtert man danach die Wiedereinstellung einer für Wohnräumen geeigneten Luftfeuchtigkeit. Das kann bei wieder geschlossenem Fenster durch das Wasser geschehen, welches von Menschen (Schwitzen, Atmung), Tieren und Pflanzen oder beim Waschen und Kochen erzeugt wird.[13] Auch die Energiebilanz profitiert von der Stoßlüftung, denn sie zieht durch die kurze Lüftungsdauer einen geringeren Wärmeverlust an der Einrichtung und den Innenwänden nach sich und ist somit deutlich energieeffizienter und damit sparsamer.[14] Voraussetzung dazu ist, dass Fenster und Türen ansonsten geschlossen bleiben.

Analog verlangsamt das Stoßlüften im Verhältnis zum Dauerlüften auch die Energiezufuhr in sommerlichen Hitzeperioden und damit die dauerhafte Aufheizung unklimatisierter Innenräume bzw. deren Einrichtung und Innenwände. Die Kühllast wird verringert, Kühlschränke oder gegebenenfalls Klimaanlagen werden weniger belastet, wenn Fenster und Türen außer zum Lüften geschlossen bleiben. Dies gilt nur, solange die Außentemperatur die Innentemperatur übersteigt.

Die Stoßlüftung ist schnell und sichert den hygienisch erforderlichen Mindestluftbedarf. Energetisch nachteilig ist der sich bereits bei geringer Fensteröffnung einstellende bis zu 10-fache Luftwechsel. Dieser kann im Winter bis zu 100 % erhöhten Wärmebedarf erfordern.[15]

Dauerlüften[Bearbeiten]

Die Verwendung der Kippfunktion von Fenster- oder Türbeschlägen ist wenig wirksam, jedoch weithin verbreitet. Gründe hierfür können Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Unwissen sein, aber auch die Tatsache, dass örtliche Gegebenheiten (etwa Gegenstände auf der Fensterbank) ein vollständiges Öffnen behindern. Bei Dauerlüftung dauert der Austausch der Raumluft gegen neue Außenluft verhältnismäßig lange, oft ohne dass anschließend das Fenster oder die Tür wieder verschlossen wird. Der Lüftungsvorgang dauert deshalb an und führt zu mehrfachem vollständigen Luftaustausch, auch wenn dies gar nicht erwünscht oder sinnvoll ist.

Insbesondere aus energetischer Sicht sollte die Dauerlüftung nur dann verwendet werden, wenn die Außentemperatur verhältnismäßig hoch ist. Anderenfalls geht mit der nur langsam, aber stetig ausgetauschten Luft zugleich die in Wänden, Fußböden, anderen Bauteilen und den Einrichtungsgegenständen gespeicherte Energie nach außen verloren und die Räumlichkeit wird übermäßig ausgekühlt, was im Bereich der Fensterwangen die Wahrscheinlichkeit der Schimmelbildung erhöht.

Wenn die Außentemperatur höher als die Innentemperatur ist (also bei sehr hohen Außentemperaturen), wird den genannten Massen Energie von außen zugeführt und damit die Räumlichkeit aufgeheizt. Das kann an einem warmen Herbsttag erwünscht oder in einer hochsommerlichen Hitzeperiode unerwünscht sein.

In beiden Fällen geht mit dem Austauschen der Luft zugleich ein Austausch von Energie einher.

Querlüftung[Bearbeiten]

Beispiel einer Dachaufsatzlüftung auf einer Schule, die gleichzeitig auch eine Querlüftung zulässt

Die Querlüftung ist nach DIN EN 12792 als freie Lüftung definiert und vor allem im Industriebau ein gebräuchliche Lüftungsart. Sie ist aber auch in Wohnräumen sinnvoll, um einen möglichst schnellen Luftaustausch zu erreichen und damit die Effizienz der Stoßlüftung zu erhöhen. Hierbei strömt durch eine Raumöffnung Frischluft hinein und durch eine andere Öffnung verbrauchte Luft hinaus, indem man diametral gegenüberliegende Fenster oder Außentüren bzw. -tore öffnet und so den natürlichen Winddruck auf die Gebäudeaußenflächen nutzt. Bei völliger Windstille ist ein Querlüften nicht möglich.

Auch wenn Räume nur über eine Öffnung nach außen verfügen sollten, ist Querlüften dennoch möglich, indem man bei geöffneten Zwischentüren in benachbarten Räumen ein Fenster oder eine Außentüre öffnet. Umgangssprachlich wird die Querlüftung „Durchzug machen“ genannt.

Dachaufsatzlüftung[Bearbeiten]

Beispiel einer Dachaufsatzlüftung einer Bahnhofshalle – ein sogenannter Dachreiter

Unter Dachaufsatzlüftung versteht man die freie Lüftung, die sich durch Aufsätze – kurze Schächte oder ähnliche Entlüftungsöffnungen im Dach von Gebäuden – einstellt. Sie beruht bei Windstille hauptsächlich auf dem thermischen Auftrieb, der sich durch den Temperaturunterschied zwischen außen und innen ergibt. Bei Windanfall ist die Wirkung der Dachaufsätze unvollkommen, da je nach Windrichtung Luft teils abgesaugt, teils eingeblasen wird. Wichtig ist auch bei dieser Lüftung, dass dieselbe Luftmenge von außen nachströmen kann, die durch den Dachaufsatz entfernt wird. Um den Luftwechsel steuern zu können, versieht man diesen mit verstellbaren Regelklappen. Die Zahl der Dachaufsätze richtet sich nach der Größe der Räume und nach dem Grad der Luftverschlechterung.

Diese Art der Lüftung ist die am meisten verwendete Methode in den Flach- oder Hallenbauten der Industrie, besonders in Warmbetrieben wie Kraftwerken, Stahlwerken und Gießereien,[16] aber auch auf Bahnhöfen, Eisenbahnwagen und Hangar.

Temperaturunterschiede und Windanfall beeinflussen die Dachaufsatzlüftung ebenso wie alle anderen Arten der freien Lüftung; sie ist eine recht unkontrollierte Lüftung.

Beispiel einer Schachtlüftung mit Ventilator in der Abluft

Die Lüftung durch technische Dachaufsätze ist eine weiterentwickelte Form der althergebrachten Lüftungsform, die zumeist auf Zügen und Abluftkaminen umgesetzt wird. Diese Dachaufsätze sind eine kontrollierte Lüftung und werden nach DIN 18017-3 berechnet.

Schachtlüftung (ohne/mit Ventilator)[Bearbeiten]

Blick in einen Lüftungsschacht

Bei der Schachtlüftung ohne Ventilator ist jeder zu lüftende Raum mit einem über Dach geführten eigenen Abluftschacht versehen, und wird nach DIN 18017, Teil 1 ausgelegt.

Bei der Berliner Lüftung (auch Hamburger Lüftung) erfolgt die Zuluft durch die Nachbarräume durch Tür- und Fensterfugen. Bei zu dichten Fenstern kommt keine Lüftung zustande.

Bei der Dortmunder Lüftung erfolgt die Zuluft über einen separaten Schacht, der in die Diele mündet. So ist eine Zuluft garantiert. Durch die Erwärmung der Dielenluft wird Zugluft verhindert.

Bei der Kölner Lüftung kommt die Zuluft durch einen eigenen Schacht in den zu belüftenden, meist fensterlosen, Raum. Die Öffnung dieses Zuluftschachts liegt dabei unterhalb des Abluftschachts, meist in Bodennähe. Zugluft ist nicht ausgeschlossen.

Bei der Liftschachtentlüftung wird ein Lift, der sich innerhalb der Wärmedämmung (Wärmedämmperimeter) befindet, mit einer Klappe entlüftet. Diese Klappe öffnet bei zu hoher Temperatur (z. B. 28 °C) im Liftschacht oder Maschinenraum eine Wärmeabzugsklappe. Dazu werden ein oder mehrere Thermostate installiert. Bei Stromunterbrechung ist die Klappe geöffnet. Optional wird im Eingangsbereich ein Feuerwehrschalter montiert, bei welchem die Einsatzkräfte die thermische Liftentrauchung im begrenzten Sinne steuern können.

Beispiel einer Schachtlüftung mit Ventilator in der Zuluft

Bei der Schachtlüftung mit Ventilator ist jeder zu lüftende Raum mit einem über Dach geführten Abluftschacht und zusätzlich mit einem Ventilator versehen. Durch die Anordnung sog. Lüftungsaufsätze (Sauger) verbessert sich die Schachtlüftung. Diese sind nur bei Windanfall wirksam und prägen dem natürlichen Auftrieb zusätzlich einen Unterdruck auf. Die Auslegung und Dimensionierung erfolgt nach DIN 18017, Teil 3.

Lüften zur Luftfeuchteverringerung[Bearbeiten]

Unter dem Lüften zur Luftfeuchteverringerung in Gebäuden versteht man ein kurzes Stoßlüften oder einen längeren Lüftungsvorgang, wenn die Außentemperaturen nicht befürchten lassen, dass der Raum hierdurch auskühlt.

Generell kann die Luftfeuchte durch das Lüften nur verringert werden, wenn der Taupunkt der Außenluft niedriger ist als der Taupunkt der Innenluft. Dies ist jedoch in der Regel der Fall.

Nur in besonderen Situationen erhöhen sich die absolute Luftfeuchte und der Taupunkt im Raum durch das Lüften. Bei sehr warmem und schwülem Wetter oder bei ungeheizten Räumen kann der Taupunkt der Außenluft höher liegen als derjenige der Innenluft. Gewöhnlich ist jedoch nur in ungeheizten Kellerräumen mit einem spürbaren Feuchteeintrag durch das Lüften zu rechnen. Ungedämmte Kellerwände erwärmen sich auch im Sommer nicht deutlich über die Temperatur des umgebendes Erdreichs hinaus (die im Sommer bei etwa 8 °C liegt), so dass warme und feuchte Luft in größeren Mengen an den Wänden kondensiert. Es empfiehlt sich daher, Kellerräume nur in den Nachtstunden zu lüften oder spezielle Lüfter zu verwenden, welche sich automatisch anschalten, wenn der Taupunkt der Außenluft in einem unbedenklichen Bereich liegt (also unter der Oberflächentemperatur der Wände).

„Atmende Wand“[Bearbeiten]

Auf Max von Pettenkofer geht seit 1858 die – gelegentlich auch heute noch vertretene – Behauptung zurück, dass auch Wände „atmen“, also lüften können. Diese Feststellung hat sich im engeren Sinne jedoch als falsch erwiesen.[17] Im weiteren Sinne des „stofflichen Austauschs“ findet durch die Wände bei mangelfreier Bauweise zwar kein Luftaustausch, jedoch ein Ausgleich der relativen Luftfeuchte zwischen Innen- und Außenluft statt, indem sich flüssiges Wasser und Wasserdampf langsam durch die Wand hindurchbewegen.

Nach dem Duschen oder Kochen nimmt die Wand die erhöhte Luftfeuchte durch Sorption von Wasserdampf auf und leitet sie vornehmlich durch Kapillartransport nach außen weiter.[18] Dies funktioniert jedoch nur, wenn erstens die Innenseite der Außenwand nicht durch moderne dampfdichte Materialien wie Dampfsperrfolien, OSB-Platten oder viele Schichten von kunstharzhaltiger (Dispersions-)Wandfarbe abgesperrt wurde, wenn zweitens zumindest das für die innere Schicht der Wand verwendete Baumaterial tatsächlich in der Lage ist, Wasser kapillar zu transportieren (wie z. B. Lehm, Ziegel, Gips, die meisten kalk- und silikathaltigen Baustoffe sowie Holzwerkstoffe mit geringem Leimanteil) und wenn drittens auch die Außenfläche der Wand nicht durch übermäßig dichte Dämmstoffe oder Kunstharzputze und -farben daran gehindert wird, die Feuchtigkeit wieder an die Außenluft abzugeben.

Falls die letzteren beiden Punkte nicht gegeben sind, so kann eine auf der Innenseite diffusionsoffene Wand zumindest eine Pufferfunktion ausüben, indem sie erhöhte Feuchtigkeitsmengen speichert, bis diese durch eine Lüftung des Raumes nach außen abgeführt werden. Wird nicht ausreichend gelüftet, so besteht die Gefahr von Bauschäden, z. B. durch Schimmelbefall. Bei der Verwendung von dampfdichten Baumaterialien, auch auf der Innenseite der Wand, ist dieses Risiko ohnehin gegeben.

Lüftungsbedarf, Blower-Door-Test[Bearbeiten]

Das als Blower-Door-Test bekannte Differenzdruck-Messverfahren misst die Luftdichtheit eines Gebäudes. Er dient dazu, Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren und die Luftwechselrate zu bestimmen. Durch die Druckdifferenzen wird eine konstante Windlast auf das zu messende Gebäude simuliert. Man kann sagen: je undichter die Gebäudehülle und je größer die Windlast auf dem Gebäude, desto geringer der Lüftungsbedarf. Passivhäuser haben eine sehr dichte Gebäudehülle. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) führt dazu, dass Neubauten ebenfalls eine sehr dichte Gebäudehülle haben. Die in der EnEV 2012 vorgegebenen Werte sind nur mit einer zentralen Lüftungsanlage zu erreichen; bei sach- und fachgerechter Planung und Ausführung brauchen die Bewohner nicht mehr mittels Fensteröffnen zu lüften. Der abgesaugten Luft wird vor dem Hinausblasen ins Freie mit einem Wärmetauscher ein Großteil der in ihr enthaltenen Wärme entzogen. Zudem filtern Lüftungsanlagen die angesaugte Luft. Die Filter halten einen Großteil der angesaugten Luftverschmutzungen und auch Pollen zurück. Gerade in Ballungsräumen, an vielbefahrenen Straßen u. Ä. hat dies große Vorteile. Die Luft kann mittels Lüftungsrohr auf dem Dach angesaugt werden, wo mehr Wind ist und wo sie manchmal sauberer als in Bodennähe ist.

Lüftungstechnische Anlagen[Bearbeiten]

Dezentrale Zuluftgeräte mit Kühlung
Eine Dunstabzugshaube über einem Gasherd als reine Ablufthaube

Handelt es sich um Räume, die dem Aufenthalt vieler Menschen dienen (z. B. Theater, Versammlungsräume, Verwaltungs- und Büroräume usw.), in denen starke Gerüche entstehen (z. B. in Gaststätten) oder in denen die Luft durch Fabrikationsvorgänge verdorben wird, so lässt sich die Raumluft nur mittels einer Zwangslüftung (Ventilator) zufriedenstellend erneuern. Dabei kann die Luft auch aufbereitet, also z. B. gereinigt, erwärmt oder befeuchtet werden.

Bei der Zwangslüftung unterscheidet man folgende Möglichkeiten:

  • Entlüftungsanlage (Sauglüftung)
  • Belüftungsanlage (Drucklüftung)
  • Be- und Entlüftungsanlage (Verbundlüftung)

Dezentrale Lüftungstechnik[Bearbeiten]

Die dezentrale Lüftung beschreibt kleinere und mittlere lüftungstechnische Anlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung, wie zum Beispiel die private Küchenabluft oder die WC- und Müllraumlüftungsanlage. Aber auch Ventilatorkonvektoren und Split-Klimageräte zählen zu den dezentralen Lüftungsanlagen in der Lüftungstechnik.

Bei Booten und Schiffen werden die Innenräume durch Dorade-Lüfter oder Windhutzen entlüftet. Diese werden vom Wind bzw. Fahrtwind angetrieben.

Zentrale Lüftungstechnik[Bearbeiten]

Lüftungszentrale mit einem Lüftungsgerät

In großen Gebäuden, bei einem großen Anfall an Gefahrstoffen oder sonstigen Gründen der Bequemlichkeit und Energieeinsparung wird eine maschinelle Lüftung eingesetzt. Im deutschen Sprachraum wird der Begriff maschinelle Lüftung öfter im Arbeitsschutz verwendet. Im Haushalt spricht man von mechanischer Lüftung.

Die Aufgabenstellung an lüftungstechnischen Anlagen können eine oder mehrere der folgenden Aufgaben haben:

  • Raumluft-Erneuerung
  • Raumluft-Erwärmung
  • Raumluft-Kühlung
  • Raumluft-Befeuchtung
  • Raumluft-Entfeuchtung

Raumluft-Erneuerung[Bearbeiten]

Die Lüftungsanlage hat die Aufgabe, die verbrauchte Raumluft zu entfernen und frische Außenluft zuzuführen. Die Hauptbestandteile dieser Anlage sind 2 Ventilatoren (Zuluft- und Abluft-Ventilator), Lufterhitzer, Luftfilter, Luftklappen und Luftkanäle für die in und aus dem Raum zu fördernde Luft. Um im Winter eine Auskühlung des belüfteten Raumes zu verhindern, muss die angesaugte kalte Außenluft erwärmt werden, bevor sie in den Raum eingeblasen wird. Die Einblastemperatur, auch Zulufttemperatur genannt, richtet sich nach der Art des belüfteten Raumes (Hotelküche, Lagerraum, Garderobe, Tiefgarage) und wird, unabhängig von der herrschenden Außentemperatur, auf einen konstanten Sollwert geregelt (Zulufttemperatur-Regelung). Fällt im betreffenden Raum keine große Fremdwärme an, so sollte die Zulufttemperatur meist gleich der gewünschten – z. B. durch eine Radiatorheizung aufrechterhaltene – Raumtemperatur sein. Eine eventuell vorhandene Grundlastheizung muss nach der Raumtemperatur geregelt oder nach der Außentemperatur geführt werden.

Die Erwärmung der Außenluft geschieht mit Hilfe eines Lufterhitzers. Solche werden für alle üblichen Heizmedien wie Elektrizität, Warmwasser oder Dampf hergestellt. Damit die Luft mit einer konstanten Temperatur in den Raum eingeblasen wird, muss für die Lüftungsanlage die entsprechende Zulufttemperaturregelung gewählt werden, d. h., der Temperaturfühler für die Lüftungsanlage ist in den Zuluftkanal zu montieren. Der Zulufttemperaturegler vergleicht nun die vom Fühler gemessene Temperatur mit dem gewählten Sollwert. Bei einer Abweichung bewirkt der Regler eine Veränderung der Heizleistung des Lufterhitzers, so dass eine konstante Zulufttemperatur erreicht wird.

Raumluft-Erwärmung[Bearbeiten]

Die Wärmeverluste eines Raumes, die sogenannte Heizlast, werden durch den Wärmedurchgang durch Mauern, Fenster usw. verursacht. Während nun bei einer Lüftungsanlage zur Raumluft-Erneuerung eine konstante Raumtemperatur – abgesehen von vorübergehenden Störungen – dadurch gewährleistet ist, dass die Heizlast z. B. von einer raumtemperaturabhängig geregelten Radiatorenheizung gedeckt wird, kann sie bei einer Lüftungsanlage zur Raumluft-Erwärmung in einem beliebigen Verhältnis auf die Radiatorenheizung und die Lüftungsanlage aufgeteilt werden. Die Heizleistung der Radiatoren – auch Grundlastheizung genannt – kann dabei so stark reduziert werden, dass ein Warmluftschleier vor den Fenstern noch sichergestellt ist. Dadurch wird kalte Fallluft an den Fenstern verhindert, was zu Zugerscheinungen führen würde.

Die Regelung der Grundlastheizung muss witterungsabhängig sein, da die Lüftungsanlage raumtemperaturabhängig geregelt wird (2 Raumtemperaturregelungen beeinflussen einander, was zu Unstabilität führt).

Der Regler vergleicht dann die vom Fühler gemessene Raumtemperatur mit dem gewünschten Sollwert. Bei einer Abweichung bewirkt der Regler eine Veränderung der Heizleistung des Lufterhitzers, d. h., die Höhe der Zulufttemperatur ist so verändert, dass bei gegebener Grundlastheizung die Raumtemperatur auch bei der tiefsten berechneten Außentemperatur und veränderlichem Fremdwärmeanfall konstant bleibt.

Die von der Lüftungsanlage in den zu belüftenden Raum (Theater, Kino, Büroraum) geförderte Luft wird nun – je nach zugeordneter Heizlast und im Raum anfallender Fremdwärme – auf etwa 30 bis 50 °C erwärmt. Dadurch werden die Wärmeverluste des Raumes gedeckt, so dass sich die gewünschte Raumtemperatur einstellt. Die Aufteilung der Heizleistung sieht somit folgendermaßen aus:

Heizleistung der Grundlastheizung + Fremdwärme + Heizleistung der Lüftungsanlage = momentan erforderliche Heizleistung

Damit die Heizleistung der Lüftungsanlage jederzeit dem Bedarf angepasst ist, wird der Temperaturfühler der Lüftungsanlage nicht mehr in den Zuluftkanal, sondern in den betreffenden Raum montiert.

Raumluft-Kühlung[Bearbeiten]

Kaltwassersatz auf dem Dach – adiabatische Kühlung der Luft durch Verdunstungswärme des Wassers

Bei Lüftungsanlagen mit Raumtemperatur-Erwärmung werden zur Konstanthaltung der Raumtemperatur die Wärmeverluste durch eine über der Raumtemperatur liegende Zulufttemperatur ausgeglichen. Bei Lüftungsanlagen mit Raumluft-Kühlung muss die Zuluft jedoch zur Kompensation der anfallenden Fremd- und Transmissionswärme unter der gewünschten Raumtemperatur eingeblasen werden. Die Abkühlung der Luft geschieht meistens durch Kühlregister, die von gekühltem Wasser durchflossen werden. Der Temperaturregler vergleicht dabei die vom Raumfühler gemessene Temperatur mit dem gewählten Sollwert. Bei einer Abweichung bewirkt der Regler eine Veränderung der Kühlleistung. Je höher z. B. die Raumtemperatur infolge Fremdwärme ansteigen will, desto kälter wird die Zuluft eingeblasen, so dass die Raumtemperatur konstant auf ihrem Wert bleibt. Um Zugerscheinungen zu vermeiden, sollte aber bei Komfortanlagen die Temperaturdifferenz zwischen gewünschter Raumtemperatur und Einblastemperatur ca. 4 bis 6 K nicht überschreiten.

Die Summe der im Raum anfallenden Fremdwärme wird Kühllast genannt. Solche Fremdwärmequellen sind unter anderem:

  • von Menschen abgegebene Wärme (ruhender Mensch: ca. 100 W)
  • von Maschinen, Apparaten und Beleuchtungsanlagen abgegebene Wärme
  • Transmissionswärme durch Wände und Wärmedurchgang durch Fenster

Raumluft-Erwärmung und -Kühlung[Bearbeiten]

Um eine vorgegebene Raumtemperatur über das ganze Jahr, d. h. bei jeder Heiz- und Kühllast, einhalten zu können, muss die Lüftungsanlage mit Elementen zur Raumluft-Erwärmung und Raumluft-Kühlung, also mit einem Heizregister und einem Kühlregister sowie mit einer entsprechenden Regelung ausgerüstet sein.

Raumluft-Befeuchtung[Bearbeiten]

Der in der Luft enthaltene Wasserdampfanteil spielt in der Lüftungs- und Klimatechnik eine wichtige Rolle, obwohl selbst die physikalisch größtmögliche Menge Wasserdampf in der Luft bei den in Frage kommenden Luftzuständen nur einige Gramm pro kg Luft beträgt.

Es ist nun Aufgabe der Befeuchtungseinrichtung, der Raumluft die benötigte Wassermenge zuzuführen, wobei auch die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt. Die Wasserzufuhr kann dadurch geschehen, dass im Zuluftkanal Wasser oder Dampf versprüht wird. Dabei unterscheidet man folgende hauptsächliche Befeuchtungsverfahren:

  • direktes Einblasen von Dampf in die Raumluft oder in den Zuluftkanal, wobei der Dampf durch Elektrogeräte oder Dampfkessel erzeugt wird
  • Wasserzerstäubung durch Düsen mit oder ohne Druckluft (Luftwäscher) sowie durch motorgetriebene umlaufende Scheiben (Rotationszerstäuber) im Zuluftkanal

Befeuchtungseinrichtungen werden in der Textil-, Film-, Tabak-, Papierindustrie sowie in Druckereien und Museen verwendet.

Raumluft-Entfeuchtung[Bearbeiten]

Entfeuchtungs-Einrichtungen haben die Aufgabe, den absoluten Feuchtegehalt der Raumluft zu verringern, d. h., die im Raum überschüssige Feuchte zu entfernen. Luft kann aber bei einer beliebigen Temperatur nur eine ganz bestimmte Wassermenge aufnehmen und erreicht dann einen Sättigungszustand. Wie viel Wasser von der Lüftungsanlage abtransportiert werden kann, hängt somit – bei gegebener Luftmenge und Lufttemperatur – von der absoluten Feuchte der Zuluft und der Raumluft ab, d. h. entscheidend ist die Differenz zwischen Zuluft- und Raumluftfeuchte. Damit diese Differenz nun möglichst groß ist, wird die Zuluft entfeuchtet. Dies kann geschehen

  • durch Abkühlen der Zuluft (z. B. durch ein Kühlregister) bis zum Erreichen des Sättigungszustandes der Luft und folglich Kondensation des überschüssigen Wassers
  • durch Absorption des Wasserdampfes der Luft durch hygroskopische feste Stoffe wie Kieselgel (Silicagel) oder hygroskopische Salzlösungen (Chlorkalzium).

Beide Entfeuchtungsarten sind auch durch im betreffenden Raum aufgestellte Entfeuchtungsgeräte möglich.

Die Luftentfeuchtung findet Anwendung bei Klimaanlagen, ferner für manche Spezialbetriebe in der chemischen, pharmazeutischen und Elektroindustrie, wo eine niedrige Raumluftfeuchte erforderlich ist.

RLT-Abluftsystem, Entlüftungsanlage[Bearbeiten]

Professionelle Ablufthaube mit separater Küchenabluftanlage

Reine Abluftsysteme, also Entlüftungsanlagen, saugen die Luft mittels eines Ventilators aus dem Raum und blasen sie entweder direkt oder durch Kanäle ins Freie, während aus den benachbarten Räumen oder von außen Luft durch Türen, Fenster und andere Öffnungen nachströmt. Da die Entlüftung im Raum einen Unterdruck erzeugt, ist sie besonders geeignet, die Ausbreitung schlechter Luft in Nebenräume zu verhindern. Sie findet daher hauptsächlich Anwendung bei kleineren Räumen mit starker Luftverschlechterung durch Gase, Dämpfe, Gerüche oder hohe Temperaturen, wie z. B. Küchen, Aborte, Garderoben, Laboratorien, Traforäume, Akkuräume usw. Diese Abluftsysteme können mit und ohne Wärmerückgewinnung nach DIN 1946, Teil 6 ausgelegt werden.

Eine besondere Stellung nimmt die gewerbliche Küchenabluft ein, welche über die Küchenhaube oder Lüftungsöffnungen in der Küchendecke die Abluft erfasst, reinigt und über eine separate, fettdichte Küchenabluftanlage bis ins Freie führt.

RLT-Zuluftsystem, Belüftungsanlagen[Bearbeiten]

Lüftungsanlage

Die Belüftungsanlage saugt, im Gegensatz zur Entlüftungsanlage, Luft aus dem Freien an und fördert sie in den zu belüftenden Raum, wobei die überschüssige Luft durch Türen, Fenster, andere Öffnungen und Undichtheiten in die Nebenräume oder durch einen Abluftkanal ins Freie abströmt. Die Lüftungsanlage erzeugt also im Raum einen Überdruck, so dass der Zustrom unerwünschter Luft (Staub) unmöglich wird.

RLT-Zuluft- und -Abluftsysteme[Bearbeiten]

Zentrales ZU-/AB-Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung und Nacherhitzer

Kombinierte zentrale Zu- und Abluftsysteme werden mit und ohne Wärmetauscher bzw. weiteren Einbaukomponenten wie Dampfluftbefeuchter, Luftwäscher, Ionisationsgeräte, Kühlregister, Heizregister usw. ausgeführt. Die Dimensionierung erfolgt nach DIN 1946 und DIN 4719.

Klimaanlagen[Bearbeiten]

Klimaanlage auf dem Dach

Klimaanlagen[19] haben die Aufgabe, die Raumluft zu erneuern (Lufterneuerung) sowie eine Raumtemperatur und Raumluftfeuchte innerhalb bestimmter vorgegebener Toleranzen zu schaffen und aufrechtzuerhalten (Luftaufbereitung), unabhängig vom Außenklima und den Vorgängen im Raum. Der Zustand der Raumluft kann dabei entweder den Bedürfnissen der sich im Raum aufhaltenden Personen angepasst oder aber durch Fabrikationsprozesse bestimmt werden. Daraus ergibt sich, dass das ganze Gebiet der Klimatechnik in die folgenden Hauptgebiete unterteilt wird:

  • Komfort-Klimaanlagen
  • Industrie-Klimaanlagen
  • Sonderanwendungsgebiete

Die Lufterneuerung bezweckt, dass die Verunreinigungen der Raumluft (Gase, Dämpfe, Staub, Gerüche) entfernt werden, damit sie sich nicht belästigend oder gar gesundheitsschädigend auswirken können oder auch Arbeitsvorgänge in Werkräumen nicht stören.

Luftaufbereitung nennt man das technische Verfahren, Luft für die Herstellung des gewünschten Raumluftzustandes geeignet zu machen. Die Klimaanlagen enthalten daher Einrichtungen zur Reinigung und Beförderung, Erwärmung und Kühlung, Befeuchtung und Entfeuchtung der Luft sowie eine selbsttätige Temperatur- und Feuchte-Regelanlage.

Komfort-Klimaanlagen[Bearbeiten]

Klimatisierter Schulungsraum. Über die Deckenluftauslässe wird die Luft im Raum konditioniert

Komfort-Klimaanlagen sollen in den dem Menschen zum Aufenthalt dienenden Räumen aller Art wie Theater, Kinos, Säle, Versammlungsräume, Verkaufsräume, Büroräume usw. zu jeder Jahreszeit ein behagliches Raumklima erzeugen und aufrechterhalten.

Industrie-Klimaanlagen[Bearbeiten]

Diese haben im Gegensatz zu den Komfort-Klimaanlagen die Aufgabe, in Fabrikationsstätten den für die Produktion oder Lagerung günstigsten Luftzustand zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Viele Produkte lassen sich nur dann einwandfrei herstellen, wenn die Luft einen bestimmten Zustand hat. Beispielsweise ist es in der Textilindustrie erforderlich, dass die Raumluft je nach Verwendung des zu verarbeitenden Materials eine Feuchtigkeit von 70 bis 80 % besitzt. Ähnliche Zahlen gelten für die Tabakindustrie. Als Einsatzgebiete für Industrie-Klimaanlagen kommen Betriebe der Kunstfaser-, Lederwaren-, Papier- und chemischen Industrie sowie Lebensmittelfabriken in Frage. Dabei können die Raumzustände je nach Gebiet weit außerhalb des für Menschen angenehmen Bereiches liegen.

Sonderanwendungsgebiete[Bearbeiten]

Hier sind vor allem Klimaanlagen für Mess- und Prüfräume, Operationssäle und EDV-Räume zu erwähnen. An diese lüftungstechnischen Anlagen werden in Bezug auf die Genauigkeit der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit, Luftreinheit und Geräuscharmut besonders hohe Anforderungen gestellt.

Verordnungen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Die zum Begriff Lüftung[20] gehörigen DIN-Normen sind:

  • DIN V 18599: Energetische Bewertung von Gebäuden – Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung:
    • Teil 1: Allgemeine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Bewertung der Energieträger
    • Teil 2: Nutzenergiebedarf für Heizen und Kühlen von Gebäudezonen
    • Teil 3: Nutzenergiebedarf für die energetische Luftaufbereitung
    • Teil 5: Endenergiebedarf von Heizsystemen
    • Teil 6: Endenergiebedarf von Wohnungslüftungsanlagen und Luftheizungsanlagen für den Wohnungsbau wird derzeit (August 2011) aktualisiert und erweitert.[21]
    • Teil 8: Nutz- und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungssystemen
  • DIN 1946: Raumlufttechnik
    • Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens
    • Teil 6: Lüftung von Wohnungen – allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung
  • DIN 4108: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
    • Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
  • DIN-Fachbericht 4108: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
    • Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
    • Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele
    • Teil 8: Vermeidung von Schimmelwachstum in Wohngebäuden
  • DIN 4701: Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen
    • Teil 10: Heizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung und das Beiblatt 1: Anlagenbeispiele
  • DIN 4719: Lüftung von Wohnungen – Anforderungen, Leistungsprüfungen und Kennzeichnung von Lüftungsgeräten
  • DIN 18017 [2009-09]: Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster
    • Teil 1: Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster; Einzelschachtanlagen ohne Ventilatoren
    • Teil 3: Lüftung mit Ventilatoren
  • VDI 6022 [2007-07]: Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen
    • Blatt 1: Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte, April 2006
    • Blatt 2: Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen, Messverfahren und Untersuchungen bei Hygienekontrollen und Hygieneinspektionen
  • VDI 6032 [2004-04]: Hygiene-Anforderungen an Lüftungstechnik in Fahrzeugen zur Personenbeförderung
  • VDI 6033: Anforderungen an die Prüfung, Bewertung und Zertifizierung von technischen Produkten und Komponenten zur Vermeidung allergener Belastungen
  • VDI 6038: Raumlufttechnik – Raumlufthygiene
  • VDI 6040 [2014-1Q.]: Schullüftung – Lüftung von Schulen

Europa[Bearbeiten]

Die zum Begriff Lüftung[22] gehörigen Europa-Normen DIN EN und DIN EN ISO sind:

  • DIN EN 12097 [2006-11]: Lüftung von Gebäuden – Luftleitungen – Anforderungen an Luftleitungsbauteile zur Wartung von Luftleitungssystemen
  • DIN EN 12792 [2004-01]: Lüftung von Gebäuden – Symbole, Terminologie und graphische Symbole
  • DIN EN 12831: Heizsysteme in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast – Nationaler Anhang NA
  • DIN EN 13180 [2002-03]: Lüftung von Gebäuden – Luftleitungen – Maße und mechanische Anforderungen für flexible Luftleitungen
  • DIN EN 13779 [2007-09]: Lüftung von Nichtwohngebäuden – Allgemeine Grundlagen und Anforderungen für Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsysteme
  • DIN EN 15780 [2012-01]: Lüftung von Gebäuden – Luftleitungen – Sauberkeit von Lüftungsanlagen
  • DIN EN ISO 13790 [2008-09]: Energieeffizienz von Gebäuden – Berechnung des Energiebedarfs für Heizung und Kühlung

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Recknagel, Eberhard Sprenger, Ernst-Rudolf Schramek: Taschenbuch für Heizung + Klimatechnik (erscheint jährlich).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Lüftung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Lüftung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martim Saar: Lüftung in Altbauten, Arbeitsblätter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, München 2002, S.2
  2. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
  3. Claus Meier: Heizen wie die Sonne. In: Raum und Zeit, 2006, S.62
  4. Installationen der Lüftung – Prof. Dr. Hansjürg Leibundgut, ITA Institute of Technology in Architecture Faculty of Architecture / ETH Zürich
  5. Jürgen Roloff, Klaus Graupner: Bauklimatische Probleme, Zusammenhänge und Schlussfolgerungen beim Umgang mit dem Bauteil Fenster, TU Dresden, Fakultät Architektur, Institut für Bauklimatik, S. 27
  6. Claus Meier: Bürokratischer Aktionismus statt bewährter Lösungen?, In: Bautenschutz und Bausanierung: Innenraum – Feuchteschutz, Köln 2006, S. 21
  7. Verena Corazza u. a.: Kursbuch Gesundheit, Köln 1992, S. 929, ISBN 3462020641
  8. Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden
  9. Martim Saar: Lüftung in Altbauten, Arbeitsblätter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, München 2002, S. 2
  10. Ernst Neufert: Baufentwurfslehre, Braunschweig/Wiesbaden 1996, S. 109, ISBN 3-528-68651-0
  11. Hermann Klos, Günther Seitz: Das historische Fenster. In: Steh fest mein Haus im Weltgebraus. Denkmalpflege – Konzeption und Umsetzung, Hrsg. Klaus Könner, Joachim Wagenblast, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und Stadt Aalen, Aalen 2001, S. 215
  12. Martim Saar: Lüftung in Altbauten, Arbeitsblätter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, München 2002, S.1
  13. Luftbefeuchter: Eine weit verbreitete Unsitte, K-Tipp.ch
  14. Stoßlüften, umweltlexikon-online.de
  15. Lüftungstypen, www.klimapartner-berlin.de, abgerufen am 13. August 2013
  16. Dachaufsatzlüftung, eduvinet.de, abgerufen am 13. September 2013
  17. F. Frössel: Schimmelpilze in Wohnungen, Baulino Verlag, Waldshut-Tiengen 2006 (ISBN 3938537183), Auflage von 2006
  18. Lutz/Jenisch/Klopfer…: Lehrbuch der Bauphysik, B. G. Teubner Verlag, Stuttgart 1997 (ISBN 3-519-35014-9))
  19. Klimaanlagen, eduvinet.de, abgerufen 14. September 2013
  20. DIN - DeutschlandBaunormenlexikon DIN – Deutsches Institut für Normung e. V., .baunormenlexikon.de, abgerufen am 3. August 2013
  21. VFW – Bundesverband für Wohnungslüftung e. V., Fachzeitschrift zur Wohnungslüftung, Ausgabe Juli 2011 (PDF-Datei)
  22. DIN EN – Europa, baunormenlexikon DIN – Deutsches Institut für Normung e. V., baunormenlexikon.de, abgerufen am 4. August 2013