Lüneburg

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Lüneburg. Zu weiteren Bedeutungen siehe Lüneburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lüneburg
Lüneburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lüneburg hervorgehoben
53.252510.41444444444417Koordinaten: 53° 15′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüneburg
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 70,38 km²
Einwohner: 71.009 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 1009 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 21335/ 21337/ 21339
Vorwahl: 04131
Kfz-Kennzeichen: LG
Gemeindeschlüssel: 03 3 55 022
Stadtgliederung: 17 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Ochsenmarkt
21335 Lüneburg
Webpräsenz: www.hansestadt​lueneburg.de
Oberbürgermeister: Ulrich Mädge (SPD)
Lage der Stadt Lüneburg im Landkreis Lüneburg
Landkreis Lüneburg Niedersachsen Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Landkreis Lüchow-Dannenberg Landkreis Uelzen Landkreis Heidekreis Landkreis Harburg Rehlingen Soderstorf Oldendorf Amelinghausen Betzendorf Barnstedt Melbeck Deutsch Evern Wendisch Evern Embsen Südergellersen Kirchgellersen Westergellersen Reppenstedt Reppenstedt Mechtersen Vögelsen Radbruch Bardowick Handorf Wittorf Lüneburg Barendorf Vastorf Reinstorf Thomasburg Dahlenburg Boitze Nahrendorf Tosterglope Dahlem Bleckede Neetze Adendorf Scharnebeck Rullstorf Lüdersburg Hittbergen Hohnstorf Echem Artlenburg Barum Brietlingen Amt NeuhausKarte
Über dieses Bild
Rathaus

Die Hansestadt Lüneburg (niederdeutsch Lümborg) ist eine Große Mittelstadt im Nordosten von Niedersachsen und ist eines von neun Oberzentren des Bundeslandes. Die Stadt liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Hamburg am Rand der Lüneburger Heide und gehört zur Metropolregion Hamburg. Die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises hat mit ihren rund 73.000 Einwohnern (Agglomeration rund 108.000 Einwohner)[2] den Status einer Großen selbständigen Stadt.

Lüneburg liegt am Fluss Ilmenau, ist Sitz der Leuphana Universität, Mitglied im Lüneburgischen Landschaftsverband und war bis Ende 2004 Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirkes. Dieser wurde danach durch eine Regierungsvertretung und 2014 durch die heutigen Regionalbeauftragten für das nordöstliche Niedersachsen ersetzt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Lüneburg liegt am Unterlauf der Ilmenau, etwa 30 km vor ihrem Zusammenfluss mit der Elbe. Südlich erstreckt sich die Lüneburger Heide, eine etwa 7400 km² große Fläche, die durch den Einschlag großer Mengen von Holz, durch Waldbrände und Beweidung entstand. Die vielfach zitierte Aussage, die Heide sei durch Holzeinschlag für den Betrieb der Saline Lüneburg entstanden, ist historisch nicht gesichert. Wahrscheinlicher ist der Beginn menschlicher Einflussnahme in der Bronzezeit. Die Lüneburger Altstadt liegt zudem über einem Salzstock, der den Reichtum der Stadt begründete und dessen Kappe aus Gips, der Kalkberg, zugleich einen hervorragenden Bauplatz für die Fluchtburg darstellte, welche Lüneburg ihren Namen gab.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Vergangenheit[Bearbeiten]

Kanaldeckel mit dem Symbol für die Formel „Mons, Pons, Fons“
Lüneburger Stadtplan um 1910

Die Formel Mons, Pons, Fons (‚Berg, Brücke, Quelle‘) charakterisiert die Entwicklung der Stadt seit dem 8. Jahrhundert durch das Zusammenwachsen von zunächst drei, später vier, Siedlungsplätzen. Dies waren die Fluchtburg auf dem – damals noch wesentlich höheren – Kalkberg mitsamt der angrenzenden Niederlassung (Marktviertel), das Dorf Modestorpe zwischen der Brücke über die Ilmenau und dem großen Platz Am Sande (Sandviertel) sowie die Saline mit der abgeschlossenen Siedlung der dort beschäftigten Arbeitskräfte (Sülzviertel). Erst im 13. Jahrhundert bildete sich zwischen Marktplatz und Ilmenau die Hafensiedlung (Wasserviertel). Die daraus entstandene Form der Stadt blieb bis zur Ausweitung der Stadtfläche im späten 19. Jahrhundert bestehen und ist noch heute deutlich. Lüneburgs sechs historische Stadttore waren das Altenbrücker Tor, das Bardowicker Tor, das Rote Tor, das Sülztor, das Lüner Tor und das Neue Tor.

Stadtteile[Bearbeiten]

Lüneburg gliedert sich in die Stadtteile Altstadt, Bockelsberg, Ebensberg, Goseburg-Zeltberg, Häcklingen, Kaltenmoor (größter Stadtteil mit rund 9.000 Einwohnern), Kreideberg, Lüne-Moorfeld, Mittelfeld, Neu Hagen, Ochtmissen, Oedeme, Rettmer, Rotes Feld, Schützenplatz, Weststadt und Wilschenbruch. Jüttkenmoor, Klosterkamp, Bülows Kamp, In den Kämpen, Krähornsberg, Schäferfeld, Volgershall und Zeltberg sind Bezeichnungen für einzelne Baugebiete innerhalb eines Stadtteils.

Das Senkungsgebiet[Bearbeiten]

Eine Besonderheit stellt das historische Viertel zwischen der Lüneburger Saline (heute Deutsches Salzmuseum) und dem Kalkberg dar. Die Häuser jenes Bereiches stehen über dem Salzstock, der durch die Saline abgebaut wurde und bis knapp unter die Erdoberfläche reicht. Durch den vermehrten Salzabtrag mittels verbesserter technischer Geräte, etwa ab 1830, begann sich die Oberfläche um mehrere Meter abzusenken. Es entstand das so genannte Senkungsgebiet. Die dortigen Häuser und eine Kirche (die Lambertikirche) verloren dadurch ihre Stabilität und mussten abgerissen werden. Die Senkung und die Unrentabilität des Salzabbaus waren Gründe für die Schließung der Saline 1980. Heute werden nur noch geringe Mengen Sole für den Kurbetrieb in der Salztherme Lüneburg (SaLü) gefördert. Die Saline beherbergt heute einen Supermarkt und das Deutsche Salzmuseum.

An etwa 240 Messpunkten werden die Senkungen seit 1946 in einem zweijährigen Turnus überwacht. Die Senkungen sind noch nicht komplett zum Stillstand gekommen, das Gelände wurde neu bebaut und einige historische Gebäude, die gerettet werden konnten, sind inzwischen restauriert. Die Absenkungen sind bis auf den heutigen Tag gut zu erkennen. Besucher, die vom Sande bis zum Ende der Grapengießerstraße gehen, können dort die Ausmaße der Absenkungen deutlich erahnen. Die vor ihnen liegende Mulde bildete früher eine Ebene mit der Grapengießerstraße. Diese Mulde zieht sich bis zum Lambertiplatz hin.

In der Frommestraße sind weitere Zeugnisse der abbaubedingten Erdbewegungen sichtbar: Das Tor zur Unterwelt. Zwei gusseiserne Torflügel, die sich übereinander geschoben haben. Aktuell sind einzelne Häuser der Frommestraße zum Abriss vorgesehen. Kurz vor Weihnachten 2012 sind wieder zwei Häuser abgerissen worden. Das Tor zur Unterwelt wurde Anfang 2012 beschädigt und im August 2014 restauriert.

An der Michaeliskirche sind ebenfalls Folgen der Senkung zu erkennen, und zwar an den schiefen Säulen und dem Westflügel im Kirchenschiff. Auch sind aktuelle Absenkbewegungen in der Straße Ochtmisser Kirchsteig zu beobachten.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die ersten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit im Raum Lüneburg werden in die Zeit der Neandertaler datiert. Es handelt sich um 58 Faustkeile, gefunden zu Beginn der 1990er Jahre beim Bau der Autobahn zwischen Ochtmissen und Bardowick. Sie sind etwa 150.000 Jahre alt. Bei dem Ochtmisser Fundplatz handelt es sich vermutlich um ein neandertalzeitliches Jagdlager, wo die frühen Menschen ihre Jagdbeute zerteilten. Von einer durchgehenden Besiedlung des späteren Stadtgebietes konnte damals noch keine Rede sein; jahrtausendelange Kaltzeiten verhinderten dies.

Das erste archäologische Zeugnis einer sesshaften Bauernkultur wurde nicht weit von dem genannten Fundplatz entfernt in der Ilmenau zwischen Lüne und Bardowick entdeckt. Es handelt sich um eine Axt, die aufgrund ihrer Form als Schuhleistenkeil bezeichnet wird. Sie wird in das 6. vorchristliche Jahrtausend datiert und gelangte bereits im 19. Jahrhundert in die Lüneburger Museumssammlung.

Seit der Bronzezeit trägt der Lüneburger Zeltberg eine ganze Reihe vor- und frühgeschichtlicher Bestattungsplätze, welche die im Gebiet der heutigen Stadt Lüneburg ansässigen Menschen anlegten. Einer der ältesten Funde von dort ist ein sogenanntes Aunjetitzer Randleistenbeil. Es stammt aus der Zeit um 1900 v. Chr. Auch aus dem Stadtgebiet selbst stammen eine Reihe eisenzeitlicher Urnenfunde, die bereits im 18. Jahrhundert erwähnt werden. Diese sind – ebenso wie jene vom Lüneburger Kalkberg – in die Privatsammlungen einiger Gelehrter des 18. Jahrhunderts gelangt und bis auf wenige Ausnahmen mit ihnen untergegangen.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die langobardischen Urnengräberfelder vom Lüneburger Zeltberg und von Oedeme aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. Auch aus dem frühen Mittelalter existiert eine Reihe von Fundplätzen auf dem Gebiet der späteren Stadt, so beispielsweise auf dem Gebiet der alten Ortschaft Modestorpe unweit der Johanniskirche, dem Lambertiplatz nahe der Saline und im ehemaligen Wasserviertel.

Der vom griechischen Geografen Claudius Ptolemäus etwa 150 n. Chr. genannte Ort Leuphana könnte mit Lüneburg identisch sein.

Entwicklung vom Dorf zur Handelsstadt[Bearbeiten]

Blick von der Brausebrücke

Die erste urkundliche Erwähnung Lüneburgs im Mittelalter findet sich in einer Urkunde vom 13. August 956, in der König Otto I. „den Zoll zu Lüneburg an das zu Ehren des heiligen Michaels errichtete Kloster“[3] schenkt (teloneum ad Luniburc ad monasterium sancti Michahelis sub honore constructum). Eine ältere Erwähnung des Ortes in den fränkischen Reichsannalen (zum Jahre 795: … ad fluvium Albim pervenit ad locum, qui dicitur Hliuni) wird auf einen der drei Kerne Lüneburgs bezogen; vermutlich auf die spätere, ab 951 als Sitz der Billunger belegte Burg auf dem Kalkberg. Der elbgermanische Name Hliuni entspricht dabei dem langobardischen Wort für „Zufluchtsort“.

Durch archäologische Funde ist sicher, dass die Umgebung Lüneburgs zu dieser Zeit bereits besiedelt war (im Museum für das Fürstentum Lüneburg kann man zum Beispiel eine ganze Reihe qualitätvoller Exponate bewundern, die hier gefunden wurden) und die Saline zu diesem Zeitpunkt bereits ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Der Sage nach wurde das Salz vor mehr als 1000 Jahren von einem Jäger entdeckt, der eine weiße Wildsau geschossen hatte. Salzkristalle im Fell des toten Tieres sollen ihn auf die Saline aufmerksam gemacht haben.[4]

Trotz der Saline war Lüneburg ursprünglich dem nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Bardowick untergeordnet. Bardowick war älter und ein bedeutender Handelsplatz mit den Slawen. Bardowicks Reichtum – es hatte sieben Kirchen – rührte auch daher, dass keine weiteren Handelszentren geduldet wurden. Erst nachdem Bardowick sich nicht Heinrich dem Löwen unterordnen wollte, wurde es deswegen 1189 von ihm zerstört. Daraufhin bekam Lüneburg das Stadtrecht und entwickelte sich nun an Bardowicks Stelle zum zentralen Handelsplatz der Gegend.

Der polabische Name für Lüneburg ist Glain (geschrieben als Chlein oder Glein in älteren deutschen Quellen), wahrscheinlich hergeleitet von glaino (slawisch: glina) „Lehm“.

In lateinischen Texten taucht Lüneburg nicht nur als latinisiertes Lunaburgum, sondern auch als gräzisiertes Selenopolis (Mondstadt) auf, eine Anspielung an eine seit dem späten Mittelalter populäre Etymologie, die Lüneburg mit der Mondgöttin Luna verbindet. Münzen dieser Zeit und der Lunabrunnen auf dem Marktplatz greifen ebenfalls dieses Motiv auf.

Hansezeit[Bearbeiten]

Luftbild der südlichen Innenstadt

Durch seine lange Monopolstellung als Salzlieferant im norddeutschen Raum, die erst spät durch Salzimporte aus Frankreich geschwächt wurde, war Lüneburg ein frühes Mitglied der Hanse: Als Bund einzelner Kaufleute in Lübeck im Jahr 1158 begonnen, kam es 1356 (auf dem ersten allgemeinen Hansetag) zum Bund von Handelsstädten. Das Lüneburger Salz war notwendig, um die in der Ostsee und vor Norwegen gefangenen Heringe einzupökeln und so konserviert als Fastenspeise im Binnenland anzubieten.

Eine große Rolle spielte der Heringsmarkt der Schonischen Messe. So wurde Lüneburg zusammen mit Bergen (Norwegen) und Visby (den Fischlieferanten) sowie Lübeck (dem zentralen Handelspunkt zwischen Ostsee und Binnenland) rasch zu einer der wichtigsten und reichsten Städte der Hanse. Das Salz wurde im Mittelalter zunächst auf dem Landwege über die Alte Salzstraße nach Lübeck befördert. Mit Eröffnung des Stecknitzkanals im Jahr 1398 setzte sich der Transport auf dem Wasserweg in die Lübecker Salzspeicher durch.

Um 1235 entstand das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das wiederholt in verschiedene Linien geteilt und wieder zusammengeführt wurde. Die so immer wieder entstehenden Teilstaaten, die staatsrechtlich im Rang von Fürstentümern standen, erhielten ihre Namen in der Regel nach ihrer jeweiligen Residenz. So entstand zwischen 1267 und 1269 erstmals ein Fürstentum Lüneburg mit Lüneburg als Residenzstadt. Im Zuge des Lüneburger Erbfolgekriegs warfen 1371 aufständische Bürger die Fürsten aus der Stadt und zerstörten die landesherrliche Burg auf dem Kalkberg sowie das nahegelegene Kloster. Die dadurch und mit dem Landfrieden 1392 erkämpften Rechte unterschieden sich besonders im 15. Jahrhundert kaum noch von denen einer freien Reichsstadt; doch eine rechtliche Anerkennung einer Reichsunmittelbarkeit hat es nie gegeben. Diese weitgehenden Rechte konnten bis 1637 verteidigt werden. Das Geld blieb nun in der Stadt, die reichen Häuser und Kirchen entstanden.

Im Jahr 1392 wurde Lüneburg das Stapelrecht verliehen. Es zwang reisende Kaufleute, mit ihren Fuhrwerken Lüneburg aufzusuchen und ihre Waren dort zu „stapeln“, d. h. zum Verkauf anzubieten. Damit die Kaufleute Lüneburg nicht umfahren konnten, wurde um 1397 westlich der Stadt eine unpassierbare Landwehr angelegt, die Errichtung einer östlich gelegenen Landwehr erfolgte um 1479.

Eine Krise bedeutete der Lüneburger Prälatenkrieg von 1446 bis 1462, der erst aufgrund der Intervention des dänischen Königs Christian I., des Bischofs von Schwerin sowie des Lübecker Bischofs Arnold Westphal beigelegt werden konnte.

1454 wurde im Forderungskatalog der Sechziger mehr Einfluss der Bürger im öffentlichen Leben eingefordert.

Seit Ende 2007 trägt Lüneburg wieder offiziell den Titel Hansestadt.

Neuzeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Lüneburg um 1682
Lüneburg um 1895 – Blick vom Kalkberg nach Osten

In der Reformationszeit wandte sich die Stadt dem protestantischen Bekenntnis zu. Bürgermeister und Rat der Stadt unterzeichneten 1580 die lutherische Konkordienformel von 1577.[5]

Mit dem Niedergang der Hanse – und dem Ausbleiben der Heringe um 1560 vor Falsterbo in Schonen – brachen die großen Kunden für das Salz der Stadt weg; die Stadt verarmte rasch. In der folgenden Zeit wirtschaftlicher Stagnation wurden kaum noch neue Häuser gebaut, sodass das historische Stadtbild fast unverändert bis in die heutige Zeit erhalten blieb.

Im Jahre 1810 wurde Lüneburg von Frankreich annektiert; die Franzosenzeit begann. Als im März 1813 nach der Niederlage der Franzosen in Russland eine allgemeine Volkserhebung in Norddeutschland ausbrach, verjagten die Lüneburger die französischen Beamten aus ihrer Stadt. Die Folge war das Gefecht bei Lüneburg am 2. April 1813.
Heinrich Heine, dessen Eltern von 1822 bis 1826 im heutigen Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg lebten, nannte es seine „Residenz der Langeweile“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Lüneburg Garnisonsstadt, was es bis in die 1990er Jahre blieb.

Für 200 jüdische Lüneburger wurde 1894 von der Jüdischen Gemeinde in Lüneburg eine Synagoge[6] eingeweiht. An der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Lüneburgs waren jüdische Lüneburger aktiv beteiligt. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde die Mitarbeit aller Juden im öffentlichen Leben boykottiert. Juden wurden vertrieben, in Konzentrationslager deportiert und ermordet (siehe Holocaust).

In Lüneburg erinnern 26 Stolpersteine an das Schicksal von Opfern des NS-Regimes. Stadtrundgänge der Geschichtswerkstatt Lüneburg führen an einige ehemalige Wohn-, Lern- bzw. Arbeitsorte von Lüneburgern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, sowie zu Orten in Lüneburg, die in der Zeit des Nationalsozialismus eine wesentliche Rolle gespielt haben.[7]

In der Kinderfachabteilung Lüneburg, Teil der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs vermutlich über 300 Kinder im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“ getötet.[8]

Am Abend des 4. Mai 1945 kapitulierte südlich der Stadt auf dem Timeloberg (beim Dorf Wendisch Evern) eine Delegation der Regierung Dönitz vor dem britischen Feldmarschall Montgomery. Dies war das faktische Ende aller Kampfhandlungen in Norddeutschland, Dänemark, Norwegen und den nördlichen Niederlanden, also dem weitaus größten Teil des zu diesem Zeitpunkt noch von deutschen Truppen gehaltenen Territoriums.[9] Die Stelle liegt heute unzugänglich für die Öffentlichkeit in einem militärischen Sperrgebiet; ein kleiner Gedenkstein an einem nahen Feldweg erinnert an die Kapitulation. Am 23. Mai 1945 nahm sich Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Lüneburg in britischer Gefangenschaft das Leben, indem er eine Zyankali-Kapsel zerbiss.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Noch vor dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher begann in Lüneburg am 17. September 1945 der erste Kriegsverbrecher-Prozess, der so genannte Bergen-Belsen-Prozess, bei dem 45 Menschen angeklagt werden.

Der Verfall der Bausubstanz nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte zu verschiedenen Überlegungen, wie die Wohnqualität zu verbessern sei. Ein ernsthaft diskutierter Vorschlag war, die gesamte Altstadt abzureißen und durch moderne Bauten zu ersetzen. Durch den folgenden Bürgerprotest wurde Lüneburg einer der Kristallisationspunkte für einen neuen Gedanken: den Denkmalschutz. Seit den frühen 1970er Jahren wurde die Stadt systematisch restauriert. Besondere Verdienste erwarb sich dabei bereits Ende der 1960er Jahre Curt Pomp: Gegen zahlreiche Widerstände aus Politik und Verwaltung setzte er sich in dem von ihm gegründeten Arbeitskreis Lüneburger Altstadt für die Erhaltung historischer Bausubstanz ein. Sein Engagement wurde belohnt mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und dem Bundesverdienstkreuz. Heute ist die Lüneburger Altstadt aufgrund dieser Restaurierungen, 1300 Backsteinhäuser sind denkmalgeschützt, eine Touristenattraktion; wichtige Teile der Wirtschaft sind auf Tourismus ausgerichtet.

Im Rahmen der Bundeswehrreform wurden seit 1990 zwei der drei Bundeswehr-Kasernen der Stadt geschlossen und die verbliebene verkleinert. Zusätzlich wurde die Bundesgrenzschutz-Kaserne aufgelöst, die teilweise heute von der Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen (4. Einsatzhundertschaft) genutzt wird. Die Universität Lüneburg siedelte auf das Gelände der ehemaligen Scharnhorstkaserne um. Die Universität Lüneburg entwickelte sich aus den in den 1980er Jahren neu angelegten wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Fachbereichen und dem 1989 erfolgten Zusammenschluss mit der Pädagogischen Hochschule (PH). Seit ihrem Umzug auf das ehemalige Kasernengelände zog die Universität immer mehr Studenten an. Der Ausbau der Universität ist ein wichtiger Beitrag zur Umstrukturierung der Stadt zu einem Dienstleistungszentrum. Auf dem Gelände der ehemaligen Bundesgrenzschutzkaserne entsteht heute der Lünepark mit neuen Gewerbeflächen für Existenzgründer. Die Wirtschaftsförderung und viele Firmen aus dem IT-Bereich haben sich dort bereits angesiedelt. In der Nähe wurde im Mai 2006 die Johannes-Westphal-Brücke für den Verkehr geöffnet. Diese verbindet den neu geschaffenen Lünepark mit dem jenseits der Ilmenau liegenden Stadtteil Goseburg.

Am 5. Oktober 2007 erfolgte eine Namensänderung von Stadt Lüneburg zu Hansestadt Lüneburg und damit neben Stade als einzige Hansestadt in Niedersachsen.[10]

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1943: Hagen und Lüne
  • 1974 (1. März)[11]: Häcklingen, Ochtmissen, Oedeme und Rettmer sowie Gebietsteile Alt-Hagen und Pflegerdorf/Gut Wienebüttel
  • 1974 (1. April)[11]: Gebietsteile Ebensberg und Olm der Gemeinde Adendorf

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Lüneburg hatte bereits im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit etwa 14.000 Einwohner und gehörte damit zu den damaligen Großstädten. Die Einwohnerzahl sank mit dem wirtschaftlichen Niedergang bis 1757 auf 9.400, stieg dann bis 1813 auf 10.400. Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1855 erst 13.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1939 bereits 35.000. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten der Stadt innerhalb weniger Monate einen Zuwachs um 18.000 Personen auf 53.000 Einwohner im Dezember 1945. Im Jahre 2003 überschritt die Bevölkerungszahl der Stadt die Grenze von 70.000. Die Stadt Lüneburg sowie ihr Landkreis und der benachbarte Landkreis Harburg gehören zu den wenigen Gebieten in Deutschland, die sich durch ein starkes Bevölkerungswachstum auszeichnen. Gründe dafür sind unter anderem das Wachstum an und Bevölkerungsverschiebungen zu den Randgebieten der Hamburger Stadtregion. Das Niedersächsische Landesamt für Statistik hat der Stadt Lüneburg bis zum Jahre 2021 eine Einwohnerzahl von 89.484 vorausgesagt.

Am 31. Dezember 2011 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Lüneburg nach Fortschreibung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 73.581 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern) – historischer Höchststand. Weiterhin hat Lüneburg besonders enge Beziehungen zu den unmittelbar benachbarten und mit der Kernstadt im Zusammenwachsen begriffenen Gemeinden, mit denen es eine Agglomeration bildet. Die Stadt hat mit den Orten Adendorf, Bardowick, Deutsch Evern und Reppenstedt sowie Vögelsen und Wendisch Evern eine Einwohnerzahl von etwa 108.000 und würde zusammen mit diesen Ortschaften die notwendige Einwohnerzahl einer Großstadt erreichen. Momentan ist Lüneburg die elftgrößte Stadt in Niedersachsen.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1813 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“.[12] Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1530 14.000
1699 11.000
1757 9.426
1813 10.400
3. Dezember 1855* 13.352
3. Dezember 1861* 14.400
3. Dezember 1864* 15.700
3. Dezember 1867* 15.900
1. Dezember 1871* 16.284
1. Dezember 1875* 17.500
1. Dezember 1880* 19.100
1. Dezember 1885* 19.336
1. Dezember 1890* 20.665
2. Dezember 1895* 22.309
1. Dezember 1900* 24.693
Jahr Einwohner
1. Dezember 1905* 26.571
1. Dezember 1910* 27.790
1. Dezember 1916* 23.799
5. Dezember 1917* 23.282
8. Oktober 1919* 27.579
16. Juni 1925* 28.923
16. Juni 1933* 31.171
17. Mai 1939* 35.239
31. Dezember 1945 53.095
29. Oktober 1946* 49.169
13. September 1950* 58.139
25. September 1956* 56.845
6. Juni 1961* 59.563
31. Dezember 1965 60.269
27. Mai 1970* 59.516
Jahr Einwohner
31. Dezember 1975 64.586
31. Dezember 1980 62.225
31. Dezember 1985 59.645
25. Mai 1987* 59.543
31. Dezember 1990 64.857
31. Dezember 1991 65.586
31. Dezember 1992 66.054
31. Dezember 1993 65.525
31. Dezember 1994 65.926
31. Dezember 1997 67.372
31. Dezember 1998 67.920
31. Dezember 1999 68.554
31. Dezember 2000 69.413
31. Dezember 2001 70.395
31. Dezember 2002 70.503
Jahr Einwohner
31. Dezember 2003 69.718
31. Dezember 2004 70.128
31. Dezember 2005 70.667
31. Dezember 2006 70.931
31. Dezember 2007 71.119
31. Dezember 2008 71.179
31. Dezember 2009 71.303
31. Dezember 2010 71.549
31. Dezember 2011 72.040
31. Dezember 2012 72.575
31. März 2013* 72.686
31. Oktober 2013 73.000
*Volkszählungsergebnisse

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2006 2011[13]
Liste Stimmen Sitze Stimmen Sitze
SPD 40,9 % 17 32,4 % 14
Grüne 18,1 % 8 29,3 % 12
CDU 28,4 % 12 22,7 % 10
Die Linke 4,3 % 2 4,9 % 2
Piraten - - 4,1 % 2
FDP 7,0 % 3 3,3 % 1
RRP - - 2,1 % 1
WIL - - 1,0 % 0
pdv - - 0,3 % 0
Wahlbeteiligung 48,0 %

Die Stadt Lüneburg gehört zum Landtagswahlkreis 49 Lüneburg und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[14][15]

Rat[Bearbeiten]

Der Rat der Hansestadt Lüneburg hat 43 Mitglieder (42 Ratsfrauen und Ratsherren und Oberbürgermeister).

Oberbürgermeister und Bürgermeister[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Oberbürgermeister der hauptamtliche Chef der Stadtverwaltung. Mit Einführung der Norddeutschen Ratsverfassung durch die britische Besatzungsmacht trat eine Trennung der Stadtspitze ein: Der ehrenamtliche Oberbürgermeister und zugleich Vorsitzende der Stadtvertretung war der politische Repräsentant der Stadt, der wie alle Mitglieder der Stadtvertretung von der Bevölkerung gewählt wurde, während die Verwaltung vom hauptamtlichen Oberstadtdirektor, der von der Stadtvertretung gewählt wurde, geleitet wurde. Durch die Reform der Kommunalverfassung sind seit 1996 beide Aufgaben (wieder) im Amt des hauptamtlichen Oberbürgermeisters, der nun von der Bevölkerung direkt gewählt wird, vereint.

Neben dem Oberbürgermeister gibt es (vom Stadtrat gewählte) ehrenamtliche Bürgermeister, die den Oberbürgermeister in seinen protokollarischen Aufgaben unterstützen und vertreten. Derzeitige Bürgermeister sind Eduard Kolle (SPD), Andreas Meihsies (Grüne) und Regina Baumgarten (CDU).

Oberstadtdirektor[Bearbeiten]

1946 führte die britische Besatzungsmacht die Doppelspitze in der Kommunalverwaltung ein. Bis 1996 gab es in Lüneburg den Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung.

Seit 1996 wird die Verwaltung durch den Oberbürgermeister geleitet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Lüneburg pflegt trotz seiner mittleren Größe zahlreiche Partnerschaften mit anderen Städten. Im Juni 2000 trafen sich Delegierte aller Partnerstädte in Lüneburg und Umgebung und feierten das größte Partnerschaftstreffen der Nachkriegszeit in dieser Region.

Zusätzlich bestehen noch diverse innerdeutsche Partnerschaften, so zum Beispiel mit Kulmbach und Köthen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Das Theater Lüneburg ist eines der kleinsten Drei-Sparten-Theater Deutschlands. Es werden nicht nur Theaterstücke aller Stilrichtungen aufgeführt, sondern auch Opern, Operetten, Musicals sowie Ballett. Trotz begrenzter finanzieller Mittel kann es sich gegen die zahlreichen Häuser des nahegelegenen Hamburg behaupten. Daneben verfügt Lüneburg über eine große Anzahl von Amateurbühnen, die ebenfalls regelmäßig Aufführungen produzieren. Als erste dieser Bühnen wurde 1973 „d.a.t. – das andere theater“ gegründet, das sich bis 1978 regelmäßig vor allem mit aktuellen Kinderstücken, Studioproduktionen und alternativen Theaterexperimenten einen Namen machte. Die heutige Vielfalt im Amateurtheaterbereich gibt es sonst nur in weitaus größeren Städten wie Hamburg oder Hannover.

Eine kleine Auswahl (sortiert nach Gründungsjahr):

  • Niederdeutsche Bühne Sülfmeister
  • Kleines Keller Theater e. V.
  • Amateurtheater Rampenlicht e. V.
  • Theater Spotlight
  • theater im e.novum: ein kleines Privattheater, in dem verschiedene Ensembles von Laienkünstlern spielen

Darüber hinaus gibt es in vielen umliegenden Gemeinden Amateurtheater, wie das Puschentheater in Melbeck und das Kleine Salzhäuser Theater (KleiST) in Salzhausen.

Museen[Bearbeiten]

Die historische Stadt ist zwar schon per se eine Art Freilichtmuseum („Rothenburg des Nordens“), doch sie wird zusätzlich durch einige Museen belebt. Die wichtigsten Museen sind das Deutsche Salzmuseum in den Gebäuden der ehemaligen Saline, in dem die Bedeutung von Salz im Mittelalter und die Salzgewinnung anschaulich vor Augen geführt wird, das Ostpreußische Landesmuseum, das die Kultur und Geschichte des ehemaligen Ostpreußens von der Urgeschichte bis 1945 zeigt, sowie das in direkter Nachbarschaft befindliche Brauereimuseum mit wertvoller Trinkgefäßegalerie (aus 1200 Jahren). Erwähnenswert, aber wegen Umbaumaßnahmen für länger geschlossen, sind das Museum für das Fürstentum Lüneburg, in dem die Stadtgeschichte und die Geschichte der Umgebung dargestellt werden, sowie das Naturmuseum am Rande des Senkungsgebietes. Zeitgenössische Kunst stellt die Halle für Kunst Lüneburg e.V. aus.

(Regelmäßige) Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • April: „Lüneburg blüht auf“ und Frühjahrsmarkt auf den Sülzwiesen
  • Juni: Stadtfest
  • Juni: Lunatic Festival: gemeinnütziges Musikfestival auf dem Universitätsgelände, SONAR-Festival: politisches Festival des AStA auf dem Campusgelände
  • Juli: Frommestraßenfest
  • September: Oktoberfest auf den Sülzwiesen.
  • Anfang Oktober: Sülfmeistertage
  • Adventszeit: „Historischer Weihnachtsmarkt“ rund um die Michaeliskirche und Weihnachtsmarkt mit Märchenmeile und Giebelleuchten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, in der Grapengießerstraße und Am Sande.

2012 haben in Lüneburg die Hansetage stattgefunden.

Bauwerke[Bearbeiten]

Herausragendes Beispiel norddeutscher Backsteinarchitektur – Der Schütting, jetzt Industrie- und Handelskammer
Giebelhäuser am Platz „Am Sande“
Portal Alte Rathsapotheke

Lüneburg gehört zu den wenigen Städten Norddeutschlands, die ihren historischen Kern unzerstört durch den Zweiten Weltkrieg retten konnten. Allerdings haben die Vernachlässigungen der Bausubstanz bis in die 1960er Jahre hinein und die Schäden im Senkungsgebiet zu Lücken im historischen Stadtbild geführt. Zusätzlich sorgten in den 1950er und 1960er Jahren der Abriss maroder Gebäude und der Bau von Kaufhäusern mit (damals) moderner Prägung für Brüche in der Optik so mancher Straßenzüge. Seit Anfang der 70er Jahre wird Lüneburg aber sorgsam und liebevoll restauriert. Dadurch kam es inzwischen zu Entdeckungen von zuvor verborgenen Deckengemälden, mittelalterlichen Töpferstuben und vieler historischer Sickergruben, durch die ein wesentlich besseres Bild vom Leben im Mittelalter entstanden ist.

Besonders hervorzuhebende Gebäude sind die drei verbliebenen Stadtkirchen St. Johannis am Sande (Baubeginn 1289, vollendet 1470), die Kirche St. Michaelis, in der Johann Sebastian Bach von 1700 bis 1702 Chorknabe war, und die fast modern wirkende Stadtkirche St. Nicolai, die ab 1407 erbaut wurde. Die Lambertikirche musste bereits 1861 wegen Baufälligkeit abgerissen werden: sie stand im Senkungsgebiet. Ihre Sonntagsglocke von 1712 und das Uhrwerk findet man heute im Dachreiter der Heiligengeistschule, dem alten „Spital zum Heiligen Geiste“, welches als Seniorenstift und Grundschule dient.

Als eines der herausragendsten Baudenkmäler Norddeutschlands kann das historische Lüneburger Rathaus mit seiner berühmten Gerichtslaube, dem ehemaligen Ratssaal, der von einem unbekannten Meister gestaltet wurde, angesehen werden. Es wurde um 1230 begonnen, über die Jahrhunderte immer weiter ausgebaut und gilt als größtes mittelalterliches Rathaus Norddeutschlands. Den vor dem Rathaus stehenden Lunabrunnen ziert eine bronzene Statue der Mondgöttin mit Pfeil und Bogen; das Original von 1532 wurde 1970 gestohlen und eingeschmolzen; die heutige Büste ist eine Nachbildung von 1972. Ebenfalls am Markt befindet sich das ehemalige Lüneburger Schloss der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, das seit 1925 das Landgericht beherbergt.

Ebenso interessant sind das Glockenhaus (altes Zeughaus) am Glockenhof, die Alte Raths-Apotheke von 1598 in der Großen Bäckerstraße.

Im Bereich des alten Hafens steht noch die Barockfassade des Alten Kaufhauses, das in seinen übrigen Teilen aber abgebrannt ist und durch einen Neubau (sinnigerweise für die Feuerwehr) ersetzt werden musste und modernisiert heute als Hotel genutzt wird, und der Alte Kran, eine bis heute funktionsfähige mittelalterliche Holzkonstruktion, in deren Inneren zwei große Laufräder das Heben und Senken des Kranseils ermöglichen. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Herbst 2007 in neue Gebäude am Rand der Innenstadt verlegt, und in das Alte Kaufhaus ist jetzt ein Hotel eingezogen.

Keine Spuren haben sich von der namensgebenden Lüneburg auf dem Kalkberg erhalten, der ebenfalls durch Gipsabbau nur noch wenig von seiner einstigen Größe erahnen lässt.

Am Südrand der Innenstadt befindet sich der heute als Aussichtsturm dienende Wasserturm.

Vor den Toren der alten Stadt findet sich zudem das Kloster Lüne, ein ehemaliges Benediktinerinnen-Kloster. Es wurde ab 1172 erbaut und ist gut restauriert.

Etwa zwei Kilometer westlich von Lüneburg, in den Ortschaften Reppenstedt und Vögelsen gelegen, befindet sich ein gut erhaltener Abschnitt des Bodendenkmals Lüneburger Landwehr, der auch bewandert werden kann.

Religion[Bearbeiten]

Lüneburg ist konfessionell in der Mehrheit evangelisch-lutherisch und Sitz eines Kirchenkreises. So sind die drei verbliebenen historischen Stadtkirchen St. Johannis, St. Michaelis und St. Nicolai heute evangelisch. Die Kirchengemeinde Lüne nutzt die historische St.-Bartholomäi-Kirche des Klosters Lüne im Stadtteil Lüne-Moorfeld und das Gemeindehaus in Ebensberg. Moderne Kirchen in Lüneburg sind die Kreuzkirche am Bockelsberg, das Martin-Luther-Haus mit Kirchsaal aus den 1950er Jahren in Goseburg-Zeltberg, die Paul-Gerhardt-Kirche von 1963 in Neu Hagen und die Pauluskirche von 1971 auf dem Kreideberg.

Im Stadtteil Kaltenmoor steht seit 1974 das älteste ökumenische Gemeindezentrum (evangelische und katholische Kirche unter einem Dach) in Deutschland: St. Stephanus.

Katholische Kirche

Zur katholischen Pfarrgemeinde St. Marien gehören neben der St.-Marien-Kirche auch die Kirchen in Kaltenmoor, Adendorf und Amelinghausen. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Zahl der katholischen Lüneburger, so dass die 1857 an der Wallstraße erbaute St.-Marien-Kirche zu klein geworden war und 1968 abgerissen wurde. Als Ersatz wurde bereits 1963 an der Friedenstraße ein Neubau eingeweiht.

Darüber hinaus befinden sich in Lüneburg weitere christliche Gemeinden: 1882 wurde die Neuapostolische Gemeinde gegründet, ihre heutige Kirche im Stadtteil Rotes Feld wurde 1959 eingeweiht. Die 1894 gegründete Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, zu ihr gehört die Friedenskirche im Stadtteil Bockelsberg. Die seit 1912 bestehende Adventgemeinde verfügt seit 1980 über die Kirche in der Friedenstraße. Die St.-Thomas-Gemeinde wurde 1927 gegründet und gehört zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, ihre Kirche befindet sich Am Springintgut am nordwestlichen Rand der Altstadt. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen wurde 1958 gegründet, zu ihr gehört in Lüneburg die Christuskirche in Kaltenmoor. Die Freie evangelische Gemeinde Lüneburg wurde 1991 gegründet und hat ihren Sitz in Neu Hagen. Die Freie Christengemeinde Lüneburg (Pfingstgemeinde) hat ihren Sitz in der Wedekindstraße im Stadtteil Schützenplatz, die Matthäusgemeinde mit dem Gemeindehaus am Kalkberg ist eine selbständige evangelische Freikirche und gehört zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.

In der Psychiatrischen Klinik Lüneburg befindet sich eine Kapelle, im Städtischen Klinikum finden ebenfalls Gottesdienste statt. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kapelle auf Gut Schnellenberg befindet sich in Privatbesitz.

Die 1894 am Schifferwall von der jüdischen Gemeinde eingeweihte große Synagoge wurde 1938 zum Abbruch verkauft. Seit 1955 erinnert ein Gedenkstein an den Standort.

Ferner leben in der Hansestadt Lüneburg auch Muslime. Der Großteil der muslimischen Einwohner lebt im bevölkerungsreichsten Stadtteil Kaltenmoor. Zudem gibt es in der Hansestadt eine Türkisch-Islamische Gemeinde im Lüner Weg, auch bekannt als die Lüneburger Zentral Moschee (DITIB-Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüneburg e.V.).

Sport[Bearbeiten]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Aushänger des Gasthauses Krone

Lüneburg ist für weitere besondere Leckereien bekannt: zum einen den Heidschnuckenbraten, zum anderen für den Stint, einen kleinen Fisch, der im Frühjahr Saison hat. Eine weitere kulinarische Rarität ist eine regional abweichende, dänisch beeinflusste Variante des Labskaus (Skipperlabskovs, umgangssprachlich auch Gammel danske kaus).

Lüneburg hatte einst über 80 Brauereien. Die „Lüneburger Kronen-Brauerei von 1485“ in der Heiligengeiststraße braute in Norddeutschland sehr bekannte Biere wie das „Lüneburger Kronen-Pilsener“ und das „Moravia Pilsener“. Diese Biere werden heute von der Holsten-Brauerei AG in Hamburg gebraut, allerdings sind die Original-Hefestämme bei der Übernahme der Kronen-Brauerei vernichtet worden. Lediglich das ursprüngliche „Lüneburger Pilsener“ gibt es nach wie vor, wobei auch dieses inzwischen von der Holsten-Brauerei AG in Hamburg hergestellt und zwischenzeitlich nur noch im Fass verkauft wurde. Seit März 2011 wird „Lüneburger Pilsener“ in Kooperation mit der Holsten-Brauerei AG Hamburg auch wieder in Flaschen vertrieben. Heute gibt es nur noch zwei kleinere Gasthausbrauereien in Lüneburg. In der Gasthausbrauerei Nolte etwas außerhalb des Zentrums in der Dahlenburger Landstraße und im Brau- und Tafelhaus Mälzer in der Heiligengeiststraße lebt die Tradition Lüneburger Brauereien weiter.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Lüneburg hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt hin entwickelt. Dennoch spielen das mittelständische produzierende Gewerbe und Kleinbetriebe immer noch eine starke Rolle im Lüneburger Wirtschaftsgeschehen. Veränderungen und Impulse ergeben sich auch aus der Universität Lüneburg, welche mit ihren Studierenden zur Vitalisierung der Region beiträgt.

Ansässige, wichtige Unternehmen[Bearbeiten]

Industrie und Handwerk[Bearbeiten]

Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind in Lüneburg angesiedelt. Erwähnenswert sind unter anderen: Im Textilbereich der Modehersteller Roy Robson (der Strickwarenhersteller Lucia, einst größter Arbeitgeber der Stadt, meldete 2008 Insolvenz an), im Lebensmittelbereich die Firmen DeVauGe Gesundkostwerk als einer der größten deutschen Hersteller von vegetarischen Lebensmitteln, Pickenpack Hussmann & Hahn GmbH als eines der führenden europäischen Unternehmen im Bereich Tiefkühlfisch (Teil der Pacific Andes International Holdings Limited (Hongkong)) und die Molkerei, welche heute Teil der Hochwald Nahrungsmittel-Werke ist und Produkte (Joghurt) der Marke „Lünebest“ herstellt. Im Industriebereich sind die größten ansässigen Firmen der Pkw-Innenausstatter Johnson Controls, H. B. Fuller, die Impreglon SE und der Anbieter von Industrie-Elektronik die Sieb & Meyer AG. Ebenfalls in Lüneburg beheimatet ist mit der 1614 gegründeten „von Stern’schen Druckerei“ die älteste noch in Familienbesitz befindliche Druckerei der Welt.

Tourismus, neue Technologien und Dienstleistung[Bearbeiten]

Für den Bereich Tourismus ist besonders der von der Stadtgärtnerei gestalteten Kurpark mit einem Gradierwerk, Teichen, vielen Blumenrabatten und Kräutergarten zu nennen, der direkt neben dem Kurzentrum gelegen ist. Das Kurzentrum umfasst Meerwasserwellenbad, Salztherme, Wellness- und Saunawelt usw. (SaLü), zudem gibt es einen Soletherapiebereich mit Anwendungen für Haut- und Atemwegsbeschwerden. Lüneburg ist kein Kurort wie das benachbarte Bad Bevensen, verfügt aber über besondere Heilmittel, wie zum Beispiel die Lüneburger Sole (etwa 26 % Salzgehalt), mit der besonders Psoriasiserkrankte Linderung erfahren. Darüber hinaus ist hier seit 1978 die Hauptverwaltung der Tagungshotelgruppe Seminaris angesiedelt. Im Bereich Technologien und Dienstleistungen ist das Innovations- und Gründungszentrum e-novum zu nennen, das sich mit der Förderung von jungen Unternehmen befasst. Die Werum Software & Systems AG ist das größte Unternehmen Lüneburgs aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Außerdem sind in Lüneburg die Landeskrankenhilfe, die Volksbank Lüneburger Heide und die Sparkasse Lüneburg ansässig.

Medien[Bearbeiten]

Am 18. Juli 2007 wandelte der Norddeutsche Rundfunk NDR sein langjähriges Korrespondenten-Büro Auf dem Meere hinter dem Rathaus in ein Studio um. Mehrmals täglich werden aus dem Lüneburger Studio regionale Informationen für Heide und Wendland, den Süden Hamburgs und die Niederelbe im Programm von NDR 1 Niedersachsen gesendet. Außerdem beliefert die Redaktion weitere NDR-Sender und die gesamte ARD, bei Groß-Ereignissen wie Elbe-Hochwasser oder Castor-Transporten. Mit Radio ZuSa gibt es auch einen lokalen Radiosender, dessen Sendungen in Lüneburg und in Uelzen produziert und gesendet werden.

Im Jahr 2006 richtete die Filmproduktionsgesellschaft Studio Hamburg Traumfabrik Niedersachsen GmbH in der ehemaligen Europazentrale von Konica Minolta im Industriegebiet Hafen ihren Firmensitz und zwei Produktionsstudios ein. Seit dem 28. August 2006 wird hier die Telenovela Rote Rosen für Das Erste produziert. Lüneburg ist außerdem Sitz der Gesellschaft für visuelle Kommunikation, der größten Kommunikationsagentur in Niedersachsen. Arbeitsschwerpunkt des Unternehmens ist das Handels- und Vertriebsmarketing. Die Landeszeitung für die Lüneburger Heide ist die lokale Tageszeitung für den Landkreis Lüneburg und angrenzende Gebiete. Die „Lüneburger Rundschau“ erschien bis zum 11. August 2012 zudem als tägliche Lokalausgabe des „Hamburger Abendblatts“.

Zudem ist Lüneburg die Heimatstadt der Tatort-Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (gespielt von Maria Furtwängler). In den Episoden „Heimspiel“ und „Schwarze Tiger, weiße Löwen“ ist Lindholm zumeist zu Besuch bei ihrer Mutter, wobei sich daraus immer ein Kriminalfall entwickelt. Schon im Jahr 1977 war Lüneburg Schauplatz einer Tatort-Episode. Damals ermittelte Kriminalhauptkommissar Heinz Brammer (gespielt von Knutz Hinz) in der Folge „Das stille Geschäft“.

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Stadt und Landkreis Lüneburg sind seit Dezember 2004 Teil des Hamburger Verkehrsverbundes. Durch seine Nähe zu Hamburg und seine verkehrsgünstige Lage ist Lüneburg leicht erreichbar. Der Lüneburger Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Hamburg-Hannover und wird sowohl von Zügen der Deutschen Bahn AG als auch der Metronom Eisenbahngesellschaft angefahren. Die Fahrtzeit zum Hamburger Hauptbahnhof beträgt etwa 30 Minuten. Neben Regionalzügen halten in Lüneburg auch Intercity-Züge und einzelne ICE auf der Fahrt von Hamburg in Richtung Süden. Nach Nordosten zweigt die Verbindung über Lauenburg/Elbe nach Lübeck ab. Über eine Stichbahn wird der Dannenberger Raum versorgt; diese Linie, die Wendlandbahn, ist durch die auf ihr stattfindenden Atommüll-Transporte nach Gorleben bekannt geworden. Von Lüneburg aus betreibt die OHE mehrere Bahnstrecken im Güter- und Ausflugsverkehr.

Straßenanbindung[Bearbeiten]

Die längste Straße Lüneburgs (Dahlenburger Landstraße) führt am Bahnhof Lüneburg vorbei. Zudem verfügt Lüneburg über einen Autobahnanschluss der Bundesautobahn A 39. Diese Autobahn soll in den nächsten Jahren in Richtung Süden bis Wolfsburg und Braunschweig verlängert werden, sodass mehrere Anschlussstellen im Stadtgebiet entstehen werden. Lüneburg ist über die Bundesstraßen B 4, B 209 und die B 216 an das Bundesstraßennetz angebunden.

Busverkehr[Bearbeiten]

Der öffentliche Nahverkehr Lüneburgs wird von der KVG Stade betrieben. Nachdem sich Pläne zum Bau einer Straßenbahn zerschlagen hatten, bestand ab spätestens 1926 ein bescheidener Stadtbusverkehr, der schlecht genutzt wurde und deshalb 1934 außer Betrieb ging. Ab 1935 betrieb die Firma Röhlsberger eine Hauptlinie Bahnhof – Kurpark – Neulindenau mit Nebenästen nach Hagen (Gellersstraße), zur Heil- und Pflegeanstalt und zu Ausflugszielen im südlichen Weichbild der Stadt. Kurze Zeit später wurde das Netz auf eine Hauptlinie zwischen dem Fliegerhorst und der Scharnhorst-Kaserne reduziert, die große Teile der Stadt anband. Ein umfangreicheres Netz entstand nach dem Krieg; 1955 gab es 5 Linien. 1982 wurde die Firma Röhlsberger verkauft und zum Tochterunternehmen „KVG Lüneburg“ der „KVG Stade“.

Gegenwärtig besteht ein innerstädtisches Stadtbusnetz mit sechs Durchmesserlinien und sieben Radiallinien, die sämtlich über den Bahnhof/ZOB führen und bis auf zwei Ausnahmen auch den zentralen Stadtplatz Am Sande berühren. Bis auf den Stadtteil Wilschenbruch und den alten Kern des Stadtteils Hagen, die nicht an das Verkehrsnetz der KVG angebunden sind, wird durch die in Betrieb befindlichen 13 Linien in allen Stadtteilen eine hohe Raumerschließung erreicht. Einzelne Linien führen über die Stadtgrenze hinaus bis in die angrenzenden Umlandgemeinden Adendorf, Bardowick, Mechtersen/Vögelsen und Reppenstedt. Auf allen Linien wird ein Taktfahrplan angeboten. Auf den meisten von ihnen besteht in der Hauptverkehrszeit (HVZ) montags bis freitags zwischen 5:00 und ca. 19:00 Uhr ein 20- oder 30-Minuten-Takt und danach bis 21:00 Uhr ein Halbstundentakt. Sonnabends wird von 6:00 bis 20:00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13:00 bis 20:00 Uhr überwiegend alle 30 bzw. alle 60 Minuten gefahren (Stand Fahrplan 2011). In den späteren Abendstunden und den sonstigen Verkehrsruhezeiten steht ein sogenanntes ASM (Anrufsammelmobil) für den öffentlichen Nahverkehr bereit. Durch die Überlagerung einiger Linienäste wird während der Hauptverkehrszeit in manchen Stadtteilen eine optimale Anbindung erreicht. Am dichtesten sind die Verbindungen in den Stadtteil Kaltenmoor und zur Universität, die alle 10 Minuten vom Bahnhof und von der Innenstadt zu erreichen sind.

Seit Ende 2004 ist der Lüneburger Stadtverkehr dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) angeschlossen. Bis zu diesem Datum führte die KVG für den Stadtbusverkehr ein- bis zweistellige Liniennummern. Mit dem Anschluss wurden die alten Nummern zum großen Teil beibehalten und mit dem Präfix 500 bzw. 50 versehen. Seitdem tragen die Stadtbuslinien die Nummern 5001–5015.

Im Überlandverkehr ist Lüneburg Ausgangspunkt zahlreicher Linien, unter anderem in die stadtnahen Umlandortschaften Deutsch Evern, Wendisch Evern, Embsen, Melbeck, Scharnebeck sowie in die wichtigen Unterzentren des Landkreises Amelinghausen, Bleckede, Dahlenburg und Neetze. Weitere Verbindungen bestehen zu den in den Nachbarkreisen gelegenen Städten und Ortschaften Winsen, Lüchow, Hitzacker, Niedermarschacht und Salzhausen. Auch der regionale Busverkehr ist Bestandteil des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV). Er wird im nördlichen und westlichen Verkehrsgebiet von der KVG sowie im südlichen und nordöstlichen Verkehrsgebiet überwiegend von den Verkehrsbetrieben Osthannover GmbH (VOG) betrieben. Die Linienkennzeichnung ist einheitlich und erfolgt nach Richtungssektoren durch Zahlen zwischen 100 und 970 ebenfalls mit dem Lüneburger Präfix 5xxx. Auf mehreren Linien besteht an Werktagen tagsüber ebenfalls ein 1-Stunden-Takt so unter anderem nach Bleckede (Linie 5100), Deutsch Evern und Wendisch Evern (Linien 5610 und 5620) sowie nach Melbeck/Embsen (Linie 5600) und nach Salzhausen (Linie 5200). Nach Bleckede (5100) fährt auf der Linie 5100 werktags nachmittags gar alle 30 Minuten ein Bus. Die längste Regionallinie (5304) führt nach Lüchow.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Lüneburger Hafengebiet

Durch einen Hafen am Elbe-Seitenkanal ist Lüneburg von der Elbe und dem Mittellandkanal aus erreichbar. Im 17 ha großen Hafenkerngebiet werden jährlich 200.000 Tonnen Massengüter umgeschlagen.[16]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Am östlichen Stadtrand befindet sich der Flugplatz Lüneburg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Lüneburg ist Sitz des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts, eines Landgerichts, sowie des erstinstanzlichen Amtsgerichts, der Regierungsvertretung Lüneburg als Nachfolgerin der zum 1. Januar 2005 aufgelösten Bezirksregierung, der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade sowie der Polizeidirektion Lüneburg, der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen und des Bundespolizeireviers Lüneburg. Die alte Garnisonstadt (berühmt bis 1914 war das Dragoner-Regiment Nr. 16 in der Lüner Kaserne, heute ein lebendiger Gewerbepark) ist bis heute auch ein wichtiger Standort der Bundeswehr, auch wenn die Zahl der hier stationierten Soldaten seit den 1990er Jahren von etwa 9.000 auf heute rund 1.000 Soldaten abgenommen hat.[17] In die einstige Scharnhorst-Kaserne ist die Universität Lüneburg gezogen, was als besonders gelungenes und fast einzigartiges Konversionsprojekt gilt. In einem Teil der Schlieffen-Kaserne sitzen heute Behörden wie das Verwaltungsgericht, das Arbeitsgericht, der Zoll, die Steuerfahndung, das Katasteramt. Die Theodor-Körner-Kaserne wird weiterhin von der Bundeswehr genutzt und beherbergt das Aufklärungslehrbataillon 3 (bis Juni 2007: Panzeraufklärungslehrbataillon 3), Teile des Logistikbataillon 3, Sanitätszentrum Lüneburg, Fahrschulkompanie und einige Kleindienststellen.

Sozialeinrichtungen[Bearbeiten]

In Lüneburg besteht das Städtische Klinikum Lüneburg. Dieses Krankenhaus nimmt am Elbe-Heide-Krankenhausverbund teil, der mehrere Kliniken im südlichen Hamburger Umland umfasst. Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg betreut und fördert Menschen mit Behinderungen in dieser Region.

Bildung[Bearbeiten]

Schulen im Lüneburger Stadtteil Oedeme

Die erste Schule in Lüneburg war die im 14. Jahrhundert gegründete Michaelisschule. Heute befinden sich in Lüneburg vier Gymnasien. Neben der Herderschule, der Wilhelm-Raabe-Schule und dem Gymnasium Oedeme befindet sich darunter mit dem 1406 gegründeten Johanneum Lüneburg auch eine der traditionsreichsten Schulen Deutschlands. Außer den Grund-, Haupt- und Realschulen sind besonders wichtig geworden die drei Berufsbildenden Schulen am Schwalbenberg. Einen wichtigen Platz im Bildungsangebot nimmt auch die Volkshochschule (Haagestraße 4) ein. Außerdem gibt es eine Rudolf-Steiner-Schule und eine Montessori-Grundschule.

Die 1989 gegründete Universität Lüneburg (vormals Pädagogische Hochschule), die ihren Sitz in den Gebäuden einer der aufgelösten Kasernen hat, sowie das Zentrum der Fachhochschule Nordostniedersachsen (mit Studienstandorten in Lüneburg, Suderburg und ehemals Buxtehude) sind Hilfen bei der Umstrukturierung der Stadt von einer Garnisonsstadt zu einem Dienstleistungszentrum.

Seit dem 1. Januar 2003 ist die Universität eine Stiftung des Öffentlichen Rechts. Am 1. Januar 2005 wurden Universität und Fachhochschule unter dem Dach der Stiftung Universität Lüneburg fusioniert. Mit der Neuorientierung der Universität Lüneburg wurde diese am 21. März 2007 in Leuphana Universität Lüneburg umbenannt.

Eine der größten außerschulischen Bildungseinrichtungen befindet sich in der Bockelsberghütte. Diese im Stadtteil Bockelsberg gelegene Jugendbildungsstätte ist eines der wenigen freistehenden Fachwerkhäuser Lüneburgs und beherbergt nach seiner Renovierung mehrere Träger der freien Jugendhilfe.

Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade unterhält am Standort Lüneburg ein Technologiezentrum (TZH) für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Handwerksberufen. Das TZH Lüneburg verfügt über 43 Werkstätten mit 639 Arbeitsplätzen und 17 Unterrichtsräume mit 402 Plätzen. Pro Jahr werden dort etwa 10.000 Auszubildende in 23 unterschiedlichen Handwerksberufen im Rahmen der Technologischen Lehrlingsqualifizierung geschult. Außerdem erfolgt dort jährlich die Meisterausbildung für etwa 700 und die Technische Fort- und Weiterbildung für etwa 2.000 Handwerker. Zum TZH gehört ein Gästehaus mit 81 Zimmern und 213 Betten, in dem jährlich über 35.000 Übernachtungen stattfinden.

Panorama Am Stintmarkt in Lüneburg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Archive der Stadt verzeichnen erst ab 1800 die Aufnahme von Ehrenbürgern.[18]

  • 1832: Georg Theodor Meyer (1797–1870), Rechtsanwalt, liberaler Abgeordneter und Minister, Senator
  • 1832: Johann Rudolf Christiani (1761–1841), Superintendent und Begründer der ersten Volksschule in Lüneburg (1816)
  • 1832: Ernst Langrehr (1802–1863), Jurist und Dichter („Isidor Bürger“)
  • 1900: Geheimer Justizrat Carl Gravenhorst (1837–1913), für 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit im Bürgervorsteherkollegium
  • 1906: Senator Johannes Reichenbach (1836–1921), für ehrenamtliche Tätigkeit im Bürgervorsteherkollegium und als Senator
  • 1918/1921: Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847–1934), für seine Verdienste im Ersten Weltkrieg
  • 1937: Gauleiter Otto Telschow (Aberkennung der Ehrenbürgerschaft durch den Rat der Stadt Lüneburg am 19. April 2007)[19]
  • 1956: William A. Watt (Thomasville, USA), für seine Unterstützung Lüneburgs nach dem Zweiten Weltkrieg
  • 1984: Johannes Eisenbeiss (Hamburg), für die Förderung der Wirtschaft Lüneburgs und Mäzenatentum
  • 1984: Oberbürgermeister Mitsuji Tani (Naruto, Japan), für die Völkerverständigung
  • 1986: Bürgermeister Jean Fonteneau (Clamart, Frankreich), für die Völkerverständigung
  • 1998: Unternehmer-Ehepaar Lucia (1919–2008) und Johannes (1918–2004) Pfohe, für Mäzenatentum
  • 1998: Helga Schuchardt (* 1939), Ingenieurin, Ministerin a. D., für die Bemühungen um die Gründung der Universität

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Lüneburger Ratssilber ist der größte erhaltene Silberschatz einer deutschen Stadt. Alle seine Stücke entstammen der Zeit zwischen 1443 und 1620. Die Originale des Ratssilbers sind nicht in Lüneburg zu sehen, sondern im Kunstgewerbemuseum Berlin (im Kulturforum am Potsdamer Platz) verwahrt; im Lüneburger Rathaus aber sind originalgetreue Galvanoplastiken zu bewundern.

Mit einer Gaststättenkonzession (Restaurants, Cafés, Kneipen, Bistros, Dönerbuden usw.) pro zirka 200 Einwohner reklamiert Lüneburg (wie einige andere Städte in Deutschland) für sich die größte Kneipendichte Deutschlands und nach Madrid die zweitgrößte Europas.[21] Viele der etwa 350 Gaststättenbetriebe liegen in der Altstadt um den Stintmarkt, den Markt, die Heiligengeiststraße, die Schröderstraße und den Platz Am Sande herum und sind meist in die historischen Gebäude eingefügt.

Das Aufklärungslehrbataillon 3 erhielt am 30. September 2008 als Ehrung der Stadt den Beinamen „Lüneburg“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Wolff: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Hrsg. im Auftrag der Provinzial-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler in der Provinz Hannover von Carl Wolff. Hannover 1899–1927
  • Wilhelm Reinecke: Geschichte der Stadt Lüneburg. 2 Bde. Lüneburg 1977 (Nachdr. der Ausg. Lüneburg 1933).
  • Otto und Theodor Benecke (Hrsg.): Lüneburger Heimatbuch. 2. Auflage. 2 Bände. Carl Schünemann, Bremen 1925–1927.
  • Werner Harro König: Lüneburg. Bildnis einer Stadt. 2. Auflage. Verlag Nordland-Druck, Lüneburg 1968.
  • Heinz Stoob, Wilfried Ehbrecht, Jürgen Lafrenz, Peter Johannek (Hrsg.); Uta Reinhardt (Autor): Deutscher Städteatlas. Band 5 (V), Teilband 3. Acta Collegii Historiae Urbanae Societatis Historicorum Internationalis – Serie C. Im Auftrag des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V. und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Stadtmappe Lüneburg, Dortmund-Altenbeken 1994, ISBN 3-89115-044-X.
  • Friedrich Freudenthal: Erinnerungen eines hannoverschen Infanteristen von Lüneburg nach Langensalza 1866. Band 10: Schlacht bei Langensalza 1866. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2002, ISBN 3-934748-78-3.
  • Thomas Kirschbaum: Lüneburg – Leben in einer spätmittelalterlichen Großstadt. Wernigerode 2000, ISBN 3-928977-83-0.
  • Joachim Matthaei: Lüneburg. (Deutsche Lande – Deutsche Kunst). 3., veränderte Auflage. München/ Berlin 1978.
  • Elmar Peter: Lüneburg – Geschichte einer 1000-jährigen Stadt 956–1956. 2. Auflage. Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg (Hrsg.). Lüneburg 1999, ISBN 3-922616-15-1.
  • Uta Reinhardt, Wilhelm Reinecke, Gustav Luntowski: Die Straßennamen Lüneburgs. 5. Auflage. De Sulte 15, Edition Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-7675-7078-8.
  • Julius Wolff: Der Sülfmeister. Krimi im mittelalterlichen Lüneburg. Online-Text, 1999 (1883), Projekt Gutenberg-DE.
  • Werner H. Preuß: Lüneburger Miniaturen. Historische Beiträge zur Zeitschrift "Quadrat" 2011–2013. Bardowick: Almáriom Verlag 2014. ISBN 978-3-945264-00-3

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lüneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Lüneburg – Reiseführer
 Wikisource: Lüneburg – Quellen und Volltexte

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Citypopulation: Deutsche Agglomerationen mit mehr als 50.000 Einwohnern.
  3. Vgl.: Monumenta Germaniae Historica D O1. 183
  4. Susanne Stäblein: Die Lüneburger Saline und ihre Bedeutung für das mittelalterliche Lüneburg und den Ostseeraum. In: Akademische Schriftenreihe, Bd. V126497, 2009, ISBN 978-3-640-33112-3.
  5. Vgl. Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 766; vgl. S. 17.
  6. Die Lüneburger Synagoge stand einmal an der Ecke Schifferwall / Reichenbachstrasse
  7. Stadtrundgänge der Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V.
  8. http://www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette/opfer-taeter.html
  9. Die Kapitulation auf dem Timeloberg (pdf, 16. S.; 455 kB)
  10. Nds. Ministerialblatt Nr. 43 (2007), Seite 1190
  11. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221 und 235.
  12. Einwohnerentwicklung Bürgeramt Lüneburg
  13. Ergebnis Kommunalwahl 2011 Stadt Lüneburg
  14. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB)
  15. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB)
  16. Binnenhafen Lüneburg,Süderelbe AG
  17. Abendblatt.de: Kinderbetreuung à la Bundeswehr in Lüneburg. 15. Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2014.
  18. Ehrenbürger der Hansestadt Lüneburg (seit 1832), Hansestadt Lüneburg
  19. Ehrenbürgerschaft: Rat distanziert sich einstimmig, Pressearchiv, Hansestadt Lüneburg, 21. April 2007.
  20. Christian Gottlieb Jöcher: Compendiöses Gelehrten Lexicon. Band 2, Dritte Auflage, Leipzig 1733, Spalte 929.
  21. Presseservice, Hansestadt Lüneburg