Lębork

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Lębork
Wappen von Lębork
Lębork (Polen)
Lębork
Lębork
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Lębork
Fläche: 17,86 km²
Geographische Lage: 54° 33′ N, 17° 45′ O54.5517.75Koordinaten: 54° 33′ 0″ N, 17° 45′ 0″ O
Höhe: 17 m n.p.m
Einwohner: 35.526
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 84-300 bis 84-310
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GLE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 (E 28): DanzigStettin
DW 214: Łeba-Kościerzyna-Warlubie
Schienenweg: PKP-Linien 202: Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk
229: Bahnstrecke Lębork–Łeba
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 35.526
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2208011
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Witold Namyślak
Adresse: ul. Armii Krajowej 14
84-300 Lębork
Webpräsenz: www.lebork.pl
Lauenburg i. Pom. auf einer Landkarte von 1910.
Rathaus Lębork

Lębork [ˈlɛmbɔrk] (deutsch Lauenburg in Pommern, abgekürzt Lauenburg i. Pom.) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist seit 1999 Kreisstadt des Powiat Lęborski.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Norden der Woiwodschaft Pommern in Hinterpommern im Tal der Leba, die hier einen Grundmoränenhöhenzug durchschneidet. Die Umgebung wird geprägt vom Lebabruch westlich der Stadt und dem Schlüsselberg (175 m) im Nordwesten und dem östlich gelegenen 210 m hohen Dombrowaberg. In 30 Kilometer Entfernung wird per Straße oder Bahn bei der Stadt Łeba die Ostseeküste erreicht. Danzig liegt etwa 65 Kilometer entfernt.

Bodenschätze[Bearbeiten]

In Nordpolen werden große Lagerstätten von Erdgas auf Basis von Ölschiefer vermutet. In der Umgebung von Lębork sollen erste Bohrungen durchgeführt werden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Land Lauenburg gehörte Anfang des 14. Jahrhunderts dem Deutschen Ritterorden. Dessen Hochmeister Dietrich von Altenburg überließ 1341 Rutcher von Emmerich 100 Hufen Land und eine Urkunde für die nach Kulmer Recht zu gründende Stadt „Lewinburg“. So entstand die Stadt Lauenburg, die in alten Urkunden auch Lewenburg, Leuenburg oder - lateinisch - Leoburgum genannt wird.[3] Im Osten der Stadt errichtete der Orden 1363 das Schloss Lauenburg. Während der Kämpfe mit den Polen wurde das Schloss sowohl 1410 als auch 1455 teilweise zerstört.

Im Ergebnis des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) musste der Orden im 2. Thorner Frieden (1466) auf die Lande Lauenburg und Bütow, und damit auch auf die Stadt Lauenburg, verzichten. Die Lande kamen 1466 an Herzog Erich II. von Pommern und blieben im Besitz der pommerschen Herzöge, zunächst als Treuhänder für den polnischen König, ab 1490 als Pfandbesitz und ab 1526 als erbliches Lehen. Als mit Bogislaw XIV. der letzte Pommernherzog starb, fielen die Lande als erledigtes Lehen zunächst an Polen zurück. Doch schon 1657 wurde Brandenburg im Vertrag von Bromberg mit den Landen Lauenburg und Bütow belehnt. Im Warschauer Vertrag von 1773 (erste Polnische Teilung) wurde das Lehen durch volles Eigentumsrecht für Preußen abgelöst. Als Lauenburg-Bütowscher Kreis wurde das Gebiet, einschließlich der Stadt Lauenburg, zunächst 1773 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert, kam aber 1777 zur preußischen Provinz Pommern.

Das Stadtgebiet erweiterte sich nach Westen und Süden. 1830 erhielt Lauenburg Anschluss an die neue Straße Stettin–Danzig, die spätere Reichsstraße 2. Als 1846 der Lauenburg-Bütowsche Kreis geteilt wurde, wurde Lauenburg die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises Lauenburg. Wie in anderen pommerschen Städten kam es 1847 auch in Lauenburg zu Hungerkrawallen. Ab 1866 bestand in Lauenburg die Freimaurerloge Zum Leuchtthurm an der Ostsee. Als im Süden 1870 der Bahnhof für die neue Bahnlinie Stolp–Zoppot errichtet wurde, siedelten sich dort auch neue Industriebetriebe wie eine Zündholz- oder eine Maschinenfabrik an. 1899 wurde die Bahnstrecke nach Leba eröffnet.

Historisches Stadtwappen

Als Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem den größten Teil der Provinz Westpreußen an Polen abtreten musste, verlor Lauenburg sein Hinterland, was für die Stadt negative wirtschaftliche Auswirkungen hatte. 1933 wurde die staatliche Hochschule für Lehrerbildung Lauenburg gegründet, an der bis 1945 etwa 3000 Lehrer ausgebildet wurden. Anlässlich der letzten deutschen Volkszählung vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in Lauenburg 19.801 Einwohner ermittelt. Die in und um Lauenburg bis 1939 gesprochene deutsche Mundart wurde noch kurz vor Kriegsanfang erfasst und wissenschaftlich beschrieben.[4] Seit Ende 1940 befand sich ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald (fortgeführt als Außenkommando des Konzentrationslagers Stutthof) in Lauenburg. Die Häftlinge waren 1940/41 zum Aufbau und zu Instandhaltungsarbeiten der Waffen-SS-Unterführerschule Lauenburg eingesetzt.[5] Nach der kampflosen Einnahme der Stadt durch die Rote Armee am 10. März 1945 wurde die Stadt in Brand gesteckt und die Innenstadt fast völlig zerstört, am Marktplatz überstanden nur zwei Häuser das Inferno.

1945 kam die Stadt zu Polen, und es begann nun die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, die größtenteils aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. 1946 wurde Lauenburg in Lębork umbenannt. Die restliche deutsche Bevölkerung wurde anschließend unter Berufung auf die sogenannten Bierut-Dekrete aus der Stadt vertrieben bzw. später ausgesiedelt.

Religion[Bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten]

In Lębork hat sich seit 1945 wieder eine kleine evangelische Gemeinde konstituiert. Die Kapelle steht in der ul. I Armii Wojska Polskiego 47. Sie ist Filialkirche der Pfarrei der Kreuzkirche in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Schienen[Bearbeiten]

Lębork liegt an der Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk, einer bedeutenden Hauptstrecke der Polnischen Staatsbahn (PKP). Außerdem führt eine Bahnlinie nach Łeba (Leba) an der Ostsee. Bereits im Jahre 2000 erfolgte die Schließung der 1905 eröffneten Bahnstrecke nach Kartuzy (Karthaus) und Pruszcz Gdański (Praust), nachdem bereits als Kriegsfolge die Bahnstrecke Lębork–Bytów (Bütow) geschlossen worden war.

Straßen[Bearbeiten]

Lębork liegt an der heutigen bedeutenden nordpolnischen West-Ost-Verkehrsachse der Landesstraße 6 von Stettin über Danzig nach Pruszcz Gdański (Praust), die auch die Europastraße 28 ist. In Lębork wird diese Straße von der Nord-Süd-Straße von Warlubie (Warlubien) bis Łeba (Leba) gekreuzt, wodurch die Stadt zu einem nicht unwichtigen Straßenknotenpunkt wird.

Bis 1945 war Lauenburg über zwei bedeutende Straßen verbunden, die sich in Berlin-Weißensee verzweigten und die Reichshauptstadt mit Pommern verbanden, wobei sie in Lauenburg wieder zusammentrafen: die Reichsstraße 2 (heute die polnische Landesstraße 6), die von der deutsch-österreichischen Grenze nach Berlin und weiter über Stettin, Köslin und Stolp kam, um weiter über Danzig nach Dirschau zu führen, und die Reichsstraße 158 von Berlin über Königsberg in der Neumark, Stargard (Pommern), Neustettin und Bütow bis nach Lauenburg (zuletzt die polnische Landesstraße 20 sowie die Woiwodschaftsstraßen 212 und 214).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Historische Stadtmauer
St.-Jakobi-Kirche
  • Zwei mittelalterliche Basteien (Baszta Bluszczowa, Baszta Kwadratowa)
  • Das durch den Deutschen Orden erbaute Verteidigungssystem mit Fragmenten der Stadtmauer (mury obronne)
  • Die gotische St.-Jakobi-Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit barockem Alter von 1702 (Kościół św. Jakuba). In der Kirche befindet sich ein Epitaph des Marschalls Joachim von Zitzewitz (* 1505; † 1563) im Stil der Renaissance.[6]
  • Der Burgkomplex (die Kreuzritterburg, Getreide- und Salzspeicher, Brauerei, Mühle, Mühlerhaus, Bäckerei) aus dem 14. Jahrhundert (zespół zamkowy)
  • Der mittelalterliche Markt (Plac Pokoju)
  • Das Rathaus von 1900 mit einem Mosaik-Fenster im Ratsaal (Ratusz miejski)
  • Das neugotische Postgebäude von 1905 (Poczta)
  • Bürgerhäuser von der Wende des 19./20. Jahrhunderts mit Fassaden aus Klinkerziegel (kamieniczki ulicy Staromiejskie)
  • Das Museum mit historisch-archäologischen Sammlungen (pommersche Gesichtsaschenkrüge, Danziger Möbel, Militaria, Münzensammlung aus dem 15. Jahrhundert)
  • Die Alte Brauerei mit der ehemaligen Mälzerei im Hinterhof (Stary Browar)

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1782: 1.480, davon 26 Juden (ohne die Garnison)[7]
  • 1791: 1.383, davon 29 Juden[8]
  • 1794: 1.432[9]

Einwohner Lauenburg.svg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Carl Friedrich von Denzin (1800–1876), deutscher konservativer Politiker, Guts- und Mühlenbesitzer in Lauenburg
  • Rudolf Voltolini (1819–1889), deutscher Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Hochschullehrer, hatte seit 1846 in Lauenburg eine Praxis.
  • Julius Bahnsen (1830–1881), deutscher Philosoph, von 1862 bis zu seinem Tode Lehrer am Progymnasium in Lauenburg
  • Markus Horowitz (1844–1910), deutscher Rabbiner, kam 1871 als Rabbiner nach Lauenburg[10]
  • Fritz Siemens (1849–1935), Psychiater und Sachbuchautor, leitete von 1887 bis 1914 die Irrenanstalt in Lauenburg[10]
  • Leopold Neuhaus (1879–1954), deutsch-amerikanischer Rabbiner, war von 1908 bis 1909 Rabbiner in Lauenburg
  • Joachim Utech (1889–1960), Bildhauer, schuf das Marmorrelief Johann Sebastian Bachs in der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg
  • Horst Neubauer (1897–1981), Wahlbürgermeister von 1929 bis 1934
  • Wolfgang Sucker (1909–1968), deutscher evangelischer Theologe, unterrichtete ab 1934 an der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg
  • Bruno Müller-Linow (1909–1997), deutscher Maler, unterrichtete ab 1935 an der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 247-251 (Volltext).
  • Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 615-616 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lębork – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Bloomberg. Bloomberg News. Abgerufen am 12. April 2010.
  3. Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Kgl.-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784,S. 1033-1040.
  4. Herbert Stritzel: Die Gliederung der Mundarten um Lauenburg in Pommern. Deutsche Dialektgeographie, Band 33. N.G. Elwert, Marburg 1937.
  5. Vgl. hierzu: Benz, Wolfgang / Diestel, Barbara (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München, Beck 2006, hier: Lauenburg, S. 492. Online-Version hier
  6. Wulf-Dietrich von Borcke: Namen, Helm und Wappenschild – Ahnenproben des pommerschen Adels in der Vormoderne. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 4/2013, ISSN 0032-4167, S. 10.
  7. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 615.
  8. Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  9. Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurzer Nachtrag zur Kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1795, S. 262-264.
  10. a b c d DBE, 2. Ausgabe.