LEADER

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LEADER (frz. Liaison entre actions de développement de l'économie rurale, dt. Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Lokale Aktionsgruppen erarbeiten mit den Akteuren vor Ort maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte für ihre Region. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen. Aufgrund des erfolgreich verlaufenden Einsatzes als so genannte Gemeinschaftsinitiative in den Förderperioden zwischen 1991 und 2005 ist der LEADER-Ansatz seit 2006 als eigenständiger Schwerpunkt in die Mainstream-Förderung aufgenommen worden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Mit Verordnung (EG) Nr. 1260/1999 des Rates vom 21. Juni 1999 legte der Rat der Europäischen Union allgemeine Bestimmungen über die sog. Strukturfonds fest. Strukturfonds im Sinne der Verordnung waren der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Europäische Sozialfonds (ESF), der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), Abteilung „Ausrichtung“, und das Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei (FIAF). Mit diesen Fonds waren sog. Interventionen möglich, die auch Programme von sog. Gemeinschaftsinitiativen ermöglichten.

Eine dieser Gemeinschaftsinitiativen betraf auch den Bereich der Entwicklung des ländlichen Raums (LEADER). [1] Durch eine gesonderte Mitteilung wurden Leitlinien für die Gemeinschaftsinitiative für die Entwicklung des ländlichen Raums festgelegt. [2]

Mit Mitteln aus dem Programm LEADER+ finanzierter Aussichtsturm in Barßel

In Form der Gemeinschaftsinitiative brachte LEADER+ in der Programmperiode 2000-2006 endgültig den Durchbruch. Für LEADER+ standen in der Laufzeit von 2000 bis 2006 in Deutschland 247 Millionen Euro (in Preisen von 1999) an Gemeinschaftsmitteln bereit. Der gesamte EU-Beitrag für LEADER+ für diesen Zeitraum wurde aus dem Agrarhaushalt der EU über den EAGFL, Abteilung Ausrichtung, finanziert. In Österreich standen für LEADER+ im selben Zeitraum rund 75 Millionen Euro an Gemeinschaftsmitteln bereit.

Wie der Name erkennen lässt, verstand sich Leader+ nicht lediglich als Fortsetzung der vorherigen Initiative Leader I und II, sondern zielte auf ambitionierte, qualitativ hochstehende und gebietsspezifische Strategien für die Entwicklung des ländlichen Raums ab. Dabei kam der Kooperation und der Vernetzung der ländlichen Gebiete besondere Bedeutung zu. Grundsätzlich konnten sämtliche ländlichen Gebiete der EU im Rahmen von Leader+ gefördert werden.

Allgemeiner Programmaufbau [Bearbeiten]

Seit Beginn der EU-Förderperiode 2007-2013 ist LEADER Teil der Mainstream-Förderung der Europäischen Union geworden. Finanziert wird das Programm aus dem neu geschaffenen ELER-Fonds. Konkretisiert wird dieser Politikansatz durch die Förderprogramme in den Mitgliedsländern. Im Vorwege der Förderperiode wurden diese nationalen Programme in Einklang mit den EU-Förderbestimmungen gebracht.

Kennzeichnend für das LEADER-Programm sind sieben wesentliche Merkmale:[3]

  1. Bottom-up-Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien
  2. Lokale öffentlich-private Partnerschaften: die lokalen Aktionsgruppen (kurz: LAG)
  3. Integrierte und multisektorale Aktionen
  4. Innovation
  5. Kooperation
  6. Netzwerkbildung
  7. Territoriale lokale Entwicklungsstrategien

Situation in Deutschland [Bearbeiten]

Für die Durchführung der EU-Förderprogramme in Deutschland sind die Bundesländer zuständig.[4] Diese haben im Vorwege der Förderperiode Programme zur Entwicklung ihrer ländlichen Räume erarbeitet, die unter anderem auch einen LEADER-Ansatz beinhalten. Begrenzender Faktor bei der Erstellung waren die zuvor feststehenden Förderrichtlinien des ELER-Fonds. Während die Mehrzahl der Bundesländer die Auswahl der Regionen durch einen Wettbewerb durchführte, haben andere einen eher flächenorientierten Ansatz gewählt (z. B. AktivRegion Schleswig-Holstein). Die Anzahl der LEADER-Regionen und deren Größe schwankt dadurch sehr stark zwischen einer (Hamburg) und 58 (Bayern).

Situation in Österreich [Bearbeiten]

In Österreich gehören insgesamt seit 2008 86 Regionen dazu. Diese umfassen eine Fläche von rund 72.000 km und 4,3 Millionen Einwohner.[5] Außer Wien sind sämtliche Bundesländer vertreten.[6]

Sonderfall Steiermark: LEADER Kultur [Bearbeiten]

Das Bundesland Steiermark hat in der LEADER-Periode 2007-2013 einen Sonderfall geschaffen. In Kooperation der Abteilung 7 (Landes- und Gemeindeentwicklung) und der Abteilung 9 (Kultur, Europa, Außenbeziehungen) wurde die „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ auch kulturell gedeutet und gemäß Sonderrichtlinien „LEADER Kultur“ eingeführt.

Grundlage dieses Sonderfalls ist das „Aktionsprogramm Achse 4 LEADER über kulturelle Förderungen im ländlichen Raum von 2007-2013 durch die Europäische Union und vom Land Steiermark Kultur“. [7] Fachreferent Gerald Gigler (Abteilung 7) hat dieses Regelwerk um "Sechs Punkte zum Kulturgeschehen" ergänzt. [8]

Die aktuellen Kulturprojekte sind auf der „Übersichtskarte Leader-Regionen“ (Land Steiermark) zusammengefasst und abrufbar. [9] Das erste LEADER-Kulturprojekt im Rahmen dieses soziokulturellen Experiments wurde 2009 vom Gleisdorfer "kultur.at: verein für medienkultur" realisiert. Es ist in der LEADER-Energieregion Weiz-Gleisdorf verankert. [10]

  • 29. Jänner 2009: Die erste gesamtsteirische LEADER-Kulturkonferenz im "Forum Kloster" in Gleisdorf.
  • 9. März 2009: Vertragsunterzeichnung zum ersten österreichischen LEADER Kultur-Projekt "Kulturfokus Energie-Region" (Gleisdorf)
  • 2010: Ein Arbeitsjahr, drei verschiedene Landeskulturreferenten: Kurt Flecker, Bettina Vollath und Christian Buchmann
  • 18. Jänner 2010: Vertragsunterzeichnung für das Folgeprojekt: "kunst ost - soziokulturelle Drehscheibe" (Gleisdorf)
  • 29. April 2010: Die erste LEADER-Landeskulturkonferenz mit Landeskulturrätin Bettina Vollath in Weiz
  • November 2011: Beginn der Arbeit am kulturpolitischen Teilprojekt "Kulturpakt Geisdorf"
  • 4. Juli 2012: Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur zieht Zwischenbilanz in der Konferenz "KULTUR IN DER EU-REGIONALPOLITIK" (Praxis und Perspektiven) [11], der Konferenzbericht [12] faßt aktuelle Positionen aus mehreren Bundesländern zusammen. Die Konferenz ist Anlaß für die Präsentation der Studie „Der Kreativ-Motor für die regionale Entwicklung. Kunst- und Kulturprojekte und die EU-Strukturförderung in Österreich“ [13]

LEADER Kultur-Projekte [Bearbeiten]

  • "Brücken in die Gegenwart", Region "Mariazellerland-Mürztal"
  • "KUKnet Murau", Region "Holzwelt Murau"
  • "Kultur 24", Region "Hügelland östlich von Graz – Schöcklland"
  • "Kultur im Bezirk Liezen", "Bergregion Oberes Ennstal, Ausseerland-Salzkammergut"
  • "Kultur leben im Steirischen Vulkanland", Region "Steirisches Vulkanland"
  • "kunst ost", Region "Energieregion Weiz - Gleisdorf"
  • "Kunst und Zeit - 10days10artists", Region "Oststeirisches Kernland"
  • “Musik und Kulturregion Joglland", Region "Kraftspendedörfer Joglland"
  • "styrian summer_art/regional", Region: "Oststeirisches Kernland"

Kulturelle Kontextregionen [Bearbeiten]

„In bestmöglichem Sinne eröffnet sich durch diese LEADER Initiative in unterschiedlichen Kontextregionen (die nicht mit einer einzelnen LEADER Region ident sein müssen) etwas, das ich als soziokulturellen open space Ansatz bezeichnen möchte.“

Gerald Gigler [14]

LEADER-Managerin Iris Absenger-Helmli und ihr Amtskollege Wolfgang Berger tragen diese Basis-Initiative Kunst- und Kulturschaffender mit. Siehe: „Die EU setzt auf Kulturarbeit“ [15] Die "Energieregion Weiz - Gleisdorf" und die Region "Oststeirisches Kernland" erarbeiten in der Praxis, was vom Land Steiermark als "Kulturelle Kontextregion" definiert wurde. Die Projekte "kunst ost" [16] ("Energieregion") und "Kunst und Zeit - 10days10artists" [17] ("Kernland") sind die erste Formation dieser Art eingegangen.

Situation in Luxemburg [Bearbeiten]

LEADER I (1991-1993) richtete sich ausschließlich an die Stausee-Region. Von LEADER II (1994-1999) war der gesamte Norden des Landes betroffen, wie Redingen/Wiltz und Clerf/Vianden. Von LEADER+ profitierten alle ländlichen Regionen innerhalb Luxemburgs (wie z. B. Müllerthal), wofür bis 2006 2,6 Millionen Euro an EAGFL-Mitteln zur Verfügung gestellt wurden, denen im Rahmen einer Kofinanzierung nationale Mittel gegenüberstehen mussten.[18]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. vgl. Art. 20 Abs. 1 lit. c) der Verordnung (EG) Nr. 1260/1999 des Rates
  2. vgl. Mitteilung an die Mitgliedstaaten vom 14. April 2000 (2000/c 139/05)
  3. vgl. EU-Kommission: Fact Sheet – Der LEADER-Ansatz – Ein grundlegender Leitfaden (S. 9) (PDF; 748 kB) abgerufen am 16. August 2010
  4. vgl. ELER-Rechtsgrundlagen abgerufen am 16. August 2010
  5. Leader in Österreich 2007-2013 abgerufen am 16. April 2010
  6. LEADER Regionen abgerufen am 16. April 2010
  7. vgl: [1] Aktionsprogramm Achse 4 LEADER, abgerufen am 8. April 2013
  8. vgl.: [2] Sechs Punkte zum Kulturgeschehen, abgerufen am 8. April 2013
  9. vgl.: [3] Übersichtskarte, abgerufen am 8. April 2013
  10. vgl.: [4] Energieregion Weiz-Gleisdorf, abgerufen am 8. April 2013
  11. http://www.ccp-austria.at/newsletter_archiv.php?id=59&start=0 CCP-Aviso (abgerufen am 12. April 2012)
  12. http://www.bmukk.gv.at/medienpool/22982/wseukupo_eurp_bericht.pdf (abgerufen am 12. April 2012)
  13. http://www.kulturdokumentation.org/download/kreativmotor.pdf (abgerufen am 12. April 2012)
  14. http://www.van.at/kunst/ost/labor/set01/labor02.htm
  15. http://www.meinbezirk.at/weiz/politik/die-eu-setzt-auf-kulturarbeit-d455903.html
  16. http://www.kunstost.at/
  17. http://www.zeitkultur.at/projekte.de.html
  18. Willkommen bei LEADER im Großherzogtum Luxemburg! / Peter Feist: Alles für das Dorf. D’Lëtzebuerger Land, 4. Februar 2000.