La Leche Liga

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La Leche Liga (abgekürzt: LLL, englisch: La Leche League; la leche ist spanisch für ‚die Milch‘) ist eine Non-Profit-Organisation, die das Stillen fördert. Ihre Aufgabe ist es, Schwangere und stillende Mütter in allen Fragen rund um das Stillen und Muttersein zu beraten. Sie wurde 1956 in den USA gegründet und ist mittlerweile in 78 Ländern der Erde vertreten. La Leche League ist international als gemeinnützige Fachorganisation anerkannt und steht in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO)[1]. Sie ist eine überkonfessionelle und politisch neutrale Institution und stellt ihre Erfahrungen und Publikationen in über 30 Sprachen zur Verfügung.

Der Professional Advisory Board von La Leche League International, dem Fachpersonen und Wissenschaftler angehören, informiert über die neueste Forschung und prüft das Fachwissen in den LLL-Publikationen.

Alle LLL-Beraterinnen sind Mütter mit Stillerfahrung, die eine Ausbildung zur LLL-Stillberaterin absolviert haben. Die LLL-Beraterin begleitet Eltern während der Stillzeit und bietet ihnen Unterstützung bei Stillschwierigkeiten und Unsicherheiten an. Fragen können per Telefon, E-Mail sowie im persönlichen Austausch in Stillgruppen besprochen werden. Die Beratung wird ausschließlich ehrenamtlich geleistet. Finanziert wird die Arbeit der LLL-Beraterinnen über Spenden und Mitgliedschaften.

Pädiatrische Bewertung der Stillmethodik[Bearbeiten]

In einer medizinischen Studie der Universitäten Harvard University, University of Massachusetts und University of Cambridge von 1986 wurden sechzehn Babies bezüglich ihres Schlafverhaltens untersucht, die nach den Empfehlungen der La Leche Liga gestillt wurden.[2] Die Empfehlungen beinhalteten a) Schlaf bei der Mutter im Bett, b) häufiges Stillen nach Bedarf, auch in der Nacht und c) relativ später Beginn der Zufütterung (etwa nach dem 10. Monat) und spätes Abstillen nach etwa zwei Jahren. Im Vergleich dazu begann bei der Vergleichsgruppe mit ebenfalls sechzehn Kindern die Zufütterung mit etwa sechs Monaten und das Abstillen mit etwa zwölf Monaten. In dieser Gruppe schliefen die Babies relativ früh und sehr häufig in einem separaten Beistellbett.

Ein wesentlicher Unterschied im Schlafverhalten der Babies bestand darin, dass die Gruppe der nach der LLL-Methodik gestillten Babies erst im Alter von durchschnittlich zwei Jahren anfingen, erwachsenen-ähnliche Schlafmuster zu entwickeln, wohingegen die Babies der Vergleichsgruppe dies schon etwa nach einem Jahr taten. Ebenfalls schliefen die Kinder in der Vergleichsgruppe insgesamt über den Tag mehr, bzw. länger. Wesentliche Variablen hierfür waren das späte Abstillen bei der nach der LLL-Methode gestillten Kinder und das über einen langen Zeitraum mit der Mutter geteilte Bett.

Österreich[Bearbeiten]

La Leche Liga Österreich wurde 1979 gegründet.

La Leche Liga Österreich ist ein Verein und teilt sich in Distrikte auf. In ganz Österreich sind ca. 70 La Leche Liga Stillberaterinnen ehrenamtlich tätig. Sie machen Telefonberatungen und leiten meist monatlich stattfindende Stillgruppen.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist La Leche Liga seit 1977 als eingetragener Verein mit regionalen Stillgruppen tätig. Der Vereinssitz befand sich damals in Bonn und ist heute in Troisdorf. Die ersten deutschen Beraterinnen wurden damals noch auf Englisch von La Leche Liga International von Amerika aus ausgebildet. Nach den ersten Jahren der La Leche Liga in Deutschland kam es Anfang der achtziger Jahre zur Krise. Der Verein verlor seine erste Vorsitzende zusammen mit vielen Beraterinnen und Bewerberinnen. Die ausgeschiedenen Beraterinnen schlossen sich dann zum Teil zur Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen zusammen. 1982 wurde Edda Langmann als neue erste Vorsitzende gewählt, die Mitgliederversammlung genehmigte eine neue Satzung, der Vereinssitz wurde von Bonn nach München verlegt.

Im Jahr 2011 waren insgesamt 275 LLL-Beraterinnen für den Verein tätig. Sie berieten rund 5.840 mal per Telefon und rund 5.850 mal per Email. In den insgesamt 129 Stillgruppen wurden rund 6000 Besucherinnen gezählt.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Stillförderung in der Schweiz begann 1974. Über 100 Stillberaterinnen sind für La Leche League Schweiz (LLLCH) ehrenamtlich tätig.

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Handbuch für die stillende Mutter. Das umfassende Nachschlagewerk für den Stilltag. (Originaltitel: The Womanly Art of Breastfeeding übersetzt und bearbeitet von Hanna Neuenschwander und Cornelia Weller), 3., erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage, La Leche League, Zürich 2004 (Erstausgabe 2001), ISBN 978-3-906675-02-2.
  • Schlafen und Wachen. Ein Elternbuch für Kindernächte. Williams Sears (übersetzt und bearbeitet von Hanna Neuenschwander und Cornelia Weller), 2. Ausgabe (Erstausgabe 2005) 4. Auflage, La Leche League Zürich 2010 ISBN 978-3-906675-03-9
  • Stillen, Job und Family. Gale Pryor, Kathleen Huggins (übersetzt und bearbeitet von Hanna Neuenschwander und Cornelia Weller), 1. Auflage La Leche League, Zürich 2008, ISBN 978-3-906675-40-4
  • Muttersein, 101 Tipps für Mütter von Neugeborenen. Alice Bolster. La Leche Liga Schweiz, Zürich, 2008 ISBN 978-3906675053.
  • In Liebe Wachsen. Dr. Carlos Gonzales. 5. Auflage vom Autor ergänzt und überarbeitet. La Leche Liga Deutschland e.V., 2011, ISBN 978-3932022142.
  • Mein Kind will nicht essen. Dr. Carlos Gonzales. 5. Auflage La Leche Liga Deutschland e.V. 2011, ISBN 978-3932022128
  • Wir stillen noch: Über das Leben mit gestillten Kleinkindern. Norma Bumgarner. 2. Auflage, La Leche Liga Deutschland e.V. 2003, ISBN 978-3932022135

Quellen[Bearbeiten]

  1. Übersicht über Organisationen mit offizieller Beziehung zur WHO (PDF-Datei; 33 kB)
  2. Sleep/Wake Patterns of Breast-Fed Infants in the First 2 Years of Life, Marjorie F. Elias, Nancy A. Nicolson, Carolyn Bora and Johanna Johnston, Pediatrics 322-329 (1986)

Weblinks[Bearbeiten]