La Palma

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter La Palma (Begriffsklärung) aufgeführt.
La Palma
Escudo de La Palma.svg       Bandera La Palma.PNG
Basisdaten
Land: SpanienSpanien Spanien
Autonome Gemeinschaft: Kanarische Inseln
Provinz: Santa Cruz de Tenerife
Fläche: 708,32 km²[1]
Einwohner: 85.115 (2013)[2]
Bevölkerungsdichte: ca. 120 Einwohner/km²
Hauptstadt: Santa Cruz de La Palma
Website des Inselrates: www.cabildodelapalma.es
Satellitenbild
La Palma
Lage La Palmas im Westen der Kanaren
Übersichtskarte

La Palma (vollständiger Name: La Isla de San Miguel de La Palma)[3] ist die nordwestlichste der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean, welche eine der siebzehn Autonomen Gemeinschaften Spaniens bilden. La Palma gehört zur Provinz Santa Cruz de Tenerife. Die Hauptstadt der Insel ist Santa Cruz de La Palma, die größte Gemeinde ist Los Llanos de Aridane. Die Amtssprache ist Spanisch, die Einheimischen sprechen eine Varietät mit lateinamerikanischem Einfluss.

Geografie[Bearbeiten]

La Palma hat bei einer Fläche von etwa 708 Quadratkilometern eine Nord-Süd-Ausdehnung von 45,2 und eine West-Ost-Ausdehnung von 27,3 Kilometern. Sie ist mit einem Anteil von 9,45 Prozent[1] an der Gesamtfläche die fünftgrößte Insel des Archipels. La Palma liegt 417 Kilometer vor der marokkanischen Küste, 1.371 Kilometer vom spanischen Festland entfernt und 86,2 Kilometer westlich von Teneriffa.

Geologie[Bearbeiten]

La Palma ist, wie alle Kanaren, vulkanischen Ursprungs. Sie gehört mit etwa zwei Millionen Jahren zu den jüngsten Inseln des Archipels.

Im Norden der Insel befindet sich die Caldera de Taburiente. Der Erosionskrater hat einen Durchmesser von etwa neun Kilometern und einen Umfang von etwa 28 Kilometern. Hier befindet sich auch die mit 2.426 Metern höchste Erhebung der Insel, der Roque de los Muchachos.

An die Caldera schließt sich ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender Höhenzug an, der in die Cumbre Nueva und die Cumbre Vieja unterteilt wird. Der Gebirgskamm erhebt sich bis auf etwa 2.000 Meter Höhe und teilt die Insel in zwei klimatisch unterschiedliche Hälften.

Im südlichen Teil der Insel ist der Vulkanismus noch aktiv. Der letzte Ausbruch fand 1971 bei Los Canarios statt. Hierbei entstand der Vulkan Teneguía, der unter wissenschaftlicher Beobachtung steht, weil er nicht erloschen ist.

Vulkan Teneguía

Belegte Vulkanausbrüche

  • 1470–1492 Montaña Quemada
  • 1585 Tajuya
  • 1646 San Martin
  • 1677 San Antonio
  • 1712 El Charco
  • 1949 San Juan
  • 1971 Teneguía

Vulkanausbruch-Erdrutsch-Tsunami-Theorie

Eine Untersuchung in den 1990er Jahren ergab, dass die Cumbre Vieja in ihrem Inneren wasserdurchtränkte, vertikale Schichten aus porösem Vulkangestein aufweist. Britische Geologen haben die Theorie aufgestellt, dass die westliche Flanke der Cumbre Vieja bei einem erneuten Vulkanausbruch instabil werden und ins Meer abrutschen könnte. Dieser gewaltige Erdrutsch würde einen Megatsunami auslösen. Diese Theorie wurde in einer Dokumentation der BBC im Jahr 2000 verbreitet.[4][5] Seriöse geologische Institute halten ein solches Szenario innerhalb der nächsten 10.000 Jahre für unwahrscheinlich.

Klima[Bearbeiten]

Das ganzjährig milde Klima auf La Palma wird entscheidend durch den Nordostpassat und den Kanarenstrom bestimmt.

Cascada de nubes über der Cumbre Nueva

Die Passatwolken treffen auf den Nordosten der Insel und bewirken dort Niederschlagsmengen von durchschnittlich etwa 1.100 Millimetern jährlich. Ein charakteristisches Bild vom Strom der Passatwolken entsteht an der Cumbre Nueva in einer Höhe von etwa 1.450 Metern, wo sich die Wolken über dem Bergkamm wälzen und auf der Westseite auflösen. Das Phänomen wird als Cascada de nubes („Wolkenwasserfall“) bezeichnet.

Die mittleren jährlichen Niederschlagsmengen pro Jahr unterscheiden sich daher zwischen der Ost- und der Westseite der Insel deutlich.

Die zweite klimabestimmende Größe ist der Kanarenstrom, eine kühle bis mäßig warme Meeresströmung.

Der mit Calima bezeichnete Wind, der über der Sahara entsteht, führt sehr trockene und heiße Luft und Sandstaub mit. Im Sommer lässt er auf der Insel die Temperaturen bis 45 °C ansteigen. Der feine Sandstaub verfärbt die Luft gelblich, setzt sich als Staubschicht ab, verschlechtert die Atemluft und beeinträchtigt die Sichtverhältnisse, was im ungünstigsten Fall den Flugverkehr zum Erliegen bringen kann. Eine solche Wetterlage tritt auf La Palma mehrmals jährlich für jeweils etwa drei bis fünf Tage auf.

Natur und Landschaft[Bearbeiten]

Flora und Vegetation[Bearbeiten]

Die Küstenvegetation wird bestimmt von Zwergsträuchern wie dem Kammförmigen Strandflieder.

Vor allem auf der Westseite, die durch Trockenheit, Hitze und Sonneneinstrahlung gekennzeichnet ist, findet man in Höhen bis etwa 800 Meter häufig die Kanaren-Wolfsmilch und die Balsam-Wolfsmilch.

Typisch für die Ostseite sind die Loorberwälder in einer Höhe von etwa 200 Metern bis etwa 1.400 Metern.

In etwa 1.200 Metern bis etwa 2.000 Metern Höhe dominieren die Kiefernwälder, in ihrem Unterholz wächst unter anderem die Beinwellblättrige Zistrose.

Über etwa 2.000 Metern Höhe wachsen keine Bäume mehr, hier gedeihen niedrige Sträucher wie der Klebrige Drüsenginster und Wildprets Natternkopf.

Weit verbreitet sind in ländlichen Regionen der Drachenbaum sowie hauptsächlich in Städten der Indische Lorbeer.

Der Vielfalt und der - zumindest im Nordosten - ganzjährig grünen Vegetation verdankt La Palma die Beinamen La Isla bonita (Die schöne Insel) und La Isla verde (Die grüne Insel).

Fauna[Bearbeiten]

Die Tierwelt wird auf La Palma - wie auf den übrigen Kanarischen Inseln - hauptsächlich von Reptilien und Vögeln bestimmt.

Die La-Palma-Rieseneidechse, die Kanareneidechse, der Kanarengecko, Meeresschildkröten, der Kanarenpieper, der Kanarengirlitz, das Kanarengoldhähnchen, die Kanarentaube und die Lorbeertaube sind für La Palma typisch.

In den eher feuchten Regionen im Nordosten der Insel leben der Mittelmeer-Laubfrosch und der Iberische Wasserfrosch.

Schmetterlinge, u. a. der Kanaren-Weißling, der Kanarische Admiral und das Kanaren-Waldbrettspiel, sind ebenso häufig anzutreffen wie Libellen.

Die Cochenilleschildlaus wurde zur Herstellung von Farbe eingeführt (siehe auch Abschnitt Geschichte) und ist heute weit verbreitet.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Auf La Palma gibt es 21 Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz

  • ein Strenges Naturreservat (Reserva Natural Integral, IUCN-Kategorie I)
  • ein Nationalpark (Parque Nacional, IUCN-Kategorie II)
  • zwei Naturparks (Parque Natural, IUCN-Kategorie II)
  • acht Naturdenkmäler (Monumento Natural, IUCN-Kategorie III)
  • ein Artenschutzgebiet (Reserva Natural Especial, IUCN-Kategorie IV)
  • drei Gebiete von wissenschaftlicher Bedeutung (Sitio de Interés Científico, IUCN-Kategorie IV)
  • vier Geschützte Landschaften (Paiseje Protegido, IUCN-Kategorie V)
  • ein Meeresreservat (Reserva Marina)

Von der UNESCO wurden zwei Schutzgebiete besonders zertifiziert, die jeweils die gesamte Insel umfassen.

Weiterhin sind neun Natura-2000-Schutzgebiete ausgewiesen, die sich größtenteils mit den oben angegebenen Schutzgebieten überschneiden.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

In der Antike war die Meerenge von Gibraltar mit den "Säulen des Herakles" die Grenze der bekannten Welt. Historischen Berichten zu Folge entdeckten bereits im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. phönizische und karthagische Seefahrer bei ihren Erkundungen der Westküste Afrikas die Kanarischen Inseln. Auch den Römern waren die Kanarischen Inseln bekannt, sie nannten sie "die Inseln der Glückseligen". Archäologische Funde bestätigen die Anwesenheit von Puniern und Römern auf den Kanaren. Die von dem alexandrinischen Geographen Claudius Ptolemäus um 150 n. Chr. erstellte Karte der damals bekannten Welt, enthielt bereits die Kanarischen Inseln.

Besiedlung durch die Guanchen[Bearbeiten]

Die Guanchen waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Sie stammten von den Berbern aus Nordafrika ab. Als Ursache für die Besiedlung der Kanarischen Inseln durch Berberstämme von Mauretanien aus in mehreren Migrationswellen wird eine fortschreitende Wüstenbildung in der Sahara angenommen.[6] Genetische Untersuchungen zeigen Ähnlichkeiten zwischen den Ureinwohnern der kanarischen Inseln und den Bergbewohnern Nordafrikas und belegen deren Herkunft. Diese Untersuchungen ergaben auch, dass die Besiedelung der Kanarischen Inseln nicht vor dem ersten vorchristlichen Jahrtausend stattgefunden hat.[7]

Ähnlichkeiten der Sprache der Guanchen (das Guanche) mit der Sprache der Ureinwohner der Libu-Berber des heutigen Libyens weisen auf denselben Ursprung hin.[8] Auch archäologische Funde, wie Tonwaren, Schmuckstücke, Bestattungsformen, Petroglyphen und Schalensteine, geben weitere Rückschlüsse auf die gemeinsame Kultur der Ureinwohner mit den Berbern.[9] Der Name Guanche setzt sich aus Guan (Mensch) und che (weißer Berg) zusammen. Mit diesem Berg ist wohl der schneebedeckte Pico de Teide auf Teneriffa gemeint. Guanche kann danach auch Mensch aus Teneriffa bedeutet haben.[10]

Hauptartikel: Sprache der Guanchen
Guanchenhöhle bei Puntallana

Auf La Palma lebten die Guanchen in zwölf Stämmen, deren Namen und Gebiete z. T. den heutigen Gemeinden entsprechen. Sie betrieben Viehzucht mit Ziegen, Schafen und Schweinen. In den steilen Bergregionen übten sie bei der Viehzucht den Hirtensprung aus, der bis heute noch ausgeübt wird. Für den Ackerbau mit Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte an legten sie ausgedehnte Terrassentreppen mit Bewässerungsgräben an, da es auf der Insel nur wenige plane Flächen gibt. Die Guanchen waren auch geschickte Handwerker in der Herstellung von eleganten Flechtarbeiten. Sie lebten bevorzugt in aus Lavagestein gebildeten Höhlen, von denen auf La Palma insbesondere die Höhlen von Belmaco (Parque Arqueológico Belmaco bei Mazo) und Buracas (in Las Tricias, nördlich von Puntagorda)[11] noch erhalten sind.

Zahlreiche Reste der Kultur der Guanchen sind heute noch vorhanden: Wohnhöhlen, Grabstätten, Steinwerkzeuge und die Petroglyphen, die u. a. im Besucherzentrum des Nationalparks Caldera de Taburiente, in den archäologischen Parks von La Zarza und La Zarcita (in der Gemeinde Garafía) sowie im Museo Arqueológico Benahoarita in Los Llanos de Aridane dargestellt und erklärt werden.[12] Die von den Guanchen angelegten, steingepflasterten und als caminos reales (Königswege) benannten Wege überziehen die gesamte Insel und verbanden damals die einzelnen Siedlungen miteinander. Heute werden sie als Wanderwege genutzt.[13]

Bis in der Zeit der Eroberung der Kanarischen Inseln um 1400 lebten die Guanchen noch in einer steinzeitlichen Kultur, das Rad, der Webstuhl und Pflug waren ihnen unbekannt. Die Sprache starb im 16. oder 17. Jahrhundert aus. Einige Sprachelemente haben sich noch erhalten, wie das Gofio (geröstete und dann gemahlene Getreidekörner), das heute noch hergestellt wird und aus den Gofio-Mühlen einen sehr markanten Geruch verströmt.

Stammesgebiete der Guanchen

Die Stammesgebiete der Guanchen[14] (heutige Gemeinden):

  1. Aridane (Tazacorte, Los Llanos, El Paso)
  2. Tijuya (Tazacorte, Los Llanos, El Paso)
  3. Guehebey (Los Llanos, El Paso)
  4. Ahenguareme (Fuencaliente)
  5. Tigalate (Mazo)
  6. Tedote (Las Breñas, Santa Cruz de La Palma)
  7. Tenagua (Puntallana)
  8. Adeyahamen (San Andrés y Sauces)
  9. Tagaragre (Barlovento)
  10. Tegalgen (Garafía)
  11. Tijarafe (Tijarafe, Puntagorda)
  12. Acero (Caldera de Taburiente)
Hauptartikel: Guanchen

Eroberung La Palmas[Bearbeiten]

Die ersten Eroberungen und Besetzungen der Kanarischen Inseln erfolgten im Auftrag Kastiliens durch den Franzosen Jean de Béthencourt: 1402 Lanzarote, 1404 Fuerteventura und La Gomera sowie 1405 El Hierro. Versuche Béthencourts, auch die anderen Inseln, Teneriffa, Gran Canaria und La Palma einzunehmen, scheiterten am heftigen Widerstand der Ureinwohner. Die Ureinwohner der Inseln waren immer wieder den Beutezügen von Sklavenhändlern und Piraten ausgesetzt. Es waren z. T. lizenzierte Raubzüge, in dem die spanische Krone Steuern und Gebühren auf die erzielte Beute erhob, dokumentiert in den Steuerbüchern der Krone.[15]

1479 einigten sich Kastilien und Portugal in dem Vertrag von Alcáçovas über ihre Einflusssphären im Atlantik, wobei der spanischen Krone die komplette Zugehörigkeit aller Kanarischen Inseln zufiel. Portugal erhielt dafür die Hegemonie über alle Gewässer und Ländereien südlich von Kap Bojador zur Sicherung des Seeweges nach Indien. Der Weg zur Eroberung der verbleibenden Kanarischen Inseln war damit für die spanische Krone geebnet, 1483 wurde Gran Canaria, 1492 La Palma und 1496 Teneriffa unterworfen.[16]

Trotz eines päpstlichen Erlasses aus dem Jahr 1434, in dem Eugen IV. die Kanarier zu freien Leuten erklärt und den Menschenhandel auf den Inseln verboten hatte, endete ein Großteil der Urbevölkerung von La Palma gleich nach der Eroberung in der Sklaverei. Schätzungen zufolge blieben nur rund 300 Familien (1.200 Menschen) von diesem Schicksal verschont. Diese Palmeros ließen sich nach und nach taufen und vermischten sich, nachdem sie ab 1514 den Spaniern rechtlich gleichgestellt worden waren, rasch mit den Konquistadoren sowie mit eingewanderten Portugiesen und Franzosen.

Kolonialzeit und Entwicklung bis ins 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Anbau von Zuckerrohr - zur damaligen Zeit das am meisten gewinnbringende Ackerbauprodukt - stand am Anfang der wirtschaftlichen Entwicklung von La Palma. Europäische Kaufleute, Handwerker, Wein- und Ackerbauern wurden auf die Insel gerufen, um Kapital und Arbeitskraft in Zuckerverarbeitungsanlagen zu investieren. Die Besitztümer und Ländereien wechselten in dieser Aufbauphase wiederholt ihre Eigentümer: 1508 verkaufte Juan Fernández de Lugo seine Zuckerverarbeitungs- und -Bewässerungsanlage von Tazacorte und Argual an den Andalusier Dinarte; dieser veräußerte sie ein Jahr später an die Augsburger Welser; wiederum ein Jahr später (1510) gelangten sie in Besitz des Antwerpener Kaufmannes Jakob Groenenberch (hispanisiert: Jacomo Monteverde), von dem sie schließlich das Brüsseler Handelshaus Van de Valle erwarb.

Ab 1553 lohnte der Zuckerrohranbau auf La Palma immer weniger. In Mittel- und Südamerika wurde preisgünstiger produziert. Viele nicht mehr rentable Zuckerrohrplantagen wurden in Weinfelder umgewandelt. Der vor allem im Süden der Insel auf jungvulkanischem Boden gedeihende süße Malvasia wurde das wichtigste Exportprodukt von La Palma. Hauptabnehmer des palmerischen Weines war England. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte der Siegeszug der palmerischen Malvasier, dann führte ein sich ändernder Konsumentengeschmack zum Niedergang des Weinbaus. Heute wird wieder mit zunehmendem Erfolg Wein angebaut.

La Palma wurde für die Spanier zu einer wichtigen Zwischenstation auf dem Weg nach Westindien. Im 16. Jahrhundert bekam La Palma nach Antwerpen und Sevilla das Privileg, mit Amerika Handel zu treiben. Schnell entwickelte sich Santa Cruz de La Palma zu einem der wichtigsten Häfen des spanischen Reiches. So lockte Santa Cruz de La Palma im Laufe des 16. Jahrhunderts immer wieder Piraten an, die sich der Reichtümer der Stadt bemächtigen wollten. Unter dem Befehl von François Le Clerc plünderten Franzosen 1553 die Hafenstadt. Was sie nicht mitnehmen konnten, brannten sie nieder. Nach dieser Katastrophe wurden Kirchen, Klöster und Häuser größer und prächtiger wieder aufgebaut.

Neue Verteidigungsanlagen wurden errichtet, die aus mehreren Bastionen und Mauern bestanden. Von den alten Befestigungsanlagen in Santa Cruz sind nur noch das Castillo de Santa Catalina (1951 unter Denkmalschutz gestellt) und das Castillo des Barrio de Santa Cruz (es befindet sich nördlich der Mündung des Barranco de Las Nieves) erhalten.[17][18]

So konnte 1585 der Angriff des Engländers Francis Drake erfolgreich abgewehrt werden. Der Handel mit Amerika begünstigte das Aufkommen weiterer Erwerbszweige (Schiffbau, Herstellung von Segeltuch etc.). Zahlreiche Kaufleute aus aller Welt kamen nach Santa Cruz de La Palma und verliehen dem Ort ein internationales Flair, viele fremdländisch klingende Straßennamen zeugen noch heute von dieser Epoche. Der Niedergang setzte jedoch bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ein. Nach einem Erlass aus dem Jahre 1657 mussten alle Schiffe auf dem Weg nach Amerika auf Teneriffa registriert werden und dort ihre Abgaben entrichten. Der Handelsverkehr im Hafen von Santa Cruz de La Palma kam damit nahezu zum Erliegen. Zwar gab König Carlos III. 1778 den Amerikahandel für alle spanischen Häfen frei, doch konnte sich Santa Cruz de La Palma nie völlig von der Wirtschaftskrise erholen.

Nach diesem wirtschaftlichen Rückgang wurde in neue Produkte investiert, wie Bienenwachs und -honig, Tabak und Seide. Mit der Anpflanzung von Maulbeerbäumen war La Palma führend in der Seidenherstellung auf den Kanaren. Um 1830 wurde die aus Mexiko stammende Cochenille-Laus eingeführt, eine Schildlaus, die einen begehrten karmesinroten Farbstoff liefert. Mit der Entwicklung von Anilinfarbe um 1880 war diesem Wirtschaftszweig jedoch nur ein kurzer Gewinn beschert.

Ab 1878 wurde der Bananenanbau von den Gesellschaften Elder Dempster aus England und Fyffes aus Irland in großem Stil auf die Kanaren gebracht, der bis heute ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor auf der Insel ist.

Die Landbevölkerung auf La Palma profitierte von dem erwirtschafteten Reichtum auf de Insel kaum etwas. Da auf der Insel vorwiegend Monokulturen angebaut wurden, reichte die verbleibende Ackerfläche für den Anbau von Getreide und anderen Landwirtschaftserzeugnissen nicht aus. Schon im 16. Jahrhundert musste Getreide – zu hohen Preisen – importiert werden. Als das Domkapitel von La Palma einmal seinen Zehnten in Form von Weizen aus dem Getreidespeicher forderte, weigerte sich die Bevölkerung auf diese Art ihre Steuern zu begleichen. Woraufhin der Inquisitor über die Insel einen Kirchenbann verhängte und einige Jahre lang niemand christlich beerdigt wurde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Noch im 19. Jahrhundert lebten die meisten Inselbewohner in strohgedeckten Holzhütten oder in niedrigen Bruchsteinhäusern. Um die Wirtschaft der Kanarischen Inseln zu stärken, wurde die Inselgruppe 1852 durch Beschluss der Königin Isabella II. zur Freihandelszone erklärt. Die wirtschaftliche Not in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte auf La Palma zu einer hohen Auswanderung der Palmeros, Kuba und Venezuela waren die bevorzugten Ziele. Viele palmerische Familien haben heute noch starke familiäre Verbindungen zu Kuba und Venezuela. In den 1920er- und 1950er-Jahren kehrten viele nach La Palma zurück („Die Heimkehr der Emigranten“, siehe Abschnitt Regionale Feste, Karneval).[20]

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Bananenpflanzen auf die Insel, was zu einem nur kurz anhaltenden Wohlstand führte. Durch Auswirkungen des 1. Weltkrieges kam der Außenhandel zum Erliegen. 1927 wurde die kanarische Inselgruppe in eine West- und Ostprovinz aufgeteilt. La Palma bildet zusammen mit Teneriffa, La Gomera und El Hierro die Westprovinz „Santa Cruz de Tenerife“. Während des spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939) stand La Palma mehrheitlich an der Seite der Republikaner und bildetet mit der kommunistischen Partei die Hauptquelle des Widerstands gegen das Franco-Regime auf den Kanaren.

Bis in die frühen 1960er Jahre wurde die kanarische Wirtschaft noch von der Landwirtschaft bestimmt. Die Liberalisierung im Jahr 1960 durch das Franco-Regime führte zu einer wirtschaftlichen Belebung, durch Exporte von Bananen (130 Millionen Kilogramm im Jahr), von Tabak und Produkten aus der Forstwirtschaft. Als wichtigster Wachstumsmotor entwickelte sich der Tourismus, im Jahr 1960 waren es noch 73.240 Touristen, im Jahr 1975 bereits über 2 Millionen.[21]

1984 erhielten beide Provinzen zusammen den Status einer autonomen Region (Provinz Santa Cruz de Tenerife), wie die übrigen 16 Autonome Gemeinschaften Spaniens. Mit dem Beitritt Spaniens im Jahr 1986 in die Europäische Gemeinschaft und dem 1989 vollzogenen Beitritt der autonomen Kanarischen Provinz in die EG wurden den Kanaren auch die EG-Subventionen zuteil, die im Wesentlichen in den Aufbau der Infrastruktur der Inseln flossen.[22]

Kultur und Wissenschaft[Bearbeiten]

Kirche in Las Nieves
Virgen de las Nieves

Religion[Bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist römisch-katholisch. In regelmäßigen Abständen werden die Heiligen aus bestimmten Kirchen mit Prozessionen geehrt. Diese Veranstaltungen verlaufen über mehrere Tage und werden durch ein Rahmenprogramm und ausgelassene Feiern begleitet.

Regionale Feste[Bearbeiten]

Über das Jahr verteilt gibt es mehrere, teils regional begrenzte Feste. Mit dem Mandelblütenfest im Februar oder März in Puntagorda, wo die meisten Mandelbäume der Insel anzutreffen sind, beginnt der Reigen der Feste auf der Insel. Am 5. Mai wird in der Fiesta de la Cruz die Eroberung der Insel und Gründung der Hauptstadt Santa Cruz gefeiert. Hierzu werden auf der ganzen Insel Kreuze in wertvolle Stofftücher und Papier verhüllt und mit Blumen und Kerzen geschmückt werden.

Zwerg von Luis Morera in Santa Cruz

Die Bajada de la Virgen de las Nieves ist eines der herausragenden Feste La Palmas. Es geht auf das Jahr 1676 zurück, in dem auf der Insel große Dürre herrschte. Um eine drohende Missernte abzuwenden, ordnete der kanarische Bischof Jimenz an, die auf der ganzen Insel verehrte Statue der Jungfrau vom Schnee in Las Nieves in einer Prozession in die Hauptstadt zu tragen. Der langersehnte Regen stellt sich danach ein. Die Prozession wird daraufhin alle fünf Jahre wiederholt, das nächste Mal im Jahr 2015. Die Feierlichkeiten ziehen sich jeweils im Sommer über mehr als einen Monat hin. Ein Höhepunkt der Fiesta ist der Tanz der Zwerge in Santa Cruz.[23]

Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten auf La Palma ist der Karneval, dessen Umzüge in den Karneval-Hochburgen von Santa Cruz und Los Llanos den Vergleich mit dem in Rio nicht scheuen brauchen.[24] An jedem Karneval-Montag wird auf der gesamten Insel „die Heimkehr der Emigranten“ („Día de Los Indianos“) gefeiert. Die Palmeros kleiden sich dann in weiß, als Parodie auf die damals - in Lateinamerika zu Wohlstand gekommenen - Palmeros und pudern alles weiß, was ihnen zu nahe kommt.[25]

Kultureinrichtungen und Künstler[Bearbeiten]

Museo Arqueologico in Los Llanos
Museo del Platano in Tazacorte

Zum kulturellen Angebot auf La Palma gehören die archäologischen Zentren, Parque Arqueologico in La Zarza, Gemeinde Garafia und Cueva Belmaco in Mazo, mehrere Bibliotheken (jeweils in den größeren Orten der Insel), ein Kino und das Teatro Chico in Santa Cruz und ein Kino Los Llanos sowie diverse Musik- und Kunstveranstaltungen, welche überwiegend in den Casas de Cultura der Orte stattfinden. Zu den Museen der Insel zählen Museo Insular und Museo Naval (Schifffahrtsmuseum in der nachgebauten Karavelle Santa Maria von Christoph Kolumbus) in Santa Cruz, Museo Arqueologico in Los Llanos de Aridane, Museo del Platano (Bananenmuseum) in Tazacorte und Museo del Vino (Weinmuseum) an der Plaza de La Glorieta in Las Manchas.

Luis Morera ist einer der bekanntesten auf La Palma lebenden und schaffenden Künstler. Seine Werke auf der Insel sind unter anderem der Plaza de La Glorieta, der Park El Jardín de las Delicias in Los LLanos, der Brunnen mit der Bronzefigur San Miguel de La Palma vor dem Rathaus von Tazacorte, die Bronzefigur der Zwerg (Enana) in Santa Cruz sowie eine Vielzahl von Bildern von der Natur und Bevölkerung der Insel.

Palmerische Küche[Bearbeiten]

Die Palmerische Küche unterscheidet sich nicht sehr von denen der anderen Kanarischen Inseln.

Hauptartikel: Kanarische Küche

Bis in die 1960er Jahre bestand für die meisten palmerischen Familien – insbesondere in den ländlichen Gebieten – das Essen aus den von ihnen gewonnenen Produkten, wie Kartoffeln, Gofio (geröstetes Mais- oder Weizenmehl), Schweine- und Ziegenfleisch, Ziegenkäse, Mojo (pikante Sauce), Milch, Fisch, einige Gemüse- und Obstsorten. Zu festlichen Gelegenheiten wie Karneval und Weihnachten wurden spezielle Gerichte zubereitet, Süßspeisen aus Brot, Honig und Milchreis, geröstete Kastanien, Biskuit. Ziegenkäse mit Mojo zählen heute – auch im touristischem Bereich – zu den besonderen palmerischen Gerichten.[26]

Sternwarten[Bearbeiten]

Observatorien am Roque de los Muchachos

Für die Standortauswahl des Observatoriums auf La Palma im Jahr 1972 waren entscheidend, die Höhenlage auf dem Roque de los Muchachos mit 2400 Metern über den Wolken und eine geringe Lichtverschmutzung des Nachthimmels auf La Palma sowie eine verhältnismäßig geringe Entfernung zu Europa gegenüber anderen Standorten wie Südamerika oder Hawaii (mit 4200 Meter Höhe und 50 Prozent Sauerstoffgehalt).[27]

Die Gründungsmitglieder Spanien, England, Dänemark, Deutschland und Schweden beschlossen 1974 als ersten Schritt für die Errichtung des Observatoriums den Ausbau einer Zufahrtsstraße sowie die Wasser- und Stromversorgung auf den Roque de los Muchachos und ein Trainingsprogramm für die spanischen Wissenschaftler.

1984 nahm das Roque-de-los-Muchachos-Observatorium seinen Betrieb auf, das ein Jahr später vom spanischen König und den königlichen Oberhäuptern und Regierungschefs der Mitgliedsländer offiziell eingeweiht wurde.

Um die Sichtverhältnisse der Astronomen in der Nacht zu verbessern, wurde 1988 für La Palma und Teneriffa das Gesetz Ley de Protección de la Calidad Astronómica de los Observatorios del IAC („Gesetz zum Schutze des Himmels“) beschlossen, das Leuchtreklame verbietet und festlegt, dass Lampen im Freien nur bestimmtes Licht nur nach unten abstrahlen dürfen.

Am 24. Juli 2009 wurde das Gran Telescopio Canarias (GTC oder auch GRANTECAN) durch den spanischen König Juan Carlos und Königin Sophia eingeweiht. Es nahm dabei den regulären Beobachtungsbetrieb, wobei es als größtes Spiegelteleskop weltweit gilt.[28]

Sport[Bearbeiten]

Historische Sportarten[Bearbeiten]

La Lucha in der Sporthalle von Tazacorte

Lucha Canaria ist ein kanarischer Ringkampf, der bereits unter den Guanchen ausgetragen wurde. 1420 berichtete der Chronist Alvar Garcia de Santa Maria über diese Sportart der Kanaren. Es wird vermutet, dass durch diese Kämpfe Streitigkeiten unter der Urbevölkerung unblutig entschieden wurden.[29][30]

Lucha zählt auch heute – neben Fußball – zu den beliebtesten Sportarten der Kanaren. Es ist ein Mannschaftssport, der von zwölf Kämpfern ausgetragen wird. Es ringen immer zwei miteinander. Verloren hat derjenige, dessen Oberkörper zuerst den Boden berührt. Ein Kampf geht über 3 Runden von maximal 2 Minuten Dauer.[23][31]

Hirtensprung (Spanisch: Salto del pastor) ist ein auf den Kanarischen Inseln verbreiteter Volkssport, der seine Wurzeln im regionalen Brauchtum hat und wahrscheinlich auf die Ureinwohner der Guanchen zurückgeht. Um in möglichst kurzer Zeit im gebirgigen Gelände Höhenunterschiede schnell und sicher zu überwinden, benutzten die Viehhirten einen mehrere Meter langen Holzstab, den „Regatón“, um auf ein tiefer gelegenes Gelände zu gelangen.[32]

Transvulcania[Bearbeiten]

Der Transvulcania ist ein international besetzter Ultramarathon, der seit 2009 jährlich auf La Palma stattfindet. Die 83,3 km lange Laufstrecke beginnt am Leuchtturm von Fuencaliente, führt über die Vulkanroute, die Cumbre Nueva, auf die Bergkette der Caldera de Taburiente mit dem 2400 Meter hohen Roque de los Muchachos, hinab zum Puerto Tazacorte und wieder hinauf nach Los Llanos, dem Ziel des Ultramarathons. Insgesamt ist ein Höhenunterschied von 8.525 Meter zu überwinden (davon 4.415 Meter bergauf und 4.110 Meter bergab).

Verwaltung[Bearbeiten]

Innerhalb der spanischen Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln gehört La Palma zur Provinz Santa Cruz de Tenerife.

Inselrat[Bearbeiten]

Der Inselrat (Cabildo Insular) regelt Angelegenheiten, die eine individuelle Lösung für die Insel fordern und daher nicht von der Autonomen Gemeinschaft oder der Provinz entschieden werden sollen, die aber auf der Ebene der Gemeinden nicht entschieden werden können, weil sie die ganze Insel betreffen.

Präsident des Inselrates ist Anselmo Pestana. Daneben gibt es weitere elf Mitglieder der Inselregierung (davon sieben Vizepräsidenten), die für die verschiedenen Ressorts zuständig sind.[33]

Gemeinden[Bearbeiten]

La Palma gliedert sich in 14 Gemeinden.[34]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl La Palmas verzeichnete von 2000 bis 2010 einen moderaten Anstieg, der sich dann aber umkehrte. In den Gemeinden La Palmas stellte sich die Einwohnerentwicklung dagegen recht unterschiedlich dar: In Santa Cruz nahm in diesem Zeitabschnitt die Einwohnerzahl stetig ab, wohingegen die Einwohnerzahlen in den – an Santa Cruz grenzenden – Gemeinden Breña Alta und Breña Baja anstiegen. Los Llanos hatte bis 2010 einen entsprechenden Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, die Zahl blieb dann aber konstant.

Bevölkerungsrückgänge sind auch in den Gemeinden im Norden der Insel, Garafía, Barlovento und San Andrés y Sauces sowie im Westen in Tazacorte festzustellen. Die übrigen Gemeinden weisen dagegen nur geringe Veränderungen in den Einwohnerzahlen aus.[35][36]

Gemeinden 1990 1995 2000 2005 2010 2012 2013
Barlovento 2.598 2.694 2.398 2.507 2.296 2.085 2.085
Breña Alta 5.467 5.567 5.898 7.039 7.347 7.298 7.455
Breña Baja 3.418 3.537 4.051 4.355 5.259 5.492 5.523
Fuencaliente 1.822 1.804 1.800 1.913 1.898 1.840 1.798
Garafía 2.043 2.032 2.007 1.924 1.714 1.654 1.645
Los Llanos de Aridane 17.062 17.737 18.190 19.878 20.948 20.895 20.930
El Paso 7.154 7.293 7.289 7.404 7.837 7.874 7.928
Puntagorda 1.692 1.825 1.785 1.795 2.177 1.940 2.057
Puntallana 2.305 2.296 2.204 2.424 2.425 2.428 2.346
San Andrés y Sauces 5.399 5.492 5.229 5.086 4.874 4.637 4.473
Santa Cruz de La Palma 18.183 17.460 18.204 17.788 17.128 16.705 16.330
Tazacorte 7.049 6.617 6.147 5.835 5.697 4.957 4.911
Tijarafe 2.734 2.662 2.672 2.713 2.769 2.765 2.776
Villa de Mazo 5.112 5.260 4.609 4.591 4.955 4.898 4.858
La Palma gesamt 82.038 82.276 82.483 85.252 87.324 85.468 85.115

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Markthalle von Santa Cruz

2006 wurde auf insgesamt 8.305 Hektar Landwirtschaft betrieben. Bananen und Wein nehmen dabei mit über 5.000 Hektar eine zentrale Rolle ein. Zunehmend wird die Landwirtschaft jedoch mit dem Anbau von Avocado, Zitrusfrüchten und Gemüse diversifiziert.[37]

Die Landwirtschaft wird durch ein einzigartiges Bewässerungssystem aus Wasserleitungen und Tunneln ermöglicht, die das Wasser aus den Bergen in die agrarisch genutzten Gebiete führen. Diese Tunnel sind zum Teil Hunderte von Metern durch Felsen getrieben und bringen das Wasser über mehrere Kilometer in die bewohnten Gebiete an der Küste. Allerdings führt der enorme Wasserverbrauch der Landwirtschaft, vor allem der Bananenanbau, zu einer beständigen Verknappung des Wassers auf der regenreichsten Kanareninsel.

Klein- und Kleinstbetriebe[Bearbeiten]

Im Vergleich zur Landwirtschaft spielen Handwerk und Industrie auf La Palma nur eine untergeordnete Rolle. Die Insel besitzt lediglich einige kleine Betriebe, die Landwirtschaftsprodukte weiterverarbeiten bzw. Baustoffe oder Kunsthandwerk herstellen, sowie einige Baufirmen, die dank des Tourismus in den letzten Jahren einen Aufschwung zu verzeichnen hatten. Nur die Zigarettenfabrik in El Paso, in der etwa 300 Insulaner arbeiteten, produzierte bis Ende 2000 in größerem Umfang. Die Produktion wurde nach Deutschland verlagert.

Handel[Bearbeiten]

Der Export von La Palma beschränkt sich auf Agrarprodukte. Insgesamt hat die Insel eine negative Handelsbilanz, d. h. es wird weit mehr ein- als ausgeführt. Dreiviertel der Lebensmittel müssen importiert werden, so auch Zitrusfrüchte wie Orangen und Zitronen als auch etwa 80 Prozent des Bedarfs an tierischen Produkten. Andere wichtige Importwaren, die zum größten Teil das spanische Mutterland liefert, sind Rohöl, Konsumgüter, ferner mechanische und elektrische Güter sowie Kraftfahrzeuge.

Tourismus[Bearbeiten]

1890 gab es auf La Palma erste kleine Hotels. Vor allem die Erholung suchenden Engländer frequentierten Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gern die westlichste Kanareninsel. Einige Jahrzehnte später ging es mit dem Tourismus auf La Palma bergab, in den 1960er Jahren kam er fast ganz zum Erliegen. In den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre profitierte La Palma ein wenig vom Massen- und Chartertourismus auf den beiden Kanarenhauptinseln Teneriffa und Gran Canaria. Das damals einzige große Hotel (200 Betten) entstand in Puerto Naos. In dieser Zeit gab es unter der einheimischen Bevölkerung noch Vorbehalte gegen den Zustrom von Fremden, die sich in Graffitis an Hauswänden (Alemanes fuera, Deutsche raus) äußerten. Dass auf La Palma inzwischen der Tourismus auch für die Bevölkerung eine wichtige Einnahmequelle ist, hat derartige Anfeindungen verstummen lassen. La Palma ist mittlerweile ein Aussteigerparadies für Mittelstandsaussteiger geworden, wobei der Anteil der Deutschen am größten ist, gefolgt von Niederländern, Schweizern und Briten.

Erst Ende der 1980er Jahre waren nach der Erweiterung des palmerischen Flughafens für den internationalen Charterverkehr im Tourismusbereich kräftige Zuwachsraten zu verzeichnen. In den 2000er Jahren entstand eine Hotelanlage mit 400 Betten, abgeschieden an der Südspitze La Palmas, unterhalb von Los Canarios. Trotz stetig sinkender Fluggastzahlen von einer maximalen Anzahl von 1.207.572 im Jahr 2007 auf 965.779 in 2012 (ein Rückgang von 20 %) wurde 2011 ein neues Flughafengebäude eingeweiht.[38]

Puerto Naos mit neuer Strandpromenade von 2013

Bei einem Angebot von etwa 7500 Betten kann man auf La Palma noch nicht von Massentourismus sprechen. Neben den wenigen größeren Hotels sind die Touristen vorwiegend in Ferienwohnungen und kleineren Häusern (Fincas) untergebracht. Die Ferienzentren mit den meisten Touristen befinden sich auf der Westseite der Insel in Puerto Naos und auf der Ostseite in Los Cancajos. Die Strände von Tazacorte, Puerto Naos und Los Cancajos tragen die blaue Flagge der EU und erfüllen somit einen gehobenen Qualitätsstandard.

La Palma ist traditionell eine Wanderinsel, entsprechend groß ist die Anzahl der Anbieter von Wanderausflügen in die verschiedensten Regionen der Insel.

Seit Ende der 1990er Jahre haben sich auch verschiedene Anbieter sportlicher Aktivitäten etabliert. So werden beispielsweise geführte Mountainbiketouren oder Reitexkursionen angeboten, verschiedene Tauchbasen auf der Ost- und Westseite der Insel haben sich etabliert.[39]

Ländlicher Tourismus

Restaurierte palmerische Landhäuser

Seit 1992 hat sich die Asociación insular de Turismo Rural Isla Bonita die Förderung des ländlichen Tourismus auf der Insel La Palma zur Aufgabe gemacht. Hierzu zählen insbesondere die Förderung der ländlichen Unterkünfte und anderer touristischer Ressourcen, wie Management-Training, Verwaltung der Museen und Sehenswürdigkeiten. Der Verein ist ein Zusammenschluss von etwa hundert Häuservermietern, kleinen Unternehmen und Berufsverbänden.[40]

Zur Förderung der ländlichen Unterkünfte (mit EU-Geldern) wurden etwa 65 alte Häuser (Fincas) in der typischen Landschaftsarchitektur restauriert (bis zum Jahr 2000)[23]. Zu dieser Bauweise gehören beispielsweise Decken in Tea-Holz, Holzbalkone, meterdicke Steinwände und die typisch gemauerten Sitzbänke unter den Fenstern. Die Restaurationsarbeiten fördern gleichzeitig die einheimische Handwerkschaft. Mit dem Erhalt und der Vermietung der Häuser wird der Landflucht entgegengewirkt mit dem Effekt, dass auch die traditionelle Agrarstruktur erhalten bleibt.

(Tea-Holz wird aus dem harten Kern der kanarischen Kiefer gewonnen und ist äußerst resistent gegen Feuchtigkeit und lässt sich gut mit dem Stechbeitel bearbeiten.[41])

Zur Untersuchung der Vorstellungen der Touristen über den Urlaubsort La Palma wurde im Auftrag der Asociación de Turismo Rural Isla Bonita im Jahr 2007 eine Befragung von 316 Touristen in 181 Unterkünften auf La Palma durchgeführt.[42] Der Altersanteil der Befragten unter 45 Jahre lag bei 68 Prozent. Die Vorstellungen über den Urlaubsort La Palma gaben sie wie folgt an: Bevorzugt wird ein Urlaubsort, der eher abgeschiedenen und nicht überfüllt ist, Erholung und sportliche Aktivitäten in einer natürlichen Umwelt (Wandern und zu einem geringeren Maße Schwimmen) bietet und die Urlaubsausgaben auch der Bevölkerung des Ortes zugutekommen. Besondere Wertschätzungen des Urlaubsortes finden die Landschaft, die Ruhe, die öffentliche Sicherheit wie die einheimische Küche. Ein am wenigstens geschätzter Aspekte ist das Nachtleben.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßennetz[Bearbeiten]

Mittlerweile ist das Straßennetz auf La Palma gut 1.200 Kilometer lang. Alle Hauptstraßen sind asphaltiert, landschaftsbedingt kurvenreich und in gutem Zustand.

Brücke von Los Tilos

Um den abgelegenen Norden der Insel wirtschaftlich besser einzubinden, wurde Anfang 1992 eine asphaltierte Verbindungsstraße zwischen Garafia und Barlovento geschaffen. Lediglich einige abgelegene Ortschaften im Inselnorden sind nur über Erd- oder Betonpisten zu erreichen.

Ein etwa 180 Kilometer langer Straßenring (Kartenbezeichnung LP-1 und LP-2) umläuft die gesamte Insel (Santa Cruz–Los Cancajos–Mazo–Fuencaliente–Los Llanos–Tijarafe–Puntagorda–Barlovento–San Andrés–Puntallana–Santa Cruz), weiterhin verbindet eine rund 35 Kilometer lange Straße (Kartenbezeichnung LP-3) über zwei Tunnel den Osten mit dem Westen der Insel (Los Llanos–Los Cancajos). Eine dritte Straße verbindet den Osten mit dem Nordwesten der Insel (Kartenbezeichnung LP-4) und führt über den höchsten Berg von La Palma, den Roque de los Muchachos.

Öffentliche Verkehrsmittel[Bearbeiten]

Es gibt Linienbusse, die nicht auf allen Linien im (Halb-)Stundentakt verkehren. Nahezu alle großen Ortschaften sind erreichbar.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Hafen von Santa Cruz de La Palma

Die Bucht der Hauptstadt wird seit der Eroberung der Insel durch die Spanier als Hafen genutzt. Von Santa Cruz de La Palma werden diverse Fährverbindungen zu den Nachbarinseln und (wöchentlich) zum spanischen Festland, mit Zwischenstopps auf Lanzarote, Gran Canaria und Teneriffa, angeboten. Seit Januar 2008 verkehrt die Fähre El Fortuny der Gesellschaft Trasmediterránea auf der früher von der Juan J. Sister bedienten Route nach Cádiz auf dem spanischen Festland.

Seit 2008 verkehrt auch eine Fähre der Naviera Armas, die Volcán de Tijarafe, zwischen Portimão, Portugal via Funchal, Madeira nach Santa Cruz de Tenerife von wo aus man La Palma im Anschluss erreichen kann. Der großzügig ausgebaute Hafen an der Westküste in Puerto de Tazacorte war 2005/2006 kurzzeitig mit einer (wöchentlichen, nicht immer zuverlässig verkehrenden) Verbindung zur Insel Teneriffa über Santa Cruz de La Palma dem Fährverkehr angeschlossen.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der erste Flughafen von La Palma wurde in der Gemeinde Breña Alta in 350 Metern Höhe über dem Meeresspiegel mit einer Start- und Landebahn mit einer Länge von tausend Metern errichtet und 1955 in Betrieb genommen. Er erhielt den Namen Buenavista. Wegen der Nähe der Berge bestand das Problem der wechselnden Winde aus unterschiedlichen Richtungen, wiederholt auftretender Nebelbänke und Regenfälle, die in den folgenden Jahren über 15 Prozent Flugausfälle verursachten. Diese Umstände zwangen zu einer Neuplanung des Flughafenstandortes. Der Flughafen Buenavista, dessen Start- und Landebahn noch rudimentär existiert und von der Hauptverbindungsstraße von der Ostseite der Insel zur Westseite überquert wird, wurde 1970 mit der Inbetriebnahme des neuen Flughafens stillgelegt.[43]

Der neue Flughafen von La Palma wurde in der Gemeinde Mazo entlang des Küstenstreifens errichtet (IATA Code: SPC). Aufgrund des zunehmenden Verkehrsaufkommens wurde 1980 die Start- und Landebahn durch Aufschüttung eines Damms im angrenzenden Meer verlängert. Seit 1987 ist er der sechste internationale Flughafen der Kanarischen Inseln, der mehrmals wöchentlich von mehreren europäischen Fluggesellschaften angeflogen wird. Es bestehen Linienverbindungen zur spanischen Hauptstadt Madrid und zu den Nachbarinseln, die durch die Fluggesellschaften Iberia bzw. Binter Canarias bedient werden.[44] Ein neues Flughafenterminal ist seit 2011 in Betrieb.[45]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: La Palma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: La Palma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gobierno de Canarias: istac - Instituto Canario de Estadística
  2. Gobierno de Canarias: istac - Instituto Canario de Estadística
  3. Cabildo Insular de La Palma
  4. Steven N. Ward, Simon Day: Cumbre Vieja Volcano -- Potential collapse and tsunami at La Palma, Canary Islands. American Geophysical Union, 2001, abgerufen am 14. März 2011 (pdf; 768 kB, englisch).
  5. BBC
  6. [1], Antonio Pérez García: SÍNTESIS DE HISTORIA CANARIA.
  7. [2], Peter Mühlbauer: Gentests bestätigen berberische Herkunft der Ureinwohner der Kanaren, 27.10.2009.
  8. Lapalma-online: Die Guanchen auf La Palma und woher sie einst kamen, 30. November 2013
  9. ETNOLOGÍA DEL ABORIGEN CANARIO - Principales inmigracios prehispánicas
  10. Geschichtlicher Überblick bis zur spanischen Eroberung der Inseln im 16. Jahrhundert
  11. Ayuntamiento de la Villa de Garafia: Buracas, Las Tricias
  12. La Palma 2014: Spuren der ‚Benahoaritas’ auf ‚San Miguel de La Palma’
  13. Lapalma-online, Kultur und Geschichte
  14. Internet Archive - Wayback Machine, The History of La Palma
  15. [3], Carlos Müller: Die Kanarischen Inseln – Reisen durch die Zeit, Dagmar Dreves Verlag, 399 Seiten.
  16. 7. LA CONQUISTA DE LA PALMA Y TENERIFE
  17. El Cabildo de La Palma plantea la creación de un museo sobre defensas marítimas en el Real Castillo de Santa Catalina, EUROPA PRESS. 02.03.2012
  18. El Ayuntamiento de Santa Cruz de La Palma, Castillo de Santa Catalina
  19. Castillo de La Virgen edificado 1821
  20. La Palma 24 Journal, Día de Los Indianos 2014: Interview mit Marta Poggio
  21. Internet Archive - Wayback Machine, The History of La Palma
  22. [4], Birgit Borowski, Rolf Goetz: Baedeker Reiseführer Teneriffa.
  23. a b c Rolf Goetz, „La Palma, Aktivurlaub auf der grünsten der Kanarischen Inseln“, Peter Meyer Reiseführer, 5. Auflage, Frankfurt a. M., 2000.
  24. [5], Portal Oficial de Turismo de La Palma, Kultur.
  25. La Palma 24 Journal – Das deutsche Online-Magazin für La Palma, Día de Los Indianos 2014 – Wettbewerb und Souvenirs, 11. Februar 2014
  26. Juan Jose Santos Cabrera, „La Palma – Wege und Pfade“, Vertrieb: J. J. Santos Cabrera, 1994.
  27. Sheila M. Crosby, „A Breathtaking Window on the Universe – A guide to the observatory at the Roque de Los Muchachos.“ Dragon Tree Publishing, Tenerife, 1. Edition, Nov. 2012.
  28. [6], Portal Oficial de Turismo de La Palma, Roque de Los Muchachos Observatorium.
  29. [7], Federación de Lucha Canaria, Ringen auf La Palma.
  30. [8], Gran Canaria Aktuell, Lucha Canaria – Kanarischer Ringkampf.
  31. [9], Marcopolo Reisefuehrer La Palma.
  32. [10], Portal Oficial de Turismo de La Palma, Salto del pastor (Der Hirtensprung).
  33. http://www.cabildodelapalma.es/portal/RecursosWeb/DOCUMENTOS/1/4_222_1.pdf
  34. www.lapalmaturismo.com: Offizielle Tourismus-Website für La Palma: La Palma Gemeindegliederung
  35. [11], Instituto Nacional de Estadística, Santa Cruz Tenerife, Poblaciones de derecho desde 1986 hasta 1995; abgerufen am 11. Oktober 2013 (spanisch)
  36. [12], Instituto Nacional de Estadística, Santa Cruz Tenerife, Series de población desde 1996; abgerufen am 31. März 2014 (spanisch)
  37. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAnuario Estadístico de Canarias. 2007. In: Gobierno de Canarias. Kanarisches Institut für Statistik, 2008, S. 191, abgerufen am 9. Februar 2009 (PDF, spanisch, 2,26 MB).
  38. http://www.aena-aeropuertos.es/csee/Satellite/Aeropuerto-La-Palma/en/Page/1049125192309//Introduction.html
  39. [13], Portal Oficial de Turismo de La Palma, Aktive Freizeit.
  40. [14], Asociación insular de Turismo Rural Isla Bonita.
  41. [15], Tourismuspatronat Gran Canaria, Kultur, La madera (Kunsthandwerk).
  42. [16] (PDF; 60 kB), ANÁLISIS DEL MERCADO DE TURISMO RURAL DE LA ISLA DE LA PALMA: ESTUDIO DE LA DEMANDA – CONCLUSIONES, Herausgeber: Asociación de Turismo Rural Isla Bonita, 38715 Puntallana, La Palma, Santa Cruz de Tenerife.
  43. [17], Flughafen von La Palma, Geschichte.
  44. http://www.aena-aeropuertos.es/csee/Satellite/Aeropuerto-La-Palma/es/Page/1056530002692/
  45. http://www.aena-aeropuertos.es/csee/Satellite/Aeropuerto-La-Palma/en/Page/1049125192309//Introduction.html

28.666666666667-17.866666666667Koordinaten: 28° 40′ N, 17° 52′ W