La Passione di Nostro Signore Gesù Cristo

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La Passione di Nostro Signore Gesù Cristo (Die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus) ist eine Azione sacra (it. für Oratorium) in zwei Teilen von Pietro Metastasio. Sie stellt einen der meistvertonten Oratorientexte des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts dar.

Geschichte[Bearbeiten]

Metastasio schrieb seinen Oratorientext im Jahre 1730 in Wien; er war zur Vertonung durch Antonio Caldara bestimmt. Dieser vertonte den Text im März 1730 in weniger als zwei Wochen.

In der Geschichte der Dichtung des Passionsoratoriums stellt seine Version in ihrer völligen Abkehr vom wörtlich vorgetragenen Passionsbericht einen gewichtigen Schritt zur neuartigen Ästhetik der empfindsamen Leidensschilderung dar. Das Libretto folgt unter gänzlichem Verzicht auf Bibelwort und die Person Jesu theatralischen Vorstellungen und erlangte im 18. Jahrhundert größte Popularität. Als Personen treten Maddalena, Giovanni, Pietro und Giuseppe d'Arimatea in Erscheinung, dem Chor werden nur einige wenige Passagen anvertraut.

Viele namhafte Komponisten vertonten das Libretto, darunter neben Caldara auch Domenico Natale Sarro (1738), Niccolò Jommelli (1749), Ignaz Holzbauer (1762), Johann Gottlieb Naumann (1768), Josef Mysliveček (1773), Antonio Salieri (1776), Johann Friedrich Reichardt (1783), Giovanni Paisiello (1784), Ferdinando Paër (um 1800), Joseph Weigl (1811) und Francesco Morlacchi (1812), um nur die wichtigsten zu nennen.

Salieris Version

Salieri schrieb seine Version der berühmten Vorlage im Jahre 1776 für die Wiener Tonkünstlersozietät, wo sie am 18. und 23. Dezember 1777 uraufgeführt wurde. Die schwierige Sopranpartie der Maddalena hatte Salieri für seine Schülerin Catarina Cavalieri, den Tenorpart des Pietro für Vincenzo Righini konzipiert. Auch in diesem Werk knüpft Salieri an die Reformbestrebungen seines Mentors Christoph Willibald Gluck an, ohne jedoch vokale Brillanz und Koloraturen völlig auszuschließen. Auffällig sind zahlreiche Accompagnato-Rezitative und mehrere groß angelegte Szenenkomplexe, mit denen Salieri dem Schematismus des Librettos entgegenzuwirken versucht. Bemerkenswert erscheinen auch die zahlreichen Molltönungen, die dramatische Akzente setzen. Die Ouvertüre schildert - Salieri zufolge - die Gewissenqualen des Petrus.

Der betagte Metastasio soll Salieris Vertonung der Passione hoch geschätzt und in Gegenwart Kaiser Joseph II. erklärt haben, „es sey diese Musik die ausdrucksvollste, von allen, die auf dieses Gedicht gemacht wurden“, wie Salieris erster Biograph Ignaz Franz von Mosel der Nachwelt überliefert hat. Ein großes Lob für den damals 26-jährigen Komponisten. Auch Johann Adolf Hasse hat sich lobend über das Werk geäußert, besonders über eine der großen Chorfugen, die jeden Teil beschließen.

Das Werk war bei Zeitgenossen ausgesprochen beliebt, u.a. gab es Aufführungen in Leipzig (1786), Kopenhagen (1790), Leipzig (1791) und Berlin (1793). Carl Philipp Emanuel Bach hat das Stück nachweislich in Hamburg aufgeführt.

In neuerer Zeit ist das Werk dank zweier erhältlicher Druckausgaben immer häufiger gespielt worden, so u.a. 1995 in Verona, 1999 und 2002 in Heidelberg, 2000 in Wien, 2002 in Brno, 2003 in Köln, 2006 in Düsseldorf, Köln und Leverkusen, sowie in Bitonto, Brindisi und im Teatro la Fenice in Venedig sowie in Salieris Heimatstadt Legnago, 2007 im Rahmen des Festival Valle d'Itria in Martina Franca, Brindisi und Cerignola sowie im französischen Caen, 2008 in der Dresdner Frauenkirche. Das Stück ist mittlerweile in mehreren Einspielungen auf dem Markt, u.a. mit Hanno Müller-Brachmann.