Laacher See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Laacher See
Laacher See mit Benediktinerabtei Maria Laach, Hochstein und Hochsimmer im Hintergrund
Laacher See mit Benediktinerabtei Maria Laach, Hochstein und Hochsimmer im Hintergrund
Geographische Lage Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz
Zuflüsse Quellen im See
Abfluss Fulbert-Stollen mit 0,050 m³/s
Inseln keine
Größere Städte in der Nähe Andernach, Mayen, Neuwied, Koblenz, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Daten
Koordinaten 50° 24′ 37″ N, 7° 16′ 11″ O50.4102777777787.2697222222222275Koordinaten: 50° 24′ 37″ N, 7° 16′ 11″ O
Laacher See (Rheinland-Pfalz)
Laacher See
Höhe über Meeresspiegel 275 m
Fläche 3,31 km²f5
Länge 1,964 kmf6
Breite 1,186 kmf7
Volumen 0,103 km³f8
Umfang 7,3 kmf9
Maximale Tiefe 51 mf10
Mittlere Tiefe 31 mf11
Einzugsgebiet 12,2dep1f4
Besonderheiten

Mofetten

Landschaftskarte der Vordereifel

Der Laacher See befindet sich in der Vulkaneifel nahe der Abtei Maria Laach. Der Calderasee ist der größte See in Rheinland-Pfalz. Er gehört wie die Abtei Maria Laach zur Ortsgemeinde Glees. Der letzte Ausbruch des ehemaligen Laacher Vulkans erfolgte etwa 10.930 v. Chr.[1] Spuren der vulkanischen Tätigkeit finden sich heute noch in der Form vulkanischer Ausgasungen.

Etymologie[Bearbeiten]

Das Wort Laach, verwandt mit unserem heutigen Wort Lache, entstammt dem althochdeutschen lacha (aus latein. lacus, -ūs m. – See), das später zu laach wurde und See bedeutet. Der Name Laacher See ist somit ein Pleonasmus; Laach ist auch auf den Namen von Ort und Kloster übergegangen; letzteres wurde erst 1863 von den Jesuiten in Maria Laach umgetauft.

Merkmale[Bearbeiten]

Der ovale See ist mit rund 3,3 km²[2] der größte See in Rheinland-Pfalz und befindet sich in der Vordereifel (Osteifelvulkangebiet) in der Nähe der Städte Andernach (8 km), Bonn (37 km), Koblenz (24 km) und Mayen (11 km) nördlich von Mendig (Autobahn-Anschlussstelle der A 61, 3 km).

Der See ist vollständig von einem durchschnittlich 125 m hohen Wall umgeben und weist eine Tiefe von 51 m auf.[2] Er wird hauptsächlich von Grundwasser gespeist und besitzt keinen natürlichen Abfluss. Die sich heute in 275 m ü. NN befindende Wasseroberfläche schwankte früher um 15 m, was Landwirtschaft schwierig machte. Nach Einschätzung von Klaus Grewe wurde im Mittelalter zur Amtszeit von Abt Fulbert (1152 bis 1177) der 880 m lange Stollen in Richtung Süden gebaut, um das Kloster vor den Hochwassern zu schützen (Fulbert-Stollen).[3] Zwischen 1840 und 1845 bauten die Familien Delius und von Ammon (damalige Eigentümer des säkularisierten Klostergutes und Sees) einen ca. 5 m tiefer liegenden parallelen Stollen zum Absenken des Wasserspiegels auf das heutige Niveau, um Land- und Weideflächen zu gewinnen. Der See verlor durch beide Abzugsstollen etwa ein Drittel seiner Wasserfläche.

Geologie und vulkanische Aktivitäten[Bearbeiten]

Laacher See im Winter, vom Südwestufer aus
Abteikirche Maria Laach
Laacher See mit Benediktinerabtei Maria Laach um 1832, Stich nach Tombleson

Obwohl der Laacher See weithin als das größte Maar der Vulkaneifel gilt, ist er wissenschaftlich gesehen kein Maar und auch kein echter Kratersee, sondern eine wassergefüllte Caldera – ein Einbruchkrater, der nach Entleeren der Magmakammer unterhalb des Vulkankegels durch einen Einsturz entstanden ist. Dabei fällt der Vulkanberg in sich zusammen, und nur der Ringwulst am äußeren Rand bleibt zurück. Im Laufe der Zeit füllt sich der zurückbleibende Kessel mit Wasser. Der Laacher See ist in der Eifel, neben dem benachbarten Wehrer Kessel, die größte Caldera und die einzige wassergefüllte in Mitteleuropa.

Der letzte Ausbruch dieses Vulkans, der diese Caldera schuf, fand etwa im Jahr 10.930 v. Chr. statt.[1] Er dauerte nur wenige Tage und bestand aus einer plinianischen Hauptphase, die von phreatomagmatischen Explosionen eingeleitet und auch beendet wurde.

Dabei wurden riesige Mengen vulkanischer Asche und Bims ausgeschleudert, welche die Gegend bis ins Rheintal bis zu sieben Meter dick bedeckte. Das Auswurfmaterial verstopfte die Talenge des Rheins an der Andernacher Pforte, der dadurch aufgestaute See erstreckte sich über das Neuwieder Becken bis in die Gegend der Moselmündung. Die feineren Ablagerungen der Explosion sind noch bis nach Schweden in quartären Sedimenten als schmaler Bimshorizont (bekannt als Laacher-See-Tephra, LST) zu finden, der Geowissenschaftlern und Archäologen zur Datierung dient.

Die gesamte Auswurfmenge betrug etwa 6 km³ Stammmagmavolumen, entsprechend ca. 16 km³ vulkanischer Lockermassen (Tephra),[4] was einem Wert von 6 auf der von 0 bis 8 reichenden Skala des Vulkanexplosivitätsindex entspricht. Damit war der Ausbruch anderthalbmal so stark wie der des Pinatubo 1991, oder 6-mal so stark wie der Ausbruch des Mount St. Helens 1980.

Aufsteigendes Kohlenstoffdioxid in der südöstlichen Uferzone des Sees (sogenannte Mofetten) zeigt auch heute noch (2012) die vulkanische Aktivität der Region (Vulkanpark). Vulkanologen und Geologen gehen davon aus, dass vom Laacher See zurzeit keine Gefahr ausgeht. Vor dem Hintergrund der langen Vulkantätigkeit in der Eifel ist die Möglichkeit eines Vulkanausbruchs jedoch nicht von der Hand zu weisen, wenngleich das nicht im Gebiet des Laacher Sees der Fall sein muss. Zwischen dem ersten Auftreten von Magma unter dem Laacher See und seinem gewaltigen Ausbruch zum Ende der letzten Eiszeit vergingen mindestens 17.000 Jahre. Gemessen an diesen langen Zeiträumen ist ein neuer Ausbruch des Vulkans innerhalb der nächsten Jahrtausende „sehr wahrscheinlich“, meint der Geologe Gerhard Wörner von der Universität Göttingen, der an einer neuen Untersuchung beteiligt war.[5]

Naturschutzgebiet[Bearbeiten]

Der See und seine Umgebung wurden am 26. Juni 1935 zum Naturschutzgebiet Laacher See erklärt – wegen der geologischen und morphologischen Beschaffenheit (einzigartiges Beispiel für postglazialen Vulkanismus in der Eifel), aus naturgeschichtlichen Gründen, als Lebensraum seltener in ihrem Bestand bedrohter Pflanzen- und Vogelarten sowie wegen seiner besonderen landschaftlichen Schönheit und Eigenart.

Ökologie[Bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten]

Muschelkrebse[Bearbeiten]

Die im Wasser des Sees lebenden Muschelkrebse (Ostrakoden) sowie die in den Seesedimenten überlieferten fossilen Schalen dieser Kleinkrebse wurden eingehend untersucht.[6]

Weichtiere[Bearbeiten]

In einer speziellen Veröffentlichung wurden die unter dem Begriff Weichtiere (Mollusken) zusammengefassten Muscheln und Schnecken behandelt. [7]

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Der Laacher See gehört zu den Besitztümern der nahe gelegenen Abtei der Benediktiner Maria Laach, ebenso wie die umliegenden Ländereien, ein Fischereibetrieb und das Seehotel Maria Laach. Er wird als Naherholungsgebiet zum Schwimmen, Segeln, Wandern und Campen genutzt. Der Segelclub „Laacher See“ Mayen (SCLM) und der Surf-Club Laacher See e. V. haben sich den See selbst, die Laufgemeinschaft Laacher See dessen Ufer und nähere Umgebung als Revier auserkoren. Am See liegen auch der Campingplatz „Laacher See“ und ein Minigolfplatz. In der Nähe der Abtei befindet sich das Laacher Zentrum für Naturkunde und Mikroskopie, das sich mit der Naturgeschichte des Laacher Sees und seiner Umgebung befasst. In Mendig befindet sich das Deutsche Vulkanmuseum Lava-Dome. Es ist die zentrale Attraktion des Vulkanparks, der sich mit seinen über zwanzig Sehenswürdigkeiten über die gesamte Osteifel erstreckt. Der Laacher See gehört auch zum nationalen Geopark Vulkanland Eifel.

Flugzeugwrack[Bearbeiten]

Auf dem Seegrund im Westteil befindet sich seit dem 29. August 1942 noch das Flugzeugwrack eines britischen viermotorigen Halifax-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg und nahe dem Bootsverleih in Ufernähe eventuell noch ein weiteres Flugzeugwrack. Bis in die ersten Nachkriegsjahre war es noch zu sehen, bis es weiter in die Tiefe abrutschte.[8] Die Abtei ließ am 27. April 2007 verlauten, dass bis auf weiteres wegen Explosionsgefahr etwaiger Bomben mit Langzeitzündern seitens der Verbandsgemeinde Brohltal, Niederzissen, mit Verfügung vom 30. März 2007 keine Genehmigung für Tauchen, Bootsverkehr, Schwimmen sowie Hobbyangeln für dieses Gebiet erteilt wird.[9] Vom 2. bis 20. Juni 2008 fand unter Führung der Tauchergruppe des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz eine Tauchaktion statt, um etwaige Gefahren zu erkunden. Dabei wurden einzelne Bruchstücke der Maschine geborgen, das Wrack selbst oder Bomben jedoch nicht gefunden. Die Tauchgänge fanden unter sehr schwierigen Sichtverhältnissen statt (Dunkelheit, Schwebstoffe). Daher blieb es unklar, ob sich Bomben im Flugzeugwrack oder in dessen Umgebung befinden. Wahrscheinlich ist, dass sich zumindest noch Reste von Hydrauliköl und möglicherweise auch noch Reste unverbrannten Treibstoffs im Wrack befinden (Augenzeugenberichten zufolge stürzte die Maschine brennend in den See).[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laacher See – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Auf vulcanischem Boden – von Ferdinand Hey'l in „Die Gartenlaube“, Heft 11, 1878

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Thomas Litt, Karl-Ernst Behre, Klaus-Dieter Meyer, Hans-Jürgen Stephan und Stefan Wansa: Eiszeitalter und Gegenwart. Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. In: Quaternary Science Journal. Nr. 56(1/2), Hannover 2007, ISSN 0424-7116, S. 7–65, doi:10.3285/eg.56.1-2.02 (http://quaternary-science.publiss.net/issues/54/articles/763).
  2. a b Orographische, hydrologische Daten des Laacher Sees, Scharf und Menn, 1992.
  3. K. Grewe: Der Fulbert-Stollen am Laacher See. Eine Ingenieurleistung des hohen Mittelalters. Zeitschr. Arch. Mittelalter 7, 1979, 107–142.
  4. http://www.geo.uni-jena.de/geophysik/inhalt/gravimetry/LaacherSee.pdf Diplomarbeit von Claudia Köhler 2005
  5. „Eifelvulkane immer noch aktiv“, FAZ, 30. Oktober 2010. Zuletzt abgerufen am 30. Oktober 2010.
  6. Eugen Karl Kempf, Burkhard Wilhelm Scharf: Lebende und fossile Muschelkrebse (Crustacea: Ostracoda) vom Laacher See. Mitteilungen der Pollichia, 68 (1980) 205-236, Bad Dürkheim 1981.
  7. Hans Miegel: Der Laacher See und seine Mollusken. Decheniana, 116 (1963) 45-56, Bonn 1964.
  8. Britisches Wrack dicht vor dem Ufer des Laacher Sees – Lage des Bombers lange bekannt vom 31. März 2007 in der Rhein-Zeitung
  9. Pressemitteilungen General-Anzeiger, Bonn
  10. Britischer Bomber im Laacher See Bericht des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz über die Ergebnisse der Tauchaktion vom 2. bis 20. Juni 2008