Labour Party

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Labour Party (Begriffsklärung) aufgeführt.
Labour Party
Arbeitspartei
Logo der Labour Partei
Parteivorsitzender Ed Miliband
Partei­vorsitzender Ed Miliband MP
Stell­vertretende Vorsitzende Harriet Harman MP
Gründung 27. Februar 1900
Gründungs­ort London
Haupt­sitz 9 Victoria Street
London, SW1H 0HA
Jugend­organisation Young Labour
Aus­richtung Sozialdemokratie, Progressivismus
Farbe(n) Rot
Parlamentsmandate
255/650
Mitglieder­zahl 193.961
Internationale Verbindungen Progressive Allianz, Sozialistische Internationale (Beobachter)
Europaabgeordnete
13/73
Europapartei Sozialdemokratische Partei Europas (SPE)
EP-Fraktion Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament (S&D)
Website www.labour.org.uk

Die Labour Party [ˈleɪbə ˈpɑːti][1] (engl. für ,Arbeitspartei‘ oder ,Partei der Arbeit‘; auch nur Labour genannt) ist neben der Conservative Party und den Liberal Democrats eine der drei großen politischen Parteien des Vereinigten Königreiches.

Geschichte[Bearbeiten]

Logo der Labour Party unter Kinnock und Blair.

Die Partei wurde 1900 als Labour Representation Committee (LRC) gegründet und setzte sich zu diesem Zeitpunkt aus Gewerkschaften, den sozialistisch orientierten Parteien „Independent Labour Party“ (1893 gegründet), Social Democratic Federation sowie der Fabian Society zusammen. Sie entstammt damit dem später so benannten Tradeunionismus. Individuelle Mitglieder wurden erst im Anschluss an die Parteireform nach dem Ersten Weltkrieg aufgenommen.

Die Debatten vor allem der Gründungsphase waren von grundsätzlichen ideologisch verschiedenen Ansichten der Gründungsorganisationen geprägt. Vor allem die Diskussion um eine explizit sozialistische Ausrichtung, wie sie von der ILP und später der SDF angestrebt wurde, traf auf heftigen Widerstand aus den Reihen der Gewerkschaften. Im Vergleich zur SPD verfügte die organisierte Arbeiterbewegung im Vereinigten Königreich nie über große theoretische Verankerung, sondern orientierte sich an tagespolitischen Lösungsvorschlägen. Der Marxismus, die programmatische Klammer der SPD, spielte in der Labour Party praktisch keine Rolle.

Nach den Unterhauswahlen 1906, die einen Zugewinn um 25 Sitze auf nun 29 brachten, wurde das LRC in Labour Party umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt dominierten im Vereinigten Königreich vor allem die Conservatives sowie die Liberals. Die Liberale Partei stand dem LRC bzw. der Labour Party jedoch näher als die Conservatives, so dass sich eine Zusammenarbeit anbot. Diese drückte sich u. a. in Absprachen zur Vermeidung von Wahlkämpfen zwischen Labour/Liberal-Kandidaten (Wahl-Entente) aus. Dies war in den ersten Jahren ein Überbleibsel aus der sogenannten "Lib-Lab"-Zusammenarbeit, während der Vertreter der Trade Unions für die Liberalen bei Wahlen kandidierten. Im Gegensatz zu bspw. Deutschland verfügte die britische Arbeiterbewegung so schon früh über eine milieuübergreifende Verankerung und Anerkennung und war von repressiven Angriffen des Staates weitestgehend verschont.

Wie die SPD in Deutschland, so spaltete sich auch die Labour Party in England 1914 während des Ersten Weltkriegs an der Kriegsfrage. Der pazifistische Flügel um Ramsay MacDonald konkurrierte mit dem patriotischen Flügel Arthur Hendersons. Dennoch kam es nicht zum Bruch, was dem föderativen Aufbau der Labour Party zugerechnet werden kann.

Infolge des Bedeutungsverlustes der Gewerkschaften, insbesondere durch gescheiterte Streikversuche („Triple Alliance“ 1921), gelang es der Führung der Labour Party um Henderson, den Einfluss der Gewerkschaften allmählich einzudämmen. Die Partei wurde für breitere Volksschichten wählbar und nahm auch den abgespaltenen linken Flügel der liberalen Partei auf. Spätestens mit der Wahl von 1924, nach der die Labour Party für kurze Zeit in Koalition mit den Liberals erstmals mit Ramsay MacDonald die Regierung stellen konnte, kann die Labour Party als etabliert angesehen werden.

Die Labour Party konnte in den Jahren 1929 bis 1931 unter MacDonald erneut die Regierung stellen. Die Reformpolitik Clement Attlees, der in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1952 der nächste Labour-Premierminister war, hatte langfristige Bedeutung für das Vereinigte Königreich. Attlee verstaatlichte wichtige Industriezweige, der moderne Sozialstaat wurde gebildet. Attlees Gesundheitsminister, Nye Bevan baute den Nationalen Gesundheitsdienst auf. 1964 bis 1970 sowie 1974 bis 1976 war Harold Wilson an der Macht. Die Versuche von Wilson, den Haushalt in Ordnung zu bringen und neue Arbeitsgesetze durchzusetzen, brachten ihn teilweise in starken Gegensatz zu den Gewerkschaften. Die Aufnahme des Vereinigten Königreichs in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft fiel in seine Amtszeit. Zwischen 1976 bis 1979 folgte James Callaghan als weiterer Premierminister der Labour Party. 1979 unterlag Labour den Konservativen unter Margaret Thatcher, es folgten langanhaltende Richtungskämpfe innerhalb der Labour Party. Der Reformflügel der Partei wurde von Parteichef Neil Kinnock angeführt, der nach der Wahlniederlage 1992 gegen Premier John Major zurücktrat. Der Nachfolger als Parteichef John Smith starb 1994 unerwartet an einem Herzinfarkt.

New Labour[Bearbeiten]

Seit Anfang der 1990er Jahre änderte die Partei vor allem unter Tony Blair, der ab 1994 Parteivorsitzender war, ihre Ausrichtung.[2]

Statt für Klassenkampf bis hin zum Fernziel Sozialismus oder Verstaatlichung von Schlüsselindustrien, der Umverteilung von Reich zu Arm und der Gewerkschaftsnähe steht New Labour heute für eine pragmatische Politik (von Blair auch als Third Way bezeichnet) und die Befürwortung der Marktwirtschaft, die Wohlstand und soziale Sicherung durch Wirtschaftswachstum zu erreichen versucht.

Der inhaltliche Bruch mit klassisch-sozialdemokratischen oder gemäßigt marxistischen Ideen drückte sich auch in der Abschaffung von Traditionen wie dem Singen der Internationale auf Parteitagen aus. Kritiker werfen New Labour vor, damit linke Ideale verraten zu haben und eine Politik zu verfolgen, die sich kaum von der der Konservativen Margaret Thatcher unterscheidet. Insbesondere die Unterstützung der US-geführten Invasion des Irak im Jahre 2003 rief auch an der Parteibasis großen Unmut hervor; prominente innerparteiliche Kritiker des Blair-Kurses waren/sind etwa Tony Benn oder Ken Livingstone.

Die Labour Party gewann mit Tony Blair als Vorsitzendem die Unterhauswahlen 1997. Blair wurde daraufhin am 2. Mai 1997 britischer Premierminister und beendete damit eine achtzehnjährige konservative Regierungszeit. Unter Blair gewann die Labour Party die Unterhauswahlen 2001 und 2005. Am 24. Juni 2007 übergab Tony Blair auf einem Sonderparteitag in Manchester die Führung der Labour-Partei an Gordon Brown. Vom 27. Juni 2007 bis zum 11. Mai 2010 führte Brown als Premierminister auch die Regierungsgeschäfte. Nach Niederlage der Labour Party bei den Unterhauswahlen 2010 trat Gordon Brown vom Parteivorsitz zurück.

Am 25. September 2010 wurde Ed Miliband zum neuen Vorsitzenden der Labour Party gewählt. Er erhielt in der letzten Runde der als Instant-Runoff-Voting durchgeführten Wahl 51 Prozent der Stimmen, während sein ebenfalls kandidierender älterer Bruder David Miliband auf 49 Prozent kam. Dieser hatte in den vorangehenden Runden geführt. An der Wahl des Vorsitzenden hatten sich drei Millionen Wähler, unter ihn die Abgeordneten der Partei sowie Mitglieder der Labour Party und der Gewerkschaften, beteiligt.

Parteivorsitzende (Leaders)[Bearbeiten]

Clement Attlee (1956/57), Nachkriegspremier und 20 Jahre Parteiführer.
Tony Blair (2007), Initiator von New Labour.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henry Pelling: The Origins of the Labour Party. 2nd Edition. Oxford 1965
  • Alastair Reid/Henry Pelling: A short History of the Labour Party. 12th Edition. Basingstoke 2005 ISBN 1-4039-9313-0
  • Hilary Wainwright: Labour: a Tale of two parties. London 1987 ISBN 0-7012-0778-7
  • Stefan Berger: Ungleiche Schwestern? Die britische Labour Party und die deutsche Sozialdemokratie im Vergleich 1900–1931. Bonn 1997

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Labour Party (UK) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lexikon der Geschichte, Orbis Verlag, 2001, ISBN 3-572-01285-6
  2. Die Transformation der Labour Party - aus: Großbritannien - ein Erfolgsmodell? Die Modernisierung unter Thatcher und New Labour (1999)