Ladakh-Pfeifhase

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Ladakh-Pfeifhase
Ladakh Pika 2007.jpg

Ladakh-Pfeifhase (Ochotona ladacensis)

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
Gattung: Ochotona
Art: Ladakh-Pfeifhase
Wissenschaftlicher Name
Ochotona ladacensis
(Günther, 1875)

Der Ladakh-Pfeifhase (Ochotona ladacensis) ist eine Säugetierart aus der Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae) innerhalb der Hasenartigen (Lagomorpha). Sie lebt in Teilen der Volksrepublik China, von wo die Verbreitung bis in die Region Kaschmir im Nordwesten Pakistans und den indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir reicht.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Ladakh-Pfeifhase ist ein Pfeifhase mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 18–22,9 Zentimetern und einem Gewicht von 190 bis 288 Gramm; er gehört damit zu den größeren Arten der Pfeifhasen. Die Hinterfüße haben eine Länge von 34 bis 40 Millimeter, die Ohren messen 24 bis 33 Millimeter.[1] Das Rückenfell ist im Sommer sandfarben bis gelblich-braun, der Kopf weist braune, blass-braune oder rotbraune Flecken auf. Die Außenseite der Ohren ist hellbraun bis orange-braun und die Bauchseite ist grau bis weißlich-gelb. Im Winter ist das Fell ockerfarben.[1] Im Vergleich zum sympatrisch vorkommenden Schwarzlippigen Pfeifhasen (Ochotona curzoniae) ist der Ladakh-Pfeifhase etwas größer.[1]

Der Schädel ist groß und gebogen. Das Schneidezahnfenster und das Gaumenfenster sind vollständig voneinander getrennt. Die Region zwischen den Augen ist schmal. Die Seiten der Jochbögen verlaufen weitestgehend parallel und die Paukenblase ist klein ausgebildet.[1] Die Schneidezähne sind lang, wahrscheinlich als Anpassung an die winterliche Ernährung von Primelwurzeln.[2]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Ladakh-Pfeifhasen

Das Verbreitungsgebiet des Ladakh-Pfeifhasen erstreckt sich in der Volksrepublik China vom südwestlichen Xinjiang über das westliche Qinghai und bis in den Südosten des Autonomen Gebietes Tibet, wo die Art sympatrisch mit dem Schwarzlippigen Pfeifhasen lebt. Es reicht zudem in die Region Kaschmir und dort in den Nordwesten Pakistans und den indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir (wo auch die namensgebende Region Ladakh liegt).[3]

Die Art bevorzugt trockene Täler und felsige Gebirgsregionen mit geringer Vegetation in Höhen von 4.200 bis 5.400 Metern als Lebensraum.[3][1]

Lebensweise[Bearbeiten]

Der Lebensraum des Ladakh-Pfeifhasen zeichnet sich vor allem durch starke Trockenheit und wenig Vegetation aus. In einigen Teilen besteht der Bewuchs nur aus vereinzelten Beständen von Primeln (Primula) oder der Segge Carex moorcroftii und dem zu den Sandkräutern gehörenden Arenaria musciformis.[3][2] Er gräbt Baue in Wiesen, in Kiesflächen oder in der Nähe von Gebüschen und ernährt sich generalistisch von diesen Pflanzen, wobei er im Winter wahrscheinlich vor allem unterirdisch die Wurzeln der Primeln frisst.[2][1]

Über die Lebensweise ist nur wenig bekannt. Die Tiere leben sozial in Familiengruppen mit klar definierten Territorien und kommunizieren miteinander.[1] Bei Bedrohung ziehen sie sich mit einem sehr hohen Pfeiflaut als Warnruf in ihre Baue zurück.[2] Die Reproduktionsphase dieser Art liegt zwischen Ende Juni und Ende Juli.[2][3]

Systematik[Bearbeiten]

Der Ladakh-Pfeifhase wird als eigenständige Art den Pfeifhasen (Gattung Ochotona) und dort der Untergattung Conothoa zugeordnet. Von einigen Autoren wurde er als Unterart des Schwarzlippigen Pfeifhasen betrachtet, mit dem er in Teilen Tibets sympatrisch vorkommt. Als Schwesterart wird aufgrund von molekularen Daten die Art Ochotona koslowi betrachtet.[4][3]

Innerhalb der Art werden neben der Nominatform keine Unterarten unterschieden.[3][5]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) aufgrund des großen Verbreitungsgebiets und der hohen Bestandszahlen als nicht gefährdet („least concern“) eingestuft. Größere Bedrohungen für den Artbestand sind nicht bekannt, allerdings liegen auch keine aktuellen Daten zum Bestand vor.[3]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Ladak Pika. In: Andrew T. Smith, Yan Xie: A Guide to the Mammals of China. Princeton University Press, 2008; S. 283. ISBN 978-0-691-09984-2.
  2. a b c d e Joseph A. Chapman, John E. C. Flux (Hrsg.): Rabbits, Hares and Pikas. Status Survey and Conservation Action Plan. (PDF; 11,3 MB) International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), Gland 1990; S. 38-39. ISBN 2-8317-0019-1.
  3. a b c d e f g Ochotona ladacensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012.1. Eingestellt von: Andrew T. Smith, C. H. Johnston, 2008. Abgerufen am 4. November 2012
  4. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Ochotona koslowi in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).
  5. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Ochotona ladacensis in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ochotona ladacensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien