Lagerkoller

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Unter Lagerkoller einzelner oder mehrerer Personen versteht man umgangssprachlich einen vorübergehenden psychischen Erregungszustand bei zwangsweiser Lagerunterbringung,[1] wie er vor allem in Kasernen, Kriegsgefangenenlagern, Deportierungslagern, Flüchtlingslagern, Notunterkünften und Katastrophenschutzlagern bei anhaltend belastenden und unabsehbar lange andauernden Bedingungen vorkommt.

Koller (mhd. kolre, ahd. kolero = „Wut“ vom mlat. cholera = „Zornausbruch“ [2], vgl. auch Choleriker) ist eine volkstümliche Eindeutschung von „Cholera“ und bezeichnet eine plötzlich aufbrechende oder stille Wut, eine schwere psychologische Erregung oder psychische Störungen, die sich aus einer Umgebung oder Situation ableiten lassen.[3] Er äußert sich bei einzelnen Personen in Angst, Wut, Verzweiflung, Überaktivität sowie depressiven Zuständen.

Ursachen sind oft mangelnde psychosoziale Betreuung, schlechte Verpflegung, Seuchenausbrüche, Überfüllung des Lagers, Stress, Schlafmangel und Ähnliches. Durch Bekämpfung dieser Ursachen wie das Schaffen von privaten Rückzugsgebieten sowie das Eingehen auf individuelle Eigenschaften lässt sich Lagerkoller oft in einem Frühstadium eingrenzen bzw. abschwächen.[4]

Der Begriff „Lagerkoller“ findet auch in der Alltagssprache verbreiteten Gebrauch, wenn die beeinträchtigte gute Befindlichkeit und ein darauf zurückzuführendes „Ausrasten“ eines Teilnehmers etwa eines Ferienlagers oder Trainingslagers beschrieben werden soll. So finden etwa in der Weltraumforschung wie zum Beispiel bei dem Projekt Mars-500 medizinisch begleitete Untersuchungen statt.[5]

In der Kunst[Bearbeiten]

  • Der Horrorroman Shining sowie der gleichnamige Film beschäftigen sich mit dem Thema Lagerkoller. 1997 wurde die Geschichte zum zweiten Mal verfilmt.
  • Der Horrorfilm Cabin Fever aus dem Jahre 2002 befasst sich ebenfalls mit dem Thema Lagerkoller.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie, Urban & Fischer Verlag 2007. S. 314 hier online
  2. Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2007, hier online
  3. Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie, Urban & Fischer Verlag 2007. S. 295 hier online
  4. Renate Hutterer-Krisch, Ingrid S. Farag und Vera Pfersmann: Psychotherapie, Lebensqualität und Prophylaxe: Beiträge zur Gesundheitsvorsorge in Gesellschaftspolitik, Arbeitswelt und beim Individuum, Springer 2008, S. 123 hier online
  5. Noch kein Lagerkoller im Marscontainer Zeit Online vom 12. August 2010