Lai da Ova Spin

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Lai da Ova Spin
Lai dad Ova Spin, von den Hängen des Piz Laschadurella aus gesehen.Mündungsbucht der Ova Spin.Stauwehr rechter Hand, verborgen.
Lai dad Ova Spin, von den Hängen des Piz Laschadurella aus gesehen.
Mündungsbucht der Ova Spin.
Stauwehr rechter Hand, verborgen.
Lage: Kanton Graubünden, Schweiz
Zuflüsse: Spöl
Abflüsse: Spöl
Größere Orte in der Nähe: Zernez
Lai da Ova Spin (Graubünden)
Lai da Ova Spin
Koordinaten 807969 / 17254146.67166666666710.156944444444Koordinaten: 46° 40′ 18″ N, 10° 9′ 25″ O; CH1903: 807969 / 172541
Daten zum Bauwerk
Sperrentyp: Staumauer
Bauzeit: 1968
Höhe des Absperrbauwerks: 73 m
Höhe über Gewässersohle: 50 m
Höhe der Bauwerkskrone: 1'630 m ü. M.
Bauwerksvolumen: 27000 m³
Kronenlänge: 130 m
Kronenbreite: 3 m
Basisbreite: 8 m
Betreiber: Ouvras Electricas d'Engiadina / Engadiner Kraftwerke AG, Zernez
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 1'630 m ü. M.
Wasseroberfläche 36 hadep1
Stauseelänge 3,43 km
Stauseebreite 175 m
Speicherraum 6.24 Mio. m³
Einzugsgebiet 385 km²
Touristenlager im Weiler Ova Spin. 20 Betten, ganzjährig. Im Hintergrund Piz Ivraina (links) und Piz Laschadurella (Mitte).
Naturfreundehaus Ova Spin. Sommers bis zu 36 Gäste.
Dependance Naturfreundehaus
Wiese Margun Grimmels am rechten Seeufer, beim Einfluss der Ova Spin in den See. Links im Hintergrund Plan Praspöl. In der Mitte des oberen Bildrandes Plan dals Poms (wörtlich Beerenebene): Passübergang des Wanderwegs von Ova Spin zur Chamanna Cluozza.
Heutige Lage des Sees östlich von Zernez, relativ zur Ofenpass-Route (gelb) und zum nie realisierten Ofenbergbahnprojekt von 1898 (rot). Dargestellt auf der Dufourkarte.

Der Lai da Ova Spin (auch Lai dad Ova Spin, bündnerromanisch im Idiom Vallader für Spinbachsee, Aussprache [laidɐ(d)ɔːvɐ'ʃpin]) ist ein Stausee auf dem Gebiet der Gemeinde Zernez im Schweizer Kanton Graubünden. Die Staumauer wurde 1968 errichtet und ist 73 Meter hoch. Das Kraftwerk wurde 1970 in Betrieb genommen.

Name[Bearbeiten]

Namengebend ist der Bach Ova Spin (früher auch Ova d'Spin[1]), der im hinteren Drittel seitwärts in den See mündet. Die Ova Spin entspringt an den Südhängen des Piz Laschadurella in zwei Ästen, der Ova Spin Dadoura (übersetzt Vorderer Spinbach) und Ova Spin Dadaint (übersetzt Hinterer Spinbach).

Grammatikalisch korrekt ist die Schreibweise Lai dad Ova Spin,[2] doch die offizielle Schreibweise der Landeskarte der Schweiz ist Lai da Ova Spin.[3]

Die amtliche Vermessung des Kantons Graubünden bezeichnet den See als Spöl-Stausee.[4]

Gelegentlich werden auch die Bezeichnungen Stausee Praspöl bzw. Lai da Praspöl verwendet.[5] Sie beziehen sich allerdings auf ein Stauseeprojekt, das 1919 etwa an der Stelle des heutigen Lai da Ova Spin mit ca. vierfachem Wasservolumenen geplant, später aber nie realisiert wurde.[6][7] Die Bezeichnung bezieht sich auf die Flurbezeichnung Praspöl am oberen Ende des heutigen Lai da Ova Spin (wörtlich Spöl-Wiese).[8]

Weiler Ova Spin[Bearbeiten]

Gleich wie der Bach heisst auch ein Weiler an der Ofenpassstrasse, 250 m oberhalb des Sees gelegen. Der Weiler ist mit dem Postauto tagsüber in beiden Richtungen stündlich ans Schweizer Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.[9][10] Im Sommer beherbergen zwei Häuser der Naturfreunde Schweiz bis zu 36 Gäste.[11] Ganzjährig geöffnet ist zudem ein Touristenlager mit 20 Betten.[12]

Höhlen[Bearbeiten]

Unterhalb des Weilers Ova Spin, zum Teil über, zum Teil unter der heutigen Seeuferlinie, finden sich die Höhlen von Ova Spin (romanisch Cuvels dad Ova Spin oder Cuvels da l'Ova Spin). Während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit wurden diese Höhlen als Rastplatz genutzt. Unter anderem ist bei Grabungen ein Röhrenknochen mit einer Feuersteinsplitter gefunden worden. An anderer Stelle wurden auch Knochen von Rind und Schwein gefunden.[13][14][15] In den tiefer gelegenen Höhlen, die durch die Flutung im Jahr 1968 unter die Uferlinie gerieten, wurden keine neolithischen Spuren gefunden.[16]

Energiegewinnung[Bearbeiten]

Der Lai da Ova Spin ist ein Ausgleichsbecken: Mit Pumpen kann Wasser bei Bedarf in den Lago di Livigno hoch befördert werden.

Zwei Francis-Pumpturbinen generieren total 50 MW.[17] Die Anlage wird von der zentralen Leitstelle in Pradella/Scuol aus überwacht.[18]

Der Energietransport nach Pradella erfolgt über eine 220-kV-Leitung.[19]

Speisung und Stollenverbund[Bearbeiten]

Der See wird natürlicherweise gespeist vom Spöl (Hauptzufluss aus dem Lago di Livigno), von der Ova Spin und von der Ova dal Fuorn.

Andererseits führt ein 15 km langer Stollen Wasser des Inns vom in Luftlinie 12.5 km entfernten S-chanf[20] in den See. Diese Fassung liegt nur 20 m höher als der Lai da Ova Spin, was einer sehr geringen Stollenneigung entspricht. Eine geringere Wassermenge stammt auch von der Ova da Tantermozza, die durch denselben Stollen zugeführt wird.[21] Das Wasser dieses Stollens strömt gut sichtbar auf der linken Seeseite etwa 100 m von der Staumauer entfernt in den See.[22][23]

Ein weiterer Stollen führt Wasser vom Lai da Ova Spin ins 18 km entfernte Werk Pradella bei Scuol.[24]

Natur[Bearbeiten]

Der See und die Ova Spin bilden die Grenze des Schweizerischen Nationalparks, das hinterste Drittel des Sees liegt also im Parkgebiet.

Im See leben Forellen, die auch befischt werden.

Militärgeschichte[Bearbeiten]

Die Strasse beim Weiler Ova Spin war sowohl im Ersten Weltkrieg[25] als auch im Zweiten Weltkrieg militärisch mit Bunkern geschützt und wird wegen der eigenwilligen Tarnung (mittelalterliche Burgruine[26][27] bzw. Felszacke[28][29]) als «schönste Sperrstelle Graubündens» bewertet.[30]

Ofenbergbahn[Bearbeiten]

Die 1898 geplante, jedoch nie realisierte Ofenbergbahn hätte auf dem Weg von Zernez zum Scheiteltunnel ebenfalls die Spölschlucht genutzt. Sie würde heute dem rechten Ufer des Lai da Ova Spin folgen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dufourkarte, Siegfriedkarte
  2. Analog zu anderen Seen mit vokalisch beginnenden Ortsbezeichnungen wie Lai dad Ägeri, Lai dad Uri oder Lai dad Origlio, aufgerufen am 8. April 2013.
  3. Schreibweise Landestopografie, aufgerufen am 8. April 2013.
  4. GeoGR - Datendrehscheibe Graubünden, aufgerufen am 27. Mai 2013.
  5. Beispiel (PDF; 11,8 MB), aufgerufen am 27. Mai 2013.
  6. Gemeinden demonstrieren mit Stimmenthaltung (PDF; 3,0 MB), Engadiner Post vom 4. März 2008, aufgerufen am 27. Mai 2013.
  7. Cun patos e poesias cunter las ouvras (PDF; 4,6 MB), Engadiner Post vom 9. Juli 2009, aufgerufen am 27. Mai 2013.
  8. Flurbezeichnungen Praspöl, Plan Praspöl und Vallun Praspöl auf der Landeskarte der Schweiz, aufgerufen am 27. Mai 2013.
  9. Fahrplan SBB, aufgerufen am 3. August 2014
  10. 46° 40′ 44″ N, 10° 9′ 38″ O46.67876944444410.160558333333
  11. Informationen von Naturfreunde Internationale, aufgerufen am 18. April 2013.
  12. Website des Touristenlagers in Ova Spin, aufgerufen am 9. August 2013.
  13. Informationen des Schweizerischen Nationalparks (PDF; 2,2 MB), aufgerufen am 5. April 2013
  14. Informationen des Rätischen Museums (PDF; 88 kB), aufgerufen am 5. April 2013.
  15. Ernst Probst (2012). Die Inneralpine Bronzezeit-Kultur in der Schweiz: 1000 Jahre Urgeschichte. Grin Verlag. ISBN 978-3656081739
  16. Informationen von Protected Areas Research Center for Spatial Information, aufgerufen am 5. April 2013.
  17. Eigeninformationen zum Pumpspeicherwerk Ova Spin, aufgerufen am 5. April 2013.
  18. Zentrale Leitstelle Pradella, aufgerufen am 5. April 2013.
  19. Eigeninformationen Engadiner Kraftwerke AG, aufgerufen am 5. April 2013.
  20. 46° 36′ 56″ N, 9° 59′ 43″ O46.6154833333339.9951916666667
  21. Bild des Stollens, aufgerufen am 5. April 2013
  22. Bild mit Staumauer und Speisung durch den Stollen aus S-chanf, aufgerufen am 8. April 2013.
  23. Bild mit Ausgang Stollen S-chanf, aufgerufen am 8. April 2013.
  24. Übersicht über die Stollen der Engadiner Kraftwerke, aufgerufen am 5. April 2013.
  25. Bilder Festungsmuseum Crestawald zu Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg, aufgerufen am 6. April 2013.
  26. Bilder Festungsmuseum Crestawald zur Stellung Ova Spin Strasse aus dem Zweiten Weltkrieg, aufgerufen am 6. April 2013.
  27. 46° 40′ 37″ N, 10° 9′ 39″ O46.67695277777810.160966666667
  28. Bilder Festungsmuseum Crestawald zur Stellung Ova Spin Nord aus dem Zweiten Weltkrieg, aufgerufen am 6. April 2013.
  29. 46° 41′ 1″ N, 10° 9′ 52″ O46.68360555555610.164405555556
  30. Informationen des Festungsmuseums Crestawald, aufgerufen am 5. April 2013.

Weblinks[Bearbeiten]