Laiendominikaner

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Laiendominikaner sind römisch-katholische Laien, die sich der Ordensfamilie der Dominikaner und Dominikanerinnen angeschlossen haben und ein christliches Leben im Geiste der dominikanischen Tradition leben wollen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Dominikanische Laien gestalten ihr Leben in ihrem jeweiligen Stand (ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden) und Beruf nach der Spiritualität des Dominikanerordens und sind durch die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft untereinander verbunden. Zusammen mit den Ordensmännern und den Ordensfrauen tragen sie das Apostolat des Ordens, die Verkündigung des Evangeliums.

Die dominikanische Spiritualität ruht auf vier Grundsäulen:

  1. Gebet: miteinander und füreinander vor Gott stehen (meditieren und wallfahren)
  2. Gemeinschaft
  3. Studium: Evangelium, Dokumente der Ordenstradition, des kirchlichen Lehramtes und Analysen unserer gegenwärtigen Lebenswelt
  4. Apostolat: den Menschen die Botschaft von der Erlösung in Christus nahebringen.

Eingliederung und Aufnahme[Bearbeiten]

Zu Beginn durchlaufen Aspiranten eine etwa einjährige Zeit der Einführung und des gegenseitigen Kennenlernens (Kandidat bzw. im Postulat). Nach der Bitte um Aufnahme in die Gemeinschaft wird der Anwärter Kandidat im Noviziat. An dessen Ende steht das Ablegen eines Versprechens für jeweils ein Jahr, die erste Profess. Nach dreijähriger Mitgliedschaft kann das lebenslange Versprechen, die ewige Profess, abgelegt werden, zu der man vollberechtigtes Mitglied der Gemeinschaft und damit auch des Dominikanerordens wird.

Bedeutung[Bearbeiten]

Durch ihr Gehorsamsversprechen gegenüber dem Generaloberen werden die Laiendominikaner in den Orden aufgenommen.[1] und haben einen auf ihre besondere Weise eigenen kirchlichen Auftrag im Dominikanerorden: sie haben Teil an der Sendung des Ordens, nämlich der Verkündigung und Ausbreitung des Glaubens (Kapitel 15 der Regel).[2] Die Laien sind mithin unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtordens. Dementsprechend heißt es in der Regel von 1985: »Als Mitglieder des Ordens sind sie auf ihre Weise Träger der apostolischen Sendung in Gebet, Studium und Predigt.« (Nr. 4). Nach Vincent de Couesnongle OP, der Ordensmeister von 1974 bis 1983 Ordensmeister der Dominikaner war[3], lebt der Tertiar von früher „heute nicht mehr in der dem Kloster angeschlossenen Herberge. Er ‚wohnt‘ aufgrund seines Engagements und seiner Mitverantwortung im Kloster selbst. Das heißt, der ganze Orden würde es sehr spüren, wenn der Laie fehlen würde.“[4]

Geschichtlicher Abriss[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert entstanden die Bettelorden. Am 21. Januar 1217 erkannte Papst Honorius III. den Dominikanerorden (Ordo Praedicatorum) an. Aus dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts (evtl. 1285) stammt eine erste Regel für die Laien ('Regel für die Brüder und Schwestern von der Buße des Heiligen Dominikus), die dem siebten Ordensmeister der Predigerbrüder, Munio von Zamora OP (1285–1291), zugeschrieben wird.

1923 erfolgten erste Änderungen der Regel. Eine Neubestimmung des Verhältnisses der einzelnen Ordenszweige zueinander erfolgte in der Mitte 20. Jahrhunderts. In diesem Rahmen wurde den Schwestern und Brüdern des Dritten Ordens größere Freiheit und Eigenverantwortlichkeit gegeben. Seitdem lauten die Bezeichnungen nicht mehr erster, zweiter und dritter Orden, sondern man bezeichnet alle als Brüder (zum einen die Kleriker zum anderen die Laien), Nonnen oder Ordensschwestern sowie „weltliche Laien“.

1985 fand der erste Internationale Kongress der Dominikanischen Gemeinschaft (so die neue Bezeichnung für den Dritten Orden) in Montreal (Kanada) statt. Die Regel der Laien wurde überarbeitet und erneuert, und es wurden auf unterschiedlichen Ebenen regionale und weltweite Treffen eingeführt. Für den deutschen Bereich besonders bedeutsam war 2004 die Tagung des Europarates (ECLDF) der Dominikanischen Gemeinschaft in Walberberg bei Köln. 2007 trat der zweite Internationale Kongress der Dominikanischen Gemeinschaft in Buenos Aires (Argentinien) zusammen.

Zur Anzahl liegen unterschiedliche Schätzungen vor: 1936: 100.000, 1966: 130.000[5], 2008: 144.000[6], 2012: 150.000 Mitglieder[7] (allein in Vietnam soll die Zahl der Laiendominikaner 100.000 betragen)[8]; für Deutschland 1992: Norddeutsche Ordensprovinz Teutonia 650 Laien (in vierzehn Gemeinschaften[9]), in der süddeutsch-österreichischen Provinz 53 Mitglieder (sechs Gruppen und neun Einzelmitglieder).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Laiendominikaner waren oder sind Dante Alighieri, Sigrid Undset, Arnold Janssen, Papst Benedikt XV., Martin Grabmann. Pier Giorgio Frassati, Aldo Moro, Hanna Renate Laurien, Thomas Lemmen und Melanie Miehl.

Heilige und selige Laiendominikaner[Bearbeiten]

Heiliggesprochen wurden Katharina von Siena, Rosa von Lima und Zdislava von Lemberk; als Selige dürfen Albert von Bergamo, Stephana Quinzan, Magdalena Panatieri, Osanna von Mantua (Mystikerin), Bartolo Longo, Laurentius Ruiz von Manila, Dominikus Pham Trong Kham und Pier Giorgio Frassati verehrt werden[10].

Organisation[Bearbeiten]

Die Laiendominikaner sind, ebenso wie der Dominikanerorden oder die Dominikanerinnen, weltweit vernetzt und in Provinzen eingeteilt. Eine Provinz besteht aus örtlichen Gruppen, wobei es an einem Ort durchaus auch mehrere Gruppen geben kann.

In Deutschland gibt es zwei Provinzen, die süddeutsch-österreichische und die „Teutonia“.

Zur Zeit (Stand 19. Juli 2014) bestehen in der „Provinz Teutonia“ Gruppen („Fraternitäten“) in folgenden Orten[11]:

In der süddeutsch-österreichischen Provinz („Provinz des hl. Albert“) gibt es Gruppen und Fraternitäten in folgenden Orten[12]:

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Bornewasser: Dominikanerinnen und Dominikaner "in der Welt". In: Thomas Eggensperger, Ulrich Engel ( Hrsg.): Frauen und Männer im Dominikanerorden – Geschichte – Spiritualität – aktuelle Projekte. Mainz 1992.
  • Burkhardt Conrad: Die anderen Prediger Die Dominikanische Gemeinschaft als Teil des Ordo Praedicatorum. In: Ordenskorrespondenz – Zeitschrift für Fragen des Ordenslebens, Jg. 52/2011, Nr. 2, S. 133-142.
  • Thomas Eggensperger, Ulrich Engel: Dominikanerinnen und Dominikaner. Geschichte und Spiritualität. Kevelaer 2010.
  • Thomas Eggensperger: Versprechensfeier im Institut Chenu. In: kontakt 2013, S. 70-71.
  • Ulrich Engel (Hrsg.): Dominikanische Spiritualität. Leipzig 2000, ISBN 3746213584 (DQZ Bd. 1).
  • William A. Hinnebusch: Kleine Geschichte des Dominikanerordens. Leipzig 2004.
  • Johannes Weise (Hrsg.): Jeder ist ein Wort Gottes für den anderen. Grundlagentexte der Dominikanischen Laiengemeinschaften. Leipzig 2009, ISBN 9783746227641 (Dominikanische Quellen und Zeugnisse Bd. 13).
  • G. Neu-Yilik, Stilfragen. Einige Reflexionen (nicht nur) über die Laien im Predigerorden, in: W. Hoyer, Hg., Gott loben, segnen, verkündigen. 75 Jahre Dominikanerprovinz des hl. Albert in Süddeutschland und Österreich, Freiburg 2014, 216-249.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Z. Roche Ferreira: Eine kurze Geschichte des Europäischen Rates der Dominikanischen Laiengemeinschaften. In: Johannes Weise (Hrsg.): Jeder ist ein Wort Gottes für den Anderen. Grundlagentexte der Dominikanischen Laiengemeinschaft. Leipzig 2009, S. 18-33, hier S. 19.
  2. Vgl. Z.Roche Ferreira: Eine kurze Geschichte des Europäischen Rates der Dominikanischen Laiengemeinschaften. In: Johannes Weise (Hrsg.): Jeder ist ein Wort Gottes für den Anderen. Grundlagentexte der Dominikanischen Laiengemeinschaft., Leipzig 2009, S. 18-33, hier S.20; J.-B. Dousse: Die Dominikanischen Laiengemeinschaften vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In: Johannes Weise (Hrsg.): Jeder ist ein Wort Gottes für den Anderen. Grundlagentexte der Dominikanischen Laiengemeinschaft, Leipzig 2009, 34-52, 42; B. Conrad, Die anderen Prediger. Die Dominikanische Laiengemeinschaft als Teil des Ordo Praedicatorum. In: Ordenskorrespondenz Jg. 52/2011, Nr. 2, S. 133-142, hier S. 134.
  3. Vgl. William A. Hinnebusch, Kleine Geschichte des Dominikanerordens, Leipzig 2004, 209, 243.
  4. Vincent de Couesnongle, Die Laien. Nur Anhängsel oder organischer Teil der Dominikanischen Familie? in: Die Regel und das Direktorium der Laiengemeinschaften im Orden des Heiligen Dominikus. Ordensprovinz Teutonia, Manuskript Düsseldorf o.J. 1989, 22-33 zitiert nach: Thomas Eggensperger, Ulrich Engel, Dominikanerinnen und Dominikaner. Geschichte und Spiritualität, Kevelaer 2010, 198-202, hier S. 200.
  5. William A. Hinnebusch: Kleine Geschichte des Dominikanerordens. Leipzig 2004, S. 215.
  6. Thomas Eggensperger, Ulrich Engel, Dominikanerinnen und Dominikaner. Geschichte und Spiritualität, Kevelaer 2010, S. 236
  7. David M. Kammler OP: Dress-Code: Laie im Predigerorden. In: kontakt 2012, S. 97-99, 97.
  8. G. Neu-Yilik, Stilfragen. Einige Reflexionen (nicht nur) über die Laien im Predigerorden, in: W. Hoyer, Hrsg., Gott loben, segnen, verkündigen. 75 Jahre Dominikanerprovinz des hl. Albert in Süddeutschland und Österreich, Freiburg 2014, 216-249, 230
  9. Klaus Bornewasser: Dominikanerinnen und Dominikaner „in der Welt“. In: Thomas Eggensperger, Ulrich Engel (Hrsg.) Frauen und Männer im Dominikanerorden – Geschichte – Spiritualität – aktuelle Projekte. Mainz 1992, S. 194-199, hier S. 196
  10. G. Neu-Yilik, Stilfragen. Einige Reflexionen (nicht nur) über die Laien im Predigerorden, in: W. Hoyer, Hg., Gott loben, segnen, verkündigen. 75 Jahre Dominikanerprovinz des hl. Albert in Süddeutschland und Österreich, Freiburg 2014, 216-249, 218-219
  11. laiendominikaner.de, abgerufen am 19. Juli 2014
  12. dominikanische laien.de, abgerufen am 19. Juli 2014
  13. st.-martin-freiburg