Lambrechten

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Lambrechten
Wappen von Lambrechten
Lambrechten (Österreich)
Lambrechten
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Ried im Innkreis
Kfz-Kennzeichen: RI
Fläche: 23,66 km²
Koordinaten: 48° 19′ N, 13° 31′ O48.31805555555613.515555555556406Koordinaten: 48° 19′ 5″ N, 13° 30′ 56″ O
Höhe: 406 m ü. A.
Einwohner: 1.273 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 54 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4772
Vorwahl: 07765
Gemeindekennziffer: 4 12 12
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lambrechten 70
4772 Lambrechten
Website: www.lambrechten.at
Politik
Bürgermeister: Manfred Hofinger (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(19 Mitglieder)
12 ÖVP, 4 FPÖ, 3 SPÖ
Lage der Gemeinde Lambrechten im Bezirk Ried im Innkreis
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Über dieses Bild
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Südansicht von Lambrechten
Südansicht von Lambrechten
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Lambrechten ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Ried im Innkreis im Innviertel mit 1273 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Ried im Innkreis.

Geografie[Bearbeiten]

Lambrechten liegt auf 406 m Höhe im Innviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 5,5 km, von West nach Ost 8,4 km. Die Gesamtfläche beträgt 23,7 km². 11,9 % der Fläche sind bewaldet, 78,4 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.[1]

Ortsteile der Gemeinde[Bearbeiten]

Augental, Baumgarten, Blindendorf, Breiningsdorf, Bruck, Ellerbach, Ellerbach bei Taiskirchen im Innkreis, Gerhagen, Gupfing, Kromberg, Lambrechten, Messenbach, Neundling, Rabenstreit, Reichergerhagen, Reintal, Sittling, Stött, Winkl.

Geschichte[Bearbeiten]

850 Jahre Geschichte von Lambrechten

Sankt Lambrechten, Beneventenreut[Bearbeiten]

Im Jahre 1150 befindet sich auf dem Platz, wo heute der Ort Lambrechten steht, das Gut „Beneventenreut“, das heißt, „Gute Wende nach Rodung“. Damit ist auch gesagt, dass das Gebiet erst gerodet werden musste, um als Bauer Vieh halten zu können und eine Ernährungsgrundlage für die Familie zu schaffen. Das Gut gehörte einem Dienstmann des Erzstiftes Salzburg, Diether von Rabenvurt und seiner Gemahlin Mechthilde. Sie vermachten „Beneventenreut“ mit allem Zubehör und vielen Leibeigenen (Personen, die im Dienste der Besitzer standen) dem Stifte Reichersberg. Seit dieser Zeit ist der Einfluss des Stiftes Reichersberg maßgebend geblieben.

1110 Um 1110 soll auch schon eine hölzerne (Holz war das einzige Baumaterial) Kapelle gestanden haben, die dem Märtyrerbischof Lambertus geweiht war. Das Altarbild der heutigen Pfarrkirche zeigt Bischof Lambertus. Die Überlieferung sagt auch, dass um 1187 nähe der Kapelle vom Stiftspriester Magnus, Reichersberg, Weinbau betrieben wurde. Diesen Südhang nennt man heute noch Weinberg.

1190 Um 1190 wurde ein kleines Gotteshaus an der Stelle gebaut, wo die heutige Pfarrkirche steht. Die bisher bestehende Kapelle wurde abgetragen. Sie stand am Fuße des Weinberges (genauer Standort unbekannt). Das neue Gotteshaus wurde ebenfalls zu Ehren des Heiligen Lambertus geweiht. Es entwickelte sich rund um das Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte der Ort (Hofmark), den man später „Sankt Lambrechten“ nannte. Charakteristisch ist die heutige Siedlungslandschaft, wenn man die Zeit der Rodung bedenkt. Lambrechten bietet ein Bild aus vorwiegend Einzelhöfen. Vor der Zeit des Einfamilienhausbaues gab es fast kein Dorf mit mehr als drei Anwesen.

1711 Als die Gegend im Spanischen Erbfolgekrieg durch die Habsburger besetzt wurde, gehörte Lambrechten zur nur 1711 bis 1714 bestehenden Grafschaft Ried des Fürsten Trautson.

1726 1726 standen bei der Kirche ein Gasthaus und zwei Häuser. Typisch für Lambrechten ist auch der Vierseithof, der im ganzen Innviertel dominiert. Die vollständig aus Holz gebauten Höfe waren so angeordnet, dass neben dem Wohnhaus die beiden Ställe (Kuh- und Schweinestall) und gegenüber dem Wohnhaus der Stadel (Scheune) situiert war. Im Haus (Erdgeschoss) war in einem Viertelteil der Stall für zwei oder vier Pferde untergebracht. Das änderte sich später, ab circa 200 Jahre alte hölzerne Wohnhäuser in der Gemeinde.

1848 Mit der Entwicklung des Bauerlandes Lambrechten, das bis 1783 noch keine eigene Pfarre war und erst 1848 eine Gemeinde wurde, entwickelte sich auch der Handwerksberuf. Man brauchte vorwiegend Zimmermänner, Wagner, Schmied, Sattler, Korbflechter, Holzschuhmacher, Weber, Schreiner, den umherziehenden Bandlkramer, später den ansässigen Krämer, Maurer, Bäcker, Wirt, Bader (Mediziner), Schuster und andere. Bis 1848 stand die Bevölkerung in einem Untertanenverhältnis zu Kirche und Kaiser. Das bedeutete, dass Zehent und Robot zu leisten waren und im Kriegsfalle der Bevölkerung das Letzte abverlangt wurde. Große Not herrschte in Kriegszeiten und bei nicht seltenen Naturkatastrophen. Siehe Auflistung der Kriegsverhandlungen bis 1945. Bis zur Gründung einer eigenen Pfarre St. Lambrechten wurde die Bevölkerung vom Stift Reichersberg als Teil der Pfarre Münsteuer betreut.

1848 begann die Regierungszeit von Kaiser Franz Josef I. Es wurden politische Verwaltungsbezirke gebildet. Zwecks Festsetzung von Steuerleistungen wurden Katastralgemeinden und Grundstücksverzeichnisse geschaffen. Die Katastral-Gemeindenamen waren vermutlich die bedeutendsten Ortschaftsregionen: Lambrechten, Kramberg (die heutige Ortschaft lautet Kromberg), Gerhagen, Breiningsdorf und Reichergerhagen.

1783-1853 Auf Grund der Reform von Kaiser Josef II kam es am 21. Mai 1783 zur Gründung der Pfarre Sankt Lambrechten. Zugleich wird eine Pfarrschule eingerichtet. Die Lehrkräfte (Schulmeister) werden vom Stift Reichersberg bestellt. Das Pfarrgebiet wird, mit geringer Abweichung, 1848 das Gemeindegebiet Lambrechten. Laut Landesregierungsblatt für das Erzherzogtum Österreich ob der Enns LIV(54). Stück, Zahl 250, vom 10. Dezember 1853 ist der Name der Gemeinde Lambrechten vermerkt. Es ist somit nur die Pfarre mit dem Namen St. Lambrechten (vorerst Sankt Lamprecht) bezeichnet worden.

1937 Der Landwirt Josef Einböck tötet seine Ehefrau und steckt anschließend zur Vertuschung der Tat seinen Bauernhof in Sittling in Brand. Einböck wird wenig später verhaftet, durch ein Standgericht zum Tod verurteilt und am 13. Oktober 1937 in Ried im Innkreis durch den Wiener Scharfrichter Johann Lang am Würgegalgen hingerichtet.

1941/42 Während des Zweiten Weltkrieges (1941/42) ist der Namensteil „Sankt“ gänzlich verschwunden.

Kriege[Bearbeiten]

Immer wieder herrschte Krieg. Not und Leiden hatte die Bevölkerung auf sich zu nehmen:

1618–1648 Dreißigjähriger Krieg, um 1626 OÖ Bauernkrieg; es herrschte große Hungersnot im Innviertel, die Pest forderte viele Tote. An der Straße von Osternach, beim Anwesen Scherzer in Stött, steht noch eine Pestsäule aus Granit, die an diese schwere Zeit erinnert.

1701–1714 Spanischer Erbfolgekrieg (das Innviertel gehörte zu Bayern) Lambrechtner kämpften auf der Seite der Bayern. Mehrere verschanzten sich beim Lipf, nachdem die Bayern flüchteten. Das Österreichische Heer zog, von Riedau kommend, plündernd durch Lambrechten und das ganze Innviertel.

1740–1745 Österreichischer Erbfolgekrieg; Im Innviertel befanden sich große Heerestruppen. Bayern, Preußen und Franzosen zogen gegen Österreich durch das Innviertel (österr. Kaiserin Maria Theresia)

1777 Erbansprüche von Kaiserin Maria Theresia an Bayern. Einmarsch der österr. Truppen ins Innviertel. 1779 wurde der Friede von Teschen geschlossen. Das Innviertel kam zu Österreich.

1800 Einmarsch der Franzosen ins Innviertel. Die Kriegszeit dauerte bis 1809, dann erfolgte der Friedensschluss. Die Franzosen übernehmen das Innviertel, übergeben es 1810 den Bayern. Lambrechten wurde wieder bayerisch und wurde im bayerischen Unterdonaukreis verwaltet.

1815 Österreich erhält das Innviertel wieder zurück. Nachdem Napoleon 1813 endgültig geschlagen wurde, wurden im Friedenskongress in Wien alle eroberten Länder zurückgegeben.

1830–1848 Es begannen politische Krisen, die bis 1948 andauerten.

1914 Aus der Kriegserklärung an Serbien durch Kaiser Franz Josef am 28. Juli entwickelte sich der 1. Weltkrieg. Lambrechten hatte 50 tote Soldaten zu beklagen.

1939 Mit dem Polenfeldzug von Nazi-Deutschland begann der Zweite Weltkrieg, der bis 8. Mai 1945 in verheerendem Maße wütete. Lambrechten beklagte 129 tote junge Leute, davon auch einige Familienväter.

Einwohner[Bearbeiten]

1890 zählte die Gemeinde 1574 Einwohner. In 19 Ortschaften leben heute 1350 Einwohner, die Gemeindefläche beträgt seit der Gründung 1848 unverändert 2365 Hektar. Der höchste Einwohnerstand war 1945, da 1097 Flüchtlinge zusätzlich bei den Familien aufgenommen waren. Rund 300 stammten aus Jugoslawien, 667 aus Rumänien und 49 aus deutschen Städten. Bis 1950 zogen 900 Personen wieder weiter, nach Bayern, in die USA, viele nach Marchtrenk und andere.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 1274 Einwohner, 2001 dann 1353 Einwohner.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Post und Kommunikation[Bearbeiten]

1868 erhielt der Ort ein Postamt, das im Hause Lambrechten 30 eingerichtet wurde. Das Postmeisterhaus wurde abgetragen, an dieser Stelle befindet sich heute der Parkplatz des Schlachthofes.

1925 wurde der Autobuslinienverkehr Andorf – Lambrechten – Ried im Innkreis aufgenommen.

Ab 1. August 1910 kam von Andorf ein „Postwagerl“ und beförderte täglich Post hin und zurück. Ab 1868 beförderte man die Post zu Fuß von Riedau nach Lambrechten. 1863 wurde der Postsparkassendienst aufgenommen, 1925 der Telefon- und Telegraphendienst, 1924 der Rundfunkdienst. 1973 wurde das ganze Gemeindegebiet an das Telefonnetz angeschlossen. 1893 wurde ein Vorschusskassenverein gegründet - ein Vorläufer der heutigen Raiffeisenbank.

Elektrizität[Bearbeiten]

Die Elektrizität nahm erst 1924 Einzug. Die Kirche war zu Weihnachten 1924 erstmals elektrisch beleuchtet. Die Elektrizität leitete eine neue Epoche ein, denn es wurden elektrisch betriebene Maschinen in allen wirtschaftlichen Zweigen verwendet. Die große Mechanisierung begann im großen Umfang nach dem Zweiten Weltkrieg.

Motorisierung[Bearbeiten]

In der Landwirtschaft ersetzte der Traktor die Arbeitspferde, verschiedene Arbeitsgeräte in Haus, Hof und auf dem Feld ersetzten die menschliche Arbeitskraft. Der Bauernhof wird zu einem Familienbetrieb. Nichtbäuerliche Familien und auch Nebenerwerbsbauern verdienen nach und nach ihren Lebensunterhalt in Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben. Die Motorisierung erlaubt es den Arbeitnehmern, ihrer Arbeit auch auswärts nachzugehen, täglich vom Wohnort zum Arbeitsort zu pendeln.

Europäische Union[Bearbeiten]

Eine Veränderung beginnt sich mit der Neubildung der Europäischen Union, der Österreich im Jahre 1995 beigetreten ist, abzuzeichnen. Viele Kleinhäusler (Kleinwirtschaften) geben die Bewirtschaftung auf, dadurch werden viele Flächen zur Verpachtung frei. Lambrechten ist heute vorwiegend noch eine bäuerliche Gemeinde, mit ausreichend gewerblichen Betrieben im Gemeindegebiet. Arbeitsmöglichkeiten bestehen im Umkreis von 18 Kilometern im Gewerbe und in der Industrie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Lambrechten

Wappen[Bearbeiten]

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: Erhöht geteilt; oben von Schwarz und Silber geteilt, unten in Blau eine silberne, widersehende Taube mit einem goldenen, belaubten Zweig im Schnabel. Die Gemeindefarben sind Blau-Weiß-Schwarz

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Manfred Hofinger von der ÖVP

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lambrechten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Land Oberösterreich - Geografische Daten der Gemeinde Lambrechten.