Lamerica

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Filmdaten
Deutscher Titel Lamerica
Originaltitel Lamerica
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch,
Albanisch
Erscheinungsjahr 1994
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Gianni Amelio
Drehbuch Gianni Amelio,
Andrea Porporati,
Alessandro Sermoneta
Produktion Mario Cecchi Gori
Musik Franco Piersanti
Schnitt Simona Paggi
Besetzung

Lamerica ist ein Spielfilm und preisgekröntes Sozialdrama aus dem Jahre 1994 von Gianni Amelio.[1]

Inhaltsangabe[Bearbeiten]

Albanien 1991 – im einst isolierten Land herrscht nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Regimes das Chaos.[2] Der ausgebuffte, italienische Fiore (Michele Placido – „Allein gegen die Mafia“) und der arrgoante, unsympathische 28-jährige Yuppie Gino (Enrico Lo Verso) sind elegante italienische „Unternehmer“, die nach Albanien kommen,[3] um für wenig Geld eine Schuhfabrik zu kaufen. Sie geben vor, diese wieder aufbauen zu wollen, um dann die Subventionen in die eigene Tasche zu stecken.[1][2][4][5] Doch für diesen Kauf benötigen Sie einen einheimischen Strohmann,[2] der möglichst unbedarft bis einfältig sein sollte – perfekt wäre ein Widerstandskämpfer gegen den Kommunismus. So stöbern sie durch heruntergekommene ehemalige Arbeitslager und treffen auf Menschen, denen man ansehen kann, dass sie Grausamkeiten ausgesetzt waren. Doch dies prallt an den beiden ab. Schließlich finden Fiore und Gino einen verstörten, alten Mann: Spiro Tozaj (alias Michele Tallarico) (Carmelo Di Mazzarelli) – ein politischer Strafgefangener und italienischer Veteran des Zweiten Weltkriegs.[1][2] Er ist leicht verwirrt und völlig verarmt, so dass er als perfekte Wahl erscheint, bis er kurz vor Vertragsabschluss unerwartet verschwindet.[6][3]

Nun muss Gino nun den 80-jährigen „Präsidenten“ ihrer Scheinfirma in den albanischen Bergen wiederfinden, wobei er mit den schwierigen Verhältnisse, mit denen die Menschen Albaniens zurechtkommen müssen und großer Armut konfrontiert wird.[4] Hier gelten andere Regeln.

Schließlich wird Ginos Jeep total ausgeraubt. Darunter die Autoreifen und die schicken Schuhe, die er Spiro gab. Alles ist weg – nur nicht seine arrogante „Ich bin Italiener“-Attitüde.[6] Da aber auch Ginos Pass weg ist, muss er sich als Albaner ausgeben, um als Flüchtling nach Italien zu kommen.[1][2] Daraufhin schließen sich der junge Schnösel Gino und der alte Spiro einer Gruppe von albanischen Armutsflüchtlingen an,[2] die sich auf der Suche nach einem besseren Leben nach Italien aufmachen – zunächst auf einem Lastwagen. Weit weg von seinen italienischen Wurzeln, beginnt sich Gino zu wandeln.[5] Gemeinsam mit Spiro besteigt Gino schließlich mit den anderen Auswanderern ein Schiff, das die Flüchtlinge „Lamerica“ nennen und das sie nach Italien bringen soll.[2]

Auf seiner Reise lernt Gino auch das tragische, persönliche Schicksal von Spiro kennen, der eigentlich Italiener ist: Er desertierte als junger Kerl wie viele andere und tauchte dann als Albaner unter. Er wähnt sich immer noch in seiner Jugendzeit und möchte zurück nach Sizilien – zu seiner Verlobten.[6]

Der albanische Exodus entspricht dem italienischen Auswanderungswellen in die USA, so dass Spiro glaubt, dass dies das eigentliche Ziel ihrer Reise ist. So bezieht sich auch der Titel des Films „Lamerica“ auf die Hoffnung auf das gelobte Land: Was für die Albaner Italien ist, war einst für die Italiener Amerika.[2]

Preise[Bearbeiten]

Rezensionen[Bearbeiten]

Dieses Drama ist eine sehr berührende und eindrucksvolle Bestandsaufnahme. Mit großer Skepsis zeigt der Film eine düstere Vision über den Verlust von Würde und Identität – für den Einzelnen wie für ein ganzes Volk.[4] „Ein ruhiges, intensives, poetisches, aber realitätsnahes Roadmovie, das unter die Haut geht“[1] (Cinema).

Im Film entdeckt Spiro Toiza seine italienische Identität als Michele wieder und glaubt am Ende des Films, dass sich das Schiff auf den Weg nach New York mache, während andererseits Gino alle Nachweise für seine italienische Identität verloren hat und auf dem Boot voller Albaner selbst wie einer von ihnen aussieht. Diese beiden Handlungsstränge „fordern Italiens koloniale Vergangenheit heraus und erzwingen dadurch die Neudefinition des Identitätsbegriffs. Wer ist Italiener? Und was bedeutet es, Italiener zu sein?“ („challenge Italy's colonial past and in so doing force the redefinition of the notion of identity. Who is Italian? And what does it mean to be Italian?“)[7]

TV Guide gibt dem Film vier Sterne und ist der Meinung, dass er ein verwegen-ernüchterndes Porträt des postkommunistischen Europas in moralischer Finsternis ist – mit Leidenschaft und außerordentlicher Anmut vom italienische Regisseur Gianni Amelio (Gestohlene Kinder) inszeniert. („A boldly chilling portrait of post-Communist Europe in moral eclipse, directed with passion and singular grace by Italian Gianni Amelio (STOLEN CHILDREN).“)[8]

Janet Maslin schreibt in The New York Times, „die Synthese des Films von Tatsachen und Fiktion ist anmutig verwirklicht“ („The film's synthesis of fact and fiction is gracefully achieved“) und bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass nach der Aufführung von Lamerica beim New York Film Festival (1995) Amelio viel bekannter werden würde („emerge … much more widely known“)[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Lamerica auf www.cinema.de
  2. a b c d e f g h Lamerica auf www.film.at
  3. a b Lamerica auf www.moviepilot.de
  4. a b c Inhaltsangabe von Lamerica auf www.amazon.de
  5. a b Lamerica auf www.imdb.com (Englisch)
  6. a b c Lamerica auf www.filmzentrale.com
  7. Luca Caminati: „The return of history: Gianni Amelio's Lamerica, memory, and national identity“, Italica, 83.3-4 (Herbst–Winter 2006), S. 596
  8. TV-Guide Redaktion: „Lamerica: Review“, TV Guide, abgerufen am 14. Januar 2008
  9. Janet Maslin: „Film Festival Review; Scheming Italians In Troubled Albania“, The New York Times, 4. Oktober 1995

Weblinks[Bearbeiten]

Artikel über Lamerica (Englisch)[Bearbeiten]

  • Young, Deborah, in Variety (New York), 12. September 1994
  • Menashe, Louis, in Cineaste (New York), Vol. 21, No. 4, 1995
  • Janet Maslin: „Film Festival Review; Scheming Italians In Troubled Albania“, in The New York Times, 4. Oktober 1995
  • Carr, Jay, in Boston Globe , 20. Dezember 1995
  • Wilmington, Michael, in Chicago Tribune , 24. Dezember 1995
  • Crowdus, Gary und Richard Porton: „Beyond Neorealism: Preserving a Cinema of Social Conscience“, in Cineaste (New York), Vol. 21, No. 4, 1995
  • Agovino, Michael J., „His Mind Fixed on the Moment, Eyes on the Past“, in The New York Times , 17. Dezember 1995
  • James, Caryn, The Little Things Mean a Lot, in The New York Times , 17. Dezember 1995