Lamia (Geliebte des Demetrios)

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Lamia (* um 340 v. Chr.[1]; † nach 303 v. Chr.) war eine berühmte athenische Hetäre und Geliebte des hellenistischen Herrschers und Diadochen Demetrios I. Poliorketes.

Leben[Bearbeiten]

Lamia war die Tochter eines nicht näher bekannten Atheners namens Kleanor.[2] Sie übte zuerst den Beruf einer Flötenspielerin aus und erlangte durch ihre dabei gezeigte Begabung große Berühmtheit. Flötenspielerinnen waren zudem im Allgemeinen auch als Prostituierte aktiv, Flötenmädchen war etwa ein Synonym dafür. Nicht überraschend ging sie somit auch der Profession einer Hetäre nach.[3] Sie soll eine Geliebte des griechischen Politikers und Philosophen Demetrios von Phaleron gewesen sein.[4] Von ihr ist ein Aufenthalt in Ägypten bezeugt, denn sie befand sich an Bord der Flotte des Königs Ptolemaios I. und geriet nach dessen Niederlage in der Seeschlacht bei der zyprischen Stadt Salamis in die Hände des siegreichen jungen Monarchen Demetrios Poliorketes (306 v. Chr.).[5] Trotz ihres nicht mehr so jugendlichen Alters konnte sie weniger durch ihr Aussehen als durch ihren sprühenden Geist die Liebe des Diadochen erringen und mehrere Jahre behaupten.[6] Einige überlieferte witzige Aussprüche der Lamia zeigen ihre geistvolle Persönlichkeit.[7]

Lamia begleitete Demetrios nach Athen und wurde von den Einwohnern der Stadt aufgrund ihrer Machtstellung, die sie ihrem großen Einfluss auf den Herrscher verdankte, wie eine Fürstin behandelt.[8] Diese Würdigung ging so weit, dass die Athener ihr einen eigenen Tempel errichteten, in dem sie als Göttin Aphrodite verehrt wurde, und später ahmten die Thebaner dieses Beispiel nach.[9] Demetrios soll die aufwendige Prunksucht seiner Geliebten einmal mit 200 Talenten finanziert haben, die er von den Athenern oder den Thessalern eingehoben hatte.[10] Sie veranstaltete auch luxuriöse Bankette, die bald allgemein bekannt waren.[11] Auch nach Sikyon begleitete sie den Demetrios, als er 303 v. Chr. die Stadt auf eine Anhöhe verlegte und in Demetrias umbenannte. Mit einem Teil der ihr von Demetrios geschenkten Reichtümer finanzierte Lamia die Errichtung einer prächtigen Stoa Poikile (Säulenhalle) zur Verschönerung der neuangelegten Siedlung.[12] Wann sie starb, ist unbekannt.

Ein vom im 2. Jahrhundert n. Chr. lebenden Sophisten Alkiphron überlieferter, angeblich von Lamia stammender Brief, den sie an Demetrios geschrieben haben soll,[13] dürfte zwar unecht sein, aber doch von Personen verfasst worden sein, die das damalige Geschehen in Athen selbst miterlebt hatten; daher stellt er wohl ein wichtiges historisches Dokument für die Persönlichkeit der Hetäre und ihres königlichen Geliebten dar.[14]

Phila, eine Tochter der Lamia und des Demetrios Poliorketes,[15] dürfte mit jener Phila identisch sein, der ein Anhänger des Demetrios namens Adeimantos angeblich in Lampsakos einen Tempel erbaute, in dem sie als Aphrodite göttliche Ehren erhielt.[16] Plutarch erwähnt sie allerdings nicht in seiner Auflistung von Demetrios' Kindern.[17]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Laut Plutarch (Demetrios 16, 6 und 26, 8) war Lamia etwas älter als Demetrios I. Poliorketes, der um 336 v. Chr. geboren wurde.
  2. Athenaios 13,577c.
  3. Athenaios 3,101e; 4,128b; 13,577e (nach dem griechischen Komödiendichter Machon); Plutarch, Demetrios 16, 5.
  4. Favorinus bei Diogenes Laertios 5, 76; vielleicht eine Verwechslung mit Demetrios Poliorketes.
  5. Plutarch, Demetrios 16, 5f.
  6. Plutarch, Demetrios 19 und 27.
  7. Machon bei Athenaios 13,577d–f; Plutarch, Demetrios 27; Aelian, varia historia 13,8f.
  8. Plutarch, Demetrios 24.
  9. Demochares, Fragment 3 bei C. Müller, Fragmenta Historicorum Graecorum (FHG) 2,419; Polemon, Fragment 15 bei FHG 3,120.
  10. Plutarch, Demetrios 27.
  11. Athenaios 3,101e; 4,128b; 13,577e; Plutarch, Demetrios 27.
  12. Polemon, Fragment 14 bei Athenaios 13,577c; vgl. Diodor 20,102; Plutarch, Demetrios 25, 3; Strabon 8, p. 382.
  13. Alkiphron 4, 16
  14. So Geyer, in: RE, Bd. XII,1, Sp. 546f.
  15. Athenaios 13,577c.
  16. Athenaios 6,255c; dazu Geyer, Sp. 547.
  17. Plutarch, Demetrios 53, 8.