Land Rover Defender

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Defender 110 CSW 2004
Defender 2007

Der Land Rover (seit Herbst 1990 Land Rover Defender) ist ein Geländewagen des britischen Autoherstellers Land Rover.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen Rover, später Land Rover baut seit 1948 das gleichnamige Fahrzeug, das nicht zuletzt durch die Fernsehserie Daktari bekannt wurde. Die ersten drei Modellreihen wurden mit Land Rover Serie I, II und III bezeichnet. Die vierte Serie (seit Herbst 1983) wurde zunächst unter der Bezeichnung One Ten (110) bzw. Ninety (90) vermarktet, was dem Radstand in Zoll entspricht. Markante technische Veränderungen waren die Einführung anderer Radaufhängungen und die Verwendung von Schrauben- statt Blattfedern sowie neue Dieselmotoren.

Im Herbst 1989, als der Discovery eingeführt wurde, wurde eine Differenzierung der Modellnamen notwendig. Der ursprüngliche als Land Rover bezeichnete Wagen hieß ab September 1990 nun „Land Rover Defender“.

Im Frühjahr 2007 kam eine neue Reihe des Defender auf den Markt. Äußerlich wurden einige Details verändert (z. B. fehlen die Lüftungsklappen unter der Windschutzscheibe) und auch Cockpit und Sitze wurden verändert. Die wichtigste Änderung war jedoch ein neuer Motor und ein Sechsganggetriebe. Im aktuellen Defender kommt ein Ford-Vierzylinder-Dieselmotor zum Einsatz, der unter anderem auch im Ford Transit verwendet wird. Dieser Motor erfüllt die Euro-4-Abgasnorm.

Ursprünglich wurde die Land-Rover-Serie für die zivile Nutzung in der Landwirtschaft entwickelt. Bald bewährte sich der Land Rover aber auch auf Expeditionen. Erst später wurde das Fahrzeug militärisch verwendet, und die britischen Streitkräfte machten es 1956 zu einem ihrer Standardfahrzeuge. Auch noch im Jahr 2014 wird der Defender in vielen Krisengebieten der Erde vom Militär und humanitären Hilfsorganisationen eingesetzt.

Der Land Rover ist für seine Robustheit bekannt. Nach Angaben des Pressesprechers von Land Rover sind 75 Prozent aller jemals gebauten Defender (inkl. Vorgängermodelle unter dem Namen Land Rover) noch im Einsatz. Daher seien bis heute (2007) auch Ersatzteile für die erste Baureihe erhältlich.[1]

Die Landrover-Defender-Fertigung soll nach 67 Jahren Bauzeit im Dezember 2015 eingestellt werden.[2] Die Form ist mit den EU-Richtlinien zum Fußgängerschutz nicht mehr vereinbar.[3]

Varianten[Bearbeiten]

Defender 130 Crew Cab
Defender 147 im Land Rover Werksmuseum in Gaydon/UK
Defender 110 Hardtop Spezialumbau im Land Rover Werksmuseum in Gaydon/UK

Der Defender ist modular aufgebaut. So lässt sich das Dach mit verhältnismäßig wenig Aufwand entfernen, und ein geschlossenes Fahrzeug lässt sich in eines mit Plane umwandeln. Die drei Grundmodellvarianten sind in drei Radständen (90, 110, 130 Zoll) erhältlich. Verschiedene Dacharten (Station-Wagon = geschlossen mit Fenstern, Hardtop = geschlossen ohne Fenster, Softtop = Plane, etc.) können mit dem gleichen Fahrgestell kombiniert werden:

  • Defender 90 County Station-Wagon (CSW), Hardtop (HT), Plane (Soft Top, ST), Pickup (PU)
  • Defender 110 County Station-Wagon (CSW), Hardtop (HT), Pickup (PU), High Capacity Pickup (HCPU), Double Cab Pickup (DCPU)
  • Defender 130 (von 1986–1990 auch als 127 bekannt) als Pickup mit Doppel- oder Einzelkabine
  • Defender 147 (gestreckte 6türige Variante von Land Rover Südafrika)

Die Zahlen in den Modellnamen geben traditionell die Radstände in Zoll an. Hiervon wurde beim Defender allerdings zugunsten gerundeter Zahlen abgewichen. So beträgt beim Defender 90 z. B. der Achsstand 93 Zoll, beim Defender 130 127 Zoll. Die Modellreihen 90 und 110 werden mit klassischen weißlackierten Stahlrädernn oder mit Fünfspeichen-Leichtmetallrädern ausgeliefert. Die 130er-Reihe gibt es nur mit Stahlrädern.

Der Defender 90 wurde bis zu seiner Umbenennung im September 1990 auch als „Ninety“ und der Defender 110 als „One Ten“ bezeichnet. Der Defender kann eine hohe Anhängelast ziehen: Mit Auflaufbremse sind es 3500 kg, mit durchgehender Bremsanlage (Druckluft) sind 5000 kg, bei der aktuellen Baureihe sogar 6000 kg möglich.

Motorisierung[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es den Land Rover Defender seit dem Modelljahr 2012 nur noch mit einem 2,2-Liter-Dieselmotor, da der vormals (seit 2007) verbaute 2,4-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer nicht die Euro-5-Abgasnorm erfüllte.

Mitte der 1990er Jahre entstand aus der 200er-Reihe die Baureihe 300 Tdi, mit 83 kW (113 PS) bei 4000/min. Als Land Rover zu BMW gehörte, wurde die Variante Td5 als 5-Zylinder-Diesel mit Pumpe-Düse-System, 90 kW (122 PS) bei 4200/min eingeführt. Der Motor entstammte einer von Rover neuentwickelten Baureihe, die ursprünglich vom Vier- (Td4) bis zum Sechszylinder (Td6) reichen sollte, dann aber bei der Übernahme durch BMW bis auf den bekannten Td5 gekippt wurde. Das maximale Drehmoment des Motors beträgt 300 Nm bei 1.950/min. Die leistungsstarke V8-Version ist in Deutschland nicht direkt erhältlich (ausgenommen die 50-years-jubilee-Edition, die auch in Deutschland mit V8 – wenn auch nur in kleiner Stückzahl – verkauft wurde).

Mit der Übernahme von Land Rover durch Ford im Jahr 2000 wurde der Defender überarbeitet.

Im Mai 2007 kam das neue Modell mit gleichem Namen auf den Markt. Die Veränderungen im Erscheinungsbild sind gering. Im Inneren fallen das moderne Armaturenbrett und die neuen Sitze auf. Diese wurden nötig, da die bisherige Längsanordnung der Rückbänke beim 90 und 110 nicht mehr zulassungsfähig ist. Äußerlich sticht vor allem zum Teil höhere Motorhaube ins Auge, die notwendig war, um den neuen Motor unterzubringen: einen 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel, der von der Konzernmutter Ford entwickelt wurde. Mit 90 kW (122 PS) kommt der Motor auf die gleiche Leistung wie der Vorgänger, erfüllt jedoch die Euro-4-Abgasnorm. Mit Common-Rail- statt Pumpe-Düse-Einspritzung erreicht der neue Motor bessere Leistungswerte, und ist zudem deutlich leiser als der Td5.

Außerdem gab es ein neues Sechsganggetriebe. Die kürzere Übersetzung des ersten Gangs soll in Kombination mit dem höheren Drehmoment Geländefahrten einfacher machen. Durch die verbesserte Beschleunigung in den einzelnen Gängen ist eine über 20 Prozent längere Übersetzung des sechsten Gangs möglich, wodurch mehr Laufruhe und Komfort sowie ein geringerer Verbrauch erzielt werden sollen. Wegen der neuen Heizungs- und Lüftungsanlage fallen die klassischen Lüftungsklappen direkt unter der Frontscheibe weg.

Technische Details[Bearbeiten]

Defender 110, Sondermodell „Experience Bolivien“ 2012

Der Defender hat einen stabilen Kastenrahmen; dies führt zu einem Leergewicht von über 1800 kg, obwohl unter anderem die Karosserie aus Aluminiumblech gefertigt sind. Hohes Gewicht und Luftwiderstand des Aufbaus begrenzen die Fahrleistungen auf der Straße: Der Defender mit 300Tdi-Motor erreicht bei hohem Geräuschpegel 129 km/h, der Td5 knapp 138 km/h (Herstellerangaben). Bei der Td4-Version mit 2,4-l-Ford-Motor wird die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf ca. 130 km/h begrenzt. Die im Geländegang sehr kurze Übersetzung, der permanente Allradantrieb mit sperrbarem Mitteldifferential und die hohe mögliche Achsverschränkung sowie eine Wattiefe (Wasserdurchfahrten) von 50 cm ergeben eine gute Geländegängigkeit. Eine Besonderheit des Defenders ist die Funktion der Handbremse, die nicht wie bei anderen Fahrzeugen auf die Räder, sondern (wie auch beim Nissan Patrol GR) direkt auf die Kardanwelle zur Hinterachse wirkt; durch Sperren des Mitteldifferentiales wirkt sie auf alle Räder. Der Dieselverbrauch beträgt 10 bis 11 l/100 km. Die aktuellen Ausstattungsvarianten enthalten ABS und ESP, teilweise auch elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Airbags sind jedoch nach wie vor nicht vorhanden.

Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz[Bearbeiten]

„Aluminiumaufbau mit knapp bemessenem Innenraum und Komfort“ bedeutet, dass der Landrover Defender mehr Zuladung bietet als jedes andere heute noch in Europa verkaufte Geländefahrzeug der 3,5-Tonnen-Klasse. Daher dient er als „Camion Citerne pour Feux de forêt Léger“ (CCFL, Kleinlöschfahrzeug für die Vegetationsbrandbekämpfung), Vorausrüstwagen, Gerätewagen Bergrettung oder Offroad-Rettungswagen. Setzt man den Aufbau eines 3,5-Tonnen-Defenders stattdessen auf den Leiterrahmen eines Mercedes-Benz G Professional oder Bremach, ergibt sich ein 3,7-bis-4-Tonner, der nicht mit Führerschein Klasse B gefahren werden darf.

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Defender 110 der britischen Armee im Irak

Das britische Ministry of Defence (MOD) und Armeen anderer Länder nutzen den Land Rover bereits seit der Series II.

Die Baureihe IV (Ninety, OneTen, Defender) wird in vielen Varianten genutzt. So als:

  • TUL Truck Utility light (90)
  • TUM (Truck Utility Medium) (110, 130)

Military Land-Rover “Lightweight”[Bearbeiten]

Military Land-Rover “Lightweight”

Mit Ausnahme von zwei Modellen hat Landrover alle Fahrzeuge für den zivilen Markt entwickelt. Lediglich der Military Land-Rover und das Modell 101 sind Entwicklungen für den Militär-Markt. Beim Military Land-Rover, für den sich umgangssprachlich die Bezeichnung “Lightweight” eingebürgert hat, obwohl er nicht leichter, sondern ca. 140 kg schwerer als die zivile Variante ist, arbeitete Land-Rover während der Entwicklung mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammen.

Unterschiede des Land-Rover “Lightweight” gegenüber den Zivilmodellen:

  • Motor: 2,25 l Benziner (britische Variante) oder 2,25 l Diesel (niederländische + dänische Variante)
  • Militärstoßstange mit doppelten Stoßecken vorne
  • Militärstoßecken „Bumper“ hinten
  • Dixon Bate Anhängerkupplung „NATO-Kupplung
  • Leseleuchte am Armaturenbrett
  • Militärbeleuchtung (Tarnlichtschalter)
  • Motorhaube von außen zu öffnen
  • diverse Halterungen an der Heckklappe für Spaten und Spitzhacke (britische Variante) bzw. Spaten und Axt (niederländische Variante)
  • klappbare Windschutzscheibe
  • abnehmbares Spritzwandoberteil
  • teilbare Steckscheibentüren
  • teilbare Heckklappe
  • teilbare Seitenwände der Ladewanne
  • das Fahrzeug ist mit abgenommenen Oberteilen -Türen, Heckklappe, Ladewanne- voll einsatzbereit
  • geschraubte Getriebetraverse
  • Kraftstoffbehälter: 2 × 45-Liter-Tank (unter Fahrer- und Beifahrersitz)
  • 24-Volt-Bordnetz (Ausnahme: GS-Variante mit 12 Volt)
  • zusätzliche Rückleuchten (siehe auch Tarnlicht)
  • Ersatzreifenhalterung auf Motorhaube
  • verbesserte Zugösen am Rahmen vorne und hinten (für Hubschrauberverlastung)
  • zusätzliche Ausstattung wie Gewehrhalter, Funkvorrichtungen, Feuerlöscher, Raketenwerfer, Panzerabwehrkanone, Panzerung etc.

Wolf[Bearbeiten]

Land Rover Wolf

Seit 1996 werden unter dem Namen Wolf (engl. Aussprache – nicht zu verwechseln mit dem Wolf der Bundeswehr) die militärischen Varianten des Defenders (Land Rover-Bezeichnung: Defender XD – Extra Duty) eingesetzt. Dabei handelt es sich um besonders überarbeitete Varianten des Defender TDi. Bekannt sind mindestens 27[4] Ausstattungsvarianten aus verschiedenen Kontrakten. Im Wesentlichen sind dort gegenüber der zivilen Version verändert:

  • 300 TDi Motor
  • Hilfsrahmen unter der Ladefläche für erhöhte Lasten
  • Schnellwechselkühler für „battlefield conditions
  • 6,5x16-Zoll-Heavy-Duty-Räder für Schlauchlose Reifen
  • Militärstoßstange mit Maulkupplung vorne
  • Lampenschutzgitter
  • Luftansaugung mit Schnellwechselfiltern und automatischer Umschaltung auf die Seite, die nicht im Wasser ist
  • innenliegender Überrollkäfig
  • verbesserte Starrachsen (Basis: Range Rover P38a)
  • Leseleuchte am Armaturenbrett
  • Militärbeleuchtung (Tarnlichtschalter)
  • Motorhaube von außen zu öffnen
  • diverse Halterungen auf der Motorhaube für Spaten, Tarnnetzwanne, etc.
  • klappbare Windschutzscheibe
  • Steckscheibentüren mit Klappgriffen
  • Kraftstoffbehälter-Stauräume mit eckigen Kunststoffklappen an beiden Seiten des Fahrzeugs
  • Heavy-Duty-Fahrwerk
  • 24-Volt-Bordnetz (teilweise mit zweiter 48-Volt-Lichtmaschine für die Funkanlage)
  • zusätzliche Rückleuchten (siehe auch Tarnlicht)
  • bei der Softtop-Variante: Plane aus Kunststoff
  • bei der Hardtop-Variante: vergrößertes Hardtop aus Kunststoff
  • Reifen GoodYear G90
  • seitliche Ersatzreifenhalterung
  • verbesserte Zugösen am Rahmen vorne und hinten (für Hubschrauberverlastung)
  • Unterfahrschutz-Platte vorne
  • Starthilfedose im Fahrerfußraum (24V = Panzer, LKW tauglich)
  • Servolenkung (im Standard-ArmyDefender nicht vorhanden)
  • teilweise sind „Schnorchel“ eingebaut
  • Kontrollleuchtenabdeckklappe zur besseren Nachttarnung durch Verdunkelung
  • zusätzliche Ausstattung wie Gewehrhalter, Funkvorrichtungen, Feuerlöscher etc.

Eine besondere Variante des Wolf 110 ist das Rapid Deployment Vehicle (RDV, Land Rover-Bezeichnung), welches militärisch WMIK bezeichnet wird (Weapon mounted Installation Kit). Abweichungen zur obigen Wolf-Variante:

  • keine Plane, kein Dach
  • niedriger Überrollbügel, vorne mit integriertem Kabelschneider
  • erhöhter Beifahrersitz (Kommandant)
  • MG-Halterung außen, Beifahrerseite
  • keine Türen montiert, dafür nur Sperrbleche, alternativ eine Plane
  • anstelle der Hecktür/-klappe eine große Staukiste für z. B. Munition
  • demontierte Windschutzscheibe
  • 360 Grad drehbare MG-Halterung auf der Ladefläche
  • Schützensitz auf der Ladefläche
  • Kunststoffkühlergitter durch eins aus Blech ersetzt

Diese offene Variante ist gelegentlich in Nachrichtensendungen zu sehen, zum Beispiel bei Berichten über den Irakkrieg (siehe Bild oben) oder aus Afghanistan. Zum ersten Mal eingesetzt wurde der WMIK bei den Auseinandersetzungen in Sierra Leone.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Land Rover Defender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für Boulevard und Bauernhof auf spiegel.de, 25. Mai 2007
  2. The Telegraph: Land Rover: the end of a legend
  3. Unkaputtbar und windschlüpfrig wie ein Kühlschrank auf welt.de, 12. Juli 2012
  4. Army Ersatzteilkatalog 2320-D-128-711