Landarzt

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Landarzt als Mediziner; zu anderen Bedeutungen siehe Landarzt (Begriffsklärung).

Als Landarzt wird umgangssprachlich ein Hausarzt – meistens ein Facharzt für Allgemeinmedizin oder ein hausärztlich tätiger Internist – bezeichnet, der in einer ländlichen Region tätig ist.

Spezifika[Bearbeiten]

Aus der Tätigkeit im ländlichen Raum ergeben sich für die Tätigkeit als Landarzt bestimmte Spezifika, hervorgerufen durch teilweise große Entfernungen zwischen Arzt und Patient, zwischen Hausarzt und Spezialisten oder Kliniken sowie durch eine andere Bevölkerungsstruktur, insbesondere in Bezug auf das häufig hohe Durchschnittsalter der Patienten. So übernimmt der Landarzt häufig ärztliche Tätigkeiten, die in städtischeren Regionen von Spezialisten übernommen werden. Daneben ist er mehr noch als in dicht besiedelten Regionen erster Ansprechpartner bei Notfällen. Regelmäßige Hausbesuche haben eine größere Bedeutung als in städtischen Hausarztpraxen.[1]

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Das Vorhandensein einer ausreichenden ärztlichen Versorgung ist auch im ländlichen Raum von grundlegender Bedeutung und die Existenz von Arztpraxen ist neben anderen Kriterien ein wichtiger Standortfaktor und wesentliches Kennzeichen eines Zentralortes.

In Deutschland besteht seit einigen Jahren ein zunehmender Landarztmangel, zunächst in Ostdeutschland, aber mittlerweile auch in anderen deutschen Regionen. Als Gründe hierfür werden oft für junge Ärzte unattraktive Arbeits- und Lebensbedingungen im ländlichen Raum im Vergleich zu großstädtischen Ballungsräumen bei gleichzeitiger Überalterung der derzeitigen Landärzteschaft genannt. Das unternehmerische Risiko einer wirtschaftlichen Selbständigkeit schreckt viele junge Ärzte von einer Niederlassung ab, ebenso wie eine schlechte Vereinbarkeit von Selbständigkeit und Familienplanung und die Drohung mit Regresszahlungen bei überdurchschnittlicher Verordnung von Heilmitteln. Verstärkt werde diese Verunsicherung durch in den letzten Jahren häufige auch gesundheitspolitische Reformen und die dadurch fehlende Beständigkeit und Kalkulierbarkeit der Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Selbständigkeit. Die Unterversorgung in Dörfern dürfte sich stark verstärken, da bis 2021 42 Prozent der Hausärzte in den Ruhestand gehen.[2]

Dem Landarztmangel versucht man in verschiedenen Regionen durch Maßnahmen wie Stipendien,[3] oder finanzielle Anreize gegenzusteuern. Im Juni 2014 schlug der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in einem Gutachten vor, die Vergütung für Landärzte um 50 Prozent zu erhöhen, um einen Anreiz für Mediziner zu schaffen, in bisher schlecht versorgten Gebieten tätig zu werden; er regte an, doppelt so viele Ärzte zu Fachärzten im Bereich Allgemeinmedizin und Innere Medizin fortzubilden.[4] Andere Ansätze sind das Rothenburger Modell oder die Vernetzung von Praxen.[5][6][7][8][9] Ebenso wird eine Delegation von Tätigkeiten an Medizinische Fachangestellte diskutiert. Hierzu existieren verschiedene Ansätze wie das Modell MoNI in Niedersachsen [10] oder Verah (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) [11]. In Niedersachsen gibt es auch das Pilotprojekt "rollende Arztpraxis", um ein Minimum an ärztlicher Versorgung zu sichern.[12]

Nach einer Vereinbarung von Medizinern und Krankenkassenvertretern sollen (Stand: Dezember 2012) 3000 neue Stellen für Hausärzte in ländlichen Regionenen geschaffen werden. Dafür sollen 1800 Stellen in als überversorgt geltenden Städten gestrichen werden. Darüber hinaus sollen Erleichterungen die Ansiedlung in ländlichen Regionen attraktiver machen, beispielsweise der Entfall der Residenzpflicht oder die Abschaffung von Regressforderungen bei übermäßiger Medikamentenverordnung.[13] Zielvorgabe ist ein niedergelassener Arzt pro 1671 Personen Wohnbevölkerung.[14]

In einigen Regionen, insbesondere in der DDR, war die landärztliche Versorgung im Rahmen von sogenannten Landambulatorien üblich. Hierbei handelte es sich um Polikliniken mit angestellten Ärzten, ähnlich wie in Medizinischen Versorgungszentren, die in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewinnen.

Situation in anderen Ländern[Bearbeiten]

In Australien wurde für dünn besiedelte Regionen der Royal Flying Doctor Service of Australia eingerichtet. In Schweden unterhalten Provinziallandtage im Norden des Landes Praxen mit kleinen Krankenstationen (Sjukstuga). Ebenso existieren in einigen Ländern Zusatzausbildungen zu "Medizin in dünn besiedelten Regionen" (Rural Medicine) oder Planungen hierfür.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel der WAZ mit Schilderung des Arbeitsprofils
  2. Christopher Piltz: Der Doktor kommt gleich. zeit.de, 2. Juli 2014, abgerufen am 2. Juli 2014
  3. Bericht des NDR
  4. Nicola Kuhrt: Gutachter benennen Fehler im deutschen Gesundheitswesen. spiegel.de, 23. Juni 2014, abgerufen am 23. Juni 2014
  5. Editorial der Tagesschau zum Thema
  6. Artikel zum Landarztmangel, Handelsblatt
  7. Bericht der Ärztezeitung
  8. Hessen will Prämie für Landärzte zahlen. FAZ.NET.
  9. Landärztliche Versorgung im Landambulatorium
  10. über das landärztliche Versorgungsmodell MoNI (PDF; 1,6 MB)
  11. Verah
  12. Christopher Piltz: Der Doktor kommt gleich. zeit.de, 2. Juli 2014, abgerufen am 2. Juli 2014
  13. Michael Inacker: Lockangebote für Landärzte. In: Handelsblatt. Nr. 248, 21. bis 26. Dezember 2012, ISSN 0017-7296, S. 11.
  14. Nina Weber: Arztpraxen in Deutschland bleiben ungerecht verteilt. spiegel.de, 10. Juli 2014, abgerufen am 10. Juli 2014