Landesbank Berlin

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Landesbank Berlin AG
Logo der Landesbank Berlin
Staat Deutschland
Sitz Berlin
Rechtsform Aktiengesellschaft
Bankleitzahl 100 500 00[1]
BIC BELA DEBE XXX[1]
Gründung 1. Oktober 1990
Verband Sparkassenverband Berlin
Website www.lbb.de
Geschäftsdaten 2012[2]
Bilanzsumme 117,031 Mrd. Euro
Mitarbeiter 5.699 (Vollzeitstellen)
Leitung
Vorstand Johannes Evers, Vorsitzender
Aufsichtsrat Georg Fahrenschon, Vorsitzender

Die Landesbank Berlin AG (LBB) ist eine Universalbank mit Sitz in Berlin. Historischer Kern der LBB ist die Berliner Sparkasse. Die Muttergesellschaft Landesbank Berlin Holding AG ist eine Finanzholding und hält hundert Prozent der Aktien an der Landesbank Berlin AG. Sie befindet sich vollständig im Besitz der Sparkassen-Finanzgruppe.

2013 wurde bekannt, dass die Landesbank Berlin in der Berliner Sparkasse aufgehen soll.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die Girozentrale der Stadt Berlin, ein Vorläufer der heutigen Landesbank Berlin, wurde am 12. Dezember 1921[4] als Abteilung der Sparkasse der Stadt Berlin gegründet. Als Folge des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Berlins wurde auch die Sparkasse zerschlagen. Ab 1950 übernahm die Sparkasse der Stadt Berlin-West die Funktion einer Girozentrale für Berlin. Zwei Tage vor der Wiedervereinigung wurde am 1. Oktober 1990 die Landesbank Berlin – Girozentrale – (LBB) als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. Hubertus Moser, bislang Vorstandsvorsitzender der Berliner Sparkasse, nun Vorstandsvorsitzender der Landesbank Berlin, legte am 31. Dezember 1990 den ersten Bilanzbericht der Landesbank Berlin, in der die beiden Sparkassen vereinigt wurden, vor. Die Bilanzsumme lag bei rund 31 Milliarden DM. Für das Institut arbeiteten zu dieser Zeit ca. 6.000 Beschäftigte, davon 1.800 im Osten der Stadt.

Zusammenschluss zur Bankgesellschaft Berlin und Krise[Bearbeiten]

Aktie der ehemaligen Bankgesellschaft Berlin
Sitz der Landesbank Berlin am Berliner Alexanderplatz. Im Oktober 2006 wurde das Logo der Bankgesellschaft (Entwurf: Kurt Weidemann) vom Dach des Gebäudes entfernt.

Die Bankgesellschaft Berlin wurde 1994 durch Zusammenschluss der Landesbank Berlin (inklusive der Berliner Sparkasse), der Berliner Bank AG und der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank AG gegründet. Diese Gesellschaft war ein Unikum in der deutschen Bankenlandschaft, da erstmals private und öffentliche Banken zusammengeschlossen wurden. Die Bankgesellschaft diente hierbei sowohl als Holding als auch als eigene Bank. Ziel der Gründung war es, in Berlin wieder mit einer Großbank vertreten zu sein.

Bereits kurz nach der Geschäftsaufnahme wurden erhebliche Risiken im Kreditgeschäft der Berliner Bank AG bekannt, die erhebliche Wertberichtigungen erforderten. Des Weiteren baute der Konzern ein sehr umfang- und risikoreiches Immobiliendienstleistungsgeschäft auf. Zusammen mit den hohen Wertberichtigungen im Kreditgeschäft, brachten diese Risiken die Bankgesellschaft in eine existenzgefährdende Situation. Als deren Folge wurde ein hartes Sanierungsprogramm zur Stabilisierung des Konzerns eingeleitet. Im August des Jahres 2001 wurde eine Kapitalerhöhung um EUR 1,997 Mrd. durchgeführt, wovon das Land Berlin einen Anteil in Höhe von EUR 1,755 Mrd. übernahm. Der Anteilsbesitz des Landes Berlin erhöhte sich dadurch von 56,8 % auf 80,95 %. Verschiedene Vereinbarungen mit dem Land Berlin regelten die Abschirmung des Konzerns gegenüber den hohen Risiken, welche die Tochtergesellschaften der Bank mit ihrem Immobiliendienstleistungsgeschäft verursacht hatten. Da es sich bei beidem – Kapitalerhöhung und Risikoabschirmung – um staatliche Beihilfen handelte, bedurften sie der Genehmigung durch die EU-Kommission. Diese genehmigte diese Beihilfe unter der Bedingung, dass sich das Land Berlin bis 2007 von ihren Anteilen an der Gesellschaft trennen musste.

Umwandlung der LBB in eine Aktiengesellschaft[Bearbeiten]

Auf Basis des Berliner Sparkassengesetzes vom 28. Juni 2005[5] wurde die Landesbank Berlin – Girozentrale – zum 1. Januar 2006 von einer Anstalt öffentlichen Rechts in eine Aktiengesellschaft umgewandelt

Umbenennung der Bankgesellschaft[Bearbeiten]

Auf der Hauptversammlung der Bankgesellschaft am 14. Juli 2006 wurde beschlossen, auch nach außen einen Schlussstrich zu ziehen. Die Bankgesellschaft Berlin AG wurde am 29. August 2006 in Landesbank Berlin Holding AG umbenannt. Das Vermögen der Bankgesellschaft wurde in die Landesbank Berlin AG eingebracht, im Gegenzug erhielt die Bankgesellschaft Aktien an der Landesbank.

Übernahme der Netbank[Bearbeiten]

Auf Ihrer Bilanzpressekonferenz im Mai 2007 gab die LBB bekannt, eine Mehrheitsbeteiligung in Höhe von 75 Prozent minus eine Aktie an der Netbank, die bisher ausschließlich mehreren Sparda-Banken gehörte, übernommen zu haben.[6]

Verkauf an die Sparkassen-Finanzgruppe[Bearbeiten]

Aufgrund gewährter EU-Hilfen musste das Land Berlin bis Ende 2007 seinen Anteil verkaufen. Im Bieterverfahren standen sich 19 nationale und internationaler Kaufinteressenten, unter anderem der DSGV, die BayernLB, die Landesbank Baden-Württemberg sowie die Commerzbank gegenüber. Am 15. Juni 2007 erhielt die Sparkassen-Finanzgruppe den Zuschlag für den ehemaligen Landesanteil in Höhe von 81 Prozent. Das Gebot betrug 4,62 Milliarden Euro. Einem Bericht des rbb vom 31. Mai 2007 zufolge stehen dem allerdings ein Mehrfaches an Verbindlichkeiten gegenüber, die auch nach dem Verkauf beim Land Berlin verbleiben.

Neben der Kaufsumme hatte sich der DSGV zur Übernahme einer Stillen Einlage des Landes Berlin in Höhe von 723 Millionen Euro verpflichtet.

Vermeintlicher Datendiebstahl 2008[Bearbeiten]

Am 12. Dezember 2008 wurde bekannt, dass die Frankfurter Rundschau ein Paket mit detaillierten Kreditkartenabrechnungen aus dem Jahre 2008 von Kunden der Landesbank Berlin (LBB) erhalten hatte. In der durch die Polizei Frankfurt sichergestellten Datensendung waren acht ungeöffnete PIN-Briefe (Post-Rückläufer) zu gesperrten Konten enthalten. Die dort enthaltenen Daten konnten nach Angaben der Landesbank nicht dazu verwendet werden, den Zugriff auf Kundenkonten zu ermöglichen. Neben Kunden der Landesbank seien auch Kunden von Kreditkarten des Automobilclubs ADAC und des Internethändlers Amazon betroffen. Die auf Microfiches gespeicherten Daten wurden nach Medienberichten offenbar auf einem Kuriertransport entwendet, mit dem der IT-Dienstleister AtosWorldline das Unternehmen General Logistics Systems (GLS) beauftragt hatte.[7][8]

Wie am 19. Dezember 2008 berichtet wurde, waren hierfür zwei Kurierfahrer verantwortlich, die aus einem Paket an den Chefredakteur der Frankfurter Rundschau einen Christstollen entwendet und verzehrt hatten. Anschließend nahmen die Mitarbeiter eines von sechs an die LBB adressierten Paketen mit den Daten und klebten darauf das Etikett des geöffneten Pakets mit dem Christstollen, das somit anstelle des eigentlichen Pakets an die Frankfurter Rundschau ausgeliefert wurde.[9] Am 2. Juni 2009 wurden die beiden Kurierfahrer vom Frankfurter Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.[10]

Landesbank Berlin Holding AG[Bearbeiten]

  Landesbank Berlin Holding
Staat Deutschland
Sitz Berlin
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0008023227
Gründung 1. Januar 1994
Website www.lbb-holding.de
Geschäftsdaten 2012[2]
Bilanzsumme 118,298 Mrd. EUR
Mitarbeiter 5.802 (Vollzeitstellen)
Leitung
Vorstand Johannes Evers, Vorsitzender
Aufsichtsrat Georg Fahrenschon, Vorsitzender

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Die Landesbank Berlin Holding AG ist eine reine Finanzholding und fungiert als Obergesellschaft für die Landesbank Berlin AG.

Vorstand[Bearbeiten]

  • Johannes Evers (Vorsitzender)
  • Jan Bettink

Anteilseigner[Bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
89,37 % Erwerbsgesellschaft der S-Finanzgruppe mbH & Co. KG
10,63 % Beteiligungsgesellschaft der S-Finanzgruppe mbH & Co. KG

Wesentliche Beteiligungen[Bearbeiten]

Anteil Beteiligung
100 % Landesbank Berlin AG

Landesbank Berlin AG[Bearbeiten]

Die Landesbank Berlin AG ist Kreditinstitut im Sinne des § 1 KWG. Sie betreibt unter eigenem Namen und dem der Berliner Sparkasse Bankgeschäfte. In ihrer geschäftlichen Ausrichtung stützt sich die Bank auf vier Geschäftsfelder (Privatkundengeschäft, Firmenkundengeschäft, Immobiliengeschäft und das Kapitalmarktgeschäft).[11] Die LBB ist nach eigenen Angaben mit 2,1 Millionen ausgegebenen Kreditkarten der derzeit größte Kreditkartenemittent in Deutschland.[12]

Vorstand[Bearbeiten]

  • Johannes Evers (Vorsitzender) - Compliance, Finanzen, Marktfolge, Personal, Revision, Risiko und Controlling, Unternehmensentwicklung und Recht
  • Serge Demolière - Kapitalmarktgeschäft
  • Hans Jürgen Kulartz - Einkaufsmanagement, Firmenkunden, Infrastruktur, Organisationssteuerung
  • Patrick Tessmann - Private Kunden

Anteilseigner[Bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
100 % Landesbank Berlin Holding AG

Wesentliche Beteiligungen[Bearbeiten]

Anteil Beteiligung
100 % Berlin Hyp AG
100 % S-Servicepartner GmbH
75 % netbank AG
66,67 % S-Kreditpartner GmbH

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mathew D. Rose: Eine ehrenwerte Gesellschaft. Die Bankgesellschaft Berlin. Transit Buchverlag, Berlin 2003, ISBN 3-88747-179-2.[13]
  • Lydia Krüger, Benedict Ugarte Chacón: Privatisierung nach Berliner Art. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 9/2006, S. 1113–1120.
  • Sebastian Eichfelder: Die Gründung der Bankgesellschaft Berlin: 1988 – 1996. Diskussionsbeiträge des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin – Betriebswirtschaftliche Reihe Nr. 2008/1, Berlin 2008.
  • Sebastian Eichfelder: Bankgesellschaft Berlin – ein „vorprogrammierter“ Krisenfall?. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 61 (2008), S. 306-310.
  • Sebastian Eichfelder: Bankgesellschaft Berlin – der Weg zur Konzerngründung. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 61 (2008), S. 203-205.
  • Sebastian Eichfelder: Gründung der Bankgesellschaft Berlin: zur Entwicklung der Vorgängerinstitute. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 61 (2008), S. 123-127.
  • Benedict Ugarte Chacón: Berlin Bank Skandal. Eine Studie zu den Vorgängen um die Bankgesellschaft Berlin. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2012, ISBN 978-3-89691-909-0.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. a b Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2012 der Landesbank Berlin (PDF; 1,4 MB)
  3. 13.06.2013 - Aufsichtsrat der Landesbank Berlin befürwortet weitere Umsetzung des Umbaus der LBB zur Sparkasse in der Hauptstadt. Landesbank Berlin. Abgerufen am 17. März 2014.
  4. Gründung der Girozentrale der Stadt Berlin
  5. Berliner Sparkassengesetz vom 28. Juni 2005
  6. LBB schmückt sich mit Netbank (Version vom 29. September 2007 im Internet Archive) FTD, 23. Mai 2007.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formatssu/AP/dpa/Reuters: Datenklau: Zehntausende Kundendaten bei Berliner Landesbank ausgespäht. In: Spiegel Online. 12. Dezember 2008, abgerufen am 19. Dezember 2008.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJörg Schindler: Landesbank Berlin: Datenleck zwingt LBB zum Kartentausch. In: Frankfurter Rundschau (fr-online.de). 12. Dezember 2008, abgerufen am 19. Dezember 2008.
  9. Gestohlener Christstollen löste Datenskandal aus. In: Spiegel Online
  10. Kurierfahrer zahlen für Stollen-Diebstahl. In: Zeit Online, 3. Juni 2009
  11. lbb.de
  12. LBB Holding Geschäftsbericht 2011 Angabe über ausgegebene Kreditkarten
  13. Sorgloser Raubzug durch öffentliche Kassen. In: Die Zeit, Nr. 28/2003 (Rezension)

52.520813.41375Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 24′ 50″ O