Landesbund für Vogelschutz in Bayern

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Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.
(LBV)
LBV-Logo.jpg
Zweck: Umwelt- und Naturschutz
Vorsitz: Norbert Schäffer
Gründungsdatum: 1909
Mitgliederzahl: 75.000 (2014)
Sitz: Hilpoltstein
Website: www.lbv.de

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (kurz LBV) ist ein Umwelt- und Naturschutzverband in Bayern. Er hat sich zum von der Mitgliederzahl viertgrößten Naturschutzverband Deutschlands entwickelt, mit heute 75.000 Mitgliedern und Förderern, 350 Kreis- und Ortsgruppen, 120 Jugendgruppen und ca. 2.750 ha eigenen Schutzgebieten. Der organisatorisch selbstständige LBV ist der bayerische Partnerverband des Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verein wurde 1909 im damaligen Königreich Bayern in Bamberg als „Staatlich autorisierte Vogelschutzkommission“ gegründet.[1] Gründungsvorsitzender war Hermann von Gebsattel, der von 1909 bis 1920 amtierte. Schon 1911 änderte die Kommission ihre Satzung und firmierte seither zugleich als bayerischer Landesverband für Vogelschutz. Dieses ambivalente Verhältnis zwischen einem Organ der Staatsverwaltung und zugleich einem Mitgliederverband war lange Zeit typisch für den LBV. Alle Vorsitzenden des LBV von 1920 bis 1978 waren zugleich Beamte des Freistaats Bayern. 1927 waren auch knapp 3000 bayerische Gemeinden korporative Mitglieder im LBV. Ende der 1920er Jahre wurde mit Unterstützung der Gemeinde Garmisch eine Vogelschutzwarte im dortigen Kurpark zu eröffnet. Die Vogelschutzkommission zog im Mai 1931 von Bamberg nach Garmisch um. 1939 wurde im Zuge der Gleichschaltung im Reichsbund für Vogelschutz der Landesverband in Landesbund für Vogelschutz in Bayern umbenannt. Für die Alltagsarbeit blieb dies jedoch ohne größeren Einfluss.

Nachdem 1947 die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen die Räume der Vogelschutzwarte im Kurhaus gekündigt hatte, schloss der damalige Vorstand Otto Henze Verträge über den Bau einer neuen Vogelschutzwarte ab. Das überdimensionierte Projekt überforderte die Finanzen des Landesbunds, der nur durch die Übernahme der Vogelwarte durch den Freistaat Bayern vor dem Ruin gerettet werden konnte. Das Verhältnis zum Deutschen Bund für Vogelschutz war in dieser Zeit nicht völlig geklärt. Um 1950 erklärte sich der LBV als selbstständig, allerdings wurde der LBV noch 1962 als DBV Landesgruppe gelistet, und ab 1971 war der LBV kurzzeitig wieder Mitglied im Dachverband DBV. Verbindlich war die Eigenständigkeit des bayrischen LBV erst ab 1974, wonach alle Versuche, ihn wieder in den DBV/NABU zu integrieren, scheiterten. 1978 wurde Ludwig Sothmann auf der Grundlage einer neuen Satzung zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er verlegte den Sitz in seinen Heimatort Hilpoltstein und begann damit, den bis dahin eng mit der Naturschutzverwaltung verbundenen Verein eigenständig auszubauen.

Der Landesbund für Vogelschutz baute in allen bayerischen Landkreisen regionale Gruppen auf und in Hilpoltstein entstand eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichen Mitarbeitern. In den 1990er Jahren wurden in allen Regierungsbezirken Regionalgeschäftsstellen mit Hauptamtlichen aufgebaut und in der Zentrale die fachliche Kompetenz ausgebaut. 1996 eröffnete der Landesbund seine heutige Landesgeschäftsstelle am Eisvogelweg in Hilpoltstein. Die Mitgliederzahl stieg auf über 75.000.

2001 wurde der Landesbund zum „NABU-Partner Bayern“. Mit einem Festakt in der Münchner Residenz feierte der Landesbund 2009 sein hundertjähriges Bestehen. Im Oktober 2014 trat Ludwig Sothmann vom Vorsitz zurück. Als Nachfolger wurde der Biologe Norbert Schäffer gewählt.[2]

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten]

Der Verein betreibt Arten-, Landschafts- und Biotopschutz sowie Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 1985 wurden mit Hilfe des Arche Noah Fonds, dessen Zweck der Ankauf von Flächen mit Spendengeldern ist, über 2.500 ha Flächen im Wert von über 10 Millionen Euro zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten erworben.[3] Größtes eigenes Schutzgebiet ist der Rainer Wald an der Donau.[4] Diese Biotopflächen werden durch die über 3.000 ehrenamtlich Aktiven gepflegt. Derzeit hat der LBV etwa 75.000 Mitglieder und Förderer in 350 Kreis-, Orts-, und Jugendgruppen.

Der Verein betreibt Naturschutz auf unterschiedlichen Ebenen. Er setzt sich für eine frei fließende Donau, für Gentechnikfreiheit, für einen Nationalpark Steigerwald und für den Klimaschutz ein. Der LBV hat bereits fünf EU-LIFE-Projekte durchgeführt, mehr als jeder andere Verband in Deutschland, sowie mehrere Großvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz. Weiterhin führt er Artenhilfsprogramme für Wiesenweihe, Weißstorch, Uhu und Wanderfalke und Ortolan durch.[5] Mit der Wiedereinführung des Oberpfälzer Rotviehs, dem Projekt Lerchenfenster und extensiver Teichwirtschaft will er Vorbilder schaffen für eine nachhaltige Landnutzung.

Auf dem Gebiet der Umweltbildung nimmt der LBV eine Sonderstellung ein: Er betreibt als einziger deutscher Naturschutzverband einen eigenen Kindergarten[6] und seine Umweltbildungsprojekte sind deutschlandweit anerkannt und mehrfach von der UN-Dekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet.[7]

Der Verband betreibt elf Umweltstationen in sechs der sieben bayerischen Regierungsbezirken.[8] Die neueste ist die Station am Rothsee in Mittelfranken.

Organisation[Bearbeiten]

Die Mitglieder jedes Landkreises oder jeder kreisfreien Stadt gehören zur dortigen Kreisgruppe, in der es wiederum einzelne Ortsgruppen geben kann. Die Naturschutzjugend ist die gemeinsame Jugendorganisation von LBV und Naturschutzbund Deutschland. Ihrer bayerischen Organisation gehören alle LBV-Mitglieder bis 27 Jahren an.

Oberstes Organ ist die jährlich tagende Delegiertenversammlung, die aus dem Vorstand, dem wissenschaftlichen Beirat, Vertretern der Kreisgruppen, Vertretern der Naturschutzjugend in Bayern (NAJU) und des Förderkreises der Naturschutzjugend im LBV e. V. besteht.[9] Erster Vorsitzender des Vereins ist seit 1978 der Apotheker Ludwig Sothmann.

Die Landeszentrale des Landesbundes für Vogelschutz befindet sich in Hilpoltstein, Mittelfranken. Dort werden der LBV, seine 20 Geschäftsstellen und die rechtlich unselbständigen Orts- und Kreisgruppen zentral verwaltet.

Aktionen[Bearbeiten]

Die Stunde der Wintervögel führt der LBV seit dem Jahr 2005 durch. Heute wird sie zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (seit 2011) und Birdlife Österreich (seit 2010) jährlich um den 6. Januar herum veranstaltet.

Die Stunde der Gartenvögel ist die deutschlandweit größte Aktion zur Vogelbeobachtung, sie findet seit 2005 jährlich zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland in ganz Deutschland statt. 2014 fand erstmals die Stunde der Gartenvögel PLUS statt, bei der auch der Bestand der Gartentiere Igel, Tagpfauenauge, Zauneidechse und Erdkröte erfasst wurden.

Regelmäßig zum Frühjahrsanfang wird die Öffentlichkeit aufgerufen, dem LBV zu melden, wann und wo in Bayern die ersten Kuckucke zu hören sind. Mit Hilfe der Meldungen will der LBV herausfinden, ob sich der Kuckuck an die Klimaerwärmung anpassen kann.

Neuland betrat der LBV mit dem einzigartigen internationalen Kuckuck-Satelliten-Telemetrie-Projekt. Um die Zugwege bayerischer und weiter östlich in Europa lebender Kuckucke zu erforschen, wurden im Frühjahr 2013 Kuckucke im Donautal unterhalb von Regensburg sowie im Süden von Weißrussland mit Satellitensendern ausgestattet. So wird ihr Zug in die Überwinterungsquartiere und zurück ins Brutgebiet verfolgt. Da die Zugrouten live im Internet mitverfolgt werden können, haben sowohl Vogelschützer als auch die breite Öffentlichkeit zum ersten Mal die Möglichkeit zu ergründen, auf welchen Wegen die Vögel in den Süden ziehen und wo sie sich dort bis zum nächsten Frühling aufhalten. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und zahlreichen privaten Spendern.

Bei der jährlich stattfindenden Fledermausnacht bietet der LBV bayernweit zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Fledermaus an. So werden etwa Exkursionen angeboten, wo Teilnehmer ausgerüstet mit Taschenlampen und Fledermaus-Detektoren die Möglichkeit haben, die Ultraschall-Rufe der Fledermäuse zu vernehmen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Magazin Vogelschutz, in dem über LBV-Projekte und Naturschutzthemen berichtet wird, erscheint vierteljährlich und wird an alle Mitglieder versandt. Die Mitglieder der Naturschutzjugend in Bayern erhalten das Jahrbuch Nestflüchter.

Wappentier des LBV ist der Eisvogel, der Vogel des Jahres 1973 und 2009.

In Bayreuth befindet sich das Naturkundemuseum Lindenhof, das vom LBV betrieben wird.

Quellen[Bearbeiten]

  1. 100. LBV-Geburtstag. Abgerufen am 10. Mai 2012
  2. Norbert Schäffer zum LBV-Vorsitzenden gewählt
  3. laut Angaben auf der Homepage des LBV zum Arche Noah Fonds. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  4. Eigene Seite zum Rainer Wald Projekt
  5. Der Falke Taschenkalender 2009. Aula-Verlag. Wiebelsheim. S. 196.
  6. Seite des Arche Noah Kindergartens des LBV. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  7. Seite der Umweltbildung im LBV. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  8. Landesbund für Vogelschutz: LBV Umweltstationen. Abgerufen am 10. Mai 2012
  9. siehe Satzung des LBV (PDF; 113 kB). Abgerufen am 10. Mai 2012

Weblinks[Bearbeiten]