Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd

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Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd
Landesgymnaium für Hochbegabte.JPG
Landesgymnasium für Hochbegabte mit Kompetenzzentrum
Schulform Gymnasium (für Hochbegabte)
Gründung 2004
Adresse

Universitätspark 21

Ort Schwäbisch Gmünd
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 48′ 2,6″ N, 9° 48′ 52,3″ O48.8007222222229.8145277777778Koordinaten: 48° 48′ 2,6″ N, 9° 48′ 52,3″ O
Träger Schulverband Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd
Schüler 236 (Stand: Schuljahr 2012/2013)
Lehrkräfte 37 (Stand: Schuljahr 2012/13)
Leitung Christoph Sauer
Website www.lgh-gmuend.de

Das Landesgymnasium für Hochbegabte (kurz: LGH) in Schwäbisch Gmünd ist eine staatliche Internatsschule zur Hochbegabtenförderung des Landes Baden-Württemberg mit angeschlossenem Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung. Schulträger des Landesgymnasiums ist der Schulverband Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd mit Sitz in Schwäbisch Gmünd, dem die Stadt Schwäbisch Gmünd und der Ostalbkreis angehören.

Lage[Bearbeiten]

Der Campus des Landesgymnasiums liegt im Universitätspark in der Oststadt von Schwäbisch Gmünd. Den Namen hat das ehemalige Kasernenareal durch das University of Maryland University College (UMUC), das nach dem Abzug der US-Truppen aus der Bismarck-Kaserne, die Kaserne von 1992 bis 2002 als Campus nutzte.

Konzeption[Bearbeiten]

Die Schule und das zugehörige Internat haben im Schuljahr 2004/2005 mit den Klassenstufen 7 und 10 den Schulbetrieb aufgenommen. In allen darauffolgenden Schuljahren bis zum Beginn des Schuljahres 2010/11 wurden je wieder eine 7. und 10. Klasse aufgenommen. Im Schuljahr 2010/11 wurden je eine siebte, eine neunte und eine zehnte Klasse und im Schuljahr 2011/12 eine siebte, eine achte und eine neunte Klasse aufgenommen, so dass die Schule nun in der siebten Klasse ein- und ab der achten Klasse zweizügig ist. Insgesamt besuchen rund 240 Schüler das Landesgymnasium für Hochbegabte. Zu Beginn des Schuljahres 2012/13 sollten alle Klassen von der siebten bis zur zwölften Klasse zweizügig geführt werden; dieser Plan wurde jedoch aus verschiedenen Gründen nicht vollständig umgesetzt. Die maximale Klassenstärke beträgt 24 Schüler.

Die Schule folgt insgesamt einem angelsächsisch inspirierten Campusmodell, wie etwa auch das Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra.[1] Das Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd ist nach dem Landesgymnasium Sankt Afra das zweite entsprechende Gymnasium der Hochbegabtenförderung in Deutschland.[2]

Leitbild[Bearbeiten]

Das Landesgymnasium für Hochbegabte hat es sich in seinem Leitbild als oberstes Ziel gesetzt, hochbegabten jungen Menschen die positive Entfaltung ihrer Talente zu ermöglichen.[3] Hierbei orientiert es sich an dem Leitspruch des Psychologen William Stern, der den Begriff des Intelligenzquotienten prägte:

„Intelligenz an sich ist ein Rüstzeug: Wertvoll wird sie erst durch die positiven Ziele, in deren Dienst sie verwandt wird.“

Das Schulgebäude

Mit diesem Leitspruch sollen sich die Schüler des Landesgymnasiums zu ihren Begabungen bekennen und sich dem daraus resultierenden Anspruch stellen, einen Beitrag zur Bildung einer Verantwortungselite zu leisten. Es soll nicht nur die intellektuelle Leistungsfähigkeit, sondern auch die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schüler gefördert werden. Aus diesem Grund werden neben dem normalen Schulunterricht, dem "Fundamentum", auch Arbeitsgemeinschaften in Form so genannter Addita angeboten.

Durch die vergleichsweise große Rolle, die der SMV unter anderem in Form des Schülerrats, LGH-Rats und der Schulsprecher eingeräumt wird, sollen die Schüler früh die Möglichkeit haben, demokratische Prozesse mitzuerleben und mitzugestalten.

Das Campusmodell[Bearbeiten]

Schule und Internat bilden eine pädagogische Einheit. Der Besuch des Internats war bis Ende des Schuljahres 2007/08 verbindlich, die Internatspflicht wurde aber durch einen Ministerratsbeschluss aufgehoben. Seit dem Schuljahr 2008/09 werden in jede Klasse bis zu vier externe Schüler aufgenommen, die aber auch aktiv am Campusleben teilnehmen.

Die Schüler wohnen im Internat in Mittelstufen-Wohngruppen und Oberstufen-Wohngruppen. Jede Wohngruppe wird von zwei Lehrkräften als Mentoren in der Mittelstufe und einem in der Oberstufe betreut. Den Lehrkräften am Landesgymnasium für Hochbegabte kommt dadurch eine pädagogische Doppelfunktion zu. Sie unterrichten zum einen ihre Fächer und beraten, begleiten und betreuen zum anderen die Schüler als Mentoren in Schule und Internat, weshalb die meisten Lehrkräfte direkt auf dem Campus wohnen. Diese Einheit von Erziehung und Unterricht hat ihr Vorbild im angelsächsischen Campus- und Collegemodell.[1]

Die Lehrerwohnungen auf dem Campus

Für die Schüler erhalten die Strukturen der Selbstorganisation mit zunehmendem Alter mehr Gewicht. Je verantwortungsbewusster sie damit umgehen, umso größer sind die Freiräume, die ihnen in Schule und Internat eingeräumt werden. Damit bieten Schule und das Internat wichtige Lerngelegenheiten, demokratische Formen des Zusammenlebens und die Übernahme von Verantwortung zu leben.

Aufnahmebedingungen[Bearbeiten]

Aufnahmebedingungen für die Schule sind eine in drei Stufen getestete hohe Begabung. Der Intelligenztest, bei dem ein Intelligenzquotient von zirka 130 als Schwellenwert festgelegt ist, bildet Basis für weitere Tests und Beurteilungen. Außerdem ist eine hohe soziale Kompetenz gefordert. Diese wird bei den Bewerbern an einem Wochenende getestet, welches die potentiellen Schüler im Internat verbringen und bei dem sie in Gruppen an verschiedenen Projekten zu arbeiten haben.[4] Schüler, die die Aufnahmetests bestehen, werden zunächst in eine Probephase für ein Halbjahr aufgenommen, danach wird über den endgültigen Verbleib an der Schule entschieden.

Unterricht[Bearbeiten]

In den Klassen sieben bis zehn wird das Schuljahr in Trimester aufgeteilt. Für die Kursstufe schreibt das Schulgesetz jedoch Semester vor.

Der Unterricht wird in den Fremdsprachen und in Mathematik für die Klassen sieben bis zehn in Kursen erteilt, die nach dem Kenntnisstand der Schüler gestaffelt sind. Wenn ein Schüler in einem Fach Lücken hat, kann er sich dagegen auch einen Kurs zurückstufen lassen und in einem unteren Kurs die entsprechenden Themengebiete nochmal wiederholen. Wenn ein Schüler in einem Fach so gut ist, dass er auch im höchsten Kurs unterfordert ist, kann er mit dem Fachlehrer einen so genannten Lernvertrag abschließen, das heißt, er wird von der regelmäßigen Unterrichtsteilnahme entbunden, aber verpflichtet sich dazu, sich die Inhalte des Unterrichts und darüber hinausgehenden Stoff selbstständig zu erarbeiten. Zudem beinhalten Lernverträge meist eigenständige Hausarbeiten. Eine weitere Möglichkeit für die Schüler besteht darin, neben dem Unterricht auch ein Frühstudium an einer der Partneruniversitäten zu absolvieren.

Insgesamt ist der Unterricht weniger kompakt als an üblichen Gymnasien organisiert, es sind deutlich mehr Hohlstunden vorgesehen. Das Unterrichtskonzept beruht insofern auf der Annahme, dass die Schüler sich selbstständig weiterbilden. Ergänzt wird das Kursangbot durch "Addita" als über den normalen Schulbetrieb hinausgehende Aktivitäten.[5] Ermöglicht wird dies dadurch, dass die einzelnen Kurse jeweils mit geringerer Stundenzahl als an gewöhnlichen Gymnasien durchlaufen werden.[6] Der Notendurchschnitt des Abitursjahrgangs 2007 betrug 1,5.[7]

Addita[Bearbeiten]

Addita sind über den normalen Unterricht hinausgehende Aktivitäten, die einen wichtigen Bestandteil des Schulkonzepts am LGH darstellen. In diesem Teil des Schulgeschehens haben die Schüler sowohl die Möglichkeit, Neues zu erlernen, als auch Begeisterungen in Veranstaltungen zur Spitzenförderung zu vertiefen. Die Addita sind dabei in fünf verschiedene Anforderungsgebiete unterteilt:

  • Naturwissenschaftliche Addita, z. B. ChemTech (Chemie), NUGI+ (Biologie), iLab (Informatik), Mathematik Spitzenförderung, Technology Student Association (Ingenieurswissenschaften)
  • Musisch-künstlerische Addita, z. B. Theater, Kunst, Chöre, Band, Jahrbuch, Longboardwerkstatt
  • Sprachliche Addita, z. B. Französisch, Chinesisch, Russisch, Arabisch
  • Geisteswissenschaftliche Addita, z. B. Philosophie, Schach, politische Theorie, Geschichte, Model United Nations
  • Sportliche Addita: z. B. Tennis, Basketball, Fußball, Tanzen

Es gibt sowohl Addita, die von Lehrern geleitet werden, als auch Schüleraddita, bei welchen Schüler die vollständige Leitung und Organisation übernehmen.

Kosten[Bearbeiten]

Das Landesgymnasium für Hochbegabte ist ein öffentliches Gymnasium, deshalb ist der Besuch kostenlos. Für Unterbringung und Verpflegung im Internat sowie für Kulturausgaben fallen jedoch Kosten an.

Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung[Bearbeiten]

Das Kompetenzzentrum (kurz KH) ist eine Abteilung des Landesgymnasiums mit internen und externen Aufgaben. Es ist sowohl an der Auswahl und Beratung der Schüler beteiligt, als auch an den Fortbildungsmaßnahmen und Erhebungen innerhalb der Schule. Außerdem stellt es eine landesweite Anlaufstelle zu Fragen zur Förderung von Hochbegabten dar.

Weiter dient das Kompetenzzentrum als Testzentrum für verschiedene Universitätszulassungstests (ACT, TSA,[8] u. ä.).

Schülerforschungszentrum[Bearbeiten]

Im Schuljahr 2007/2008 wurde das Schülerforschungszentrum im Gebäude 11 eingeweiht. Dieses ermöglicht es Schülern sowohl des LGH als auch anderer Schulen in Schwäbisch Gmünd, erste Forschungsarbeiten, zum Beispiel im gentechnischen S1-Labor, durchführen zu können. An der Finanzierung beteiligten sich privatwirtschaftliche Unternehmen. Die verschiedenen Einrichtungen im Schülerforschungszentrum sind ChemTech (Chemie), NUGI+ (Biologie), iLab (Informatik), SIGMA (Mathematik)[9] und Technology Student Association (TSA).[10]

Auszeichnungen und Wettkampfteilnahmen[Bearbeiten]

Es nehmen regelmäßig Schüler bei Wettbewerben wie Jugend forscht, Jugend musiziert, Debating, Landes- und Bundeswettbewerb Mathematik, Bundeswettbewerb Fremdsprachen oder der TSA teil. 2011[11] und 2012[12] etwa gehörten Teilnehmer des Landesgymnasiums zu den Gewinnern bei Jugend forscht. 2011 errang ein Schüler der Schule bei der International Junior Science Olympiade in Durban eine Goldmedaille.[13]

Ehemalige[Bearbeiten]

Im Juli 2009 gründete sich der Alumniverein des Landesgymnasiums für Hochbegabte e. V. (kurz: LGH alumni e. V.) Seine Ziele sind Erfahrungsaustausch, praktische und ideelle Unterstützung der Schule sowie die Kontaktpflege.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Internate: Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd, Schulspiegel auf Spiegel Online.
  2. Die Revolution der Klugen, Focus Online vom 3. Dezember 2012.
  3. Das Leitbild
  4. Stellungnahme des Landtags (PDF; 83 kB)
  5. Ein Lernvertrag in Mathematik, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Juni 2013, S. N6.
  6. Das LGH - eine besondere Schule, Neue Württembergische Zeitung vom 16. Juli 2011.
  7. Schule für Hochbegabte: Unterricht auf Höchstniveau (dpa), Südkurier vom 25. August 2008.
  8. Thinking Skills Assessment Test
  9. SIGMA
  10. Technology Students Association
  11. Liste der Preisträger bei Jugend forscht 2011 (PDF; 28 kB)
  12. Schulen aus dem Kreis erhalten Jugend-forscht-Preis, Schwäbische.de vom 19. Juni 2012.
  13. Pressemitteilung des bayerischen Kultusministeriums
  14. Satzung des Alumnivereins des Landesgymnasiums für Hochbegabte e. V. (PDF; 21 kB)