Landform

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Ein vom Gletscher geschliffener Rundhöcker und ein von Flusserosion verursachter Böschungsbruch in einem Trogtal

Landformen oder Reliefformen sind eine allgemeine Bezeichnung für die Oberflächenformen des Landes.[1] Sie bilden zusammen das Relief. Ein Berg oder ein Atoll ist eine Landform. Das Wort ist eng verwandt mit der Geländeform, eine speziellere Bezeichnung, die das Land eher nur geometrisch-abstrakt beschreibt, beispielsweise für eine Karte. Eine Landform kann auch die Geologie oder Entstehung hervorheben. Landschaftselemente dagegen sind allgemeiner zu verstehen, noch allgemeiner als Landform, sie schliessen die Ökologie (Wasser, Wald) und Bebauung (Steinmauern, Häuser) mit ein und bilden zusammen die Landschaft.

Eine Landform hat eine Einheit, eine Gemeinsamkeit, die sie von der Umgebung abgrenzt. Speziellere Bezeichnungen gehen darauf ein, zB. Landformen am fliessenden Wasser (fluviale Landformen), oder eben die konkreten Landformen, wie zB. Berg.

Forschungsgegenstand[Bearbeiten]

Die Beschreibung und Klassifikation der Landformen ist Forschungsthema der Geomorphografie (Landformenkunde). Auch der Boden und mögliche Hinweise zu seiner Entstehung (zB. Schleifspuren eines Gletschers am Gestein) werden beschrieben. Gesteinsentstehungs­informationen kommen von der Strukturgeologie. In weiterer Folge kann das Fachgebiet der allgemeinen Geomorphologie die Entstehung der Landformen und ihre Zusammenhänge untersuchen.

Auch die Fachgebiete Kartografie, Topografie und Fotogrammetrie sind an einschlägigen Forschungen beteiligt, sowie die Planetologie, die allerdings auf anderen Planeten.

Landform nach Geometrie: Geländeform[Bearbeiten]

Schroffe Geländeformen

Geländeformen beschreiben hauptsächlich mit geometrischen Mitteln das Land. Diese Mittel sind etwa Form, Neigung, Himmelsrichtung (Exposition), Höhe und Ausdehnung. Geländeformen beschreiben das Land allgemein, auch ohne Besonderheiten wie Wasserkörper, Gletscher oder markantem Bewuchs. Entstehungsprozessen oder Abhängigkeiten wird dabei wenig Berücksichtigung geschenkt.

Landform nach Entstehung und Lage[Bearbeiten]

Beurteilt man ein Land nach seiner Entstehung, bilden sich möglicherweise andere zusammenhängende Gebiete als durch die Geometrie. Die Entstehung ist meist eng mit der Lage verbunden. Wasser oder Gletscher sind für durch sie geprägte Landformen zumindest ein Entstehungsfaktor. Ausnahme ist die künstliche Landform, sie hat nichts mit ihrer Lage zu tun.

Die meisten Varianten der Entstehung von Land, also der reliefbildenden Prozesse, haben typische Landformen. Sie werden deshalb auch nach den von der Geomorphologie bekannten Entstehungsprozessen eingeteilt. Nämlich grob in: [2] [3]

Genauer:

Vulkanogene Formen[Bearbeiten]

Vulkan

Endogene Landformen, die nicht nennenswert von Abtragung betroffen sind, sind auf der Erde vulkanischen Ursprungs. Ein Vulkankegel oder eine Caldera sind vulkanogene Landformen. Tektonische Gebirgsformen dagegen, auch ursprünglich endogene Formen, sind so gut wie immer von exogenen Kräften beeinflusst.

Gravitativ entstandene Formen[Bearbeiten]

Die einfachste exogene, also abgetragene oder angelagerte, Landform ist durch Gravitation, manchmal mit Hilfe von Wasser, entstanden. Beispiele: Talus (Schutthalde), Abrissnische einer Rutschung

Periglaziale Formen[Bearbeiten]

Periglaziale Kleinformen

Periglaziale Landformen sind durch Bodeneis entstanden, das saisonal auftritt oder als Permafrostboden. Beispiel: Frostmusterboden

Glaziale Formen[Bearbeiten]

Gletschermund

Der Gletscher dominiert oder dominierte die Entstehung glazialer Landformen. Auch der Gletscher selbst und seine Formen darauf gehören zu den Landformen. Subglaziale Formen unter dem Gletscher gehören dazu, wenn der Gletscher inzwischen weg ist. ZB.: Gletschermühle, Trogtal

Fluviale Formen[Bearbeiten]

Das Wasser selbst gehört nur am Rande zu den Landformen, wohl aber seine Umgebung. Formgebender Einfluss für fluviale Landformen ist das fliessende Wasser, zB. im Kerbtal oder im Schwemmfächer. In Verbindung mit glazialer Entstehung ergeben sich fluvioglaziale Formen.

Marine und limnische Formen[Bearbeiten]

Marine Landform

Durch das Meer oder durch Seen entstandene Landformen wie Kliff, Strand.

Äolische Formen[Bearbeiten]

Durch den Wind entstandene Landformen treten vor allem in ariden Klimazonen, wie in der Wüste, auf. ZB.: Düne, Steinpflaster

Karstformen[Bearbeiten]

Karst ist durch Karstprozesse entstanden. Sie bilden zB. Karsthöhlen oder Dolinen, auch Gipshöhlen zählen dazu.

Andere exogene Formen[Bearbeiten]

Einige reliefbildende Prozesse bilden keine charakteristischen Landformen, zB. Grundwasserprozesse, oder sie sind anderen Kategorien zuzuordnen, wie viele biogene Landformen, zB. Korallenriffe. Für den Rest der exogenen Formen ist diese Gruppe. Das können durch Schnee entstandene Nivationsmulden sein, oder Wackelsteine oder Ameisenhügel. Letztere sind eigentlich schon mehr Objekte als Landformen.

Künstliche Formen[Bearbeiten]

Landformen unterschiedlicher Lage sind direkt durch menschliche Massnahmen entstanden, etwa ein Steinbruch.

Kosmogene Formen[Bearbeiten]

Irdische Formen, deren Ursache ein Himmelskörper war, haben kosmogenen Ursprung, zB. ein Meteoritenkrater. Die Landform gibt es auch bei kosmischen Objekten selbst, wo sie weit häufiger auftreten kann.

Landform nach Ausdehnung[Bearbeiten]

Landformen mit einer Ausdehnung in der Grössenordnung von 100 m bis Kilometern werden der Mesoskala zugeordnet, sie gehören zum Mesorelief.[4] Beispiele sind Berg, Tal, Hügel und dergleichen. Von der Grösse darunter angeordnet sind Kleinformen, zum Beispiel die Böschung. Darüber gibt es Landschaftsformen, siehe dazu Großlandschaften.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einführung in die Geomorphologie Seite 13, Lehrbuch (Online-Leseprobe) von Frank Ahnert, 1996
  2. Reliefbildende Prozesse, Artikelsammlung, Projekt PG-Net, Freie Universität Berlin
  3. Naturräume Lateinamerikas - vom Feuerland bis in die Karibik, wissenschaftliche Arbeit von Axel Borsdorf und Hannes Hoffert, abgerufen 2014
  4. Mesorelief, Glossar, Projekt GEOVLEX der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2008, abgerufen 2014

Siehe auch[Bearbeiten]