Geschichte Thüringens

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Dieser Artikel beschreibt die Geschichte des Landes Thüringen. Sie beginnt im Wesentlichen mit dem Reich der Thüringer, das im Jahr 531 unterworfen und ins Frankenreich eingegliedert wurde. Zur Zeit der Landgrafschaft Thüringen[1] gab es dann im Mittelalter noch einmal einen thüringischen Gesamtstaat, bevor das Land in zahlreiche Kleinstaaten zerfiel. In den folgenden Jahrhunderten wurde Thüringen von den sächsischen Wettinern, Ernestinern, den Reußen, den Schwarzburgern und Südthüringen von den fränkischen Hennebergern und Würzburgern beherrscht. Ein thüringischer Staat entstand erst 1920 wieder aus acht Kleinstaaten. Zu ihm gehörten allerdings bis 1944 noch nicht die nördlichen Landesteile, das Zentrum des Landes mit der Stadt Erfurt und die Exklave Herrschaft Schmalkalden. 1952 wurde das Land Thüringen in drei Bezirke aufgeteilt, die sich erst 1990 wieder zusammenschlossen. Seitdem ist Thüringen eines der 16 Bundesländer in Deutschland und trägt neben Bayern und Sachsen die Bezeichnung Freistaat, der jedoch keine politische Bedeutung zukommt.

Frühgeschichte und Altertum[Bearbeiten]

Thüringen lag in der Altsteinzeit an den südlichsten Ausläufern der eiszeitlichen Gletscher (Elstereiszeit). Die ältesten Funde menschlicher Besiedlung im Land stammen aus Bilzingsleben, Ehringsdorf bei Weimar (Ehringsdorfer Urmensch) sowie aus Ranis.

Um 100 v. Chr. wanderten Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und vertrieben die Kelten beziehungsweise vermischten sich mit ihnen. Letztere lebten bis um Christi Geburt südlich des Thüringer Waldes und erbauten dort ihr einziges Oppidum auf dem Gebiet Mitteldeutschlands, die Steinsburg bei Römhild.

Im Jahr 3 n. Chr. vereinigte der Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Turonen, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich. 19 n. Chr. vertrieb Vibilius, Fürst der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods, und verleibte sich so den nordböhmischen Teil des Markomannenreiches ein. Laut Tacitus (98 n. Chr.) entsprang die Elbe, deren Quelle tatsächlich im nordöstlichen Böhmen liegt, im Gebiet der Hermunduren.

Die Römer herrschten zwar niemals in Thüringen, dennoch unterhielten sie Handelsbeziehungen und unternahmen einige Expeditionen dorthin. Vielfach wurden im Land römische Münzen gefunden, und die Römische Töpferei von Haarhausen bei Erfurt war fast identisch mit Töpfereien der Römer.

Im 3. Jahrhundert brachen Angeln und Warnen von Norden nach Thüringen ein und bildeten zusammen mit den Hermunduren und Turonen die Thüringer. Im 4. Jahrhundert wurde der Name Thoringi erstmals durch Flavius Vegetius Renatus schriftlich erwähnt, wobei diese Quelle bezweifelt wird. Sicher hingegen ist die Existenz von Sidonius Apollinaris, eines gallischen Autors, der um 480 die Thoringi als einen ehemaligen Gefolgschaftsverband des Hunnenkönigs Attila bei dessen Kriegszug nach Gallien benannte.

Mittelalter[Bearbeiten]

Königreich Thüringen[Bearbeiten]

Das Königreich Thüringen existierte bis zur Zerschlagung durch die Franken und Sachsen im Jahr 531. Die Quellen sind spärlich, genau zu datieren ist nur das Ende.

Angebliches Wappen des Thüringer Königreiches, 1546

Infolge des Abzugs der Hunnen Mitte des 5. Jahrhunderts konnten die Thüringer unter König Bisinus, des ersten gesicherten Thüringerherrschers (um 500), die Herrschaft über ein ausgedehntes Gebiet übernehmen. Das Reich erstreckte sich vermutlich nach Süden über den Main hinaus und möglicherweise fast bis zur Donau.

Nach dem Tod des Bisinus regierten seine Söhne Balderich, Herminafried und Berthachar, von denen Berthachar früh von Herminafried ermordet wurde. Schließlich blieb nur noch Herminafried als eigenständiger König übrig. Herminafried (Ermanfried, Hermenefred) heiratete die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich der Große. Nach dem Tod Theoderichs 526 nutzten die Franken die Gelegenheit und griffen an. 531 war das Ende des Reiches gekommen. In der Schlacht an der Unstrut besiegten die merowingischen Franken unter den Königsbrüdern Chlothar I. und Theuderich I. die Thüringer. Ob die Sachsen in dieser Auseinandersetzung mit den Franken verbündet waren, ist in der modernen Forschung umstritten. Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafried 534 in Zülpich) fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Die letzte Angehörige des Königshauses, Radegundis, starb 587 im fränkischen Exil und wurde später heiliggesprochen.

Das Reich wurde zerschlagen und unter den Siegern aufgeteilt. Das Gebiet nördlich des Harzes ging an die Sachsen, der Süden an die Franken. Die Gebiete östlich der Saale konnten von den Franken nicht gehalten werden und wurden von Slawen besiedelt. Als Tribut wurde den südlichen Thüringern der so genannte Schweinezins auferlegt, demzufolge sie dem fränkischen Königshof jährlich 500 Schweine liefern mussten.

Das Iringlied erzählt eine von den Ereignissen inspirierte Geschichte vom Untergang des Thüringerreiches und dem Ende Herminafrieds.

Siehe auch: Thüringer

Das merowingische Herzogtum Thüringen[Bearbeiten]

Das Thüringer-Reich als Teil des Fränkischen Reiches zu Zeiten der Merowinger

Um 630 errichteten die Merowinger in Thüringen ein Herzogtum und setzen als Herzog den Franken Radulf ein. Über ihn und seine Nachfolger Heden I. und Heden II. ist fast nichts bekannt. Heden II. schenkte 704 seinen Hof Arnstadt dem Bischof Willibrord – es ist die älteste urkundliche Erwähnung eines Ortsnamens im Thüringer Gebiet.

Unklar ist, ob es sich bei Radulf um einen Herzog Hruodi handelt, der etwa gleichzeitig in der Würzburger Gegend herrschte. Das Herzogtum bestand bis ins späte 7. Jahrhundert.

Thüringen in ottonischer und salischer Zeit[Bearbeiten]

Thüringen als Teil des Heiligen Römischen Reiches zur Zeit der Salier

Im Gegensatz zu den übrigen deutschen Stämmen entstand bei den Thüringern zu Beginn der deutschen Geschichte Anfang des 10. Jahrhunderts kein eigenständiges neues Stammesherzogtum. In ottonischer Zeit waren die einflussreichsten Fürstenhäuser in der Region die Markgrafen von Meißen und die Grafen von Weimar. Thietmar von Merseburg schrieb, Markgraf Ekkehard I. sei durch das Volk der Thüringer zum Herzog gewählt worden – auch wenn eine solche Wahl, falls sie tatsächlich stattgefunden hat, kaum Rechtsgültigkeit besessen hätte. Nach der Ermordung Ekkehards I. im Kloster Pöhlde bei Nordhausen im Jahr 1002 stiegen die Grafen von Weimar zur wichtigsten Familie des Landes auf. Als König Heinrich II. bei seinem Krönungsumritt im Juli 1002 Kirchberg bei Jena besuchte, trat Wilhelm II. als Fürsprecher aller Thüringer auf und erreichte beim König nach fast 500 Jahren die Aufhebung des Schweinezinses.

Unter den thüringischen Adelsgeschlechtern des Mittelalters gewann das der Ludowinger eine besondere Bedeutung. Seine ersten bekannten Angehörigen standen – wie die verwandten Reginbodonen – in engerer Beziehung zum Erzbistum Mainz und waren (auch) am mittleren Main begütert. Ludwig der Bärtige – angeblich ein Verwandter Giselas, der Ehefrau Kaiser Konrads II. – erhielt um 1040 ein Lehen nördlich des Thüringer Waldes und legte die heute verfallene Schauenburg an. Im Raum Friedrichroda/Finsterbergen erwarb er ein ansehnliches Territorium, das später, auch durch Heirat, bis an den Harz ausgedehnt werden konnte. Sein Sohn Ludwig der Springer erbaute 1067 die Wartburg.

Die ludowingische Landgrafschaft Thüringen [Bearbeiten]

Ludwig I. wurde 1131 von Kaiser Lothar von Supplinburg zum Landgrafen von Thüringen erhoben. Diese neue Landgrafschaft war 1111/1112 durch Kaiser Heinrich V. geschaffen worden. Als erster Landgraf war der bayrische Feldherr Hermann I. von Winzenburg-Radelberg († 1122) eingesetzt worden.[Anmerkung 1] Unter den Ludowinger Landgrafen wurde Thüringen mehrfach in den Staufisch-welfischen Thronstreit hineingerissen. Die auf ihren Vorteil bedachten Landgrafen wechselten in dieser Zeit mehrfach die Fronten. Die landgräflichen Hauptresidenzen Wartburg, Runneburg, Neuenburg, das Marburger Landgrafenschloss und die Burg Creuzburg wurden prachtvoll ausgestattet und waren im 12. und 13. Jahrhundert Zentren deutscher Kultur. Bekannt sind der sagenhafte Sängerkrieg und das Wirken der heiligen Elisabeth (1207–1231). Die Heirat Ludwigs IV. mit Elisabeth, der Tochter des ungarischen Königs Andreas II., zeigt, dass die Ludowinger zu den mächtigsten deutschen Reichsfürsten zählten.

Erste Stadtgründungen[Bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert erfolgten auch in Thüringen die ersten Stadtrechtsverleihungen. Nach königlichem Recht (ius civitatis) waren die Stadtrechte von Mühlhausen, Nordhausen und Saalfeld gestaltet und diese Städte zu Reichsstädten erhoben worden. Das dem Mainzer Erzbistum unterstellte Erfurt galt zu dieser Zeit bereits als eine mittelalterliche Großstadt mit über 10.000 Einwohnern. Noch im 13. Jahrhundert entstand eine Gruppe kleiner Städte, meist in der Nähe landgräflicher Burgen, wie Waltershausen, die dem Handel und Handwerk größere Vorteile boten als in dörflicher Umgebung. Die Ludowinger waren auch die ersten Herrscher Thüringens, die aktive Städtepolitik betrieben und diese zur Machtsicherung und -erweiterung einsetzten. Aus den Stadtgrundrissen lassen sich geplanten Stadtgründungen (nach Eisenacher Stadtrecht) an einem rechteckigen Straßenraster erschließen, zu diesen gehören Gebesee und Weißensee, welches zu einem Machtzentrum im östlichen Teil der Landgrafschaft avancierte, oder Thamsbrück, eine – erfolglose – Gegengründung zu Langensalza, die nicht im Machtbereich der Ludowinger lag.[2]

Geistliche Ritterorden in Thüringen [Bearbeiten]

Die Johanniterburg in Kühndorf

In der Zeit der Kreuzzüge hatten sich Ritterorden herausgebildet, die auch in Thüringen hohes Ansehen genossen. In engster Beziehung zum Landgrafenhaus befand sich der Deutsche Orden. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts übernahm er wichtige Positionen östlich der Saale und gründet Niederlassungen (Komtureien) in Altenburg (1214), Zwätzen (1221), Porstendorf und Schleiz (1224) sowie im westlichen Thüringen Nägelstädt (1222) und Mühlhausen (1227). Durch Schenkungen und Landkauf entstanden im Umkreis dieser oft burgartig befestigten Sitze weitere Landgüter. Die Ballei Thüringen fand ihren Hauptsitz in Zwätzen. Der Johanniterorden war ebenfalls in Thüringen vertreten, sein administratives Zentrum lag im Raum Weißensee, der Templerorden hatte in Topfstedt bei Greußen Fuß gefasst, kleine Hospitalorden (z.B. der Lazariter-Orden auf dem Wackenhof bei Kupfersuhl) vervollständigen das Bild.

Die Landgrafschaft unter den Wettinern im Spätmittelalter[Bearbeiten]

Vollwappen des Wettiner Landgrafen Albrecht (1265)

Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe, versuchte 1246 die deutsche Königskrone zu erlangen, starb jedoch ein Jahr später. Daraufhin kam es zum thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg zwischen dem Enkel Hermanns I., dem Meißener Markgrafen Heinrich dem Erlauchten, dem Heinrich Raspe 1243 die Eventualbelehnung im Falle seines Todes zugesichert hatte, und Sophie von Brabant, einer Tochter Ludwigs IV. und der heiligen Elisabeth, die das Erbe für ihren minderjährigen Sohn Heinrich das Kind beanspruchte. Nach Kriegsende (1264) fiel Thüringen zum Großteil an den Wettiner Heinrich den Erlauchten. Der Westteil des ehemaligen ludowingischen Herrschaftsgebietes, die durch Heirat zur thüringischen Landgrafschaft hinzugekommenen hessischen Grafschaften, nahmen seit 1264 wieder eine eigene Entwicklung und bildeten die Landgrafschaft Hessen unter Heinrich I. von Hessen, dem Sohn Sophies von Brabant.

Die thüringischen Besitzungen der Wettiner wurden schrittweise in den wettinischen Gesamtstaat integriert, zu dem auch die Markgrafschaft Meißen und seit 1423 das Kurfürstentum Sachsen(-Wittenberg) gehörten. Einige wettinische Fürsten überließen die Regierung Thüringens jedoch anderen Verwandten. Im Thüringer Grafenkrieg (1342–1346) konnten sie ihre Dominanz gegenüber den anderen Adelsherrschaften in Thüringen sichern. Mit dem Tod Friedrichs IV. endete 1440 die Existenz Thüringens als selbständiger Staat.

Thüringische Staaten unter den Wettinern[Bearbeiten]

Reformationszeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1446 kam es zum Sächsischen Bruderkrieg, nachdem der Plan der Altenburger Teilung von den zerstrittenen Brüdern Friedrich II. und Wilhelm III. abgelehnt wurde. Erst mit dem Naumburger Frieden von 1451 wurde der Streit beigelegt. Das Nachspiel des sächsischen Bruderkrieges war der Altenburger Prinzenraub im Juli 1455, als der Ritter Kunz von Kaufungen die Prinzen Ernst und Albrecht aus der Burg in Altenburg entführte. 1485 kam es zur Leipziger Teilung, bei der die wettinischen Lande zwischen den Albertinern und den Ernestinern aufgeteilt wurden. Der Hauptteil von Thüringen fiel dabei an die Ernestiner. Ihr Gebiet wurde später in eine Vielzahl von Zwergstaaten aufgesplittert. Der Norden Thüringens verblieb bei den Albertinern und damit beim späteren Kurfürstentum Sachsen. Innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gehörte ein großer Teil Thüringens mit den übrigen Gebieten der Wettiner zum Obersächsischen Reichskreis. Der Südwesten war Teil des Fränkischen Reichskreises, während Erfurt und das Eichsfeld als kurmainzische Gebiete dem Kurrheinischen Reichskreis angehörten.

Während der Reformation spielte Thüringen eine bedeutende Rolle. Martin Luther hielt sich 1521 bis 1522 auf der Wartburg versteckt und übersetzte dort das Neue Testament ins Deutsche. 1525 war Thüringen neben Südwestdeutschland ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges. Bei Bad Frankenhausen kam es am 15. Mai 1525 zu einer der bedeutendsten Schlachten; wenige Tage später wurde Thomas Müntzer in Mühlhausen gefangen genommen und hingerichtet. 1531 schlossen sich die protestantischen Reichsstände in Schmalkalden zum Schmalkaldischen Bund gegen Kaiser Karl V. zusammen. Die Ächtung der führenden Vertreter dieses Bundes im Jahr 1546 führte zum Schmalkaldischen Krieg von 1546/47. Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, ein Ernestiner, dem auch Thüringen gehörte, stand dabei auf der Seite der Protestanten. Sein ebenfalls protestantischer Vetter, Herzog Moritz, ein Albertiner, unterstützte hingegen den Kaiser. Durch die Wittenberger Kapitulation von 1547 verlor Johann Friedrich der Großmütige Teile seines Besitzes und auch die Kurwürde an Herzog Moritz. Die Ernestiner behielten lediglich ihre thüringischen Besitzungen, die sich wie folgt zusammensetzten: die Ämter, Städte und Schlösser Gerstungen, Eisenach, Wartburg, Creuzburg, Tenneberg, Waltershausen, Leuchtenburg, Roda, Orlamünde, Gotha, Jena, Kapellendorf, Roßla, Weimar, Wachsenburg, Dornburg, Camburg, Buttstädt, Arnshaugk, Weida und Ziegenrück.

Hinzu kamen nach dem Tode des Herzogs Johann Ernst von Coburg (1553) noch die Ämter Coburg, Sonneberg, Hildburghausen, Königsberg, Veilsdorf und Schalkau. Durch den Naumburger Vertrag (24. Februar 1554) Altenburg, Eisenberg, Sachsenburg und Herbsleben, welche Kurfürst August abtrat, sowie 1555 durch Tausch mit den Grafen von Mansfeld die Herrschaft Römhild. Schließlich erwarb das Ernestinische Haus aus der hennebergischen Erbschaft (1583), definitiv allerdings erst 1660 die Ämter Meiningen, Themar, Maßfeld, Behrungen, Henneberg, Milz, Ilmenau, Kaltennordheim, Frauenbreitungen, Sand und Wasungen. Durch die nach dem Tod Johann Friedrichs des Großmütigen 1554 einsetzende Erbteilung der Ernestinischen Lande begann die Aufteilung Thüringens in zahlreiche kleine Einzelstaaten.

Die thüringischen Teilstaaten zwischen dem Beginn der Neuzeit und 1920[Bearbeiten]

Staat Existenzzeit Herkunft Verbleib
ERNESTINER
Sachsen-Weimar
1572–1741
Ernestinischer Gesamtstaat Sachsen-Weimar-Eisenach
Sachsen-Coburg-Eisenach
1572–1596
1633–1638
Ernestinischer Gesamtstaat Geteilt in
Sachsen-Coburg und Sachsen-Eisenach
Sachsen-Coburg
1596–1633
Sachsen-Coburg-Eisenach Sachsen-Gotha
Sachsen-Eisenach
1596–1741
Sachsen-Coburg-Eisenach Sachsen-Weimar-Eisenach
Sachsen-Altenburg
1603–1672
Sachsen-Weimar an Sachsen-Gotha
Sachsen-Gotha
1640–1680
Sachsen-Weimar Sachsen-Gotha-Altenburg
Sachsen-Jena
1672–1690
Sachsen-Weimar Sachsen-Weimar
Sachsen-Gotha-Altenburg
1680–1826
Sachsen-Gotha + Sachsen-Altenburg Sachsen-Coburg und Gotha sowie Sachsen-Altenburg
Sachsen-Meiningen
1680–1920
Sachsen-Gotha Land Thüringen
Sachsen-Hildburghausen
1680–1826
Sachsen-Gotha Sachsen-Meiningen
Sachsen-Coburg
1680–1735
Sachsen-Gotha Sachsen-Coburg-Saalfeld
Sachsen-Eisenberg
1680–1707
Sachsen-Gotha Sachsen-Gotha-Altenburg
Sachsen-Römhild
1680–1710
Sachsen-Gotha Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Meiningen,
Sachsen-Coburg-Saalfeld, Sachsen-Hildburghsn.
Sachsen-Saalfeld
1680–1735
Sachsen-Gotha Sachsen-Coburg-Saalfeld
Sachsen-Coburg-Saalfeld
1735–1826
Sachsen-Coburg + Sachsen-Saalfeld Sachsen-Coburg und Gotha, Sachsen-Meiningen
Sachsen-Weimar-Eisenach
1741–1920
Sachsen-Weimar + Sachsen Eisenach Land Thüringen
Sachsen-Coburg und Gotha
1826–1920
Sachsen-Coburg + Sachsen-Gotha Freistaat Bayern, Land Thüringen
Sachsen-Altenburg
1826–1920
Sachsen-Gotha-Altenburg Land Thüringen
REUSS
Reuß-Untergreiz
1564–1583
Spaltung in
Reuß-Untergreiz I und Reuß-Untergreiz II
Reuß-Obergreiz
1564–1768
Bildung von Reuß älterer Linie
zusammen mit Reuß-Untergreiz
Reuß-Gera
1564–1848
Vereinigung mit Reuß-Schleiz
zu Reuß jüngerer Linie
Reuß-Untergreiz I
1583–1596
Reuß-Untergreiz Vereinigung zu Reuß-Untergreiz-Burgk
Reuß-Untergreiz II
1583–1616
Reuß-Untergreiz Vereinigung mit Teilen von
Reuß-Untergreiz-Burgk zu Reuß-Untergreiz
Reuß-Untergreiz-Burgk
1596–1616
Reuß-Untergreiz I Aufspaltung in Reuß-Burgk
und Reuß-Untergreiz
Reuß-Burgk
1616–1697
Reuß-Untergreiz-Burgk Reuß-Untergreiz
Reuß-Dölau
1616–1698
Reuß-Obergreiz
Reuß-Untergreiz
1616–1768
Reuß-Untergreiz II +
Teile von Reuß-Untergreiz-Burgk
Bildung von Reuß älterer Linie
mit Reuß-Obergreiz
Reuß-Schleiz
1647–1848
Bildung von Reuß jüngerer Linie
mit Reuß-Gera
Reuß-Saalburg
1647–1666
Reuß-Lobenstein
1647–1824
Reuß-Schleiz
Reuß-Rothenthal
1668–1698
Reuß-Hirschberg
1678–1711
Reuß-Lobenstein
Reuß-Ebersdorf
1678–1848
Reuß-Lobenstein Reuß-Schleiz
Reuß älterer Linie (Reuß-Greiz)
1768–1918
Reuß-Obergreiz + Reuß-Untergreiz Volkstaat Reuß
Reuß jüngerer Linie (Reuß-Gera)
1848–1918
Reuß-Gera + Reuß-Schleiz Volkstaat Reuß
Volksstaat Reuß
1918–1920
Reuß älterer Linie +
Reuß jüngerer Linie
Land Thüringen
SCHWARZBURG
Schwarzburg-Sondershausen
1571–1920
Grafschaft Schwarzburg Land Thüringen
Schwarzburg-Frankenhausen
1571–1599
Grafschaft Schwarzburg Schwarzburg-Rudolstadt
Schwarzburg-Oberherrschaft
1571–1574
Grafschaft Schwarzburg Teilung in Schwarzburg-Rudolstadt
und Schwarzburg-Arnstadt
Schwarzburg-Rudolstadt
1574–1920
Schwarzburg-Oberherrschaft Land Thüringen
Schwarzburg-Arnstadt
1574–1716
Schwarzburg-Oberherrschaft Schwarzburg-Sondershausen
Schwarzburg-Ebeleben
1651–1681
Schwarzburg-Sondershausen Schwarzburg-Sondershausen

Hexenprozesse in Thüringen[Bearbeiten]

Das Ancien Regime[Bearbeiten]

Thüringen in der Mitte des 17. Jahrhunderts (Thuringia Landgraviatus)

Die zerfallenen ernestinischen Herzogtümer waren zeitweise in bis zu zehn Einzelstaaten aufgespalten, davon hatte im 17. Jahrhundert Sachsen-Gotha (mit Ernst dem Frommen), im 18. Jahrhundert Sachsen-Weimar-Eisenach die Vorherrschaft.[Anmerkung 2]

Um 1800 wurde Weimar durch Herzogin Anna Amalia und Herzog Karl August ein Zentrum der deutschen Kultur, hier wirkten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Etwa gleichzeitig entwickelte sich das benachbarte Jena mit Ludwig Tieck, den Brüdern August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel und vielen anderen zur Keimzelle der deutschen Romantik.

Napoleonische Zeit[Bearbeiten]

Der Reichsdeputationshauptschluss hob 1803 die geistlichen Fürstentümer und fast alle Reichsstädte in Deutschland auf. Dies betraf in Thüringen die kurmainzischen Gebiete Erfurt und Eichsfeld sowie die freien Reichsstädte Nordhausen und Mühlhausen. Die kleinen Fürstentümer der Ernestiner, der Reußen und der Schwarzburger blieben hingegen erhalten. Sachsen-Weimar-Eisenach wurde von Napoleon I. zum Großherzogtum ernannt.

1806 siegte Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt über das Königreich Preußen. Am 15. Dezember 1806 traten die ernestinischen Herzogtümer dem Rheinbund bei, die reußischen und schwarzburgischen Staaten folgten am 18. April 1807. Im September und Oktober 1808 fand in Erfurt der Erfurter Fürstenkongress (auch Erfurter Fürstentag) statt.

Mitglied des Deutschen Bundes[Bearbeiten]

Am Ende der Napoleonischen Ära wurde Thüringen zum Ursprungsland der Burschenschaften – 1815 wurde die erste derartige Studentenverbindung in Jena gegründet. 1817 fand eine der bedeutendsten Aktionen der Burschenschaften in Thüringen statt – das Wartburgfest.

Nach dem Wiener Kongress gab es in Thüringen immer noch zwölf unabhängige Staaten, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts auf acht reduzierten. Alle anderen Gebiete Thüringens fielen an Preußen und wurden im Regierungsbezirk Erfurt der Provinz Sachsen zusammengefasst. Nur das Gebiet um Schmalkalden gehörte zu Hessen-Kassel, mit dem es 1866 ebenfalls preußisch wurde.

Thüringen nach 1826 bis 1918

Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg wurden 1826 die ernestinischen Herzogtümer neu aufgeteilt. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen erhielt ganz Sachsen-Hildburghausen, dessen Herzog als Ersatz Sachsen-Altenburg zugesprochen bekam, und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld, das dafür mit Sachsen-Gotha in Personalunion zum Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha vereinigt wurde.

Die sächsischen Herzogtümer sowie die reußischen und schwarzburgischen Fürstentümer wurden innerhalb des Deutschen Bundes zusammenfassend als Thüringische Staaten bezeichnet. Seit 1849 waren dies folgende Länder:

  1. Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach beziehungsweise ab 1903 Großherzogtum Sachsen
  2. Herzogtum Sachsen-Meiningen
  3. Herzogtum Sachsen-Altenburg
  4. Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha
  5. Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
  6. Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  7. Fürstentum Reuß jüngerer Linie
  8. Fürstentum Reuß älterer Linie

Im Jahr 1833 mit Wirkung zum 1. Januar 1834 schlossen sich die Staaten zum Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten zusammen. Dieser vertrat die Interessen der Staaten im Deutschen Zollverein und hatte eine gemeinsame Zollverwaltung mit Sitz in Erfurt.

Die Märzrevolution (1848–1849)[Bearbeiten]

Von der Revolution war Thüringen stark betroffen. Neben einer Fundamentalpolitisierung in der Bevölkerung geriet auch ein Zusammenschluss der thüringischen Staaten in die Diskussion. Auch in Thüringen waren die Ursachen vielfältig: neben dem Bevölkerungswachstum waren dies die Krisen in der Landwirtschaft, im Heimgewerbe und im Handel. Im Frühjahr 1847 gab es unter anderem Hungerunruhen in Kahla, Apolda und Jena. Bedeutsam für die Vorgeschichte der Unruhen war aber auch das Jagdprivileg des Adels, wodurch Rehe und Wildschweine die Ernte zerstörten.

Die Märzforderungen fielen vielerorts verschieden aus. Neben den üblichen Forderungen nach Presse- und Versammlungsfreiheit, unabhängigen Gerichten und Volksbewaffnung gab es beispielsweise in Gera auch Forderungen nach Abschaffung der Biersteuer und Regulierung der Weißen Elster. Da die Fürsten im Gegensatz zu den großen Staaten des Deutschen Bundes dem Volk viel näher standen, wurde auch recht schnell ein Großteil der Forderungen eingelöst. Zu den wichtigsten Errungenschaften zählten Wahlrechtsreformen, die dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht zumindest nahe kamen. Abdankungen gab es nur in Sachsen-Altenburg, hier waren die Märzforderungen durch Herzog Joseph nicht umgesetzt worden, und in Reuß-Lobenstein-Ebersdorf. Letzteres wurde mit Reuß-Schleiz zu Reuß jüngere Linie vereinigt, womit sich die Zahl der thüringischen Staaten auf acht reduzierte.

Trotz der Erfüllung der meisten Märzforderungen verschärfte sich die Lage im Sommer 1848 zusehends. Mediatisierungsabsichten waren auch der Grund dafür, weshalb im Herbst die Reichsexekution durchgeführt wurde. Am 2. Oktober rückten sächsische Truppen in Altenburg ein, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Ebenfalls besetzt wurden Jena, Weimar, Hildburghausen, Römhild und Saalfeld. Am 24. November starben in Erfurt bei einem Zusammenstoß zwischen Militär und Volk 27 Menschen.

Am 28. März 1849 wurde ein Entwurf für eine neue Reichsverfassung vorgelegt. 28 Staaten des Deutschen Bundes ratifizierten die Vorlage, darunter auch alle thüringischen Staaten. Am 8. Mai erkannte Sachsen-Weimar-Eisenach die Verfassung als rechtsgültig an. Preußen lehnte jedoch den Entwurf ab, da König Friedrich Wilhelm die Krone nicht vom Volk angetragen bekommen wollte. Als Folge fand eine Spaltung zwischen den Mitgliedern des Deutschen Bundes statt; auch die thüringischen Territorialstaaten mussten umdenken. Im Frankfurter Parlament tendierten jedoch viele thüringische Abgeordnete nach links. Im Rumpfparlament waren noch Christian Gottlieb Schüler (Jena), Friedrich Carl Hönniger (Rudolstadt) und Julius Fröbel (Reuß jüngere Linie), Neffe von Friedrich Fröbel, vertreten. Trotz großer Sympathien in der Bevölkerung waren sie nach ihrer Rückkehr nach Thüringen staatlichen Repressalien ausgesetzt. Gegen Hönniger wurde zum Beispiel ein Untersuchungsverfahren eingeleitet und im August 1850 wurde er zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen Hochverrats verurteilt.

Während des Dresdner Maiaufstandes solidarisierte sich nicht nur das Volk, sondern auch die Presse mit den Sachsen („Gott schütze das Sachsenland“). Viele Freiwillige meldeten sich und marschierten nach Altenburg, Werdau und Crimmitschau, wo Sonderzüge nach Dresden starteten. Auch in Apolda startete am 7. Mai ein Sonderzug. Die Befürchtung, man sei zu spät, bewahrheitete sich schließlich; der Aufstand war niedergeschlagen und viele thüringische Freiwillige kehrten enttäuscht zurück.

Der Eisenbahnbau[Bearbeiten]

Die Zersplitterung des Landes in zahlreiche Territorien erschwerte die Planung von Eisenbahnstrecken außerordentlich, obwohl sich die meisten Kleinstaaten um einen Anschluss an das entstehende deutsche Schienennetz bemühten. So kam es, dass um das Jahr 1890 fünfzehn verschiedene Gesellschaften im größten Einzelstaat Thüringens, dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Eisenbahnen betrieben.

Allerdings versuchte das Königreich Preußen, dessen Provinz Sachsen auch Teile Thüringens umfasste, die Entwicklung zu beeinflussen. Sein Ziel war es, möglichst kurze Verbindungen von seinen Stammlanden ins Rheinland und nach Westfalen zu schaffen, nach 1866 auch in die neue Provinz Hessen-Nassau. Preußen beteiligte sich daher im Jahr 1844 neben Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Coburg und Gotha maßgeblich an der Gründung der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft, die aber mit 75 Prozent des Kapitals von privaten Investoren dominiert wurde.

Ihre erste Bahnlinie erreichte von Halle über Weißenfels am 19. Dezember 1846 die Residenzstadt Weimar und im folgenden Jahr über Erfurt und Gotha schließlich am 24. Juni 1847 Eisenach. Von hier aus schloss man 1849 die Lücke zur hessischen Kurfürst-Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Gerstungen, so dass einige Jahre später über Kassel auch Frankfurt am Main auf dem Schienenwege erreicht werden konnte, der 125 Kilometer auf thüringischem Gebiet verlief.

In Eisenach begann die Strecke einer zweiten großen Bahngesellschaft, der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft. Das neue Unternehmen, das die Betriebsführung der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft überließ, erschloss ab 2. November 1858 mit seiner 150 Kilometer langen Linie Eisenach–Meiningen–Hildburghausen–Coburg–Lichtenfels, der Werrabahn, sowie deren Zweigstrecke Coburg-Sonneberg die südthüringischen Staaten, die sich maßgeblich an der Finanzierung beteiligt hatten. Die Eröffnung des letzten Teilstückes von Coburg nach Lichtenfels an das bayerische Eisenbahnnetz erfolgte 1859 durch die Bayerische Staatsbahn. Im selben Jahr erreichte die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft von Weißenfels über Zeitz die Hauptstadt Gera des Fürstentums Reuß jüngere Linie.

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann der Bahnbau auch in Nordthüringen, das damals preußisch war. Die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete am 10. Juli 1866 die Strecke von Halle über Eisleben-Sangerhausen durch die Goldene Aue am Südrand des Harzes entlang bis Nordhausen. Von hier ging es 1867 einerseits über Leinefelde-Heiligenstadt durch das Eichsfeld nach Arenshausen und 1869 andererseits nach Nüxei bei Bad Sachsa. An beiden Endpunkten gab es Anschlüsse an die nun preußisch gewordenen Strecken in Kurhessen und Hannover.

Die schon erwähnte Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete in jenen Jahren nur 1867 die Strecke von Erfurt nach Arnstadt, das damals zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen gehörte. Es folgen 1870 die Querverbindung Gotha-Mühlhausen-Leinefelde und 1871 die Strecke von Gera über Triptis nach Saalfeld.

Die Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft (NEEG) nahm 1869 mit ihrer Stammstrecke über Sondershausen-Straußfurt eine weitere Nord-Süd-Verbindung in Betrieb. Sie übernahm auch die Betriebsführung der 1874 eröffneten Strecke Straußfurt-Sömmerda-Großheringen der Saal-Unstrut Eisenbahn-Gesellschaft, die 1882 völlig auf die NEEG überging.

Eine weitere wichtige Ergänzung des Thüringer Eisenbahnnetzes fand 1874 und 1876 statt. 1874 eröffnete die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Großheringen nahe Naumburg über Jena nach Saalfeld. Die Bahnstrecke Weimar–Gera wurde 1876 eröffnet und vervollständigte die Bahnanbindung Jenas. Gebaut wurde sie von der Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft zwischen diesen beiden Städten. Somit war die größte Stadt des Landes, Erfurt, mit der zweitgrößten, Gera, verbunden.

Wegen der großen Bedeutung der Bahnstrecken der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft bemühte sich der Staat Preußen um den vollständigen Erwerb, übernahm die Betriebsführung und Verwaltung zum 1. Januar 1882 und wurde am 1. Juli 1886 Eigentümer.

Unter preußischer Führung erfolgte 1884 die erste Querung des Thüringer Waldes durch eine Eisenbahnlinie. Sie begann in Plaue und führte über Suhl bis zur Werrabahn nach Grimmenthal nahe Meiningen. Sie beinhaltet mit dem Brandleitetunnel (3039 m lang) den längsten Eisenbahntunnel Thüringens. Die Eröffnung dieser Strecke vervollständigte die Eisenbahnverbindung Berlin-Stuttgart.

Die zweite Querung des Thüringer-Wald-Massivs erfolgte 1885, als die Frankenwaldbahn von Saalfeld über den Rennsteig und Kronach nach Lichtenfels in Bayern eröffnet wurde. Sie stellt seither die wichtigste Verbindung von Berlin nach München dar.

Während das Hauptstreckennetz bis etwa 1885 vollendet war, wurden in Thüringen noch bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges viele Nebenstrecken erbaut. Nach 1914 ebbte der Eisenbahnstreckenbau im Land langsam ab.

Jahrzehnt Neu eröffnete Strecken
auf Thüringer Gebiet[3]
1840er 166 km
1850er 182 km
1860er 227 km
1870er 526 km
1880er 453 km
1890er 396 km
1900er 285 km
1910er 199 km
1920er 40 km
1930er 15 km

Die thüringischen Staaten im deutschen Kaiserreich[Bearbeiten]

Hochindustrialisierung[Bearbeiten]

In die Kaiserzeit fällt auch die Hochindustrialisierung in Thüringen. Das Land wurde ähnlich stark industrialisiert wie Sachsen im Osten oder Westfalen im Westen. Zentren der Industrie waren vor allem Ostthüringen mit einer ausgeprägten Textilindustrie (in Gera, Zeulenroda, Pößneck, Greiz, Apolda) sowie die Städte Jena (Optische Industrie) und Eisenach (Fahrzeugbau), die noch die Zentren der thüringischen Industrie sind. Mit dem Bau der Eisenbahn in ländlichere Gebiete wurde die Welle der Industrialisierung auch dorthin getragen, wodurch sich auch kleinere Städte wie zum Beispiel Ilmenau entwickeln konnten. Dort siedelte sich in großem Maße die Glasindustrie an und ihr Arbeiterbedarf sorgte für den Anstieg der Bevölkerungszahl von etwa 3.400 im Jahr der Reichsgründung auf 12.500 zu Beginn des Ersten Weltkrieges, was sich in ähnlicher Weise auch in zahlreichen anderen thüringer Landstädten abspielte. Die Glasindustrie war der Hauptwirtschaftszweig des Thüringer Waldes, der auch relativ stark industrialisiert war, im Gegensatz zu Harz oder Rhön, die agrarisch geprägt blieben. Nordthüringen und die Gebiete südlich des Rennsteigs mit Ausnahme von Sonneberg entwickelten sich jedoch nicht so stark wie die Mitte und der Osten des Landes. Sie behielten meist ihre landwirtschaftliche Struktur.

Zu den größten Unternehmen der Kaiserzeit zählten Schott und Carl Zeiss in Jena, die Weltruf erlangten. Weithin bekannt war auch die Sonneberger Spielzeugindustrie und die Waffenindustrie aus Suhl. Das Automobilwerk Eisenach gehörte mit etwa 1.500 Mitarbeitern am Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls zu den Großunternehmen.

In Thüringen entwickelte sich in dieser Zeit eine starke Arbeiterbewegung und das Land wurde zur „Wiege der Sozialdemokratie“. So wurde 1869 in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, eine der beiden Vorgängerorganisationen der SPD gegründet. Die SPD entstand 1875 in Gotha, wo sich die SDAP mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zusammenschloss. Das Gothaer Programm legte im folgenden erste Grundsätze der SPD-Politik fest. Es wurde 1891 durch das Erfurter Programm abgelöst.

Post- und Eisenbahnwesen[Bearbeiten]

In der Gründerzeit nach dem Krieg von 1870/71 entstanden durch die französischen Kriegszahlungen in schneller Folge auch in Thüringen weitere Bahnlinien, die allerdings meist nur eine Länge von 10 bis 30 Kilometern aufwiesen. Von größerer Bedeutung sind nur 1874 die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft mit der Strecke Großheringen-Jena-Saalfeld und 1876 die Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft, die ebenfalls Jena berührte.

Durch zeitweiligen wirtschaftlichen Misserfolg und unter preußischem Druck verkauften Sachsen-Weimar-Eisenach und Gotha 1881 ihre Anteile an der Thüringischen Eisenbahn an Preußen, welches 1882 die Königliche Eisenbahndirektion in Erfurt errichtete. Als schließlich 1895 auch die Werrabahn, die Saal-Eisenbahn und die Weimar-Gera-Bahn an Preußen verkauft wurden, war das thüringische Eisenbahnnetz fast vollkommen an Preußen gekommen, das dadurch seinen Einfluss auf die thüringischen Staaten erheblich verstärken konnte. Im Osten Thüringens kamen einige Teilstrecken von Privatbahnen zur Sächsischen Staatsbahn.

Bis 1867 gehörten die thüringischen Staaten dem Thurn- und Taxisschen Postgebiet an, nur Sachsen-Altenburg war der sächsischen Post angeschlossen. 1867 wurde dann die Postverwaltung vereinheitlicht. Am 1. Januar gingen beide Postgebiete in Preußen und am 1. Juli im Norddeutschen Bund auf und 1871 in die Reichspost über. Zuständig war für die thüringischen Staaten und die preußischen Gebietsteile die 1815 gegründete Oberpostdirektion Erfurt, für Sachsen-Altenburg die Oberpostdirektion Dresden.

Erster Weltkrieg und Novemberrevolution[Bearbeiten]

Die Kleinstaaterei wurde in Thüringen erst infolge der Novemberrevolution abgeschafft. In einigen Gegenden schuf sie kleinteiligste Zersplitterung des Gebiets bis 1920 (Beispiel: Ilm-Kreis mit Besitzungen von sechs Staaten)

Im Ersten Weltkrieg starben 44.000 Thüringer an der Front. In der Heimat war die Zeit geprägt von der Kriegswirtschaft und Missernten, was Hungersnöte und Mangelwirtschaft zur Folge hatte. Besonders die landwirtschaftlichen Erträge gingen im Laufe des Krieges zurück. Im Sommer 1918 forderte die Spanische Grippe allein in Thüringen 4.500 Todesopfer. Die Industrieproduktion konzentrierte sich auf Kriegsgüter wie Uniformen, Waffen oder Feldstecher (Zeiss). 1915 begann die Lebensmittelbewirtschaftung. Dies führte zur Gründung einer Zwangsgenossenschaft, eines Viehhandelsverbandes, einer Landeskartoffelanstalt, eines Landesfuttermittelamtes (Versorgung für Vieh) sowie einer Landesverteilungsstelle für Butter und Eier. Im Dezember 1916 wurde ein Ernährungsausschuss gegründet, 1917 ein Landesernährungsamt in Weimar.

Die Arbeiterproteste gegen den Krieg verstummten nach 1914, besonders durch den Burgfrieden der SPD mit der Reichsregierung am 4. August 1914. Ab 1916 gab es wieder vermehrt Streiks in Gotha, Gera, Altenburg, Jena und Weimar. Die Kriegsgegner der SPD fanden sich 1917 in der USPD wieder. Nach Jahren relativer Ruhe begannen wieder Diskussionen über ein einheitliches Thüringen. Besonders die Sozialdemokraten kritisierten die politischen Verhältnisse und die überholten Wahlrechte. Im Januar 1918 fanden Munitionsarbeiterstreiks statt (unter anderem in Jena mit 7000 Demonstranten). Vermehrt traten Forderungen nach Meinungs- und Versammlungsfreiheit auf.

Im Juni 1918 fand ein Treffen der Landtagspräsidenten statt, ab Spätsommer 1918 erfolgten weitere Besprechungen über das Vorgehen. Dr. Arnold Paulssen reiste durch Thüringen, um Meinungen über die aufgeworfene Frage der Abdankung des Kaisers zu erfahren. In Meiningen, Coburg, Gotha und Schwarzburg wurde eine Abdankung abgelehnt, während man sich in Reuß zugänglicher zeigte. Auch Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach (1876 bis 1923) sah die Notwendigkeit der Abdankung des Kaisers. Die Einsicht, dass eine Demokratisierung notwendig war, traf weniger bei den Fürsten, sondern vielmehr bei den Staatsministerien auf Widerstand. In Sachsen-Weimar-Eisenach setzte sich aber auch der Landtag für Reformen ein.

Bis zum November 1918 hielt sich bei den Fürsten die Ansicht, dass nur der Kaiser abdanken müsse. Ende Oktober 1918 wurde in Kiel gemeutert, am 30. und 31. Oktober fand auch auf der S. M. S. Thüringen eine Meuterei statt. Kriegsflagge und Wimpel wurden eingeholt und stattdessen die rote Flagge gesetzt.

Auch in Thüringen gab es seit dem 8. November Revolutionsaktivitäten. Am 9. November 1918 wurde im preußischen Erfurt ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet, wodurch die Revolutionäre die Macht übernahmen. Als erster Herrscher in den Territorialstaaten dankte am selben Tag Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach ab, es folgten Bernhard III. von Sachsen-Meiningen am 10. November und Heinrich XXVII. am 10. November für Reuß jüngere Linie und am 11. November für Reuß ältere Linie. Am 13. November dankte Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha nach gewaltsamem Druck von der Straße ab. In Sachsen-Altenburg wurde bereits am 10. November die Republik ausgerufen, obwohl Ernst II. erst am 13. November abdankte. Als letzter thüringischer und überhaupt als letzter deutscher Fürst dankte Günther Victor am 23. November für Schwarzburg-Rudolstadt und am 25. November für Schwarzburg-Sondershausen ab. Noch am 22. November unterschrieb er ein Gesetz zur Neuregelung der Landesregierung in Rudolstadt, am 25. November in Sondershausen.

In Weimar wurde die Weimarer Verfassung ausgearbeitet, die der Weimarer Republik ihren Namen gab und die gültige Verfassung im Deutschen Reich von 1919 bis 1945 war. Am 6. Februar 1919 trat die Verfassungsgebende Nationalversammlung zum ersten Mal im Weimarer Theater zusammen. Berlin war nicht der Tagungsort, weil dort Unruhen die Unabhängigkeit und Sicherheit der Abgeordneten gefährdeten. Die Wahl Weimars war wohl auch als Zeichen für die Anknüpfung an die Humanitätsideale der Weimarer Klassik gemeint, hatte aber vor allem militärische Gründe – das zuerst angedachte Erfurt wäre im Angriffsfall schlechter zu verteidigen gewesen. Am 31. Juli 1919 wurde die Verfassung dann verabschiedet und schließlich am 11. August 1919 von Präsident Friedrich Ebert in Schwarzburg unterzeichnet.

Land Thüringen 1920 bis 1945[Bearbeiten]

Vom 6. Februar bis 30. September 1919 tagte in Weimar die verfassungsgebende Nationalversammlung. Sie verabschiedete am 11. August die so genannte Weimarer Verfassung, nach der die bis 1933 bestehende deutsche Republik die Bezeichnung Weimarer Republik erhielt.

Außer in Gotha verlief die Revolution in den thüringischen Territorialstaaten relativ friedlich, obschon die Situation in vielen Städten und Gemeinden monatelang ausgesprochen angespannt blieb. In Gotha, wo Vertreter des linken Flügels der USPD tonangebend waren, intervenierten erstmals im Februar 1919 von General Maercker geführte Regierungstruppen.[Anmerkung 3] Der Kapp-Putsch löste im März 1920 insbesondere in Gotha, aber auch in anderen Teilen Thüringens bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen aus (vgl. Kapp-Putsch in Thüringen). Die Gothaer USPD-Regierung wurde im April 1920 vom Reichspräsidenten per Notverordnung abgesetzt.

Innerhalb kurzer Zeit wurden die thüringischen Staaten zu Freistaaten mit republikanischer Verfassung, wobei aus dem Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha die beiden Freistaaten Coburg und Gotha wurden. Die beiden ehemaligen reußischen Fürstentümer schlossen sich schon 1919 zum Volksstaat Reuß zusammen. Der Freistaat Coburg entschied sich bei einer Volksabstimmung am 30. November 1919 mit 88 Prozent gegen einen Anschluss an Thüringen, worauf am 1. Juli 1920 die Vereinigung mit dem Freistaat Bayern vollzogen wurde. Die übrigen sieben Volks- beziehungsweise Freistaaten beschritten den Weg der Einigung, wobei zuerst unklar war, ob eine großthüringische Lösung mit den preußischen Territorien oder nur eine kleinthüringische Lösung zustandekommen sollte. Die Ablehnung von Gebietsabtretungen auf der Seite Preußens verwies jedoch schnell auf die zweite Variante, womit es am 1. Mai 1920 zur Gründung des Landes Thüringen mit der Hauptstadt Weimar kam. Dieses hatte eine Fläche von 11.763 km² und war von politischer Zerrissenheit gekennzeichnet: Nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit der Weimarer Republik gab es in Thüringen auch starke kommunistische Bewegungen, etwa zur Novemberrevolution in Gotha oder beim „Roten Herbst“ 1923, als Sachsen und Thüringen mit der Reichsexekution belegt wurden, da es dort eine KPD-Regierungsbeteiligung gab. Andererseits entwickelte sich der Freistaat Thüringen politisch unter dem Gauleiter Fritz Sauckel zu einer Hochburg des Nationalsozialismus. Das Land existierte in der genannten geografischen und politischen Form bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Die weitere Geschichte des Landes Thüringen von 1920 bis 1945 wird im Hauptartikel Land Thüringen dargestellt.

(Siehe auch: Thüringen im Nationalsozialismus)

Land Thüringen 1945 bis 1952 und Bezirke Thüringens[Bearbeiten]

Daten im Jahr 1950
Landeshauptstadt: Erfurt
Fläche: 15.585 km²
Einwohner: 2.837.600
Kfz-Kennzeichen: ST
Karte Thüringens zwischen 1945 und 1952
Das Land Thüringen 1945–1952

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, in der ersten Aprilhälfte 1945, wurde das Gebiet, nach unterschiedlich heftigen Kampfhandlungen, zunächst amerikanisch besetzt. Die Amerikaner setzten Hermann Brill als Präsident der Landesverwaltung ein. Auf Grund der alliierten Vereinbarungen von Jalta wurde Thüringen zwischen 2. und 6. Juli 1945 von sowjetischen Truppen besetzt, unter denen Rudolf Paul zum Regierungspräsidenten (auch Landespräsident) ernannt wurde. 1947, nach Pauls Flucht in die amerikanische Besatzungszone wurde schließlich Werner Eggerath Regierungspräsident. 1946 wurde der Thüringer Landtag gewählt.

In der Folgezeit gab es einige Grenzänderungen zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Besatzungszone. Siehe dazu im Einzelnen den Artikel zur Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens. 1946 bekam das Land Thüringen eine Verfassung, und 1950 wurde der Regierungssitz von Weimar nach Erfurt verlegt. Das Gebiet des Landes Thüringen bestand nun aus dem ehemaligen Freistaat Thüringen ohne die Exklave Allstedt, ferner aus dem Gebiet des früheren preußischen Regierungsbezirkes Erfurt und der Herrschaft Schmalkalden mit einer Gesamtfläche von 15.585 km².

Ein Jahr später wurde Thüringen Teil der DDR. Am 25. Juli 1952 beschloss der Landtag im Zuge einer Verwaltungsreform in der DDR das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in Thüringen. Damit wurde das Land seiner Funktion enthoben. Fortan bestanden die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl, wobei die Bezirke Erfurt und Gera im Vergleich zum aufgelösten Land Thüringen Gebietsänderungen beziehungsweise Grenzbegradigungen zu den Nachbarländern Sachsen-Anhalt und Sachsen erfuhren, welche meist den gegenwärtigen Landesgrenzen entsprechen.

Freistaat Thüringen[Bearbeiten]

Das erste Kabinett des neu gegründeten Landes Thüringen nach seiner Ernennung am 8. November 1990 (Kabinett Duchač)

Nach der politischen Wende in der DDR wurde das Land Thüringen mit dem Ländereinführungsgesetz vom 22. Juli 1990 mit Wirkung zum 14. Oktober 1990, elf Tage nach der deutschen Wiedervereinigung, aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie unter Einbeziehung der Kreise Altenburg, Artern und Schmölln wieder gebildet. In Anlehnung an den Bundesstaat in der Weimarer Republik nannte es sich Freistaat Thüringen. Landeshauptstadt wurde diesmal Erfurt. 1992 wurden einige Gemeinden des früheren Bezirkes Gera sächsisch, siehe hierzu Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens.

Auf einer Sitzung auf der Wartburg am 25. Oktober 1993 verabschiedete der Thüringer Landtag eine neue Verfassung, die am 30. Oktober 1993 vorläufig und am 16. Oktober 1994 nach einem Volksentscheid endgültig in Kraft gesetzt wurde.

Seit den ersten freien Landtagswahlen ist immer die CDU Regierungspartei, dabei von 1990 bis 1994 in einer Koalition mit der FDP und von 1994 bis 1999 in einer Großen Koalition mit der SPD. Ministerpräsidenten waren 1990 bis 1992 Josef Duchač, 1992 bis 2003 Bernhard Vogel und 2003 bis 2009 Dieter Althaus. Seit 2009 wird das Land von Christine Lieberknecht regiert.

Baugeschichte[Bearbeiten]

In Thüringen sind Bauwerke und archäologische Befunde aller Epochen der letzten 1300 Jahre erhalten. Nachfolgend werden einige wichtige unter ihnen genannt:

Trivia[Bearbeiten]

In den Bildhandschriften des Sachsenspiegels wird der Thüringer immer symbolhaft ("redend") mit einem Dörrfisch in der Hand dargestellt. Vom Thüringer leitet sich der Familienname Döring ab.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Steffen Raßloff: Geschichte Thüringens. München 2010, ISBN 978-3-406-60523-9.
  • Reinhard Jonscher, Willy Schilling: Kleine thüringische Geschichte. Jena 2001, ISBN 3-910141-74-9.
  • Steffen Raßloff: Thüringen. Ein historischer Überblick. Erfurt 2004 (2. Auflage 2011). (PDF; 1,2 MB)
  • Hans Patze, Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens. Köln [u.a.] 1967 ff., ISBN 3-412-08285-6 ff.
  • Sigrid Dušek (Hrsg.): Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Ergebnisse archäologischer Forschung in Text und Bild. Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1504-9.
  • Ulrich Hess: Geschichte Thüringens 1866 bis 1914. Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5.
  • Jürgen John: Quellen zur Geschichte Thüringens – von der Reformation bis 1918. Erfurt 1997, ISBN 3-931426-14-9.
  • Zeitschrift für Thüringische Geschichte. Bd. 1 ff. 1852 ff. (1852–1943 als Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, 1992–2007 als Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte) ISSN 0943-9846.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. : Dessen Sohn und Nachfolger Hermann II. von Winzenburg († 1152) wurde aber 1130 abgesetzt.
  2. Noch im 18. Jahrhundert wurde Thüringen als ein Teil Sachsens aufgefasst, wie die folgende Textstelle aus dem Schauspiel Minna von Barnhelm (1767) von Gotthold Ephraim Lessing zeigt.
    WIRT (schreibt). „von Barnhelm“ – Kommend? woher, gnädiges Fräulein?
    FRÄULEIN. Von meinen Gütern aus Sachsen.
    WIRT (schreibt). „Gütern aus Sachsen“ – Aus Sachsen! Ei, ei, aus Sachsen, gnädiges Fräulein? aus Sachsen?
    FRANZISKA. Nun? warum nicht? Es ist doch wohl hierzulande keine Sünde, aus Sachsen zu sein?
    WIRT. Eine Sünde? Behüte! das wäre ja eine ganz neue Sünde! – Aus Sachsen also? Ei, ei! aus Sachsen! Das liebe Sachsen! – Aber wo mir recht ist, gnädiges Fräulein, Sachsen ist nicht klein und hat mehrere – wie soll ich es nennen? – Distrikte, Provinzen. – Unsere Polizei ist sehr exakt, gnädiges Fräulein. –
    FRÄULEIN. Ich verstehe: von meinen Gütern aus Thüringen also.
    WIRT. Aus Thüringen! Ja, das ist besser, gnädiges Fräulein, das ist genauer. – (Schreibt und liest.) „Das Fräulein von Barnhelm, kommend von ihren Gütern aus Thüringen, nebst einer Kammerfrau und zwei Bedienten“ –
  3. Einen Überblick bietet Gerhard Schulze: Die Novemberrevolution 1918 in Thüringen, Erfurt 1976. Zu den Ereignissen in Gotha vgl. Helge Matthiesen: Bürgertum und Nationalsozialismus in Thüringen. Das bürgerliche Gotha von 1918 bis 1930, Jena/Stuttgart 1994 sowie Ewald Buchsbaum: Die Entstehung eines linken revolutionären Flügels in der Gothaer USPD, in: Beiträge zur Geschichte Thüringens, Band II, Erfurt 1970, S. 148–160. Für Erfurt vgl. Steffen Raßloff: Flucht in die nationale Volksgemeinschaft. Das Erfurter Bürgertum zwischen Kaiserreich und NS-Diktatur, Köln/Weimar/Wien 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historische Karte als Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  2.  Wolfgang Timpel: Archäologische Forschungen zur Frühgeschichte Thüringer Städte. In: Frühgeschichte der europäischen Stadt. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte. 44, Akademie Verlag, Berlin 1991.
  3. G. Fromm: Thüringer Eisenbahnstreckenlexikon.