Landkartenkegel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Landkarten-Kegelschnecke
Conus geographus

Conus geographus

Systematik
Unterordnung: Hypsogastropoda
Teilordnung: Neuschnecken (Neogastropoda)
Überfamilie: Conoidea
Familie: Kegelschnecken (Conidae)
Gattung: Conus
Art: Landkarten-Kegelschnecke
Wissenschaftlicher Name
Conus geographus
Linnaeus, 1758

Der Landkartenkegel oder Geographenkegel, auch die Landkarten-Kegelschnecke (Conus geographus), ist eine Schnecke aus der Familie der Kegelschnecken (Gattung Conus). Das Gift dieser fischfressenden Kegelschnecke, die im Indopazifik weit verbreitet ist, gilt als eines der gefährlichsten.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Conus geographus trägt ein breites, dünnwandiges, oft konvexes, in seinem mittleren und hinteren Abschnitt annähernd zylindrisches Schneckenhaus, das bei ausgewachsenen Schnecken 6,5 bis 16,6 cm Länge erreicht. Die Grundfarbe des Gehäuses ist weiß mit bläulich-grauem, violetten oder rosafarbenem Farbton. Die Oberfläche des Körperumganges ist annähernd glatt und hat eine feine, vielfach unterbrochene Musterung aus bräunlichen bis rotbraunen Linien und kleinen zeltförmigen Flecken, die oft in zwei unregelmäßigen Bändern angeordnet sind. Der Protoconch ist rosa bis rot, die Mündung weiß. Das abgeflachte Gewinde ist gefurcht und trägt Knoten.[1][2] Das Periostracum ist grau bis gelblich oder rötlich braun, dünn und kann durchscheinend sein. Die konvex-zylindrische Form des Gehäuses mit breitem Mittelteil und das stark abgeflachte Gewinde heben den Landkartenkegel von anderen Conus-Arten ab.

Das Tier besitzt einen breiten, massiven Fuß, dessen weiße, braun gefleckte und gestreifte Oberseite von einem blass-orangefarbenen, weiß gepunkteten Streifen überzogen ist. Der Kopf ist gelbbraun mit dunkelbraunen Flecken, der Sipho weiß mit braunen Flecken. Die Fußsohle ist weiß mit hellbraunen Flecken. Die Farbtöne des Tieres variieren.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Landkartenkegel ist weit verbreitet und tritt im Roten Meer sowie im Indischen Ozean um Chagos, Madagaskar, Mauritius, Mosambik und Tansania auf, ebenso im Indopazifik mit Ausnahme von Hawaii.

Lebensraum[Bearbeiten]

Landkartenkegel leben in der Gezeitenzone von Korallenriffen bis 20 m Tiefe, wo sie sandigen Meeresboden bevorzugen.[1]

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Wie alle Kegelschnecken ist Conus geographus getrenntgeschlechtlich, und das Männchen begattet das Weibchen mit seinem Penis. Aus den Eikapseln schlüpfen Veliger-Larven, die wiederum eine Metamorphose zur Schnecke durchmachen. Pro Laich werden etwa 54 Kapseln abgegeben, die jeweils 14.500 bis 17.800 Eier enthalten. Die Eier haben einen Durchmesser von etwa 190 µm. Hieraus wird zurückgeschlossen, dass die pelagische Periode der Veliger etwa 24 Tage dauert.

Nahrung[Bearbeiten]

Die Beute von Conus geographus besteht überwiegend aus Fischen, daneben werden auch Weichtiere gefressen. Die Fische werden bei dieser Art ohne vorheriges Zustechen verschluckt, können jedoch im Vorderdarm durch einen Giftzahn getötet werden. Der nachtaktive Landkartenkegel kriecht an Fische heran, die sich ausruhen, und stülpt seinen Mund über sie. Dabei können mehrere kleine Fische auf einmal erbeutet werden, die dann im Maul hintereinander harpuniert werden können.[3][4] 8 bis 9 cm lange Kegelschnecken können 13 bis 14 cm lange Fische erbeuten. Kurz zuvor getötete Fische werden auch gefressen.

Bedeutung für den Menschen[Bearbeiten]

Conus geographus ist auf Grund seiner gemusterten Gehäuse ein beliebtes Sammlerobjekt, so dass der Mensch als ein Hauptfeind gelten kann. Er wird allerdings nicht in der Roten Liste aufgeführt.[5]

Wie andere Kegelschnecken setzt der Landkartenkegel seine giftige Harpune nicht nur zum Beutefang, sondern auch zur Verteidigung ein. Sein Giftzahn kann Handschuhe und Taucheranzüge durchdringen. Das Gift des Landkartenkegels ist eines der für den Menschen gefährlichsten und hat zu mehr als 30 Todesfällen geführt. Das Gift besteht aus mehreren hundert verschiedenen Toxinen. Es gibt kein Antidot, so dass eine Behandlung darauf abzielt, den Betroffenen bis zum Abbau der Giftstoffe am Leben zu halten.

Einige Giftstoffe (Conotoxine) von Conus geographus haben eine stark analgetische Wirkung und werden deshalb auf medizinische Anwendbarkeit hin untersucht. Ein aus Conus geographus gewonnenes Toxin ist Contulakin-G (Conantokin).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c World Register of Marine Species (2010): Conus geographus Linnaeus, 1758.
  2. George Washington Tryon, Manual of Conchology. Band VI, S. 88; 1879
  3. Baldomero M. Olivera (1996): Conus Venom Peptides, Receptor and Ion Channel Targets, and Drug Design: 50 Million Years of Neuropharmacology. Veröffentlicht in Mol. Biol. Cell (1. November 1997), vol. 8, no. 11, pp. 2101-2109. Hierzu ein Bild mit Fangmethoden von Conus purpurascens und Conus geographus im Vergleich (Fig. 3 aus dem Artikel).
  4. Christian Melaun: Phylogenetische und toxinologische Untersuchungen an Conidae (Mollusca: Gastropoda) unter besonderer Berücksichtigung west-atlantischer Vertreter der Gattung Conus (PDF-Datei; 4,23 MB). Dissertation, Gießen 2008.
  5. Fischhaus Zepkow: Familie Conidae - Kegelschnecken

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Conus geographus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien