Kreis Braunsberg

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Wappen Deutschlandkarte
 ? Lage des Landkreises Braunsberg in Deutschland 1944/45
Basisdaten (Stand ca. 1945)
Bestandszeitraum: 1818 - 1945
Land: Freistaat Preußen
Provinz: Ostpreußen
Regierungsbezirk: Königsberg
Verwaltungssitz: Braunsberg
Fläche: 946,86 km²
Einwohner: 62.317 (17. Mai 1939)
Bevölkerungsdichte: 65,8 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: IC
1953 vorgesehen: BBG
Kreisgliederung: 96 Gemeinden
1 Gutsbezirk
in 20 Amtsbezirken
Lage des Kreises
Lage des Landkreises

Der Kreis Braunsberg war ein Landkreis im früheren Ostpreußen, der zwischen 1818 und 1945 bestand.

Geographie[Bearbeiten]

Der Kreis Braunsberg umfasste das nördliche Ermland und grenzte im Nordwesten an das Frische Haff. Der Fluss Passarge, der innerhalb des Kreisgebietes in das Frische Haff mündet, bildete die südwestliche Kreisgrenze zum Kreis Preußisch Holland.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten]

Durch die Neuorganisation der Verwaltungsbehörden im preußischen Staat entstand mit dem 1. Februar 1818 der Kreis Braunsberg im Regierungsbezirk Königsberg Dieser umfasste u. a. die Kirchspiele: Bludau, Braunsberg, Frauenburg, Frauendorf, Groß Rautenberg, Heinrikau, Langwalde, Layß, Lichtenau, Mehlsack, Migehnen, Peterswalde bei Mehlsack, Plaßwich, Plauten, Schalmey, Tolksdorf, Wusen.

Das Landratsamt war in Braunsberg ansässig.

Bereits am 1. April 1819 erfolgten folgende Änderungen von Kreisgrenzen:

  • Eingliederung des Kirchspiels Frauendorf aus dem Kreis Braunsberg in den Kreis Heilsberg,
  • Eingliederung des Kirchspiels Wormditt aus dem Kreis Heilsberg in den Kreis Braunsberg.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.

Norddeutscher Bund/Deutsches Reich[Bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die neuen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Braunsberg am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Braunsberg entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke bis auf den Anteil am Frischen Haff aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Der Kreis hatte auf Grund der Zugehörigkeit zum Bistum Ermland eine mehrheitlich katholische Bevölkerung, die Zentrumspartei gewann bei den Wahlen bis 1933 die absolute Mehrheit der Stimmen.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee erobert und anschließend unter polnische Verwaltung gestellt. Der Landkreis wurde in Polen eingegliedert und in Braniewo umbenannt. Der heutige Powiat Braniewski mit der Kreisstadt Braniewo ist nicht identisch mit dem ehemaligen Landkreis Braunsberg, da Orneta/Wormditt und seine Umgebung heute zum Powiat Lidzbarski (Landkreis Heilsberg) gehören, dafür aber den heute zu Polen gehörenden südlichen Teil des ehemaligen Landkreises Heiligenbeil mit umfasst.

Kommunalverfassung[Bearbeiten]

Der Kreis Braunsberg gliederte sich in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständigem Wegfall – in selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden Braunsberg (Ostpr.), Frauenburg, Mehlsack und Wormditt führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 die im Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte[Bearbeiten]

  • 1812: von Willich
  • 1812: von Lingk
  • 1818: Ferdinand Anton Bartholomäus von Schau
  • 1840: von Groß gen. von Schwarzhoff
  • 1855: Achatius von Auerswald
  • 1868: Wilhelm Julius Hubert Dillenburger
  • 1869: Wilhelm Eduard August Kleemann
  • 1878: Albrecht Oberg
  • 1892: Friedrich Gramsch
  • 1900: Carl Graf zu Dohna-Schlobitten
  • 1905/06: Jung
  • 1910: Heinrich von Bieler
  • 1920: Karl Stankewitz (1875–1967) [1]
  • 1933: Bernhard Nienaber (* 1885)
  • 1942: Wolfgang Born (* 1903)
  • 1943: Haeszner (vertretungsweise)
  • 1944: Kolhoff

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung 1945[Bearbeiten]

Der Kreis Braunsberg setzte sich am 1. Januar 1945 aus 96 Gemeinden, darunter die Städte Braunsberg (Ostpr.), Frauenburg, Mehlsack und Wormditt sowie einem Gutsbezirk (Anteil Frisches Haff) zusammen:

Amtsbezirke[2] & Gemeinden[3] Bevölkerung (1939)[4]
Stadt Braunsberg (Ostpr.)  
1. Braunsberg (Ostpr.), Stadt 21.142
Stadt Frauenburg  
1. Frauenburg, Stadt 2.981
Stadt Mehlsack  
1. Mehlsack, Stadt 4.394
Stadt Wormditt  
1. Wormditt, Stadt 7.817
Amtsbezirk Basien  
1. Basien 973
2. Stegmannsdorf 209
3. Wusen 831
Amtsbezirk Betkendorf  
1. Betkendorf 217
2. Drewsdorf 93
3. Kreutzdorf 168
4. Schafsberg 102
Amtsbezirk Frisches Haff  
1. Frisches Haff, Anteil Kr. Braunsberg (Ostpr.) 0
Amtsbezirk Heinrikau  
1. Heinrikau 798
2. Kleefeld 250
3. Komainen 161
4. Neuhof 282
Amtsbezirk Karben  
1. Karben 122
2. Open 695
3. Thalbach 390
Amtsbezirk Klenau  
1. Huntenberg 107
2. Klenau 177
3. Neu Passarge 429
4. Stangendorf 162
5. Willenberg 148
Amtsbezirk Langwalde  
1. Gedauten 173
2. Klingenberg 294
3. Langwalde 588
4. Packhausen 318
5. Podlechen 172
6. Rawusen 132
7. Wölken 71
Amtsbezirk Layß  
1. Layß 500
2. Rosengarth 324
3. Sonnwalde 545
Amtsbezirk Lichtenau  
1. Eschenau 193
2. Lichtenau 588
3. Liebenthal 180
4. Lotterbach 209
Amtsbezirk Migehnen  
1. Bürgerwalde 315
2. Kaschaunen 323
3. Migehnen 891
4. Millenberg 292
Amtsbezirk Peterswalde  
1. Engelswalde 205
2. Gauden 75
3. Kirschienen 182
4. Lilienthal 275
5. Peterswalde 399
6. Rosenwalde 116
Amtsbezirk Plaßwich  
1. Gedilgen 128
2. Liebenau 150
3. Pilgramsdorf 124
4. Plaßwich 670
5. Straubendorf 117
Amtsbezirk Plauten  
1. Glanden 88
2. Lotterfeld 222
3. Paulen 227
4. Plauten 310
5. Schönsee 190
6. Seefeld 198
7. Steinbotten 100
8. Woppen 197
Amtsbezirk Rautenberg  
1. Alt Münsterberg 150
2. Bludau 381
3. Groß Rautenberg 490
4. Heinrichsdorf 199
5. Karschau 210
6. Klein-Rautenberg 117
7. Kurau 392
8. Vierzighuben 259
Amtsbezirk Schalmey  
1. Grunenberg 97
2. Mertensdorf 212
3. Schalmey 362
4. Schöndamerau 598
5. Schwillgarben 143
Amtsbezirk Schillgehnen  
1. Regitten 435
2. Schillgehnen 330
3. Zagern 156
Amtsbezirk Tiedmannsdorf  
1. Fehlau 71
2. Parlack 149
3. Pettelkau 488
4. Tiedmannsdorf 795
Amtsbezirk Tolksdorf  
1. Blumberg 121
2. Gayl 164
3. Hogendorf 274
4. Schönau 117
5. Tolksdorf 474
Amtsbezirk Tüngen  
1. Krickhausen 285
2. Tüngen 423
3. Wagten 341
Amtsbezirk Woynitt  
1. Agstein 92
2. Bornitt 272
3. Borwalde 71
4. Heistern 235
5. Lichtwalde 149
6. Sonnenfeld 140
7. Sugnienen 256
8. Woynitt 141

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1871: 52.456
  • 1885: 53.469
  • 1933: 56.493
  • 1939: 62.342

Ortsnamen[Bearbeiten]

Die durchweg deutschen Ortsnamen wurden im Wesentlichen bis 1945 beibehalten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landkreis Braunsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Zilch, B. Holtz (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 12/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, S. 705. (Online; PDF 2,2 MB)
  2. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen, Band 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1931
  3. Amtliches Gemeindeverzeichnis des Deutschen Reiches 1939, 2. Auflage 1941
  4. Amtliches Gemeindeverzeichnis des Deutschen Reiches 1939, 2. Auflage 1941