Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen

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In Niedersachsen gibt es als Landschaften und Landschaftsverbände bezeichnete Organisationen, deren heutige Hauptaufgabe die regionale Kultur- und Identitätspflege in ihren jeweiligen geografischen Zuständigkeitsbereichen ist. Diese Aufgaben wurden ihnen auch vom Land Niedersachsen vertraglich übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Begriffe [Bearbeiten]

Lage der modernen Landschaften und Landschaftsverbände (historische Landschaften mit gestrichelten Grenzen und dunkelgrauen Flächen). Achtung: moderne Landschaften und Landschaftsverbände (Regionalverband Harz fungiert nur in seinem niedersächsischen Teil als Landschaftsverband) liegen nur in Niedersachsen, historische Landschaften ragen teils in andere Länder.
Bereiche der historischen, noch heute existenten Landschaften (historische Landschaften mit gestrichelten Grenzen und dunkel graue Flächen)

In Niedersachsen bestehen insgesamt zwölf nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Regionalorganisationen. Diese bezeichnen sich auf dem Gebiet des früheren Landes Hannover, das den größten Teil des heutigen Niedersachsen einnimmt, als Landschaftsverband, während in den übrigen, ehemals zu Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg gehörenden Landesteilen sowie in Ostfriesland und im Emsland der Begriff Landschaften verwendet wird.

Landschaften gibt es allerdings auch in ehemals hannoverschen Gebieten. Diese bestanden bereits vor kurhannoverschen Zeiten. Heute sind diese historischen Landschaften Mitglieder der Landschaftsverbände. Auf dem Gebiet der Region Hannover existiert kein Landschaftsverband. Die Kulturförderung wird durch die auf Landkreisebene stehende Region Hannover wahrgenommen.

Die historischen Landschaften sind aus den Ständevertretungen der ehemaligen Fürstentümer (Landstände) hervorgegangen:

Geschichte [Bearbeiten]

In den Landschaften waren ursprünglich der Klerus, die regionalen Ritterschaften (Besitzer der landtagsfähigen Güter) sowie die größeren Städte vertreten. Mitte des 19. Jahrhundert traten anstelle des Klerus die grundbesitzenden Bauern und bildeten fortan den 3. Stand. Während die Ritterschaften und Städte ihre Deputierten nach wie vor selbst entsenden, werden die Vertreter der Bauern heute nach Vorschlag durch die regionalen Agrarverbände von den Kreistagen gewählt.

Daneben gibt es Einrichtungen, die sich in einer losen Tradition dieser historischen Landschaften sehen und kulturellen Belangen sowie regionaler Identität verpflichtet fühlen. In Gebieten, in denen keine historischen Landschaften mit ständischer Verfassung mehr existieren, nennen sich diese modernen Verbände ebenfalls Landschaften, da dort keine Verwechslungsgefahr mit den älteren Einrichtungen besteht. Beispiele sind die Emsländische Landschaft und die Oldenburgische Landschaft. Auch soll durch diese Namensgebung zum Ausdruck kommen, dass man eine historische regionale Identität wieder aufgreifen und beleben will.

Im Gebiet des ehemaligen Königreichs Hannover wurde dagegen für die modernen Einrichtungen meistens der Name Landschaftsverband gewählt, weil dort nach wie vor die ständisch verfassten Landschaften existieren (sie sind in der Karte unten nicht dargestellt). Von diesen ging in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Initiative zur Gründung der neuen Verbände aus, neben den Landkreisen und Städten sind diese historischen Landschaften Mitglieder im jeweiligen Landschaftsverband.

Aufgaben und Rechtsgrundlage [Bearbeiten]

Nds land.png

Die Aufgaben der niedersächsischen Landschaftsverbände beschränken sich auf die Kulturförderung. Dagegen nehmen sie in Nordrhein-Westfalen auch soziale Aufgaben wahr. Die Landschaftsverbände in Niedersachsen sind daher nach Finanzvolumen und Personalbestand deutlich kleiner. Die 1464 gegründete Ostfriesische Landschaft ist als einzige in einem kontinuierlichen Prozess aus den früheren Landständen hervorgegangen und mit weitem Abstand die älteste. Sie und die Oldenburgische Landschaft sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Alle anderen Landschaftsverbände sind eingetragene und gemeinnützige Vereine.

Nach Auflösung der Regierungsbezirke 2004 in Niedersachsen wurden zwischen den Verbänden und dem Land Niedersachsen Verträge geschlossen, in denen die Landschaftsverbände offiziell als regionale Träger kultureller Aufgaben ausgewiesen wurden.

Weblinks [Bearbeiten]